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Wöchentlich
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Nr. 216
83. Jahrgang.
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Samstag, 10. August 1935.
V Amerika nur Mura Witterungen?
Pariser Blätter brandmarken die bolschewistische Hetztaktik. — Wird jetzt Amerika „beglückt" ?
15000 New Harker Notstandsarbeiter streiken.
lich Anweisung gegeben habe, mit aller Energie gegen die kornmunistische Agitation vorzu- -gehen. Das erscheint allerdings doppelt erforderlich angesichts der Tatsache, daß es gelungen ist, etwa 15 000 Notstandsarbeiter in den Streik zu Hetzen. In den Vereinigten Staaten befürchtet man vielfach, daß dieser Streikbeschluß als Vorläufer schwerster Erschütterungen angesehen werden muß. Man glaubt damit rechnen zu muffen, daß unter dem Einfluß der immer rücksichtsloser vorgehenden kommunistischen Agitation der Streik sich von New Port auf alle N o t st a n d s a r b e i t e r in den Vereinigten Staaten ausdehnen wird. Die Regierung hat die Arbeiter sehr nachdrücklich vor diesem Streik gewarnt und auch andere maßgebende Stellen haben keinen Zweifel daran gelassen, daß die Streikenden Bahnbrecher des Kommunismus lin den Vereinigten Staaten seien. Man darf aber nicht übersehen, daß es in verschiedenen Teilen der Vereinigten Staaten bereits gelang, lokale Streiks zu entfesseln, die meist mit einem wüsten Terror gegen die Arbeitswilligen verbunden waren. Auch der Brand auf dem neuen amerikanischen Kreuzer „Quincy" gibt zu denken, wie ferner Gerüchte über Sabotage auf den amerikanischen Kriegsschi f f w e r f t en nicht verstummen wollen. Es sprechen also genug Anzeichen dafük, daß die Vereinigten Staaten am Vorabend großer umfangreich er kommunistischer Aktionen steh en. Vi elleicht aber sind gerade diese Aktionen und der kommunistische Aufruhr in Frankreich geeignet, der Welt nunmehr endlich die Augen darüber zu öffnen, von welcher Seite die Gefahr droht und ihr zu zeigen, wie gut die nationalsozialistische Regierung beraten ist, wenn sie alles tut, um von Deutschland die Schrecken eines solchen Aufruhrs und die „Segnungen" der .bolschewistischen Agitation, die ja in der Wahl ihrer Mittel skrupellos ist, fern zu Halten.
Kommunistische Hetze in USA.
Im Zeichen der Frontkämpfer-Verständigung Statt interalliiert, international.
London, 9. Aug. „Preß Association" meldet, daß auf dem 6. Jahreskongreß des internationalen Verbandes ehemaliger Kriegsteilnehmer, der in der zweiten Sept e mb er - woche adgshalten werden soll, folgende von der Konferenz der „British-Legion" in London zu Pfingsten d. I. angenommene Entschließung vorgelegt werden wird:
»Zur Förderung der erklärten Ziele der Legion und anderer dem interalliierten Verbände angeschlossemer Körperschaften. nämlich der Erhaltung des Friedens, ist die Zeit jetzt reif, für eine Änderung in der Verfassung dieser Körperschaft, die darin bestehen würde, daß das Wort „interalliiert" durch das Wort „international" ersetzt werden könnte, womit die ehemaligen Kriegsteilnehmer vormals feindlicher Länder zu den Organisationen des Verbandes zugelassen werden würden."
Die britische Abordnung wird von dem nationalen Vorsitzenden Major Fetherstone-Godley geführt werden, der kürzlich bei einem Besuch Deutschlands die Fühlung mit deutschen Frontkämpfern hergestellt Hat. Zum interalliierten Verband gehören mehr als 11 Millionen ehemaliger Frontkämpfer.
Wieder 122000 Arbeitslose weniger
Der Überfall auf die HI. in Krefeld.
7 Mitglieder der katholischen Zungschar die Täter.
Düsseldorf, 9. Aug. Zu dem bereits gemeldeten feigen Überfall auf eine Gruppe von Hitler-Jungen in Krefeld teilt die geheime Staatspolizei auf Anfrage ®it, daß die acht festgenommenen Täter der katholischen Jungschar an gehören.
Warschau ist befriedigt.
Die polnische Presse zur «Beilegung des Streits mit Danzig.
Warschau, 9. Aug. Die polnische Presse gibt ihrer (Befriedigung über die Beilegung des Streits mit Danzig Ausdruck. Sie bemerkt übereinstimmend, daß wirtschaftlichen Belange Polens in Danzig nun= ’Mt hinreichend sichergestellt seien. Polen habe Danzig gegenüber immer die besten Absichten gehegt. Es Derbe nach wie vor die Auffassung verteidigen, daß die Aensbelange der Freien Stadt durch die engste wirt- Mftliche Verbindung mit Polen am besten gewähr- Net seien.
Absinken der Erwerbslosenzahl auf 1754000.
Berlin, 9. Ang. Während sich der Rückgang der llrbeits- Mkeii in den Sommermonaten des Vorjahres bis auf eine W^hme um 55 000 Arbeitslose im Juli verlangsamt hatte. xWe, dem Bericht der Reichsanstalt für Arbeitsvermitt- und Arbeitslosenversicherung zufolge, d e r I u l i d. 2. den Feststellungen der Arbeitsämter eine Abnahme um Ackere 122 000 Arbeitslose. Damit ist die Zahl der Arbeitslosen auf 1 75 4 000 gesunken. Sie hat Mrach innerhalb der letzten beiden Monate die Zwei- ^uionengrenze bereits um eine viertel Million ^tersch ritten.
»Bei der Abnahme haben zu einem erheblichen Teil das ^Wewerbe und deffen Lieferindustrien sowie wegen der Wh die Witterung begünstigten Ernte die Landwirtschaft .SStöirtt. Aber auch die konjunkturabhängigen Berufe j??0! mit wenigen Ausnahmen einen weiteren Rückgang zu Zeichnen.
, 3it gebietlicher Hinsicht waren an der Entlastung des Ar
ns. Berlin, 10. Aug. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) In den französischen Hafenstädten scheint sich im allgemeinen die Lage gebessert zu haben. Fast überall ist die Arbeit wieder ausgenommen worden und auch die Ozeandampfer konnten endlich auslaufen. Trotzdem haben die Behörden auch weiterhin alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen und zum Teil auch die Polizei verstärkt. Die Kommunisten haben die Erfahrung machen müssen, daß es mit der Eroberung der Macht doch nicht ganz so schnell geht, wie sie sich das haben träumen lassen. Die französische Presse aber, so weit sie nicht Moskau bedingungslos ergeben ist, fordert die Regierung auf, mit allen Mitteln gegen die Aufrührer vorzugehen. So sagt der „Malin", die öffentlichen Finanzen seien nicht dazu da, um Ver- Düstungen zu bezahlen, die von Aufrührern, Plün- berern und Banditen angerichtet wurden, Subjekte, die Moskau von Zeit zu Zeit als Stoßtrupps der Revolution entsendet. Der „Temps" fordert, daß las Land von berufsmäßigen Aufrührern gesäubert verde und das „Journal" Mllt fest, daß Frankreich sich Bente an einem Scheidewege befinde: der einzige ver- Mlftige Weg fei, Moskau,den Rücken zu kehren.
Zugleich kommen nun.aber aus den Vereinigten Staaten Nachrichten, nach denen man dort mit ver- Wrkten, kommunistischen Umtrieben rech- M Bereits auf dem Kongreß der Komintern haben M die Jünger Moskaus bekanntlich gerühmt, was sie alles getan haben, um in USA. Streiks hervorzurufen. Tiefe Äußerungen werden voraussichtlich den ameri- kmischen Außenminister Hüll veranlassen, schärfsten Protest gegen die Beschlüsse der Komintern einzulegen, sobald der genaue Wortlaut der Reben und Beschlüsse in Washington vorliegt. Außerdem wurde bereits gemeldet, daß Roosevelt persön-
beitseinsatzes im Gegensatz zum Juli des Vorjahres alle Landesarbeitsamtsbezirke, zum Teil stärker als im Vormonat, beteiligt. Innerhalb der verschiedenen Berufsgruppen ist nach den Reichsziffern nur im Bekleidungsgewerbe eine jahreszeitlich bedingte Verschlechterung eingetreten.
Die Unterstützungseinrichtungen haben in ihrer Entwicklung mit der allgemeinen Auflockerung des Arbeitseinsatzes Schritt gehalten. In der Arbeitslosenversicherung und Krisen- fürforge ist eine Abnahme um 63 000 auf 904 000 Unterstützte eingetreten, während die arbeitslosenanerkannten Wöhl- sahrisunterstützungsempfänger um 35 000 auf 386 000 abgenommen haben. In ben drei Unterstützungseinrichtungen wurden demnach insgesamt Ende Juli noch 1290 000 arbeitslose Volksgenossen betreut gegenüber 1388 000 Ende Juni. Bei der günstigen Gesamtentwicklung des Arbeitseinsatzes ist besonders beachtlich, daß auch im Juli die Zahl der Rotftands- arbeiter um weitere 35 000 planmäßig gesenkt werden konnte. Es standen Ende Juli nur mehr 168 000 Notstandsarbeiter in zusätzlicher Beschäftigung.
Blick in die Wett.
In Kürze werden sich die Vertret« Eng- Vor der lands, Frankreichs und Italiens an einen Dreier- Verhandlungstisch setzen, um das zu tun, lonferenz. was sich in Genf nicht erreichen ließ, nämlich die abessinische Frage zu lasen. Daß man diese nicht ganz leichten Verhandlungen auf dem üblichen diplomatischen Wege soweit wie möglich vorbereitet, ist dabei selbstverständlich. Dabei hat sich die Situation seit den Genfer Gesprächen kaum verändert, nur insofern, daß man sich mehr und mehr dem Ende der Regenzeit in Abeffinien nähert und damit dem Zeitpunkt, an dem militärische Operationen möglich werden. Daß Genf solche militärischen Operationen nicht verhindern kann, darüber dürfte es heute wohl nur noch eine Meinung geben. Für den Fall, daß man wirklich die Absicht haben sollte, auf der Septembertagung des Rats erneut die abessinische Frage anzuschneiden, bleibt der Austritt Italiens aus dem Bunde ein „stets gegenwärtiges Thema", um die Worte eines italienischen Blattes zu gebrauchen. Im übrigen aber sprechen auch die letzten italienischen Mobilisierungsmaßnahmen eine überaus deutliche Sprache, Möß- nahmen, die wirksam dadurch unterstützt werden, daß die Italiener das Transportwesen in Erytrea ausgebaut und verbessert haben, sodaß nunmehr auch die Löschung von Dampfern in Maffaua sich wesentlich schneller als bisher vollzieht.
Die Kriegsvorbersitungen werden auf Der unser- beiden Seiten mithin fortgesetzt. „Die meidliche neuen Mobilmachungsmaßnahmen bil-
Krieg. den einen letzten Schritt, den Italien
unternimmt, um seine Politik in Abeffinien ohne Zaudern zum Ziele zu führen." Diese Worte des „Giornale d'Jtalia" sind überaus deutlich. Wenn möglich noch klarer — und jedenfalls ungemein bezeichnend für die Stimmung in Italien selbst — sind Ausführungen, die das Organ der Faschistischen Partei in Bozen dieser Tage machte. Dort konnte mag lösen: „Der Krieg hat bereits begonnen, auch wenn die Kanonen noch nicht donnern. Er hat begonnen an jenem Tage, an dem in einem Hafen, der mit Mühe und Not 500 Tonnen täglich aufnehmen kann, 30000 Tonnen ausgeschifft wurden, und dort, wo früher 5000 Weiße wohnten, 50 000 untergebracht worden sind. In Italien treffen wir heute alles an, was man unter dem Namen Krieg verstehen kann: vom Einrücken der Freiwilligen bis zu den Abfahrten der Divisionen an die Front; von jener Aufmerksamkeit, mit der die Leute täglich die Situation kommentieren, bis zum Ausbruch des kriegerischen Enthusiasmus, den der Faschismus nicht allein nährt, sondern geschaffen hat. Die Rückkehr Italiens nach Afrika ist wie eine Fatalität herangreift, und wir sind überzeugt davon, wenn die Kanonen donnern werden, der Krieg schon dreiviertel gewonnen ist." Glaubt wirklich ernsthaft jemand, daß bei einer solchen Stimmung im Lande und bei so großen Aufwendungen, wie sie Italien bereits für die „Rückkehr nach Afrika" gemacht hat, und bei so umfangreichen Mobilisationen ein Unternehmen einfach wieder abgepfiffen werden kann?
Die Frage ist also nur noch, ob sich eine Legal Formel finden läßt, die den Krieg in oder den Augen der anderen Mächte legali- illegal? fiert. Wenn man beispielsweise Italien ein Mandat übertragen würde, Abeffinien zu zivilisieren" und es sähe sich dann, um dieses Mandat durchzuführen, gezwungen, militärisch gegen Abeffinien vorzugehen, so wäre dieser Krieg „legal", ja, der Völkerbund könnte dann seinen Segen dazu geben, so den Italienern etwas an solchem Segen gelegen sein sollte. Es ist ja bekannt, daß man in Genf bereits sehr eifrig das Statut des Völkerbundes auf solche Möglichkeiten hin durchgeprüft hat und daß auch die tüchtigen Juristen durchaus schon solche Möglichkeiten gefunden hatten, die den Politikern freilich nicht zusagten. Die stärksten Bedenken haben zweifellos die Engländer, die von jedem Krieg gegen Abeffinien Rückwirkungen auf ihr Weltreich befürchten. Schon hört man von Sympathiekundgebungen afrikanischer Neger für Abessinien und wenn man diese Dinge vielleicht auch nicht zu überschätzen braucht, obwohl der Weltkrieg ja die unterdrückten Völker wachgerüttelt hat, so ist es doch immerhin begreiflich, wenn Eiigland heute schon militärische Maßnahmen trifft, Garnisonen verstärkt und Luftftreit- kräfte mobil macht, um allen Möglichkeiten gewachsen zu sein. Es kommt aber noch eins hinzu: Abeffinien, ein Land, dreieinhalbmal so groß wie Deutschland, verfügt über Rohstoffe, die sich noch nicht einmal abschätzen lassen. Immerhin begreiflich, daß man das den Italienern nicht allein überlassen will, zumal England ohnehin ein sehr erhebliches Interesse am Tanasee hat.
