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Nr. 210.

Sonntag, 4. August 1935

83. Jahrgang.

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Grundsätzliche Ausführungen des Reichsstatthalters in Baden.

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Otto Strasser aus Griechenland ausgewiesen.

Wie aus Kreisen des griechischen Innenministeriums ver­lautet, befindet sich Otto Strasser seit längerer Zeit in Griechenland, angeblich, um seine Frau zu besuchen, die auf der Insel Samos den Sommer verbringt. Der Innenminister hat verfügt, daß Otto Strasser, der sich zuletzt auch in Athen aufhielt, verhaftet und ausgewiesen wird.

Das „Gebetsapostolat katholischer Front­kämpfer" in der Rheinprovinz aufgelöst.

Koblenz, 2. Aug. Die Pressestelle des Oberpräsi­diums teilt mit: Der kommissarische Oberpräsident der Rheinprovinz hat auf Grund der Verordnung zum Schutze von, Volk und Staat voin 28. Februar 1933 das „Eebetsapostolat katholischer Frontkämpfer" im Bereich der Rheinprooinz mit sofortiger Wirkung aufgelöst, weil die Bildung konfessioneller Frontkämpferbünde nur geeignet ist, zur Spaltung der Volksge­meinschaft zu führen und in die Frontkämpfer kon- feffionelle Gegensätze hineinzutragen.

Vor den Wahlen.

' *?• Berlin, 3. Aug. (Drahtbericht unserer Berliner

Abteilung.) Nunmehr ist auch das englische Parla­ment m die Ferien gegangen. Die Regierung Bald-

■ tvin wird kaum betrübt darüber sein, daß damit die „tote «aison" begonnen hat, wobei allerdings immer noch die Frage offenbleibt, ob die Saison wirklich so

; still sein wird, wie sich das für den englischen Hoch- : sommer schickt. Trotz aller Genfer Beratungen macht i die abessinische Frage den Engländern doch noch viel : Kopfzerbrechen und die Regierung hat aus diesem Grunde auch die Zusicherung abgegeben, daß sie Has Parlament einberufen werde, wenn sich - die Dinge zuspitzen sollten. Sehr groß dürste - die Neigung für eine solche Sondertagung aber wohl kaum sein, zumal das Parlament der Regierung schon bei der Behandlung Les deutsch-englischen Flottenab­kommens und^auch bei der Behandlung der abessinischen Frage zum Teil recht unbequem geworden ist. Die Opposition wartete sichtbar darauf, Latz sich die Regie­rung irgend eine Blöße geben würde, die man im kom­menden Wahlkampf ausnutzen könnte. Diese ganze Lage hat auch zweifellos den Eifer der Regierung bei der Verteidigung des Völkerbundes nur noch verstärkt. Wenn auch der Termin für die Neuwahlen noch . immer nicht feststeht, so bereitet man sich doch heute ^schon auf diese Wahlen im Regierungslager und im

Lager der Opposition gründlich vor.

m 0 Ä 1 ich en Imperialismus zu pflegen. Gegen drese, Auffassung hatten sich die Konservativen in scharfer Form gewandt und diese Angelegenheit, da ihnen die erste Auskunft der Regierung nicht genügte, zweimal zur Sprache gebracht. Maßgebend dafür dürfte auch wohl gewesen sein, Latz die Konservativen darauf Hinweisen wollten, datz sich unter Len Volks- Schullehrern starke sozialistische Ten- denzen bemerkbar machen Tatsächlich wurde fast gleichzeitig bekannt, datz in einem sozialistisch regierten londoner Vorort die Entfernung vaterländischer Bilder aus den Schulklassen, darunter auch eines Bildes des englischen Nationalhelden Nelson, angeordnet wurde. Das sind Dinge, die die Konservativen keines­wegs ruhig hinzunehmen gedenken. Vielleicht haben sie auch an dem deutschen Beispiel gelernt, wohin es führt, wenn in die Schulen, wie es in dem Deutschland der Systemzeit der Fall war, der Geist des Internationalis­mus eindringt, und wenn die Ruhmestaten einer großen Vergangenheit dort in den Staub gezogen werden. Andererseits sind natürlich gerade diese Vor­gänge geeignet, diejenigen Kreise zu stärken, die ge­willt sind, den nächsten Wahlkampf mit der Parole gegen die Internationalisten zu führen. Datz das eine sehr Wesentliche Parole werden wird, kann man viel­leicht auch daraus schließen, -daß der englische Luft­fahrtminister unlängst von den „internationalen Mit­gliedern des Unterhauses" sprach.

Gerade für einen solchen Kampf hat ja die Tagung der Kommunistischen Internationale in Moskau eine sehr beachtenswerte Aufklärungsarbeit geleistet, wenn sie in Reden und Richtlinien aufzeigte, wie die Zer­setzungsarbeit im einzelnen geleistet werden soll und wenn sie weiter ganz offen darlegte, wie der Kampf vor allem in den Kolonialgebieten verschärft werden soll. Gerade in dieser Hinsicht dürfte man sich in Eng­land ganz besonders für die Moskauer Tagung in­teressieren. Daß die englische Regierung hier zur schärf­sten Abwehr bereit ist, kann wohl ohne weiteres ange­nommen werden und dürfte auch schon in dem kommen­den Wahlkampf zum Ausdruck kommen.

„Nachsicht kennen wir nicht mehr!"

Eine Warnung an den politischen Katholizismus.

und politischen Zielen der katholischen Kirche. Der Sinn dies Konkordates war es gerade, Politik und religiöse Seelsorge zu trennen.

Der Reichsstatthalter schloß mit dem Ausdruck der Hoff­nung, daß jene konfessionellen Kreise, die von der Hetze gegen den Nationalsozialismus leben, umkehren möchten. Unser Volk wolle keine Hetze, sondern Hilfe und Arbeit auch von seinen Kirchen.

Die Rede klang aus in ein begeistert aufgenommenes Sieg-Heil auf den Führer. Mit dem Gesang des Deutschland­liedes und des Horst-Wessel-Liedes fand die Kundgebung für Volk, Partei und Staat ihr Ende.

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Parlaments-Ferien in England

Unterbrechung der „toten Saison" ? — Debatten um einen Schulaussatz.

FiL Reichsstatthalter Robert Wagner rechnete scharf mit «en,konfessionellen Gegnern des nationalsozia- imskschen Staates ab. Er erklärte u. a.: Wer künftig den Nationalsozialismus, die Weltanschauung des deut-

1 jchen Volkes, angreift, ist uns er Feind und wird als | sicher behandelt. (Stürmische Zustimmung.) Nachsicht I (zennen wir nicht mehr. (Stürmischer Beifall.)

I®- Dem Nationalsozialismus verdankt unser Volk seine | Wiedergeburt. Der Nationalsozialismus ist der geistige In- unseres heutigen Staates, der Nationalsozialismus ist k ieibst zum Staat geworden. Angriffe auf den Nationalsozia- : ^mus müssen als Angriffe auf den Staat gewertet werden, r Staat kann daher künftig feindselige Auseinander- i M.ngen mit dem Nationalsozialismus nur noch mit dem der gebotenen staatlichen Machtmitteln beantworten.

•Wiederholte stürmische Zustimmung.)

? Weiter wies der Reichsstatthalter darauf hin, daß in 17?utschland die Freiheit der religiösen B e - ; "tigung gewährleistet sei.

|v Religiöse Freiheit könne aber niemals gleichbe- i J5teni> sein mit Hetz- und Schimpffreiheit, s mt‘ Zucht- und Gesetzlosigkeit.

k^Der Reichsstatthalter legte dann an Einzelsällen dar, Mkoehetzt und geschimpft wird und sagte: Wir dulden keine - ?"»Ichen Übergriffe von kirchlicher Seite her, wir dul- auch auf d i e Dauer keine katholisch-

M'litische Tagespresse, keine katholisch-politischen M*9 endverbände und katholisch-politischen Berufs- BF» Arbeitervereine. (Erneute Zustimmung.) 2m ^mordat steht nichts von politischen Zusammenschlüssen

Karlsruhe, 2. Aug. Auf dem Schloßplatz waren oreitagwbend mehr als 70 000 Menschen versam­melt, um in machtvoller Weise Stellung zu nehmen gegen lene Kreise, die sich unter dem Vorgehen, religiöse Interessen i» vertreten, in bewußten Gegensatz zum Nationalsozialis- wus und nationalsozialistischen Staat setzen und Unruhe in W Bevölkerung zu bringen suchen.

So hat man teilweise unter dem Gesichtswinkel der j kommenden Wahlen auch eine innenpolitische Ange- sigenheit betrachtet, die das Unterhaus noch vor feiner Vertagung beschäftigte, nämlich der Aufsatz einer Lch ü le r i nau s M a n ch este r. In diesem Aufsatz

„yj | hatte Lie plötzlich in den Mittelpunkt einer politischen -• ‘ Affäre gerückte 13jährige Schülerin, die übrigens selbst “gl i mit ihrer Mutter als Zuhörerin an der llnterhaus- i sitzung teilnahm, England als das beste Land -ÄS der Welt bezeichnet. Das aber hatte der Schul- infpektor^ in der Weise gerügt, daß er erklärte, die eng­lischen Schulen seien nicht dazu da, um einen alt-

Kulturmatzstab: Unsere Jugend!

Im Lager Warnicken in Ostpreußen war in diesen Wochen eine Arbeitsgemeinschaft der kulturellen Füh­rung der nationalsozialistischen Jugend angesetzt. Bei dieser Gelegenheit wurde zum Ausdruck gebracht, daß die Kulturarbeit in Deutschland nunmehr verstärkt mit der Arbeit der Hitler-Jugend in Einklang gebracht werden soll.

Wenn man nun gerade in Ostpreußen in diesen Sommerwochen die deutsche Jugend beobachtet, wenn man etwa auf der Kurischen Nehrung erlebt wie fugend aus allen Gauen des Vaterlandes zu dieser noch immer — und gerade jetzt wieder vermehrt — umdrohten Grenzt andschaff pilgert, wenn man den Ernst und die Haltung dieser deutschen Jungmann- schaft sieht, so erkennt man immer deutlicher, daß diese deutsche, Jugend den neuen Lebensstil schon gefunden hat. Sie lebt ihn schon. Es ist nicht mehr das roman­tische „Erwandern" allein, es ist nicht mehr die Oppo­sition in Tracht, Lebensart und Denken — es ist schon Leben der Nation geworden durch die Kraft des Nationalsozialismus, was ehedem romantischer Aufbruch war. Und unser Volk, das ja nun selber als Ganzes in allen Generationen und Schichten wieder ein wander­freudiges, heimatfrohes Volk geworden ist, unser Volk paßt sich in erfreulichem Maße dem neuen Lebensstil •an, soweit es ihn noch nicht oder nicht mehr ganz selber, „leben" kann. Wie anders ist z. B. auch das Verhält­nis zwischen Eltern und Kindern geworden auf solchen Fahrten! überall schlägt das Erlebnis der national­sozialistischen Erziehung und Jugendgemeinschaft durch! Es gibt nur ein ernsthaftes Ziel für alle: Mein Junge soll auch solch ein selbständiger, soldatischer, stolzer Jungmann werden!

Hier hat sich eine Revolution gleichsam in der Stille vollzogen: der politische Umbruch hat eine in sich nicht klare, aber in ihren Impulsen echte und notwendige Jugendbewegung zwanglos Äurchgesetzt und mit ihr dem Leben des deutschen Volkes Stil gegeben. Es kommt hinzu, daß nicht nur das Wandern, sondern auch mancherlei Sportschulung und der große soldatische Zug des nationalsozialistischen Deutschlands ganz neue Mög­lichkeiten eines Zusammenlebens der Jugend geschaffen haben. Etwa das Segelfliegen. Ein schon fast klassi­sches Beispiel bietet Ostpreußen mit der Segelflieger- schule Rossitten auf der Kurischen Nehrung. Hier wird in vorbildlicher Lebensgemeinschaft eine größere Gruppe von jungen Deutschen — vorwiegend jungen Männern, aber auch Mädels — ausgebildet. Unterhalb der be­rühmten Düne, dem Predinberg zwischen Rossitten und Pillkoppen, liegt der Fliegerhorst, das Segefliegerlager. Wer dort einmal zu Gast war, wird diese bis in die Bauformen und Geräte hinein stileinheitliche Lebens- und Schaffensgemeinschaft nicht vergessen. Hier schafft sich ein Volk seine neuen reinen Formen, seine neuen Kräfte und seine höheren Freuden. Denn der frei von der leuchtenden riesigen Düne herabschwebende, über diese bezaubernde Landschaff hinfliegende junge Mensch ist eine Steigerung unseres Volkes, ist eine Steigerung unserer Lebenskraft und -freude.

Es ist also nur eine organische Fortentwicklung und Vollendung des schon Herangewachsenen, wenn nun die Maßstäbe der Kultur unseres Volkes überhaupt auf diese Jugend, diese Trägerin, Mehrerin und Fort­schöpferin unserer Lebenskraft ausgerichtet werden. Der gewandelte Lebensstil bezeugt die Richtigkeit der jugendlichen Ideale und der Maßstäbe, mit denen (nach dem Vorangange mancher Pioniere) heute das junge Geschlecht Menschen und Dinge mißt und dem Leben einen neuen Sinn und dem Volke in der Gefolg­schaft unseres Führers eine neue Haltung gibt. Die Kultur,eines Volkes besteht aber in dem einheitlichen Lebensstil und der gemeinsamen Schöpferkraft eines Volkstums. Einzelne gehen voran, der Genius spendet Ideen und Werke von richtunggebender Kraft — aber immer geht dieser Same auf in der schöpferischen Volks­tumsgemeinschaft. Die aber wird am reinsten darge­stellt in der Jugend, -die an der Wende der Zeiten traft ihrer Geburt und ihres Einsatzes das Neue, Notwen­dige darstellen muß.

Ewig bleiben die Gesetze, daß Jugend lernen muß, was Generationen und Jahrtausende geschaffen haben. Das versteht sich von selbst. Aber aus diesem Geleinten Las Neue zu schaffen, diesem alten Bildungsgut die neue Seite abgewinnen, die gerade für unsere Zeit, für unsere Wendezeit notwendig ist — das ist die Aufgabe. Hier kommt es auf die schöpferische Kraft des Einzelnen dieser Jugendgeneration an. Es wird ihr nichts ge­schenkt . . . Aus der Freude am Aufbruch, aus dem Schwung des neuen Lebens muß nun in höchster Zucht der Mittel und des schaffenden Geistes das Werk ent­stehen, das über das Zeitliche, über das quellende Leben hinaus bleibt. Die Bereitschaft zu diesem Werk ist groß. Jetzt werden die Kräfte gemessen und gesammelt.