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Wöchentlich

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Drahtanschrift: Tagblatt Wiesbaden.

Größte Auflage

aller Tageszeitungen Groß-Wiesbadens.

Postschecklonto: Frankfurt ll. M. Sir. 7405.

Nr. 222,

Freitag, 16. August 1935

83. Jahrgang.

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Die Donnerstag-Unterredungen.

1700000 Menschen auf der Flucht

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Fernsprecher^ammel-Nr. 59631. Berliner Büro: Berlin,Wilmersdorf.

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Die Hochwasserkatüstrophe am Gelben Flutz.

Schanghai, 16. Aug. Die Hochwasserkatastrophe am Unterlauf des Gelben Flusses nimmt immer größere Ausdehnung an. Trotz verzweifelter Abwehrmaß- nahmen reißt die ungeheuere Flutwelle ständig neue Dämme ein. Regengüsse von unglaublicher Stärke brachten in Nordschantung innerhalb von 40 Tagen eine

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Seschkiftrzeit: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, außer Sonn- und Feiertags.

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feilte Dreier-Besprechungen in Paris. — Englands Drohung. — Französischer Pessimismus

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Niederschlagsmenge von 67 Zentimeter, so daß noch kein Ende der Überschwemmungen zu übersehen ist.

Der Vorsitzende des Ausschusses zur Regulierung des Gelben Flusses teilt mit, daß das überschwemmte Ge­biet in Westschantung etwa 6000 Quadratkilometer umfaßt. Die B e r l u st e an Menschenleben und Material sind nicht abzuschätzen. Die unermüdliche Tätigkeit der Bergungsmannschaften wird durch Sturm sehr erschwert. Richt weniger als 30 Rettungsboote kenterten. Dabei ertranken allein über 300 Menschen.

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Die Flüchtlingszahl in der Provinz Honan amtlich mit 1700 000 angegeben. Die Regierung unterstützt von zahlreichen privaten Gesellschaften, eine großzügige Hilfsaktion eingeleitet, die im ganzen Lande starkes Echo findet. Kantonefen stifteten 60 000 Dollar und die Überseechinesen aus der Südsee, aus Siam und Südafrika über 100 000 Dollar zur Durch­führung des Hilfswerkes.

Zn Südhopei find die Deich« des Hanflufies ge­brochen. 500 Dörfer wurden überschwemmt, 30 000 Häuser stürzten ein. Die Reisfelder im Umfang von mehreren tausend Quadratkilometern sind vernichtet. Überall herrscht Hungersnot. 400 000 Flüchtlinge lagern auf Hügeln oder warten auf Bäumen Dächern, daß ihnen Hilfe gebracht werden soll. Tagen nähren fich Tausende von Baumrinde.

Der Waliser eröffnet den Wahlkampf.

Lloyd George, der bekannte Gegenspieler der Rationalen Regierung, hat am Mittwochabend seine angekündigte große Wahlrede in einer Versammlung des Eewerkschaftsausschusses, also vor Mitgliedern der Arbeiterpartei, gehalten und damit wohl als erster eng­lischer Politiker aktiv in den allmählich beginnenden Wahlkampf eingegrissen. Seine Ausführungen zeich­neten sich durch den gewohnten Elan und die bekannte Aggresivität des Wallisers aus.

Er ging mit der Nationalen Regierung und ihrer Politik sehr scharf ins Gericht und stellte zunächst ein vollkommenes Versagen auf dem Gebiet der Außen­politik fest. Allerdings hat Lloyd George trotz seinem ausführlichen Eingehen auf die Fehler, die nach seiner Ansicht die Kabinette Macdonald und Baldwin gemacht haben, bedauerlicherweise nur negativ kritisiert, ohne einen aufbauenden Weg zu zeigen. Dies muß unter allen Umständen als eine große Schwäche der Rede ge­wertet werden, da der Engländer im Grunde viel zu realpolitisch und nüchtern denkt, als daß er sich nur von Kritikern dieser Art, die keinen besseren Weg weisen, beeinflussen ließe. Der alte Kämpfer wählte wieder einmal äußerst scharfe Worte und bezeichnete es als eine Katastrophe für Großbritannien, falls die Anhänger­schaft der Nationalen Regierung in den kommenden Wahlen wieder eine Mehrheit erhalten sollte. Dieser Feststellung folgte ein scharfes Ab rücken von der Linie der gegenwärtigen Völkerbunds­politik, wobei Lloyd George den Völkerbund mit einer stumpfen Säge verglich, die nicht mehr zum Schneiden tauge, sondern dann besser beiseite gelegt werde. Die Opposition gegenüber der Regierung Hätte nach seiner Ansicht anders gehandelt, sie würde den Völkerbund vor der gegenwärtigen Blamage mit allen Mitteln geschützt haben. Aber auch hier ver­schwieg Lloyd George, was eigentlich hätte geschehen sollen, um die Zuspitzung des Abessinienkonfliktes und die damit eventuell verbundene Lahmlegung der Genfer Institution zu vermeiden.

Daß die wirtschaftspolitischen Gedankengänge einen breiten Raum in der Rede einnahmen, versteht sich von selbst, nachdem es Lloyd George war, der vor wenigen Monaten mit einem großen wirtschaftspolitischen Plan an die Öffentlichkeit trat, der das Gespenst der Arbeits­losigkeit bannen und die Gesundung der Finanzen zur Folge haben sollte. Nachdem die Regierung nach ein­gehender Prüfung den sogenannten „Neuen Plan" des alten Politikers abgelehnt hatte, blieb Lloyd George nur noch die Flucht in die Öffentlichkeit, eine Möglich­keit, die er gründlich ausnutzte. Auch hier sparte er nicht mit eindrucksvollen Vergleichen und bezeichnete den Zustand Englands als den eines Malariakranken, der immer wieder von Fieberschauern geschüttelt werde. Als kluger Politiker, der zum mindesten ein Wahl-

Halten gebracht. Die Banditen, die durch die übliche blaue Gendarmerie-Uniform getarnt waren, verschleppten die vier Insassen des Wagens. Etwas später wurden zunächst der «Mhrer und der Diener freigelassen, um Lösegeldforderungen M überbringen. Es kam schließlich zu Verhandlungen mit Vertretern bei lokalen Behörden, die dazu führten, daß Dr. Müller zu Verhandlungen über das Lösegeld gleichfalls frei­gelassen wurde. Besprechungen in Kalgan ergaben völliges Einvernehmen über das zur Befreiung Jones' einzuschlagende Verfahren, für dessen vollen Erfolg die Tschachar- regierung die Garantie übernahm. Später wurde ge- meldet, daß Jones nach D s ch e h o l verschleppt worden sei. Das nach Paotschang geschickte L ö s e g e l d hatten die Ban­diten nicht abgeholt. Die Bemühungen, die Freilassung Jones' zu erreichen, wurden dadurch außerordentlich erschwert, daß die Entführer Jones schließlich einer anderen Vanditen- gruppe übergaben, die die Loiegeldforderung auf 100 000 Dollar erhöhte. Alle Versuche, Jones aus den Händen der Verbrecher zu befreien, sind nun nach der Reutermeldung leider vergeblich gewesen.

Anzeigenpreise: Ein Millimeter Höhe der 22 Millimeter breiten Spalte int Anzeigenteil Grund» preis 6 Rpf., der 85 Millimeter breiten Spalte im Tertteil 45 Rpf., sonst laut Preisliste Nr. 3. Nachlatzstaffel C. — Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen und Plötzen wird leine Gewähr Übernommen. — Schlug der Anzeigen-Annahme 10 Uhr vormittags. Erötzere Anzeigen müssen spätestens einen Tag vor dem Erscheinungstage aufgegcben werden.

La?; 1.6- Aug. .(Drahtbericht unserer Berliner Woteiluug.) Mit dem denkbar größten Interesse ver- ” der ganzen Welt di« Pariser Besprechun- ». Überall ist man sich kar darüber, daß hier eine Mntscheroung fallen muß und daß man nicht zu beliebten Mittel der Vertagung greifen paim. Wohl käme man darüber hinweg, daß sich der MUerbundsrat mit der abessinischen Frage befassen Muß, falls nicht bis zum 4. September ein wesentlicher l Fortschritt erzielt ist; jedoch das Ende der Re gen- Wert in Abessinien, das etwa anfangs bis Mitte hdes nächsten Monats eintreten wird, erzwingt die M n t^! ch e i d u n g. Selbst Mussolini kann sich auf We. Dauer nicht mit kriegerischen Vorbereitungen be- Mugen und kann nicht weiterhin Geld für mobilisierte Mruppen, für Transporte, für die Entlohnung der Ar- tzeiter ausgegeben, sondern muß marschieren lassen, Wenn er nicht einen anderweitigen großen Erfolg da- Won trägt., Die Engländer aber wollen den Krieg ver- Mndern, nicht um der schönen Augen des Völkerbundes ^Men, sondern weil dieser Krieg zu einer Bedrohung ges britischen Weltreiches werden kann und weil er die Mgländer wahrscheinlich zwingen wird, sehr erhebliche Mäste zu-r Sicherung ihres Kolonialreiches einzusetzen. Mehr verständlich unter solchen Umständen, daß Eden W um die Unterstützung Lavals bemüht. Wenn der Maily Telegraph" richtig unterrichtet ist — zum Teil Wird das bestritten -—, so hat Eden bereits durch« Micken lassen — das Wort Drohungmeidet man ja pei diplomatischen Gesprächen —, daß England Mch von der Festlandspolitik ganz zurück« Mehen und Donaupakt Donaupakt und Ostpakt Ost- Mkt sein -lasse und für seine Sicherheit durch zweiseitige Wrträge sorgen werde. Tatsächlich dürfte man in Mndon einen solchen radikalen Umbau der englischen Außenpolitik durchaus nicht .wünschen. Man hat in gMaöon weder Neigung, den Völkerbund aufzugeben, rw den sich doch erst vor kurzem die Mehrheit der eng- Wchen Wähler in einer privaten Abstimmung -ausge- Wochen hat, noch auf die Zusammenarbeit mit Frank- tzlrich zu verzichten. Es bleibt also die Frage offen, ob » sich bei den angeblichen oder tatsächlichen Äutzerun- Wen Edens sich nicht um taktische Erwägungen Mandelt hat, oder ob London wirklich im Notfall an Men völligen Kurswechsel denkt. Immerhin sind in Maris die Worte Edens oder auch die Erklärungen M „Daily Telegraph" nicht ohne Wirkung geblieben. Menfalls findet man die Situation als höchst un- Uemütlich, da man fürchtet, plötzlich vor die Ent- Meidung gestellt zu werden, ob man mit England oder Mi Italien gehen wird. Man glaubt im allgemeinen Mer zu fahren, wenn man sich auf der Seite der Eng- Mnder hält, da Italien zu den fordernden Staaten ge- Mrt. Auf der anderen Seite weist der französische l§kuerolstab aber darauf hin, daß das Abkommen mit Walien es Frankreich ermöglicht, sehr erhebliche Kräfte IM den Grenzen gegen Italien abzuziehen und sie an Mr Grenze gegen Deutschland einzusetzen. So hat man M Paris mit einem Male das Gefühl, als ob gar nicht Italien und England vor einer Entscheidung Mnden, sondern als ob plötzlich aus diesem Konflikt die Mangenehmsten Folgen für Frankreich seine Schiedsrichterrolle entstehen könnten. Gewiß im Augenblick die Taktik bei den Pressever- Wentlichungen noch eine wesentliche Rolle. Aber die ^^vierigkeit liegt, wie gesagt, darin, daß man zu einer

Ter Banditenüberfall auf die beiden Pressevertreter er« ", wie erinnerlich, in einem abgelegenen Gebiet zwischen °nor und Kalgan. Jones und Müller befanden sich auf r Rundfahrt im Kraftwagen durch den Osten der ^arprovinz. In der Nähe der chinesischen Siedlung

Tahuofang wurde ihr Kraftwagen durch Schüsse zum

S- Sur eine Bezugszeit von 2 Wochen 94 Rpf für einen Monat

I schließlich Traglohn. Durch die Post bezogen RM 2 tt w w i.u a cn?

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Gareth Jones von den Banditen ermordet.

Das Lösegeld nicht abgeholt.

^London, 16. Aug. (Eigene Drahtmeldung.) Nach einer ^ermeldsng aus Peiping, ist der britisch« Journalist '^reth Jones, der vor etwa zwei Wochen znsammen “ knt DNB.-Bertreter Dr. Müller von Banditen ge= genommen worden war, von den Verbrechern g e - F* t worden. Sones war früher Sekretär Lloyd Georges.

Entscheidung in diesen Verhandlungen kommen muß.

Rein äußerlich liefen die Dinge gestern so, daß vor­mittags die Besprechungen Lavals mit Aloisi stattfanden, in denen der italienische Vertreter erklärt haben soll, daß Italien gewiß nicht die internationalen Schwierigkeiten verkenne, daß es aber zu den ergriffe­nen Maßnahmen durch lebenswichtige Interessen ge­zwungen fei und daß ihm mit wirtschaftlichen Zuge­ständnissen allein nicht gedient sei. Am Nachmittag hatte Laval dann eine weitere Besprechung mit Eden. Man scheint aber kaum weiter gekommen zu sein, spricht doch auch die französische Presse von besorgten Ge­sichtern, di« es nach den Unterredungen gegeben hätte. Heute beginnen nun die eigentlichen Be­sprechungen zu dreien.

Am Tana-See gebietet England Halt.

London, 15. Aug. Der „Star" bringt die sensationelle Behauptung, Eden sei ermächtigt worden, dem italienischen Vertreter Baron Aloisi gegenüber zum Ausdruck zu bringen, daß die italienischen Truppen im Falle eines Einmarsches in Abessinien vor den Grenzen der britischen Konzessionen am Tana-See Halt machen müßten. Diese Konzessionen habe Italien im voraus vertraglich anerkannt, und kürzlich habe sich die abessi­nische Regierung zum Abschluß eines Abkommens bereit er­klärt, das lediglich noch der forma-len Unterzeichnung bedürfe. Eden fei weiter zur Abgabe der Erklärung ermächtigt worden, daß England nicht gewillt fei, den wirtschaftlichen Aufstieg des Sudans und Ägyptens durch eine italienische Kontrolle über die Quellgewässet ms Blauen NilS gefährden zu lassen.

Der Standpunkt Abessiniens.

Paris, 16. Aua. Wer die Unterredung zwischen Laval und dem abessinischen Gesandten in Paris glaubt man zu wissen, der Gesandte habe noch einmal im Auftrage seiner Regierung erklärt, daß Abessinien jedes Mandat ab lehn« und seine vollständige Freiheit zu behalten wünsche. Man hält es aber trotzdem nicht für ausgeschlossen, daß der abessinische Kaiser wenn es darauf an kommt, bereit 1-ein wird, sehr weitgehende Zugeständnisse zu machen. Auf den Genfer Rat und den Völkerbund, so er­klärt der Sonderberichterstatter der Agentur Havas weiter, setz« man in abessinischen Regierungskreisen keine zu großen Hoffnungen. Man sei vielmehr der Ansicht, daß wenig Aus­sicht für eine friedliche Regelung in Genf bestehe, wenn es der Pariser Konferenz nicht gelinge, eine Verständigungs- arundlage zu finden. In anderen Kreisen lenke man die Äufmerkjamkeit auf den Umstand, daß der abessinische Kaiser in seiner letzten Rede wohl von der Unabhängigkeit -und Souveränität seines Reiches, nicht aber von der Unteilbarkeit gesprochen habe und schließe daraus, daß er bereit sei, gebietsmäßige Zugeständnisse zu machen, deren Umfang von -dem Verlauf der Besprechungen abhängen werde.

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