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Schell-Nberglch« Hofb-chdr-ckerei, »TagblM-S«-'. Wöchentlich 7 Ausgaben

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Nr. 212.

Dienstag, 6. August 1935

83. Jahrgang.

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Aufruf des Gaues Groh-Berlin der NSDAP.

* Volk, horch auf“ anbringen lassen, in dem er die Bevölke-

*, rung vor der Tätigkeit gewissenloser Hetzer und Volksver-

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Fernfprecher-Sammel-Rr. 59631. Berliner Büro: Berlin-Wilmersdorf.

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Berlin, 5. Aug. Die Berliner Anschlagsäulen sind am Montag von der Bevölkerung dicht umlagert. Über die ganze Höhe der Säulen hat der Eau Eroh-Berlin der NSDAP, einen Anschlag mit der Überschrift „Deutsches

röter warnt, dis ihre schmutzigen politischen Geschäfte unter der Maske der Religion betreiben wollen. 2n dem

Geschäftszeit: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, außer Sonn- und Feiertags.

E U r o p a s" machen wolle. Man erkennt hier sehr deutlich, Äas^ italienische Angebot an Paris für Len Fall, daß Frankreich auch weiterhin die italienischen Forderungen unterstützen wird. Die italienische Taktik ist also jetzt schon ziemlich klar zu erkennen: Rom bietet sich Paris an als ein „st a r k e s Element für die Stabilisierung Europ as in den dazu ge­eigneten Positionen“ und hofft andererseits mit dem Hinweis auf die „kollektive Sicherheit", die Eng­länder zu ködern. Man könnte auch aus einigen italienischen Kommentaren herauslesen, daß Italien die Engländer unterstützen würde, wenn ein­mal die Frage einer Revision der deutschen Kolonial Mandate zur Sprachen kommen sollte. Im übrigen aber gibt man sich in Rom hinsichtlich der kommenden Dreierkonferenz ziemlich skeptisch. Selbstverständlich läßt man keinen Zweifel daran, daß die militärischen Vorbereitungen fortge­setzt werden, daß die mannigfachen Reden Mussolinis unverändert fortbestehen, ja, daß ihre Lektüre wichtiger sei als die der Genfer Entschließung. Aber schon jetzt lehnt man ein allgemeines Mandat des Völkerbundes über Abessinien aib, weil in einem solchen Mandat Italiens Einfluß in Addis Abeba nicht stark genug fein würde.

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Ein guter Anfang gemacht.

Major Fetherstoue-Godley über den Besuch in Deutschland

Vor der Dreierkonferenz.

as. Berlin, 6. Aug. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Die italienische Presse beginnt bereits mit Len Vorbereitungen für die Dreierkonferenz über Abessinien. Sie gibt für diese Konferenz das Losungs­wort aus: „Zurück nach Stresa" und hofft offenbar damit sowohl Frankreich bei der Stange zu halten als auch England gewinnen zu können. So denkt man an die englischen Politiker, die immer wieder den Gedanken der kollektiven Sicherheit verfochten haben und nicht zu­letzt an die englische Öffentlichkeit, wenn man erklärt, daß für diese kollektive Sicherheit jede Grundlage fehlen würde, wenn die Einigung der Stresamächte nicht zu er­reichen sein sollte. Laval erhält denn auch jetzt, nachdem die Genfer Verhandlungen beendet sind, ein Lob dafür, daß er als Realist und Staats­mann um die Erhaltung ,cher europäischen Solidarität von Stresa" bemüht gewesen sei. Frankreich, so wird weiter in den italienischen Blättern gesagt, wisse, daß die Erundlage seines Lebens, seiner Macht und seines Wohlstandes in Europa liege und deshalb habe auch Laval leicht be­griffen, daß man den Bedürfnissen Italiens in kolonialer Hinsicht entgegenkommen müsse, wenn man aus Italien „ein stabilisierendes Element

2m Interesse der Totalität der Partei.

Freiwillige Auflösung

des Schlageter-Gedächtnisbundes E. B. von 1923.

Berlin, 5. Aug. Um den Totalitätsgedanken der Partei zum Ausdruck zu bringen und dadurch die geschlossene Front der Bewegung im Kampfe gegen Reaktion und offene und versteckte Feinde des Staates und der nationalsozialistischen Weltanschauung zu stärken, löst sich der Schlageter-Eedächt- nisbund E. V. mit seinen sämtlichen Ortsgruppen im Reich freiwillig auf.

„Deutsches Volk horch auf!"

„Hüte dich vor den Dunkelmännern!"

haustendortinunglaublicherWerse. Sämtliche Behältnisse wurden erbrochen und Tische, Stühle, Bänke u. a. m. zertrümmert. Selbst die Ehrentafel für die gefalle­nen Hitlerjungen fiel der Zerstörung anheim. An den Wänden waren Inschriften angebracht worden, von denen eine lautet: „W irnehmenRache.dieSturmscha t“. Auch eine im gleichen Hause befindliche S A. - Dienst­stelle wurde von den Tätern heimgesucht. Das gesamte Aktenmaterial sowie eine Kartei hatten sie durchstöbert und dann im ganzen Raum zerstreut.

Die Polizei hat eine eingehende Untersuchung ein­geleitet. Die Tat mutz schon vor einigen Tagen verübt worden sein, sie wurde jedoch erst jetzt entdeckt, da das Heim in den letzten Tagen nicht benutzt worden war.

Wieder ein klerikaler Saboteur gefaßt.

Koblenz, 5. Aug. Die Landesstelle Koblenz-Trier des Propagandaministeriums teilt mit: Der Hausdiener des Koblenzer Kolpingshauses Philipps wurde auf frischer Tat ertappt, als er Plakate der Gauleitung Koblenz-Trier gegen den politischen Katholizismus abritz. Der Täter wurde festgenommen und dem Gericht zugeführt. Er sieht seiner Aburteilung entgegen.

Frontkämpfer und Frieden.

^London, 6. Aug. Auf einer von der British Legion in ^Mcham bei Newbury veranstalteten Feier, an der 7000 Kerstinen teilnahmen, erstattete Major Fetherstone- ?ddley in einer Rede ausführlich Bericht über den Besuch »tt Abordnun« der British Legion in Deutschland. Die •«monaie Konferenz der British Legion sei der Meinung ge- ~®Kn, :o führte er u. a. aus, datz bei der gefährlichen inter- wnuntalcn Spannung ein Besuch in Deutschland zur Fest- ueuung der allgemeinen deutschen Stimmung und zur Fest- t^urmg^dessen, ob nichts zur Besserung der Lage getan werden bnrchaus am Platze sei. Mit dem Besuch in Deutsch- habe man erreichen wollen, einmal mit deutschen ehe- ^rgrn Frontsoldaten zusammenzutreffen, das andermal mit veuychen Frontsoldaten in Beratungen einzutreten, um freundschaftliche Beziehungen herzustellen.

Deutschland gesammelten Erfahrungen, Klarte Major Fetherstone-Eodley weiter, würden sich als sehr wertvoll erweisen. Die Abord- in Deutschland festgestellt, datz nicht nur unter den Frontkämpfern, sondern in der ganzen deutschen ,S der lebhafteste Wunsch nach enger nd fchaft mit England bestehe. Er sei der Mei- dag die ehemaligen Frontsoldaten entscheidend ihre beeinflussen könnten. Wenn es möglich sei, in «Zen Mert ein starkes Gefühl der Kameradschaft herzu­

stellen, dann könne keine Regierung dem Frieden entgegsn- handeln, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Er glaube sagen zu können, daß ein guter Anfang gemacht worden sei. Er sei überzeugt, daß die Gesamtheit der ehe­maligen Frontsoldaten Deutschlands durchaus für Freund­schaft mit England sei.

Über die Haltung der British Legion gegenüber dem Krieg äußerte sich der Major dahin, dag die Legion nicht aus Militaristen bestehe. Die Legion sei aber für einen ehren­vollen Frieden und keineswegs für einen Frieden um jeden Preis. Die British Legion sei die einzige Körperschaft in England, in der Herzöge und Müllkutscher gleichberechtigt ohne Unterschied des Ranges zusammenkommen könnten.

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Anschlag werden dann die bekannten Fälle aus Bor- ken. Vocholtund Werne an der Lippe wiedergegeben, bei denen bekanntlich Angehörige katholischer Vereine, Zen­trumsanhänger und Kommunisten Kirchenfrevel trieben und «pottlieder auf den Bischof von Münster verteilten, die bann den Angehörigen der SA. und den Mitgliedern der NSDAP, durch niederträchtige Gerüchte angehängt werden sollten. : Der SäulenansÄlag. der in der Berliner Bevölkerung eine außergewöhnliche Beachtung findet, schließt mit der War- nung: Deutsches Volk gib acht und hüte dich vor den Dunkel­männern, die im Schafspelz kommen, inwendig aber reißende Wölfe sind!"

H2.-Hernr und SA.-Dienststelle in Solingen verwüstet.

Solingen, 5. Aug. Bisher noch unbekannte Täter drangen in das Hitlerjugendheim auf der Bergstraße ein und

Riqtigenpreile: Ein Millimeter Höhe der 22 Millimeter breiten Spalts im Anzeigenteil Grund­preis 6 Rpf., der 85 Millimeter breiten Spalte im Tertteil 45 Rpf., sonst laut Tarif Nr. 3, Nachlatzstasfel C. — Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen und Plätzen wird leine Gewähr übernommen. — Schluß der Anzeigen-Annahme 10 Uhr vormittags. Größere Anzeigen müssen spätestens -inen Tag vor dem Erscheinungstage aufgegeben werden.

Abrechnung mit den Überbleibseln.

Seit dem geschichtlich für alle Zeiten denkwürdigen 30. Januar 1933 sind erst zweieinhalb Jahre vergangen. Für uns Miterlebende bedeutet dies eine verhältnis- inäßig lange Spanne Zeit, für den, der geschichtlich zu denken und geschichtliche Zeiträume zu überblicken ge­wohnt ist, ist dies nur ein winziger Zeitabschnitt. Es wäre sicherlich besser, wenn sich nicht nur die Angehöri­gen unseres Volkes, sondern auch das Ausland daran gewöhnen möchten, den deutschen Aufbruch endlich mit anderen Maßstäben zu messen, als dies früher ange­bracht erschien Die nationalsozialistische Re­val u t i o n in Deutschland ist keine Staatsumwälgung, wie wir sie zu Dutzenden aus der Geschichte kennen, son­dern sie ist die Grundlage einer völligen Reu- formung und Neuordnung nicht nur des Staates, sondern auch des Volkes. Sie ist deshalb auch ein ge­sellschaftliches Ereignis von ungeheurer Trag­weite, weil die Gesamtheit aller bisherigen Schichten und Stände nicht nur über den Haufen geworfen wor­den ist, sondern auch ein völlig neuer Volkheits­begriff entstand, dessen Motor der Totalitäts­anspruch des Nationalsozialismus ist. Deshalb irren alle, die da glauben, daß zweieinhalb Jahre Zeit ge­nug sind und die gerne von etwas anderem reden möchten, als bloß immer von Kampf und Auflösung. Sie irren, weil sie sich an einen Zeitbegriff klammern, der, gemessen am eigenen Leden, eine lange Dauer zu haben scheint, der aber, gemessen an der Entwicklungs­geschichte und Entwicklungsmöglichkeit, unendlich klein ist, weil das vorläufige Ende dieser Entwicklung weder erreicht, noch überhaupt abzusehen ist.

Hier scheint uns die hauptsächlichste Fehlerquelle zu liegen, aus der die Mißhelligkeiten der letzten Tage und Wochen geflossen sind. Es ist wirklich kein Zufall, daß eine Reihe der führenden Köpfe der Bewegung, allen voran Dr. Goebbels, am gleichen Tage zu den Fragen des Tages in einer Weife Stellung genommen hat, die nur den überraschen kann, der neben der Zeit lebt. Auch «der Deutsche ist im Durchschnitt konservativer Natur.

Soweit es sich dabei um reine Ressentiments des Ge­müts oder des Gefühls handelt, wird ein solches Nach- hängen niemals dem Staate verderblich werden können. Wirklich, gefährlich werden aber alle diese seelischen Klettengefühle, wenn sie von einer bestimmten dem Staat feindlich gesinnten Stelle aus künstlich genährt oder gar aufgeputscht werden, oben­drein unter dem Deckmantel der Religion.

Der Kampf gegen den politischen Katho­lizismus, der vor einigen Wochen mit dem bekann­ten Erlaß Görings eröffnet worden ist, ist in keiner Weife mit dem alten Kulturkampf Bismarckfcher und Falckscher Prägung zu vergleichen, ja nicht einmal parallel zu stellen. Jener war, was heute fast völlig vergessen ist oder übersehen wird, letztlich aus dem Iln- fehlbarkeitsdogma der Kirche entstanden. Alle diese Dinge spielen heute keine Rolle mehr in den Ausein­andersetzungen zwischen Staat und Kirche. Was wir heute erleben, ist ein Kampf gegen die Über­bleibsel. Sechs Jahrzehnte hindurch haben wir in Deutschland eine große Partei erlebt, die nicht durch eine politische Idee zusammengehalten wurde, sondern deren Plattform die Konfession war. Wie der einzelne zu den politischen und wirtschaftlichen Problemen sich stellte, war innerhalb des Parteirahmens gleichgültig. Nirgends war die Wendigkeit so groß wie hier. Die politische Vertretung des deutschen Katholizismus konnte es sich leisten, wenn andere Parteien an einer politischen oder wirtschaftlichen Frage zerbrachen, die verschiedenartigsten Stellungnahmen zu vertreten. Ihr inneres und äußeres Gefüge wurde dadurch nicht be­droht. Das war die größte Stärke des Zentrums wäh­rend vieler Jahrzehnte, aber auch die g.rößte Schwäche unseres politischen Gesamt- lebens überhaupt.

Man muß sich alle diese Dinge wieder einmal ins Gedächtnis zurückrufen, wenn man die Gegenwart ver­stehen will. Der politische Katholizismus, vertreten im Parlamentarismus und stark durch ihn, gehört feit dem Sommer 1933 der Vergangenheit an. Das Konkordat zwischen dem Deutschen Reich und dem Heiligen Stuhl hat die Grenzen gezogen zwischen Staat und Kirche. Es wird aber immer Grenzzwischenfälle geben. Manchmal führen sie zu einem Kriege, manchmal lassen sie sich bei­legen, vielfach beschwören sie aber eine längere Periode der Spannung herauf. Das sehen wir politisch-diplo­matisch an Abessinien, erleben es innenpolitisch an den Bestrebungen derer, die einst im politischen Katholizis­mus gelebt und sich betätigt haben, die aber immer noch nicht vergessen können und deshalb glauben, auf den alten Wegen marschieren und mit den alten Mitteln arbeiten zu können.

Hier haben wir die Knickstelle zwischen Staat und Kirche. Konflikte hat es auch früher schon

„Zurück nach Stresa!"

Italiens neues Ziel. — Römisches Lob für Laval. — Mahnungen an London.

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