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. Sch-n«nd-rg',ch« H-fbuchLruck-r-i/.i-gbl-m.tz-»,-. Wöchentlich 7 Ausgaben mrfl. „ Erscheinungszeit:

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werltäglich nachmittags, Samstags »ar- u. nachmittags

mit einer

Wahtanschrift: Tagblatt Wiesbaden.

Postscheckkonto: Frankfurt M. 9fr. 7405.

Nr. 220.

Mittwoch, 14. August 1935

83. Jahrgang.

Moskau, 14. Aua. (Eig. Draht Meldung.) Der „treu er- »eobte Mitkämpfer Stalins", der „Steuermann der Komin-

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Dimitroff der „Steuermann der Komintern" hält sein Schlußwort. •

Geschäftszeit: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, außer Sonn- und Feiertags.

.Mangel an Menschen" und »denkfaule Genossen"

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Ces gibt deshalb auch Politiker, die glauben, daß Eng­land sogar zu Zugeständnissen in Europa bereit sei und sich beispielsweise zu der bisher stets abgelehnten Garantie für Österreich verstehen würde, wenn man aus diese Weise den Frieden erhalten könnte. Es gibt auch Leute, die meinen, daß Italiens Hal- tung nich t mehr ganz so stur sei, wie noch vor verhältnismäßig kurzer Zeit, was wohl darauf zurück- zufuhren sein könnte, daß die kriegerischen Vorbereitun­gen in Eritrea, wie ein englisches Blatt berichtet, keineswegs so gut seien wie das für einen afrikanischen Krieg nötig wäre, wobei ganz besonders die Trink- wasserversorgung im argen liegen soll. Alles das sind aber Nachrichten, die sich schwer oder garnicht nach- prüsen lassen. Es läßt sich im ganzen nur sagen, daß vie Engländer den Krieg zu verhindern suchen und daß Laval die schwierige Aufgabe hat, zwischen der eng­lischen und der italienische Auffassung zu vermitteln. Dabei will man wissen, daß Laval ohne bestimmte Pläne in die Verhandlungen geht, daß er sich vielmehr erst von beiden Parteien in das Bild setzen lassen will, um dann seinerseits mit einem Vevmittlungsoorschlag hervorzutreten. Es ist vielleicht möglich, daß man nach endlosen Besprechungen das anrüchige Wort Krieg irgendwie vermeiden wird. Es ist nur die Frage, ob man damit auch die Sache selbst verhindert oder sie nur unter der Flagge „koloniale Operation" oder „P 0 l i z e i a k t i 0 n“ segeln lassen will. Denn selbst, wenn man sich fetzt in Paris über eine Aufteilung Abessiniens in Zonen oder Mandate einigt, so ist es immer, noch recht fraglich, ob sich die Abeffinier mit einer solchen Lösung einverstanden erklären werden, worauf dann also, behüte Gott kein Krieg, wohl aber die Polizeiaktion und die „friedliche Durchdringung" beginnen müßte, womit auch Genf wieder einmal ge­rettet wäre.

Politische Erdstöße in Fernost.

Sozusagen über Nacht ist der Ferne Osten wieder rn das Schsinwerferlicht der großen Weltpolitik geraten, und zwar durch gleichzeitige Geschehnisse in Japan und m, China, die geeignet erscheinen, das Verhältnis der beiden rivalisierenden Nationen stärker zu beein­flussen.

In Tokio hat sich das Attentat auf Generalmajor Nagata ereignet und eine Ministerkrise ausgelöst. Zur gleichen Zeit hat in China nicht nur der bisherige Außenminister Wangtschingwei seine Demission ange­boten, sondern darüber hinaus habe der Industrie- Minister, der Eisenbahnminister und der Kriegsminister, der gleichzeitig Vorsitzender des Peipinger Militärrates ist, ihre Rücktrittsgesuche eingereicht. Es ist sicherlich eine Verkettung von Zufällen, daß diese Ereignisse zeitlich fast zusammenfielen. Trotzdem liegen die Gründe für diese Geschehnisse bedeutend tiefer und be­rühren die politische Linie in der China-Japan-Frage aufs engste. In China hat man denn auch sofort nach dem Attentat auf Generalmajor Nagata die Über­zeugung, ausgesprochen, daß nunmehr der radikal- militaristische Zirkel innerhalb der japanischen Armee den Sieg davon getragen habe, und man befürchtet viel­leicht nicht mit Unrecht ein neues aktives Vorgehen der Kwantung-Armee in Nordchina. Alles wird davon ab­hängen, wie sich die Tokioter Verhandlungen gestalten, da bekanntlich die zuständigen Stellen der Ansicht sind, daß Kriegsminister Hayaschi im gegenwärtigen Augen­blick sozusagen unter dem Lauf der Pistolen nicht zurück­treten dürfe. Es ist auch heute noch nicht zu erfahren, wie sich die Dinge weiter entwickeln werden, da man nach asiatischer Gewohnheit in aller Ruhe und Stille diese schwierigen Probleme zu lösen versucht. Sollte allerdings der radikale Flügel des Militärs in Tokio bestimmenden Einfluß erhalten, so würde die Nord- China-Fr age wahrscheinlich in ein neues und sehr akutes Stadium treten, wobei man das Endziel eines neuerlichen Vormarsches unschwer voraussehen kann.

Noch verwickelter liegen die Dinge in China selbst, da man offiziell keine Gründe für den Rücktritt dreier weiterer Minister, zumal des Vorsitzenden des Kriegs­rates, geben will. Infolgedessen tappt man im Dunkeln und ist auf Vermutungen angewiesen. Tschiangkai- s ch e k, der Führer des Chinesischen Reiches, befindet sich gegenwärtig auf dem westchinesischen Kriegsschauplatz, und bekämpft dort die Bolschewiken. Er wird aller­dings in. Nanking sehnlichst zurückerwartet. Verschie­dene Gerüchte wollen davon wißen, daß Tschiangkaischek eine Diktatur nach faschistischem Muster aufziehen möchte, da der bisherige nachgiebige Kurs gegenüber den japanischen Expansionsbestrebungen seine Geduld erschöpft habe. Tatsächlich ist der Einfluß der Japaner gerade in Nordchina immer mehr gewachsen, so daß sie heute selbst rein innerchinesische Organisationen auf antijapanische Äußerungen hin kontrollieren. Die bei­den politischen Erdstöße im Fernen Osten erreichen dem­nach eine Bedeutung, die weit über ein lokales Beben hinausgeht. Die nächsten Tage werden erst volle Klar­heit darüber bringen, wie sich die Fronten in Nanking und Tokio formieren werden. Erst dann ist es auch möglich, das zukünftige Verhältnis zwischen beiden Staaten mit einiger Sicherheit zu umreißen.

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Dammbruch-Katastrophe in Ober-Italien

Viele hundert Menschen ertrunken.

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Größte Auflage aller Tageszeitungen Groß-Wiesbadens.

I Laval macht den Vermittler.

Beginn der Besprechungen mit Eden. — Eine Fülle von angeblichen Kompromiß-Vorschlägen.

England sucht den Frieden mit allen Mitteln zu erhalten.

Rom, 13. Bug. In der in Oberitalien gelegenen Stadt Ovada, die 10 000 Einwohner hat, hat sich im Laufe des Dienstagnachmittags, wie erst abends bekannt wird, ein schwerer Dammbruch ereignet. Der Flug O r b a trat über die Ufer und riß einten Damm ein. Die Wasiermassen drangen mit unheimlicher Schnelligkeit in die Stadt ein und zer­störten mehrere Häuser. Wie verlautet, ist nicht der Ort Ovada selbst, sondern vielmehr das Dorf Ako la re am schwersten betroffen worden. Es liegt in unmittelbarer Nähe des Sees Orbicella, der von den beiden Flüssen Orba und Stura gespeist wird. Durch das schwere Unwetter, -das am Dienstagnachmittag nach 2 Uhr ausbrach, schwollen die Wagermasien des 20 Millionen Kubikmeter fassenden Sees stark an und brachen den Damm, der den See von dem tiefer gelegenen Dorf Molare trennt. Fast sämtliche Häuser des Dorfes stürzten ein. Man nimmt hier an, daß von iben 700 Einwohnern etwa 500 ertrunken sein können. Das Dorf ist von jedem Verkehr abgeschnitten. Bier Brücken sind durch die Waffermassen fortgertsien worden.

Rom, 14. Aug. In den spaten Nachtstunden werden weitere Einzelheiten bekannt. Amtliche Mitteilungen fehlen noch immer. Man rechnet nach ten bis jetzt vorliegenden Nachrichten mit etwa 50 Toten. Wie man hört, hat am Dienstag in der Gegend dieser Stadt ein starkes Eewittsr, verbunden mit Wolkenbrüchen und Sturm gewütet, das die Flüsie Orba und Stura und den unweit von Ovada gelegenen

Dimitroff beendete sein Schlußwort mit folgenden schwülstischen Phrasen: „Die Bourgeoisie herrscht nicht mehr ungeteilt in der Welt. Auf einem Sechstel des Erdballes regiert das Proletariat. Auf einem Riesenterritorium Chinas regieren die Sowjets. Das Proletariat besitzt einen starken revolutionären Rückhalt, die kommunistische Internationale. Eines fehlt noch dem Proletariat — die Einigkeit in den eigenen Reihen. Möge daher von dieser Tribüne in der Ezen Welt noch stärker der Kampfruf der Komintern er- llen, der Kampfruf von Marx, Engels, Lenins und Stalins."

Wie der sowjetamtliche Sitzungsbericht meldet, habe nach Schluß dieser Rede, „der enthusiastisch einsetzende Beifalls­sturm das Gemäuer des Moskauer Gewerkschaftshauses er­schüttert. (!) Nur mit großer Mühe habe der „Genosse" Pieck die Sitzung für geschloffen erklären können.

Eine Entschließung aus Grund dieses Berichtes ist in Vor­bereitung.

Zugeständnisse in Europa?

Swlin, 14. Aug. (Drahtbericht unserer Berliner ggbteuung.) Heute beginnen in Paris die Verhand­lungen zwischen Laval und dem englischen Völker- bllndsmlmster Eden, der gestern in Paris eingetroffen Vorbesprechungen über Abessinien werden k-dann am Freitag die eigentlichen $e = iprehungert zu Dreien folgen, an denen als WMrtreter stallens Baron Aloifi teilnimmt. Die Wage ist bei Beginn der Verhandlungen vollkommen MMurchftchtig. Es fehlt allerdings nicht an Meldungen Oter Kompromißvorschläge. Im Gegenteil, es r W eine überfülle solcher Meldungen vor, aber ge- rwde aus dieser Überfülle ergibt sich, daß es sich aus- , uahinslos um Kombinationen, im besten -Falle vielleicht einmal um einen Versuchs­ballon, handelt. So gibt es Leute, die meinen, daß | sozusagen der ganze Kolonialbesitz neu verteilt werden - würde und die sogar portugiesische Kolonien in ihre E Kombinationen einbeziehen, um sie als Tauschobjekt zu verwenden. Es gibt auf der anderen Seite Leute, die' Meinen, Eden werde seinen alten, in Rom schon einmal rnzelehnten Vorschlag, nach dem Abessinien in Britisch- Wonialiland einen Hasen erhält, dafür aber den i Italienern einen Eebietsftreisen abtreten soll, wieder hervorholen. Zwischen diesen beiden Vorschlägen gibt ■ e-ne Unzahl anderer Kombinationen, die aufzu- WKHlen, wenig Sinn hat. Sicher ist nur das eine, daß Mondon das allergrößte Interesse daran hat, einen Krieg zu vermeiden, von dem es, Mach den Äußerungen des stellvertretenden südafrikani­schen Ministerpräsidenten Smu ts, Äußerungen, die r pcherlich in vollem Einverständnis, wenn nicht im Auf- ... trage Londons erfolgten, ungünstige Rückwir­kungen auf das britische Weltreich befürchtet.

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, , rote Dimitroff offiziell bezeichnet wurde, erhielt in der

schung des siebenten Weltkongreffes der kommunistischen . internationale am Dienstagvormittag das Schlußwort zu : fernem vor anderthalb Wochen erstatteten Bericht. Lange be- ^or „Genoffe" Pieck die Sitzung eröffnete, war der Kolonnen- E Ml des Moskauer Gewerkschaftshauses in Erwartung eines §wßen Tages überfüllt. Dimitroff wurde bei Erscheinen auf U Rednertribüne von seinen gelehrigen Schülern stürmisch k »egrüßt.

Einleitend bemerkt Dimitroff, daß bisher noch kein l Kominternkongreß eine so ideelich geschlossene Ein- E, t i g f e i t und eine so große Geschlossenheit aufzuweisen MSchabt habe. Diese Einmütigkeit zeuge davon, daß sich bei 1 ”r Komintern das Verständnis für die Notwendigkeit, die M^herige Politik und Taktik entsprechend den veränderten X. llmständen und aus Grund der gemachten Erfahrungen umzu- > «llen. vollständig durchgesetzt habe.

^^ Ausführlich behandelt bann Dimitroff seine vier grund- ^ "ßlschen Forderungen für eine erfolgreiche Lösung der e -chsten Hauptaufgaben des internationalen Proletariats, denen in erster Linie die „Einheit des Handelns" aller

■Btrie des Proletariats im Kampfe gegen den Faschismus ge- | 1°"! 2. müßten sich die Kommunisten „verständig des We'rk- MMges der marxistisch-leninistischen Analyse bedienen", um - Lieber Lage die jeweilige Verteilung der Klaffenkräfte M-u abzuwägen und danach ihre Pläne des Handelns und Wr^Kampfes genau aufzubauen. Als dritten Punkt stellt M?Wittoif den „Mangel an Menschen" heraus; es e»> -n der kommumistifchen Sache treu ergeben kämpferische E ^k7i!chen aus bet Masse herauswachsen, mit deren Köpfen Wd- Händen die revolutionären Beschlüsse des Komiutern- MMgreffes zu verwirklichen seien. Schließlich müsse man ler- ~en> mit der Waffe zu reden, nicht etwa in der trockenen

F Äf°che auswendig gelernter Formeln, sondern mit den DOn Kämpfern für die Sache der Massen.

k Mit scharfen Worten geißelt sodann Dimitroff die unge- LM^ade Agitationsarbeit der „denkfaulenEenosse n“, e Rkasseu nur mit nichtssagenden leeren Formeln ^Wsten. Die „Züchtung" von brauchbaren Menschen fei für ^^«mmunistische Partei die allerwichtigste Lebensfrage. ■SJfcem ihm eigenen Fanatismus rief Dimitroff den kom- EiW revolutronären „Welteroberern" zu: Man müsse ler- Ig1' ständig lernen, im Kampf, in der Freiheit und im Ge- _ Man muffe lernen und kämpfen mit Stalinscher ^A^jchbafligkeit, mit Stalinscher Unversöhnlichkeit, mit Unerschrockenheit und mit Staliuschem revolutio- Geist.

«MUMpreife; Für eine Bezugszeit von 2 Wochen 94 Rpf. für einen Monat RM 2 — ein. schiiehitch Traglohn. Durch die Post bezogen RM. 2.35, zuzüglich 42 Rpf. Bestellgeld Einzel, nummern 10 Rpf. — ^ozugsbestellungen nehmen an: der Verlag, die Ausgabestellen, die crL3n höherer Gewalt ober Betriebsstörungen haben die Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung des Blattes oder auf Rützahlung des Bezugspreises.

See Orbicella ungewöhnlich anschwellen ließ. Dieses Un­wetter hatte den Dwmmbruch zur Folge. Die Fluten über­schwemmten die ganze Landschaft und zerstörten eine große Uferstraße ans einet Länge von über 20 Metern vollständig. Der Bevölkerung bemächtigte sich eine große Panik, als die Wassermassen begannen, zchlreiche Häuser zu zerstören und Vieh und Menschen wegzuschwemmen.

An der Stätte der Verwüstung.

Ovada, 14. Aug. Der Sonderberichterstatter des DZiB. meldet: _ Es ist äußerst schwierig, die genaue Zahl der Todes­opfer festzustellen, die der riesige Dammbruch gefordert hat. Die Zahlenangaüen schwanken Wischen 200 und 1000 Opfern Hauptsächlich dürften Frauen und Kinder in den Fluten umgekommen sein. Zahlreiche Leichen sind bereits geborgen worden.

Die Gegend um Ova-da, über die am Dienstag nach einem schweren Unwetter die Katastrophe hereinbrach, bietet einen trostlosen Anblick. Durch den Dammbruch ist ein Viertel der 10 000 Einwohner zählenden Stadt Ovada zer­stört worden, ebenso die Ortschaften (Eaprietta und Molare. Wo sich gestern die Wasfermassen Bahn schafften und alles mit rissen, steht heute tiefer Schlamm. Überall sieht man ein­gestürzte Häuser. Möbel und sonstige Einrichtungsgegen- stände liegen umher. Dazwischen Leichen von Menschen "und Tieren. Der Wafferdruck war gewaltig, da der Orbicella-See,

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