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Nr. 205

Dienstag, 30. Juli 1935

83. Jahrgang.

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Das Versagen der New Yorker Polizei.

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Dänemarks Bauern marschieren!

Die sozialdemokratisch-radikale Re­gierung Stauning konnte in den letzten Wochen auf ihr sechsjähriges Bestehen zurückblicken. Es ist sehr die Frage, ob sie sich dieser Tatsache mit besonderem Stolz bewußt geworden ist. Der Eintritt in das erste Regierungsjahrsiebent ist von Krisenluft umwittert. Der Marsch der dänischen Bauern nach Kopenhagen zeigt deutlich, daß die Opposition im Lande von den bis­herigen papierenen Protesten zu radikaleren Maß­nahmen übergehen will.

Liest man freilich die Meldungen über den Bauern- vormarsch, so bemerkt man sofort den keineswegs stürmischen revolutionären Charakter dieser Kundgebung. Der dänische Bauer blieb auch dies­mal seinem ruhigen, überlegten und etwas kühlen Wesen treu. Es war kein Beteranenmarsch nach Washington und auch kein Feldzug, wie ihn die Lappo-Bewegung in Finnland unter ähnlichen Umständen unternahm. Die Bauern reiften vielmehr durchaus in den Formen, die in dem begüterten und so lange krisenfesten Dänemark üblich sind. Sie meldeten Sonderzüge bei der Eisen­bahn an, mieteten Autoomnibusse, bestellten Sonder­fähren und Motorboote. Und auch die Regierung mar nicht so hartherzig, wie es ihr besonders radikale Elemente anfänglich anrieten. Sie stellten Turnhallen, Ouatiere, ja sogar leere Möbelwagen für die Zeh«- tausende der Einmarschierenden zur Verfügung. Sie sorgte nach Möglichkeit für ausreichende Verpflegung. Sie bemühte sich, die Fäden zu der Opposition nicht völlig abreißen zu lasten. Ein dänischer Revolutions­marsch also, aber trotzdem in seinen Auswirkungen nicht zu unterschätzen. Denn mit den Bauern marschier­ten mancherlei Sorgen und Nöte, marschierten Be­fürchtungen, die auch durch ein einfaches Entgegen­kommen der Regierung nicht ohne weiteres aus der Welt zu schaffen sind. Der dänische Bauer st e h t einer neuen verschärften Bedrohung seiner Existenz gegenüber. Er sieht sie näher­kommen, obwohl viele bedenkliche Krisenerscheinungen der Vergangenheit noch nicht beseitigt sind.

Man hat vor einigen Zähren nicht unrichtig von einem „englischen Trancezustand" gesprochen, in den die dänische Politik verfallen war. Man meinte damit die blinde Liebe um jeden Preis, mit der die Dänen nach der Entwertung des englischen Pfundes auf alle Wünsche ihrer westlichen Nachbarn eingingen. Sie versuchten nicht nur ihre Krone unter sofortiger Preis­gabe der Golddeckung an den Kurs des englischen Pfundes anzuhängen — was letzlich doch mißglückte — sie veranstalteten auch britische Warenmesten, ja eine britische Weltausstellung auf dänischem Boden, emp­fingen britische Flottengeschwader in der dänischen Hauptstadt, gebärdeten sich richtig „englandtoll". Bis diese Liebe allmählich abkühlte. Vis die Gegenstimmen ein immer lauteres Echo fanden und bis es heute soweit ist, daß der notleidenden dänischen Wirtschaft von Eng­land eigentlich die schwerste Gefahr der letzten Zahre. nämlich die Kontingentierung des Bacon-Exportes droht.

Man versteht diese Gefahr nur, wenn man die zu­nehmende Abdrosselung und Absperrung der überschüssigen landwirtschaftlichen Produktion Dänemarks von den Weltmärkten und besonders vom englischen. Markt ins Auge faßt. Die dänische Land­wirtschaft ist ja, ökonomisch betrachtet, ein sehr eigen­tümliches Gebilde. Sie ist in den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts zu einer reinen Veredelungswirtschaft geworden, die in Mittel- und kleinen Bauernbetrieben den pflanzlichen Rohstoff in Fleisch, Milch, Butter Schmalz und Eiern umwandelte. Die eingeführtcn Ölsaaten wurden in den Ölmühlen ausgepreßt, die Ölkuchen wanderten in den Viehtrog, die Öle in die hochentwickelte Margarineindustrie. Die RinÄviehwirtschaft produzierte in erster Linie Butter. Die dabei abfallende Magermilch wurde für die Schweinemast gebraucht. Ihr Endprodukt war das Bacon, der durchwachsene Speck, der in England das tägliche Nahrungsmittel bildet. Der Exportwille dieser sorgsam in sich abgestimmten Agrarwirtschaft war so stark, daß von der Gesamtproduktion der Landwirtschaft der überwiegende Teil ins Ausland ging. Es war ge­radezu Ehrensache, daß der dänische Bauer zu Hause Margarine aß, seine Butter dagegen nach Eng­land oder nach Deutschland schickte. Man kann sich vor­stellen, wie die Weltwirtschaftskrise, wie die immer stärker einsetzenden Zollabsperrungen auf die dänische Wirtschaft wirken mußten. Die Überproduktion' ließ sich nicht sofort drosieln. Dafür gingen viele Auslands­märkte verloren. Mit plötzlichem Ruck mußte das Schwungrad der Wirtschaft herumgeworfen werden. Aber der inländische Markt vermochte durch verstärkte Abnahme die Schäden nicht alle gut zu machen. Die Krise war da. Sie ließ sich durch Zwischenmaßnahmen

Das Wohin um Dos brWe glotlenprogromm.

Vorerst vertrauliche diplomatische Fühlungnahme mit den Haupt-Zeemächten

auf die Bereinigten Staaten. Jeder Tag bringt viel­mehr immer neue Nachrichten über kommunistische Wühlereien und Propaganda in der ganzen Welt. So haben im englischen Industrieveoier freche kom­munistische D e m o n st r a t i o n e n gegen die Polizei stattgefuNden. In Holland sind anläß­lich einer in Nymwegen abgehaltenen Tagung der nationalsozialistischen niederländischen Arbeiterpartei unerhörte Angriffe der Kommunisten gegen die Nationalsozialisten zu verzeichnen gewesen, Angriffe, die die Polizei zwangen, mit Gummiknüppel und Seitengewehr gegen die Kommunisten vorzu­gehen. Die Liste der kommunistischen Ausschreitungen ließe sich leicht fortsetzen. überall fließen die Gelder Moskaus und ^überall glauben die Jünger Moskaus zu der Tagung der Komintern ihre Begleitmusik durch einzelne Vorstöße geben zu müssen. Etwas ängstlich fragt man sich unter solchen Umständen auch in Schweden, oh man nicht die kommunistischen Emi­granten, die man aufnahm, jetzt abschieben könne, ehe sie größeres Unheil anrichteten.

Diese ganze neue kommunistische Aktivität aber ist eine Folge jener politisechn Beschlüsse, die in grenzen­loser Verkennung die Sowjetunion zum Vertrags­partner und damit zum politischen Faktor in Europa machten. Dafür ist dann beispielsweise in Moskau der Tschechoslowakei bestätigt worden, daß sie ein Herd der proletarischen Wettrevolution in Mitteleuropa sei und dafür erklärt auch Herr Pieck offen Laval: „Die Lage in Frankreich hat sich so zugespitzt, daß von der weiteren Aktivität der Masse jetzt das Schicksal der dritten Repu­blik abhängt." Diese Worte sprechen eine überaus deutliche Sprache und sollten eigentlich der Welt die Augen öffnen. Sie zeigen, daß die Politik, die der Führer in Deutschland eingeschlagen und in seiner großen Rede vom 1. Mai nochmals umrissen hat, die allein richtige ist.

New Yorker „Antinaziföderation"

berät über neue Überfälle auf deutsche Dampfer.

New Hort, 30. Juli. (Eia. Drahtmeldung.) Die Antinazi­söderation, die 139 000 Mitglieder zu zählen behauptet, beriet am Montagabend über weiteres Vorgehen gegen deutsche Dampfer und protestierte bei dem Polizeikom­missar wegen der Maßnahmen bei den Vorfällen auf der „Bremen", bei denen einer der Flaggenabreißer von einem Kriminalbeamten angeschossen wurde. Ferner verlangte die Versammlung die Freilassung der Verhafteten.

T as. Berlin, 30. Juli. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Während in Moskau der „Generalstab der Weltrevolution" tagt, sind fast in der ge­samten Welt ko m m u n i st i s ch e Ausschrei­tungen fest zustell en. Offenbar wollen die kom- mumstischen Sektionen der verschiedenen Länder den Beweis erbringen, daß sie die Moskauer Parole be­folgen, und daß sie nicht die Worte der „Prawda" über­hört , haben: „Die kommunistische Inter­nationale denkt nicht daran, ihre Hauptaufgabe aufzugeben, die in der Eroberung in der ganzen | W e l t für den Kommunismus besteht." Von einer gemeinsamen Abwehrfront ist freilich nichts zu spüren und wenn die spanische Zeitung „Asahi" den in Mos- r kau tagenden Kongreß der Komintern als „eine ein­zige, groß angelegte Provokation der ge­samt e n z i v i l i s i e r t e n W e l t" bezeichnet, und "als Bollwerks gegen die Weltreoolutionierung durch den Bolschewismus eine Internationale der Ord­nung und Zivilisation fordert, so ist man vieler­orts für solche Gedankengänge noch nicht reif. Aller­dings wind man z. T. nun doch wenigstens nachdenklich. Das gilt vor allem für die Bereinigten Staaten, Wu ein Teil der Presse, wie schon gestern berichtet wurde, scharf gegen die jüdisch-kommunistischen Aus- s schreitungen Stellung nimmt, wobei die „Washington Post" die berechtigte Frage aufwirst, was wohl die Amerikaner sagen würden, wenn etwa in Hamburg „eine Horde zweifelhafter Elemente auf ein amerikanisches Schiff drängen und die amerikanische Flagge herunterrsißen würde." Darüber hinaus aber - haben auch die M o s k a u e r S t r e i k a n w e i f u n g e n - an die amerikanische Arbeiterschaft in Washington die - Regierung veranlaßt, sehr genau zu prüfen, ob diese Moskauer Anweisungen nicht im Widerspruch stehen zu .3, | den Versprechungen, die Litwinow seinerzeit den ! Amerikanern machte, indem er zusicherte, daß Moskau keine, Propaganda in USA. betreiben würde. Auch die amerikanische Polizei scheint sich auf ihre Pflicht zu be­sinnen. Sie kündigt wenigstens umfangreiche Sicher­heitsmaßnahmen für die deutschen Schiffe an, aller­dings reichlich spät, denn die unerhörten Vorfälle auf der „Bremen" haben leider gezeigt, daß die New Parker Polizei versagt hat, da ihr, wie jetzt feststeht, die Absicht der Kommunisten recht- zeitig bekannt war. Und nun beschränken sich aber die kommunistischen Ausschreitungen keineswegs

alle wichtigen Seemächte zu veranlassen, ihre Karten auf den Tisch zu legen. Die einstweilige Geheimhaltung in der Ange­legenheit ergibt sich ans der heiklen Natur der Verhand­lungen. Es mag in diesem Zusammenhang erwähnt werden, daß gewisse fremde Mächte ihre Baupläne nur unter der Be­dingung mitgeteilt haben, daß die britische Regierung sie als vertraulich behandeln werd«.

2. Es ist niemals davon die Rede gewesen, in den Jahren 1937 bis 1938 acht Schlachtschiffe auf Stapel zu legen. Vor­aussichtlich werden je zwei in den Jahren 1937 und 1938 und eines 1939 auf Stapel gelegt werden, d. h. fünf Schiffe in drei Jahren. Bei einem erfolgreichen Ausgang der nächsten Flottenkonferenz dürfte sogar dieses bescheidene Pro­gramm vermindert werden.

3. Was die Kreuzer betrifft, so wird ihre Zahl sobald wie möglich von 50 auf 60 erhöht werden, falls nicht eine entscheidende Verminderung in den fremden Kreuzer­programmen eintritt.

4. Weder Italien noch eine andere Hauptseemacht hat formell die,Abschaffung der Schlachtschiffe vorgeschlagen, int Gegenteil ist Italien gegenwärtig dabei, die beiden größten Schlachtschiffe der Welt zu Bauen.'

5. Auf der nächsten Flottenkonferenz wird Großbritannien endgültige Vorschläge zur Abschaffung und „Ä ch t u n g" d e s U - B o o t e s machen. In dieser Beziehung wird es die un­eingeschränkte Unterstützung der Vereinigten Staaten und Deutschlands und, wie verlautet, die wohlwollende Fürsprache Italiens haben, besten endgültige Entscheidung von der Hal­tung Frankreichs abhängen wird. Somit entsteht nunmehr zum erstenmal ein mächtiger Block für die Ab - schaffungderU-Boote und die Hoffnung einer schließ­lichen Beseitigung dieser „unheimlichen" Waffe nimmt end­sprechend zu.

Ein Block für die Abschaffung der ll-Boote.

. . _ London, 30. Juli. Das gestern vom „Daily Herald" ver- := öfsenllichbe angebliche britische Floltenbauprogramm für die nächsten sieben Jahre, das einen Kostenaufwand von 150 Mill. Pfund Sterling erfordern sollte, wird beute vom Marinekorrespondenten des „Daily Telegraph" als vollkommen aus her 2uft gegriffen bezeich­ne:. Der Korrespondent führt aus, das Programm der Admiralität habe noch gar keine endgültige Form, da es voll- kommen von den Neubauten anderer Länder abhängen werde, und da die brittsche Regierung sich ohne vorherige Ermächti- gung durch das Parlament überhaupt nicht auf hohe Aus- 8 gaben iestlegen könne. Es feien zwar mehreren frem­den Regierungen in unverbindlicher Form Einzel- ; beiten hinsichtlich der Zahl und der Typen von Kriegsschiffen, die England in den nächsten Jahren zu bauen gedenke, in vertraulicher Form witgeteilt worden, aber das endgülttge Ausmaß dieses Programms laste sich nicht festsetzen, bevor die Absichten anderer Seemächte zumindest annähernd bekannt seien. Um diese Informationen zu erhalten, habe die Admiralität auf diplomatischem Wege eine rein vorläufige Schätzung der britischen Marineerfordernisse der nächsten Zeit übermittelt, die sich auf die vorhandenen fremden Programme gründeten.

> Der Korrespondent bezeichnet folgendes als zuverlässige Darstellung der Lage:

1. Das einzige Ziel der Seepolttik der britischen Regie­rung ist die Verhinderung eines neuen Austungswettlaufes nach Ablaus der Gültigkeit des g (Washingtoner) Flottenoertrages Ende nächsten Jahres. Um •wfes Ziel zu erreichen, unternimmt sie jede Bemühung, um

KoniiMinMe Vorslöhe in der ganzen Well.

Besorgnisse in Washington über die Entschließungen der Komintern. — Ausschreitungen in Holland. — Folgen der Moskaupakte.