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Nr. 183
Montag, 8. Juli 1935
83. Jahrgang.
Fernlprecher-Sammel-Nr. 59631. Berliner Büro: Berltn-Wilmersdorf.
Seschästszett: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, außer Sonn- und Feiertags.
Münster, 7. Juli. Reichsleiter Rosenberg hielt auf dem Gautag We stf al e n - N o rd - Münster eine große Rede, in der er sich u. a. mit unerfreulichen Einflüssen verschiedener ka tho l i sch« k i rch l i cher Stellen auseinander setzte. Rosenberg ging davon aus, Latz die geistigen Auseinandersetzungen, die heute sehr viele Staaten erfaßt habe, nicht ein Zufall, sondern das Zeichen einer Besinnung über den nicht nur politischen, sondern auch geistigen Zu- sanrmenbruch darstellen. Deutschland habe seinen tiefsten Sturz in der Bedrohung seiner gesamten seelischen Substanz durch den radikalen Marxismus und Bolschewismus erlebt. 3n Lieser Schicksalsstunde, da instinktiv ganz Deutschland nach echten Seelsorgern Ausschau gehalten habe, meldete sich
bedeckten Mahnen begrüßt. So standen hier, und damit kam die Symbolik -des Tages nochmals znm Ausdruck, die Soldaten des Weltkrieges und des neuen deutschen Volksheeres, flankiert von den alten, sturmerprobten Kämpfern der Bewegung. Es sprachen Oberst a. D. Reinhard, Ehrenführer Reichsstatthalter Ritter von Epp und Reichskriegsopferführer Oberlindober, während Generalleutnant Doll mann die Grüße der jungen Wehrmacht an die Waffenträger des alten Reichsheeres überbrachte.
Es schloß sich an, der Vorbeimarsch der Kolonnen vor dem Ehrenführer Ritter von Epp und dem Bundesführer Oberst Reinhard, ein Vorbeimarsch der vier Stunden dauerte. Das besondere Interesse der alten Soldaten fanden die zweistündigen Vorführungen des Reichsheeres, das in hochinteressanten Übungen sein Können zeigte.
Der Abend schließlich brachte V e r a n st a l t u n g e n kameradschaftlicher Natur, ein prächtiges Feuerwerk sowie eine Herkulesbeleuchtung. Das Wetter war dem Tage hold. Es war nicht zu warm und nicht zu kühl. So wird jeder, der diesen Tag -mitgemacht hat, nicht nur eine schöne Erinnerung mitnehmen, sondern, wie Vundesführer Reinhard sagte, auch den festen Vorsatz, mitz lisch affen am Staate Adolf Hitlers, mitzuschaffen an der Vollendung und Vertiefung der deutschen Volkseinheit
Rosenberg und der Bischof von Münster
Eine Rede des Reichsleiters auf dem Gautag Westfalen-Nord.
Ernste Schwierigkeiten im italienisch-abessinischen Schlichtungs -Ausschuß
Die Fortsetzung der Beratungen in Frage gestellt.
Haag, 8. Juli. (Eig. Drahtmeldung.) Infolge der in Scheveningen statrfrndenden Beratungen des italienisch-abessinischen Schlichtungsausschuffes haben sich Schwierigkeiten ergeben, die einen so ernstlichen Charakter zu tragen scheinen, daß die Fortsetzung der Arbeiten des Ausschusses in Frage gestellt ist.
Obwohl die Mitglieder des Ausschusses über Art
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Amerikanische Distanzierung.
Nachdem die abessinische Regierung auf der Suche nach einem Mittel, einen bewaffneten Konflikt zu verhindern, der der Entwicklung nach nahezu unausbleiblich erscheint und nur allzu leicht über das eigentliche Gebiet hinauswachsen könnte, beim Völkerbunde anze- klopft und dann das Schiedsgericht angerufon hatte, entschloß sich der Herrscher Abessiniens noch einen weiteren Versuch zu machen, besann sich auf das Vorhandensein des Kellogg-Pakt es und unterbreitete seinen Wunsch nach Vermittlung dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, deren Diplomaten ja vor sieben Jahren gemeinsam mit dem ehemaligen französischen Außenminister Briand diesen Pakt aus der Taufe gehoben hatten.
Damals hielten die beteiligten Staatsmänner die Zeit für gekommen, in der die Völker der Erde klaren Verzicht auf Austragung ihrer Meinungsverschiedenheiten durch Krieg aussprechen und vertraglich festlegen könnten und sollten. So entstand der sogenannte K r i e g s ä ch t u n g s p a k t. Auch Jtalien gehört ihn als Partner an, aber lange Zeit schon ist es recht sti! geworden um dieses politische Instrument, und dahe» mag es wohl kommen, daß alle seine berufenen Spiele nicht Lazu gekommen sind, Maßnahmen festzulegen, mit denen sich Sinn und Forderung des Vertrages erfüllen lassen, wie das von seinen Autoren vorgesehen war. Berühmte Beispiele zeigen übrigens, daß sich in heutige Zeit solche Maßnahmen kaum würden finden lassen.
Kann sein, das deswegen die Antwort Roose velts an die abessinische Regierung freundlich, hinweisend, jedoch auch verneinend ausgefallen ist. Wahrscheinlich war dafür aber Las Bedürfnis und der Wunsch maßgebend, sich von europäischen Angelegenheiten zu distanzieren. Denn liegt Abessinien auch im Schwarzen Erdteil, so ist der Konflikt doch zur europäischen Angelegenheit geworden; außer Italien sind direkt England und Frankreich an ihr beteiligt. In der Washingtoner Antwort fällt unbedingt der Hinweis auf den Völkerbund als gegebene Instanz auf, weil ja die Vereinigten Staaten in Genf nicht vertreten sind, wenigstens nicht als Bundesmitglied. Da aber die Londoner Regierung in ihren Vermittlungsvorschlägen so stark für eine völkerkundliche Erledigung des italienisch-abessinischen Konfliktes plädiert, mag Roosevelt befürchten, daß ein stärkerer Ausdruck seines Interesses am Konflikt und viel mehr noch eine auf seine Vermittlung hin erfolgende Befassung durch den Kellogg-Pakt von Italien und Frankreich als ein offensichtliches Zusammengehen der beiden angelsächsischen Staaten betrachtet werden könnte. Schon eine solche Vermutung aber würde, wenn auch in passiver Weise, die amerikanische Linie der Distanzierung beeinträchtigen.
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Der Dreiklang des Kasseler Reichskriegertages: Frontkämpfer, neue Wehrmacht, nationalsozialistische Bewegung.
das Zentrum, das sich aber nicht etwa auf die Seite der um ihr, Vater land besorgten Deutschen gestellt, sondern ein von maßgebenden Kirchenführern geführtes Bündnis mit dem landesoerräterischen Marxismus abgeschlossen habe.
3it weiteren Ausführungen beleuchtete Reichsleiter Rosenberg noch einmal die geschichtliche Situation von 1918 bis 1933, um dann an einem Beispiel darzustellen, wie anstatt dem Nationalsozialismus für die Errettung Deutschlands und somit auch aller katholischen Deutschen zu danken, die Zentrumsführer mit Hilfe der nach Auflösung der politischen Partei noch gebliebenen Organisationen unterirdisch, oft aber auch schon offen gegen den neuen Staat kämpfen. Reichsleiter Rosenberg verlas,Stellen aus einem Brief, den der Bischof von Munster an den Oberprästdcnten der Provinz Westfalen gerichtet hatte. _3n diesem Brief erklärt Bischof Clemens August von Münster, die Ankündigung, daß Reichsleiter Rosenberg in Münster sprechen würde, habe „in der christlichen und besonders in der katholischen Bevölkerung" der Stadt Münster bereits „schärfstes Befremden' erregt und die Ausführung des Planes würde „unfehlbar eine lebhafte Beunruhigung Hervorrufen.
Wörtlich schreibt der Bischof von Münster: „Boraus- fichtlich wird eine Minorität verführter und verhetzter Anhänger des Neuheidentums sein (Rosenbergs) Erscheinen be- grugen und zu christentumfeinÄlichen Demonstrationen be- Etzen eilt Auftreten Rosenbergs würde von der christlichen Bevölkerung Münsters als eine „ausreize öde Provokation" und als eine „Verhöhnung ihrer heiliMen und gerechten veltgiösen Überzeugung" empfunden werden und könnte zu verhängnisvollen Zusammenstößen führen". Zum Schluß et«
der Bischof ein Auftreten Rosenbergs in Münster in absehbarer Zeit durch die Regierung zu verhindern und bittet in einer -befristeten Zeit Mitteilung zu erhalten, ob diesem Antrag stattgegeben werde, da im Falle einer Ad«
Der Aufmarsch der 300000.
as. Kassel, 8. Zuli. (Drahtbericht unseres Sonder - berichterstatters.) Wenn am Sonntag in Kassel etoä 300 000 alte Soldaten des Weltkrieges aufmarschierten — die ursprünglich genannte Zahl von 200 000 wurde bei weitem überschritten, — wenn die alten Soldaten die Strapazen des Aufmarsches auf sich nahmen, so war nicht der Beweggrund ein Wiedersehen zu feiern mit denjenigen, mit denen man zusammengekämpft hatte. Der Sinn des 5. Reichskriegertages, des ersten im nationalsozialistischen Deutschland, war, zu zeigen, daß die alten Soldaten des Weltkrieges zusammenstehen, mit.den Soldaten des neuen deutschen Volksheeres und mit den Kämpfern der Bewegung. Das war der Dreiklang dieses Reichskriegertages, den man nach Umfang und Aufgabenstellung, wie es in den offiziellen Reden geschah, als Tag des deutschen Soldaten bezeichnen kann.
Alle Roden, die in Kassel gehalten wurden, klangen aus in das Bekenntnis, daß der Kyffhäuserbund, die alten Soldaten des Weltkrieges, treu zum Führer und zum Reich stehen, treu zu .dem Mann, der das neue Deutschland schuf und ihm die Wehrhoheir wiedergab. Wenn aber dieser Tag ein Tag des deutsckien Soldaten war, ein Tag des ' deutschen Soldatentums, das unverbrüchl'icy mit dem Nationalsozialismus verbunden ist, so war doch auch dieser Tag ein starkes Bekenntnis zum Frieden. Die alten Soldaten wollen «in starkes Deutschland, das die sicherste Bürgschaft Mr den Frieden in Europa ist, Eber sie denken nicht an einen neuen Krieg, wie Bundesführer, Oberst a. D. Reinhard, ausdrücklich bei einem Presseempfang unterstrich. Die alten Soldaten gedachten auch der Männer im anderen Graben, die gleich ihnen Mr das Vaterland kämpften. Das Wort des Kasseler Oberbürgermeisters Lah meyer, daß die Anerkennung der Tapferkeit des Gegners dem deutschen Krieger zur Ehre gereiche, wurde von dem Führer des Nationalfozialisti- schen Kriegsopferverban-des, O b e r l i ndob er, -noch weiter ausgeführt, indem er erklärte, daß wir gerade durch unsere Stärke das Recht haben, mit den Männern des anderen Grabens über Frieden zu sprechen.
Noch eine andere Frage klang auf, nämlich die, ob es möglich sein wird, die jetzt noch getrennt marschierenden Gruppen der Frontsoldaten zu einem einheitlichen großen Bund zusammenzufassen. Die Frage blieb offen, aber wie auch der Führer und Kanzler diese Frage entscheiden mag, die alten Soldaten werden immer, ob sie getrennt oder gemeinsam marschieren, nur ein Ziel kennen: Deutschland.
Zm einzelnen boten die Veranstaltungen in Kassel sb viel große und schöne Bilder, daß es unmöglich ist, allen Einzelheiten gerecht zu werden und alles zu -schil- idern, von -der großen Paradeaufstellung bis zu den einzelnen Erlebnissen, wenn sich plötzlich zwei alte Kriegskameraden wieder trafen. Der Vormittag brachte die Parade auf der Karlswiese. Hier waren die Masten des Kyffhäuserbundes mit ihren 20 000 Fahnen aufmarschiert. Dazu die verschiedenen Gliederungen der Partei, SA., SS., -sowie Abordnungen des Stahlhelms, des Reichsluftschutzbundes ufw. Mit besonderem Jubel wurde die Abordnung des Reichsheeres milden alten, ruhm-
und Tragweite der aufgetretenen Schwierigkeiten das größte Stillschweigen bewahren und der Preste keinerlei konkrete Informationen über den Verlauf der -hinter geschlostenen Türen sich abspielenden Verhandlungen gegeben haben, verlautet doch mit ziemlicher Sicherheit, daß bestimmte Darlegungen des Vertreters der abesti-ni- schen Regierung, des französischen Juristen, Professor Gaston Zöze, starke Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Ausschusses hervorge- rufvn haben.
Auflösung staatsfeindlicher Organisationen in Danzig.
Danzig, 8. Juli. (Eig. Drahtmeldung.) Der Danziger Polizeipräsident har den „Bund nationaler Beamter" und die Danziger Gruppe der internationalen Bibelforscher mit sofortiger Wirkung aufgelöst.
Beide Organisationen hatten sich staatsfeindlicher Betätigung schuldig gemacht. Den sogenannten „ernsten Bibelforschern" konnte erst vor wenigen Tagen in einem Gerichtsverfahren kommuni st i sch eZersetzungstätigkeit nachgewiesen werden. Bei den Angehörigen des „Bundes nationaler Beamter" handelt es sich um ausgesprochen reaktionäre Elemente, die sich nicht gescheut haben, trotz ihrer Eigenschaft als Staatsbeamte beziehungsweise Pensionäre vor wenigen Tagen in einer Veranstaltung die Danziger Regierung in der übelsten Weise zu verunglimpfen und zu verleumden, mit der ausgesprochenen Absicht, die Autorität der Regierung zu untergraben.
