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Das baltische Meer.

Das deutsch-englische Flottonabkommen und der sich daraus ergebende Wiederaufbau der deutschen Flotte haben die französische Propaganda um ein S chl ag- w o r t bereichert, von dem sie im Norden und Osten Europas reichlich Gebrauch macht. Mit der Aufrüstung zur See habe sich Deutschland, so wird gesagt, zum ab­soluten Herrn in der Ostsee gemacht und bedrohe damit die Selbständigkeit zunächst der kleinen neugeschaffenen Staaten, die an das baltische Meer angrenzen, also Lettlands und Estlands, dann aber auch die der nörd­lich der Ostsee liegenden Staaten, Finnlands und Schwedens. Das Schlagwort tritt bei allen nur mög­lichen Anlässen in seiner ganzen anspruchsvollen und selbstsicheren Allgemeinheit auf, ohne daß erklärt wird, inwiefern eine starke Flotte Deutschlands für Staaten gefährlich werden soll, deren Existenz, wie zum Beispiel die Schwedens, geschichtlich so verbürgt ist, daß auch der tollste Imperialismus daran nicht rütteln könnte. In­des die Selbständigkeit der andern durch Berträge ge­sichert, von Deutschland anerkannt ist und im übrigen den Bestandteil des politischen Gleichgewichtes im Osten Europas bildet, das nur durch eine neue euro­päische Katastrophe verändert werden könnte. Die skandinavischen Staaten haben sich auch in der Zeit, als die große deutsche Flotte nicht nur in der Ostsee, sondern auf den Weltmeeren Wenigstens mitbeherrschend war, weder in ihrer Existenz, noch in ihren Interessen be­droht gefühlt. Es ist nicht einzusehen, warum dies jetzt anders geworden fein sollte, wo Deutschland in selbst- gewählter Beschränkung seiner neuen Flotte lediglich die Aufgabe des Schutzes und der Verteidigung feiner ausgedehnten Küsten in Nord- und Ostsee zugewiesen hat. Gegen wen sich dieses Bedürfnis nach Schutz und Verteidigung richtet, ist zu klar, als daß es ausge­sprochen zu werden braucht; gewiß nicht gegen Schwe­den, dessen Landungen an der deutschen Ostseeküste einer weit zurückliegenden Geschichte angehören und ge­wiß nicht gegen die kleinen baltischen Staaten, die weder das Bedürfnis, noch den Ehrgeiz haben werden. Mit großen Kriegsflotten aufzutreten. Das ganze Schlagwort von der Bedrohung der Ostfee- st aalen durch die wiedererstandene deutsche Flotte ist ein leeres Gerede, was freilich nicht ausschließt, daß es da und dort als Hilfsmittel und Er­gänzung einer schon vorhandenen politischen Animosität gegen Deutschland seine Dienste getan hat und noch tut.

Das größere Ziel, das die französische Politik mit dem deutschen Flottenschreck in der Ostsee verfolgte, war, ihn zur Grundlage und zum fördernden Stimmungs­moment Mr einen politischen Zusammenschluß der drei baltischen Staaten, Litauen, Lettland und Estland, wo­möglich mit Einschluß Finnlands, zu machen und diesen Staatenbund durch seinen Anschluß an das französisch­sowjetrussische Bündnis vermittelst des Nordostpaktes zu einem Teil des gegen Deutschland gerichteten Ver­tragssystems werden zu lassen. Dies ist bisher bekannt­lich selbst bei den drei kleinen baltischen Staaten nicht eindeutig gelungen, denn sie haben sich mit Rücksicht auf Polen die letzte Entscheidung noch vorbehalten, während Finnland ganz klar seine Abneigung ausgesprochen hat, in dieses System einzutreten. Polen und Finnland sind auch die entscheidenden Widerstände geblieben, an denen bisher der französisch--sowjetrussische Plan gescheitert ist, den Nordosten Europas unter einen gemeinsamen anti­deutschen Vertragsnenner zu bringen. Sicher hat man in beiden Staaten die deutsche Flottenaufrüstung in ihren politischen Wirkungen sehr aufmerksam verfolgt, aber man ist offenbar zu dem Ergebnis gekommen, darin weniger eine Bedrohung, als eine neue Garantie gegen eine andere Gefahr zu sehen, die die Ruhe und den Bestand der ehemals dem Russischen Reich ange­hörenden Staaten unsicher macht. Der Pariser „Temps", der anläßlich des Besuches des polnischen Außen­ministers Beck in Helsingfors diese Tatbestände regist­riert, ist geneigt, die finnische Politik auf die freund­schaftlichen und dankbaren Gefühle Deutschland gegenüber zurückzuführen. Diese Gefühle bestehen, wie wir mit Genugtuung feftstellen. Aber sie hätten sicherlich nicht ausgereicht, wenn nicht die wirklichen Interessen Finn­lands dieselben Wege weisen würden. Das Schlagwort von der deutschen Gefahr mußte und muß dort versagen, wo aus der Geschichte, der geographischen Lage und nicht zuletzt aus den Erfahrungen der Tagespolitik das Be­wußtsein lebendig ist, daß die wirkliche große Gefahr vom Osten droht und in dem Bedürfnis Sorojettuß- lands nach ideeller und machtpolitischer Ausbreitung besteht.

Die Zusammenkunft Becks mit item finnischen Anßen- minister Hackzell in der finnischen Hauptstadt ist so zu­nächst als eine Bekräftigung dieses Finnland und Polen gemeinsamen Bewußtseins der bolschewistischen Gefahr zu werten. Die Hoffnung Frankreichs auf den großen baltischen Zusammenschluß, unter dessen Druck sich viel»

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9h?. 221

Donnerstag, 15. August 1935

83. Jahrgang.

Morgen Dreierverhandlungen.

X

Kein fertiger Plan der englischen Abordnung

ng-

den Partei

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Die internationale Situation huch die SomjeWrille WW

5 Listenführers Ercoli zum vierten Punkt der Gesamttages- A fchnung — „Borbereitung eines imperia­

listischen

F-rnfprecher-Sammel-Nr. 59631.

Berliner Büro: Berlin-Wilmersdorf.

6»

machen. Der Berichterstatter betont, daß „bisher" von einem Streit zwischen England und Italien keine Rede sei, und baß nicht nur Frankreich, sondern auchEng land als Vermittler handele. Laval scheint diesem Bericht zufolge Eden gegenüber privat über mangelhafte diploma­tische Vorbereitung der Dreimächtekonferenz geklagt zu haben. Die französische und die britische Regierung sollen im übrigen bezüglich ihrer Pflichten als Mitglieder des Völkerbundes der gleichen Ansicht fein.

London, 15. Aug. Der Pariser „Times"-Berichterstatter meldet, die britische Abordnung habe keinen fertigen Plan mitgebracht. Sie fei der Ansicht, daß es nicht an Ei

land sei, Bedingungen vorzuschlagen, die vielleicht von Italien oder Abessinien abgelehnt werden würden. Die ft reiten«

Geschäftszeit: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, außer Sonn- und Feiertags.

ngen Deutschlands und Japan s“, die nach An- t des roten Weltpolitikers die schon bestehenden Gegen-

■t Bericht des italienischen Kommunisten führers Ercoli.

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auch kaum, -daß es besonderen Eindruck auf Italien machen wird, wenn man in Paris darauf verweist, daß der Völkerbundsrat sich mit dem abessinischen Streitfall befassen würde, falls nicht bis zum 4. September ein wesentlicher Fortschritt erzielt sein sollte. Italien hat nie einen Zweifel daran gelassen, daß es unter Um­ständen den Völkerbund verlassen würde, und so wird man auf diesem Wege kaum weiterkommen. Die Lage ist im ganzen also heute noch genau so wie gestern und man wird wohl noch etwas Geduld üben müssen, ehe man sagen kann, ob die Dreierverhandlungen über­haupt Aussicht auf Erfolg bieten oder ob sie zum Scheitern verurteilt sind. Inzwischen hat sich Abes­sinien mit einer neuen Beschwerde nach Genf gewandt, nämlich darüber, daß Italien die kriegerischen Vorbereitungen fortsetze, während es Abessinien so gut wie unmöglich sei, irgendwo Waffen zu kaufen. Man wird in Genf auch diese Note zu 1) e n übrigen legen.

en selb st Vorschläge

Die Pariser Besprechungen.

Heute Zusammenkunft Laval-Aloisi. — Italienische Presseangriffe gegen England Eine unwirksame Drohung. — Neuer abessinischer Protest.

j^SZoslau, 15. Aug. (Eig. Drahtmeldung.f Die dritte Woche des siebenten Kongresses der kommunistischen Jnter- Wionale wurde mit einem Bericht des italienischen Komrnu-

offenbare Verletzung der Völkerbundssatzung und des Paktes von Paris erhoben. Niemand könne auch nur einen Augen­blick lang glauben, daß die Pariser Unterhaktungen und der Schlichtungsausschuß mehr tun würden, als Zeit zu ver­geuden. Mussolini habe die ausgesprochene Absicht, den Völkerbund herauszufordern. „Wird der Völkerbund die Herausforderung annehmen? Wenn er es nicht tut, dann ist es mit ihm zu Ende". Lord Snowden schließt: Die inter­nationalen Verwicklungen, die entstehen werden, sind furcht­bar, um auch nur daran zu denken. Die farbigen Völker werden von einem Gefühl der Zusammengehörigkeit er­griffen und in den europäischen Kolonialbesitzungen wird es bestimmt ernste Unruhen geben. Wenn Mussolini mit seinem abessinischen Abenteuer Erfolg hat, wird fein nächstes Unter­nehmen fein, Österreich zu einer italienischen Provinz zu machen. Die ,jetzige Lage enthält alle Voraussetzungen für einen neuen Weltkrieg".

Ernste Warnungen Lord Snowdens.

London, 14. Aug. 3n einem Brief an die „Times" reibt Lovd Snowden, die Verschleppungstaktik des slkekbunidsrates, für die die britische und die französische 'erung die Hauptoerantwortung trügen, komme offen- ich Italien zugute, besten nächstes Ziel es sei, Zeit für Beendigung feiner Kriegsoorbereitungen zu gewinnen, ufsolini habe es reichlich klar gemacht, daß er ssinnen angreifen werde, sobald die klimatischen Be­ugen geeignet feien, und habe es ebenso deutlich ge- t, daß er den Krieg so lange fortfetzen werde, bis er jjinien völlig erobert habe. Keine formelle Kriegs- 'nung könne endgültiger fein als die bis- erige Handlungsweise Mussolinis. Der nninbsrat habe diesen Vorbereitungen für einen nicht vausgeforderten Angriff auf ein anderes Völkerbundsmit- ied ohnmächtig zugesehen und keinen Widerspruch gegen die

fätze zwischen den Staaten nicht nur in Europa, sondern der ganzen Welt noch verstärkt hätten. Dabei versteigt sich Ercoli M der dreisten Lüge, in Deutschland fei eine Partei an die Macht gekommen, die offen erkläre, daß ihr unmittelbares Ziel darin bestehe, „einen Krieg gegen die Sowjetunion zu unternehmen, die revolutionäre Arbeiterbewegung zu zer­schlagen und die Bestrebungen zur nationalen Befreiung der geknechteten Völker auf der ganzen Erde zu vernichten."

Da man in Moskau natürlich auch gewisse außenpolitische Rücksichten nehmen muß, kommt Frankreich in der Hetz­rede Ercolis recht glimpflich davon. Dagegen wird die, wie der Redner sich ausdrückt, „koloniale und kriegerische Expansion Italiens in Ostafrika" tadelnd als Bei­spiel dafür angeführt, daß der Faschismus „auf Grund feiner Politik unweigerlich in den Krieg hineinwachse".

Der Schluß ber Rede war von langatmigen Friedens- phrafen angefüllt, die sich aus dem Munde des roten Hetzers besonders überzeugend ausnahmen. Sie gipfelten in der Er­klärung, daß „die kommu-nistifche Internationale im Interesse der getarnten Menschheit einen Kreuzzug zum Schutze des Friedens und der Sowjetunion antrete . (!)

■ »Die jetzige Lage enthält alle Voraussetzungen für einen neuen Weltkrieg."

Krieges unb die Aufgabe der «minter n" — abgeschlossen. Die Rede Ercolis füllte * Dienstaa-Abenbsitzung sowie die Mittwoch-Bormittags- Sllirg des Äominternf ongieffes fast vollständig aus. Der Eenische Kommunistenführer malte in seiner Dauerrebe ein üb ber internationalen Lage wie sie sich in den Köpfen ber vkniunistischen Internationale widerspiegelt. Danach werde kolge ber Krise des Kapitalismus und des Überganges ber «wrgeoisie zur faschistischen Regierungsform bie Gefahr Ys imperialistischen Krieges immer größer. (!) Besonders es natürlich bie „imperialistischen Bestie-

2 | as. Berlin, 15. Aug. (Drahtbericht unserer Berliner er« lbteilung.) Den gestrigen Besprechungen zwischen Laval und Eden folgen heute Besprechungen des französischen Ministerpräsidenten mit dem italienischen g Vertreter BaronMoisi. Dar auf wird man sich denn morgen

3.3 zu dreien an den Verhandlungstisch setzen. Man steckt MZ lso noch im allerersten Vordereitungs- adium und es ist deshalb auch ganz unmöglich, ~ " rgendetwas Positives über die Aussichten der Verhand- ngen, die sich zudem hinter gut verschlossenen Türen 'pieken, zu sagen. Wenn es dennoch hier und dort der internationalen Presse geschieht, so handelt es sich diglich um Vermutungen. Allerdings hat Eden gestern 'bst, als ihn ein eifriger Journalist fragte, ob er noch end eine Hoffnung auf ein Gelingen der Konferenz ibe, erklärt „Hoffnungen gibt es immer." Aber man tis|®irb doch wohl gut tun, diese Worte nicht zu über- ^'tzen. Wir können im Augenblick nur feststellen, daß e italienische Presse sich wieder einmal t großer Schärfe gegen England wendet.

ta wirft ihm, wie schon so ost, vor, daß es ein Fest- n Italiens in Abessinien verhindern wolle, weil land selbst bei der nächsten Gelegenheit dort Fuß n möchte. England wünsche eben Italien in der rigen Lage, in der es sich befinde, dauernd fest- lten und es weiterhin atm und von Rohstoffen ent- t in seinem Meer eingeschlossen zu lassen. Ja, die ienischen Blätter machen jetzt sogar wieder einmal Mylcmd für den Ausbruch des Weltkrieges verant- lich. Das alles sieht nicht gerade nach Verständigung aus, wenn dieser neue Vorstoß der italienischen Presse vielleicht auch in erster Linie den Zweck hat, die Pariser Besprechung Aloisis vorzube­reiten und zu unterstützen. Andererseits aber glauben wir

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