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Nr. 207.

Donnerstag, 1. August 1935.

83. Jahrgang.

Die wirtschaftliche Mobilmachung Italiens.

Staatsmonopole aus Kohle, Koks, Kupfer, Zinn und Nickel.

Rom, 31. Juli. Dom amtlichen italienischen Gesetzblatt „Gazetta Uffictale“ zufolge, ist mit dem 1. August der Ein­kauf im Ausland von Kohle, Koks, Kupfer, Zinn und Nickel unter Staatsmonopol ge- stellt. Mit der Durchführung des Monopols ist die italie­nische Staatseisendahnverwaltung beauftragt worden. Es sind Übergangsbestimmungen erlassen worben, um keine Storungen der Versorgung und bes Handels eintretcn zu lassen.

Rom gegen Stockholm.

US. Berlin, 1. Aug. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Obwohl gestern vormittag direkte Be­sprechungen zwischen den Staatsmännern in Genf statt­fanden, war man in der geheimen Ratssitzung am Nach­mittag doch noch zu keinem Ergebnis gekommen, sondern hatte sich genötigt gesehen, die Beratungen auf heute nachmittag 5 Uhr zu vertagen. Zn der Zwischen- o.ijt ist eine Einigung zwischen Laval und WEden über eine Kompromißformel herbeigeführt worden. Nach der Darstellung der „Times" läuft die Kompromißformel, wie zu erwarten war, auf eine Verschiebung der Entscheidung hinaus. Der .Schlichtungsausschuß soll durch einen fünften Schieds­richter verstärkt werden und eine Einigung über den Zwischenfall von Ual-llal herbeiführen. Wenn bis zum 4. September eine Einigung nicht erfolgt ist, soll der Völkerbundsrat das gesamte abessinische Pro­blem aufrollen. Inzwischen hofft inan in einer Kon­ferenz der Vertragsmächte von 1906 zu einer Einigung zu gelangen. Auch hierbei zeigt sich, daß der Völkerbund nicht in der Lage ist, von sich aus eine Entscheidung zu fällen. Er kann höchstens eine Kom- promißformel zwischen den interessierten Staaten sank­tionieren, eine Ausgabe, die zu dem jeweils geleisteten Aufwand in einem erheblichen Mißverhältnis steht. Lb Italien dem zwischen Laval und Eden getroffenen ---Kompromiß annehmen wird, steht noch aus. Ebenso eine Mitteilung über die Haltung Abessiniens.

Ml Die Begleitmusik, die zu all dem aus Italien herüberklingt, ist nach wie vor recht kriegerisch. Zunächst hat sich einmal Schweden die Gunst Roms ver­scherzt, zumal gerade in diesen Tagen ein Handels- und Freundschaftsvertrag zwischen Schweden and Abessinien abgeschlossen wurde. Außerdem hat ssch vor kurzem der schwedische Außenminister dafür eingesetzt, daß der Völkerbund die Frage -der Waffen- - -tieferungen in Abessinien regeln müsse. Beides hat den 1 Unwillen der Italiener hervorgerufen und vor allem -das „Giornale d'Italia" macht dieser Verärgerung gründlich Luft. Es wirft den Schweden vor, daß ihr General Erik Virgin zu den ersten militärischen Rat­gebern des Kaisers von Abessinien gehöre. Er trage 'trotz seiner Verwendung im abessinischen Dienst immer noch die schwedische Uniform. Ferner seien auch fünf schwedische Offiziere als Leiter einer abessinischen Militärschule tätig. An der Spitze des größten Hospi- tals stehe ein schwedischer Arzt und auch der Radio­dienst liege in schwedischen Händen. Es wird weiter daran erinnert, daß im vorigen Jahre der schwe­dische Kronprinz in Addis Abeba weilte, und es wird dann schließlich den Schweden vorgeworfen, daß de keineswegs uneigennützige Ziele in Abessinien ver­folgten. Auch der „Popolo d'Italia" beschäftigt sich eingehend mit den Schweden in Abessinien und kommt

dann zu dem Schluß, daß cs für Italien „mit Völker­bunds ohne Völkerbund und auch gegen den Völker­bund" nur eine Lösung der ganzen Frage gäbe, die militä rische. Denjenigen Politikern aber, die, wie der Franzose Pertinax befürchten, daß Italien sich in Abessinien zu sehr binden könnte und sich zu sehr für seine europäischen Aufgaben schwäche, erklärt Musso­lini gleichzeitig in einem Interview, das der „Intransigeant" veröffentlicht, daß er im September an der europäischen Grenze Italiens 800 0 00 Mann ein setzen werde, wenn es ihm nötig erscheine. Die Hälfte davon seien motorisierte Divisionen. Unter Umständen aber werde er auch eine Million und noch mehr an die Grenze stellen. Das alles ist eine nichtgerade sehr friedlicheBegleitmusikzu den Genfer Verhandlungen und läßt deren Aussichten nicht in besonders rosigem Licht erscheinen. Angesichts dieser ganzen Lage wird sich vielleicht Herr Benesch am wohlsten -fühlen, der, obwohl sonst glühender Anhänger des Völkerbundes, diesmal Genf fern geblieben ist, offenbar, weil er sich nicht der Gefahr aussetzen will, der italienischen Auffassung entgegentreten zu müssen und so Rom in dem Augenblick zu verstimmen, in dem der Donaupakt wieder spruchreif zu werden scheint.

Verlangt England Änderung des Entwurfs?

London, 1. Aug. (Eig. Drahtmeldung.) Zn einer heute am frühen Morgen eingegangenen Reuter­meldung aus Genf heißt es: Bei den Besprechungen, die bis kurz vor Mitternacht dauerten, beantragte der englische Völkerbuudsminister Eden, der mit Lon­don fernmündlich beraten hatte, mehrere wichtige Änderungen -des französischen Entschlietzungsent- wurfes. Es verlautet, daß diese Abänderungen des Wortlautes das Mindestmaß dessen darstellten, was von der englischen Regierung als befriedigend bezeichnet werden würde.

Zn einer anderen Genfer Reutermeldung heißt es, wenn es nicht gelinge, die italieniche -und die abessinische Zustimmung zu der aufgestellten Formel zu erhalten, dann werde Großbritannien voraussichtlich eine Erörte­rung der Eesamtfrage während der gegenwärtigen Völkerbundsratstagung verlangen.

@1*0 für den Rat bis 4. September.

_ Grund des französisch-englischen Kompromisses. — Noch keine Stellungnahme Roms und Addis Abebas. — Kriegerische Begleitmusik aus Italien. — Einer, der in Genf fehlt.

Die Rüstungen Amerikas im Pazifik.

Der Bau weiterer Schlachtschiffe und neuer Befestigungen werden erwogen.

seit einiger Zeit erwogen. Swanson de- sei jedoch nicht beabsichtigt, die Zahl der

Seltsam abweichende Äußerungen Swansons und Roosevelts.

n- Washington. 31. Juli. Marineminister Swanson er» “ätte in der Pressekonferenz, das Marineamt erwäge die Befestigung weiterer Besitzungen im Pazifik dem 31. Dezember 1936, sowie den Bau weiterer Schlachtschiffe und Kreuzer, um den Flottenver- •‘“«ungen anderer Mächte zu begegnen. Diese Maßnahmen Wurden bereits seit einiger Zeit erwogen. Swanson be= Jpnte weiter, es sei jedoch nicht beabsichtigt, die Zahl der Mchpunkte im Pazifik vor Ablauf des Washingtoner vtottenoertrages zu erhöhen. Er fügte hinzu, dies würde -Ns der Fragen sein, die bei einer künftigen Marine- ^Merenz zu erwägen wären. Auf eine Frage bezüglich der j**)tlipptnen, wo die amerikanische Afienflotte ihren ^mnternützpunkt hat, erklärte Swanson: Falls wir die Mrlippinen verlieren, dürsten wir vielleicht wo anders ehsgehen wollen. Der Marineminister führte weiter aus, p 5 die Vereinigten Staaten trotz der Meldungen, wonach . beabsichtigte, in den nächsten sieben Jahren

Millionen Dollar für die Modernisierung der Flotte 'Mugeden. an dem durch das Vinson-Gesetz bewilligten kvrtenbauprogramm festhalten würden, außer in bezug auf V^iachtschisfe und Kreuzer. Bezüglich der Schlachtschiffe

würden sich die Vereinigten Staaten nach dem richten, was andere Nationen täten.

Die Erklärung des amerikanischen Marineministers er­folgte nur wenige Minuten, nachdem Präsident Roosevelt in der Pressekonferenz gesagt hatte, daß die Gerüchte, die Vereinigten Staaten planten die Befestigung amerikanischer Inseln im Pazifik nach Ablauf der Flottenverträge von Washington und London, auf Vermutungen gegründet seien.

Niederlage Roosevelts im Bank-Ausschuß des Senats.

Washington, 31. Juli. Der Vankausschuß des Senats unterbreitete am Mittwoch dem Senatsplenum die Gold­klausel-Vorlage mit einem Zusatz, der innerhalb einer Frist von sechs Monaten nach Inkrafttreten des Ee- fetzes Schadenersatzansprüche gegen die Bundesregierung zu- taßt, wenn sie sich auf die die Goldklausel enthaltenden Regierungsbonds oder Zinsscheine beziehen. Die Bonds- Inhaber müßten im Falle der Klageerhebung jedoch Nach­weisen. daß sie durch die Weigerung der Regierung, die Obligationen zum Goldwert einzulösen, geschädigt wurden. Der Vankausschuß nahm diesen Zusatz mit 11 gegen 7 Stimmen gegen den Widerstand der Regierungsvertreter, die das Verbot aller Prozesse anstrebten, an.

2. August.

Jahrzehnte sind über den gewaltigen Tag, den 2. August 1914, dahingegangen. Millionen Wunden, die damals zu bluten begannen, sind verharscht. Die Frauen, die ihren Mann verloren, setzten ihm im Herzen ein stilles Kreuz, die Kinder, die vaterlos wurden, tragen in Ehrfurcht eine -unklare Erinnerung, und die Mütter glauben -in lebensfrohen Enkeln ihre toten Söhne wieder zu erkennen. Wie ein Wetter waren die Zähre von 1914 bis 1918 in Deutschland ein­gebrochen. Und so sehr auch Menschenhir-ne die Schuld und den Schuldigen an dem großen Krieg festzu-stellen suchten, ganz im Inneren blieb doch das Gefühl, daß mit dem unauslöschlichen 2. August ein elementares Schicksal anhob — der Aufriß einer neuen Epoche im Weltgeschehen — ein Schicksal, den Völkern Europas zur Bewährung gefegt.

Das deutsche Volk hat die Bewährungsprobe der vier eisernen Jahre bestanden, auch wenn seine Heere den Sieg nicht h-eimtragen dursten. Wir wissen heute, daß daran nicht das Volk schuld trägt, sondern das Über­maß der Gegner und eine unzulängliche Führerschicht. Aber kein Sieg, durch geschicktere diplomatische Haltung oder entschlosseneren Einsatz der Kräfte zu Beginn des Krieges errungen, hätte besser -die -innere Stärke unseres Volkes, seine Hingabebereitschaft beweisen können, als das verzweifelte Ringen gegen eine er­drückende Übermacht von Menschen, Material und Raum, als das treue Ausharren unserer Soldaten, da ihre Abwehrstellung schon ein verlorener Posten war.

Wohl warfen die Jahre nach dem Kräfte- und Nervenzusammenbruch von 1918 einen Schatten auf -die große Leistung int Kriege. Aber die Träger dieser Jahre waren nicht Herzglieder des Volkes; es waren verlorene Söhne, volksfremden Einflüssen verfallen. Das Volk, das feine Besten verblutet hatte, war nicht bei ihrem Tun, es erduldete nur in einem Zustand der Erschlaffung das unwürdige Treiben auf feiner Ober­fläche. Zn seinem Znneren aber gebar es die Kräfte der Reinigung, die stetig wuchsen, organisierte Gestalt gewannen und 1933, in dem denkwürdigen Jahr der Wende, den wesenlosen Spuk vertrieben und den Schatten von der deutschen Größe wie einen Staub wegwischten.

Unsere Frontsoldaten haben die deutsche Bewäh­rung in harten Taten bewiesen. Sie haben aber auch — in -dem unfaßlichen Geschehen gewandelt — den An­ruf einer neuen Zeit erlauscht und ausgenommen. Sie sahen in den Trümmern zerschossener Städte -mehr als umgelegte Häuser. Ihre hämmernden Hirne, die in Atempausen des Kampfes den rasenden Wahnssttn zu begreifen suchten, ahnten erst, wußten es später, daß in den „Stahlgewittern" eine Welt zerbrach. Eine Welt, die in der Heimat noch lebendig blieb, die Front­urlauber und Heimkehrer, die besten Söhne -des Volkes, wie Fremdlinge in sich einfraß. Einige vom Schicksal Bestimmte und einer — der Führer —, dem das geistige Rüstzeug gegeben und der leidenschaftliche Wille des Herzens, -setzte -der im Znneren bereits zersprungenen Welt den Aufriß einer kommenden entgegen. Er setzte das Wir gegen das Zch, Leistung und Wertschätzung gegen den Standesdünkel, das Volk gegen wesenlose internationale Phantasien, die Ration gegen den seelen­losen Dividendenstaat. Ter Führer schuf aus Front­kameraden und gläubiger Zugend die Bataillone seines Willens und brach mit ihnen, nach dem klar abschätzen­den überblick des Soldaten, Stellung auf Stellung der verzweifelt ©eitrigen, eroberte die Macht, gewann -das Volk und stellte die Richtsteine für feinen Marsch -in die Zukunft.

Der äußere Sieg ist uns im Kriege entglitten. Da­für ist uns der Sieg im Inneren gegeben worden. Er ist ohne die Erschütterungen des Völkerringens undenk­bar. Und in diesen inneren Sieg, den völkischen nationalen sozialistischen Staat, ist das Opfer und das Erbe unserer gefallen en Brüder gefaßt. Wir wissen uns diesem Erbe und seinem Sachwalter — dem Führer — verflichtet und fühlen, daß wir unser Tun stündlich und täglich an den Forderungen unseres Staates abstecken müssen. Dieses tätige Mitwirken ist unser lebendiger Dank an die, die der 2. August 1914 zum Kampf und zum Tod für die Heimat aufrief.