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Kr. 214
Donnerstag, 8. August 1935
83. Jahrgang,
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Empfänge bei Laval.
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Wo wird Frankreichs Innenpolitik gemacht?
In Paris oder
in Moskau?
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der „antifaschistischen Front" gang übernommen
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Das militWe ZasViaWel MM Paris und Dm
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Aufschlußreiche Ausführungen des Kommunistenführers Thorez.
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nach der Herausgabe des amtlichen Berichtes über Siebung Lavals mit Stalin von verschiedenen Links- hefttge Angriffe gegen die französische kommunisti- tei gerichtet worden seien.
»«schSstrzeit: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, außer Eonn- und Feiertags.
gBäbUfeffi dieser allzu deutlichen Sprache dürste sich bie Öffentlichkeit sehr bald die Frage vorlegen, wo ^^^M^^^entlich die Innenpolitik Frankreichs gemacht wird,
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j?-=5 politischen Ereignisse herbeiführen, zumal sie die aktive
Die Unruhen eine „Strafmatznahme" Moskaus?
Paris, 7. Aug. 2m Zusammenhang mit den letzten Arbeiterunruhen in Brest, Toulon und Paris ist die Ansicht von Interesse, der der technische Berater der französi- schen Regierung und ehemalige Unterstaatssekretär E i g n o u x in einem Artikel in der „JournSe industrielle" Ausdruck gibt. Eignoux schreibt alle Unruhen den Kommunisten zu und ist der Meinung, daß die Gesetzerlasse nur als Vorwand gedient hätten. Das plötzliche Aufflackern bes kommunistischen Terrors sei im übrigen auf gewisse autzen- politische Vorgänge zurückzusühren. Es sei möglich, daß Moskau die Unterstützung Frankreichs für die Verwirklichung gewisser außenpolitischer Ziele für ungenügend betrachte und als Erwiderung auf düse mangelhafte Hilfe Frankreichs seinen Ausländsagenten entsprechende Anweisungen gegeben habe.
L Moskau, 7. Aug. Die Moskauer politischen Kreise ver- Men die sich immer mehr zuspitzende innerpolitische Lage Wlmkreichs mit gang besonderer Aufmerksamkeit. So ver- neuerdin« - - -
Die „Einheit des Handelns".
Bolschewistische Flammenzeichen in Frankreich.
Der französische Spießbürger erhält augenblicklich eine besondere Lektion über die Methoden des Bolschewismus. Alle Kenner der Verhältnisse haben der französischen bürgerlichen Regierung voraus- gefagt, daß ihr Pakt mit Moskau einem Selbstmord gleichkommt. Gewiß hat Herr Litwinow, der als Jude und Kommunist das nationalsozialistische Deutschland besonders haßt, Herrn Laval die schönsten Versprechungen über den Beistand der Roten Armee im Falle eines deutsch-französischen Konfliktes gemacht. Die Sowjetregierung hat sogar den Franzosen versprochen — genau so wie sie es gegenüber den Amerikanern bei Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetregierung tat —, die kommunistische Agitation abzudämmen. Aber die französischen Kleinbürger trieben eine Politik, wie der gute Vogel Strauß; sie steckten ihren Kopf in den Sand und wenn sie ihn ängstlich zum Ausguck wieder erhoben, dann sahen sie das wiedererstarkte Deutschland, das ihnen ehrlich und loyal die Friedenshand hin- streckte, aber sie mußten ja Deutschland in der Verzerrung der Boulevard-Presse «sehen, und so zoge«n sie der reinlichen Verständigung mit Deutschland den unreinlichen Geheimbund mit Moskau vor.
Das amtliche Frankreich wußte, daß die Sowjetunion in ihrer Politik ein Janusgesicht trägt. Die Sowjetregierung ist nur der Vevwaltungsausschuß der kommunistischen Partei. Diese aber kommandiert die Komintern, die Kommunistische Jntern«ationale, die soeben in Moskau ihren 7. Weltkongreß abgehalten hat. Rach kommmriftischer Theorie und Praxis ist es nicht entscheidend, was die Sowjetregierung tut, «sondern, «was die Komintern verordnet. Der oberste Grundsatz, mit dem der Bolschewismus steht und fällt, ist die Weltrevolution. Auf sie kann und will die Sowjetregierung gar nicht verzichten. Und wenn die Sowjetdiplomaten Versprechungen über «die Dämpfung oder gar Unterbindung der kommunistischen Agitation in den einzelnen Ländern machen, so wissen sie, daß ihre Auftraggeberin, die Komintern, gar nicht daran «denkt, solche Wechsel zu honorieren. Auf dem Moskauer Kongreß hat man das in allen Sprachen der Welt und der ganzen Tonleiter bolschewistischer Agitationsphrasen vernommen. Aber der Bolschewismus unterscheidet sich von seinem marxistischen Bruder, der Zweiten Internationale, darin, daß er nicht nur Worte macht. Schneller als man ahnen konnte, hat er seine Resolutionen und Beschlüsse in die Tat umgesetzt. Mit nicht gelindem Entsetzen muß das bürgerliche Fran«kreich sehen, wie schnell der revolutionäre Apparat Moskaus funktioniert. Gewiß hatte Herr Dimitroff auf dem Komintern-Kongreß den Beschluß durchgedrückt, die gesamte Kraft der kommunistischen Propaganda jetzt gegen Deutschland zu richten. Aber dieser gehärtete Revolutionärweiß «selber zu genau, daß ein solcher Beschluß nichts weiter ist, als eine Irreführung der bürgerlichen „Freunde" der Sowjetunion. Das nationalsozialistische Deutschland macht mit den Agenten der Komintern kurzen Prozeß. Der deutsche Arbeiter ist zudem so gar kein Objekt kommunistischer Politik mehr. Will man nun aber nach der kommunistischen Lehre die Weltrevolution weitertreiben, so muß man sich nach dem erprobten taktischen Grundsätze des geringsten Widerstandes richten. Wo immer die Staaten und Völker am stärksten Zersetzungserscheinungen zeigen, da setzt mit unverhüllter Brutalität die Arbeit Moskaus ein. Herr Laval hat mit seinen Notverordnungen starken Widerspruch in der französischen Beamtenschaft und bei den Arbeitern gefunden. Sobald sich hier «der Zündstoff zeigte.
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Grenze werde als Operationsgedanke ein von Norden rammender Angriff zugrunde gelegt «werden. Etwa 500 000 Mann sollen teilnehinen. Dadurch «werde die italienisch-französische Alpengrenze teilweise von italienischen Xraqjpen entblößt. Auch die Mei neu Mobilisierten Divisionen, die für Afrika bestimmt seien, rekrutierten sich aus Divisionen an der französischen Grenze. Nur eine dieser Divisionen werde durch eine neugebildete ersetzt, während die andere motorisiert in «den Brennerbezirk geschickt werde. Diese Maßnahme scheine ein Teileiner allgemeinen planmäßigen Umgruppierung der «italienische n Streitkräfte zu sein, der auf der militärischen Zusammenarbeit mit Frankreich beruhe.
3n einer Agentur Meldung aus Rom heißt es, daß an den großen italienischen Manövern am Brenner auf Aw ordnung des Kriegsministeriums weder italienische nach ausländische Journalisten teilnehmen dürfen.
Sotiitrdtiinp für bie Mttfioiifetciij
Zusammentritt am 16. August?
Thronrat in London. — Die italienische Presse beschwört England.
Umgruppierung der italienischen Streitkräfte.
Paris, 8. Aug. (Eig. Drahtmeldung.) Der Berichterstatter des „Marin" in Rom erklärt, daß die Ernennung des italienischen Generalstabschefs B a d o g l i o zum Offizier der französischen Ehrenlegion mit «der kürzlichen Reise des französischen Generalstabschefs Eamelin nach Rom in Verbindung stehe. Bei dieser Gelegenheit sei es zu bedeutenden technischen Besprechungen gekommen. Demnächst «werde sich nun Badoglio nach Paris begeben, um «den in Rom begonnenen Meinungsaustausch mit Gamelin sortzusetzen.
Das freundschaftliche Einvernehmen zwischen Paris und Rom, _ so bemerkt der „Matin" zu dieser Meldung feines Korrespondenten, scheine sich auf militärischem Gebiet in einer Reihe gre«if«barer Tatsachen a u s z u d r ü ck e n.
Den großen italienischen Manövern an «der österreichischen
as. Berlin, 8. Aug. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Obwohl der rote Aufruhr in Brest der französischem Regierung erhebliche Kopfschmerzen macht und die innenpolitischen Probleme wieder stärker in den Vordergrund treten läßt, widmet sich Lava«l doch mit,großem Eifer der Außenpolitik Md zwar vor altem der abessinischen Frage. So empfing er gestern den bekannten griechischen Politiker Pol i ti s, der als fünfter Schiedsrichter für die Mllienifch-abeffinischen Verhandlungen vorgesehen ist. Laval empfing weiterhin den englischen und den italienischen Botschafter, um mit «ihnen über die geplante Dreierkonferenz zu beraten. Während es zu-
h S g rächst hieß, daß diese Konferenz noch in dieser Woche 1 «zusammen treten würde, wird jetzt als Termin der 16. August genannt. Gleichzeitig besagt eine Londoner Meldung, daß am 13. August ein Kronrat in London stattfinden wird, bei dem die Haltung Eng- Durds besprochen werden dürfte. Im übrigen aber betont die französische Presse, daß es sich hier nicht so sehr rm eine Konferenz im üblichen Sinne handeln werde, sondern um einen Gedankenaustausch und um gemein- ftine Untersuchungen. Es wird, so sagt „Paris Soir", sbie ratlose, geheimnisreiche Diplomatie Bt ihren privaten Abmachungen bis zu einer end- Mtigen Entscheidung das Feld beherrschen." Daraus kann man schließen, daß sich die Verhandlungen hinter sehr gut verschlossenen Türen abspielen werden. Msonders zuversichtlich werden die Aussichten dieser : Lerhandlungen in Paris nicht gerade «beurteilt, aber wenn man bis jetzt noch darauf verweisen konnte, daß die scharfen italienischen Presseangriffe gegen England And der offizielle englische Protest gegen diese Haltung
. Es ist kein Zufall, «sondern ein folgerichtiges Ergebnis, Bande zwischen «der marxistisch-kommunistischen ^nheitsfront in Frankreich und ihrer Führung in Moskau, M nur einen Tag vor diesem Wahlerfolg der französische stenfiihrer Thorez «auf dem Kominternkongreß wörtlich erklären konnte: „Die Kommunistische Partei Frank- -«rchs kann bald eine entscheidende Wendung der inner»
der italienischen Blätter die Sage verschärft habe, so ist hier ein gewisser Wandel festzustellen. Die italienischen Blätter haben «ihren Ton gemäßigt und verlegen sich nun darauf, England zu beschwören. Das „Giornale d'Jtalia" glaubt die Engländer — man «spricht jetzt von der „stolzen britischen Raffe" — darauf verweisen zu müssen, daß „revisionistische Strömungen“ sich in allen Teilen des britischen Weltreiches bemerkbar machten und England bedrohten. England brauche daher den Frieden und Rückendeckung in Europa sowie Garantien. „Solche Garantien", so fährt das römische Blatt fort, „kann Italien geben, denn es ist stark im Mittelmeer, treu in der Freundschaft und entschloffen im Handeln. Die italienisch-englische Freundschaft ist für England viel unersetzlicher als für Italien." Der Sinn dieser Ausführungen ist klar. Italien bewirbt sich um «den Posten eines „Gendarms in Europa", aber es mochte damit in Afrika etwas verdienen. Zugleich stellt man übrigens in Rom mit Befriedigung fest, daß sich Engländer auf der italienischen Botschaft in London meldeten, um freiwillig am Kriege gegen Abessinien teilzunehmen. Es wäre aber doch wohl verfrüht, aus solchen Anzeichen zu schließen, daß der «Gegensatz Rom- London sich «heute schon verringert hätte. Immerhin ist es bemerkenswert, daß Italien gegenüber England jetzt versucht, mit einer weniger starren Methode zum Ziel zu kommen. Beachtenswert erscheint aber ferner auch, daß immer wieder Nachrichten über den Donau pakt austauchen, über den sich Italien und Frankreich grundsätzlich geeinigt haben sollen, woraus man ohne weiteres schließen kann, daß diese Frage als Kuhhandelsobjekt in den gegenwärtigen diplomatischen Gesprächen eine Rolle spielt.
ME neuerdings die Sowjetpresse mit großer Genugtuung «n neuen Wahlsieg des Kandidaten der sozialistisch- twrmunistischen Einheitsfront in Clermont-Ferrand und W insbesondere die Erklärung des Sozialfftenführers Won Blum hervor, daß nach diesem Siege der Kampf 1*86n das Reg i m e in e inen entscheidenden Abschnitt trete.
M französischen Kommunisten von dem Willen und der Ent- ^"sstnhert der sowfetruffischen Bolschewiken erfüllt und eigenen Sieges sicher.(!)"
«.'Dore, berichtete ferner, daß unmittelbar nach dem schlug des französisch-russischen Beistandspaktes uns be-
- v Daraufhin habe das Polit-Büro der Kommunistischen -- Frankreichs die Pariser Kommunisten aufgeklärt
Z Anschluß daran hätten diese selbst Plakate bei
| und in Versammlungen getragen, die die
EStalins an Laval „richtig auslegten". 2m Ausblick |^E^te nächste Zukunft Frankreichs sagte Thorez: „Wir pS* m Frankreich großen Kämpfen entgegen.“
Eingedenk «des Wortes Stalins: „Eine Revolution «SJ niemals von selbst, sie muß organisiert «werden", seien
