Einzelbild herunterladen
 

r -

WKbsökm TAW

. Dhellenberg'sche HostuchLmckerei, „Tagblatt-Hau,". Wöchentlich 7 Ausgaben "1 vitAmiHAn« Sflmetitne nur« K va

Ausgaben

Wöchentlich

S. Ähellenbrrg'Iche H-fbuchdruckerei, „ZagMatt« Saus'

Werktäglich nachmittags, Samstags vor- u. nachmittags

mit einer täglichen

Unterhaltungsbeilage.

SriegtamiUääBrefR: Tagblatt Wiesbaden.

Höchste Abonnentenzahl aller Tageszeitungen Wiesbadens und Nassaus.

Postscheckkonto: Frankfurt a. M. Rr. 7405.

Fernsprecher-Samrnel-Nr. 59631. Berliner Büro: Berlin-Wilmersdorf.

Geschäftszeit: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, außer Sonn- und Feiertags.

Anzeigenpreis«: Ein Millimeter HSH« der 22 Millimeter breiten Spalte im Anzeigenteil Grund­preis 6 Rpf., der 85 Millimeter breiten Spalte im Tertteil 45 Rpf., sonst laut Tarif Nr. 3, Nachlatzstaffel C. — Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen und Plätzen wird leine Gewähr' übernommen. — Schluß der Anzeigen.Annahme 10 Uhr vormittags. Größere Anzeigen müssen spätestens einen Tag vor dem Erscheinungstage aufgegsben werden.

BMtgspreise: Für eine Bezugszelt von 2 Wochen 94 Rpf-, für einen Monat RM. 2.— ein- schnetzltch Traglohn. Durch die Post bezogen RM. 2.35, zuzüglich, 42 Rpf. Bestellgeld, Einzel- nummern 10 Rpf. — Bezugsbestellungen nehmen an: der Verlag, die Ausgabestellen die Träger und alle Postanstalten. — In Fällen höherer Gewalt oder Betriebsstörungen haben die Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung des Blattes oder auf Rückzahlung des Bezugspreises.

Nr. 176.

Montag, 1. Juli 1935.

83. Jahrgang.

in

Ein neues FrennWasls-Beköllntnis Lord Aliens für WM

.US mit stürmischem Jubel be-

Die inneren Spannungen in Österreich.

Zoischcnsall bei einem Aufmarsch des Heimatschutzes Wien.

das gesamte Programm dieses Kommumguss verwirk­licht werden würde. Zu diesem Problem aber gehört be­kanntlich nicht nur der Lustpakt, sondern auch der Ost- und Donaupakt. Die „Times" hat in einem längeren Artikel bereits klargestellt, daß man auch hier schritt­weise vorgehen müsse und daß der beste Weg die Mei- seitigen Verhandlungen seien. Wenn französische Blät­ter den Engländern vorwerfen, daß sie dann den Geist von Stresa verletzten, so ist die Antwort, daß das nicht der Fall sei, denn schon in Stresa habe man Mussolini die Vorbereitung der Donaukonferenz überlassen. So müsse auch jetzt jede Macht das Problem fördern, das ihm besonders am Herzen liege. Dabei würde dann der Luftpakt sozusagen zur Zuständigkeit Großbritanniens und der Ostpakt in das Ressort Frankreichs gehören.

An sich wäre dabei wohl denkbar, daß Frankreich jetzt eine starke außenpolitische Aktivität entwickelt. Laval ist die Sorge um die Kammer los, nachdem das Parlament nach einer Nachtsitzung am Samstag in die Ferien gegangen ist. Auf der anderen Seite müssen aber jetzt in Frankreich die Sparerlasse herausgebracht werden und es kommt weiter hinzu, daß die Frage der Verbände der Pariser Regierung nach wie vor erheb­liche Sorgen macht. Alles das find Dinge, die die Auf­merksamkeiten des französischen Ministerpräsidenten Laval, der ja gleichzeitig das Außenministerium ver­waltet, mit in Anspruch nehmen. Die Neigung, Eng­land auf dem „neuen Verhandlungswege" zu folgen, scheint in Paris ohnehin nicht sehr groß zu sein und „Ouevre" glaubt, das Höchstmaß an Zugeständnissen, das Laval den Engländern machen könne, sei, daß Frankreich vielleicht ein Abkommen über Toilfragen des europäischen Problems unterzeichnen könne, wenn es feststelle, daß die übrigen Fragen auf dem sicheren Weg zu einer Lösung seien. Aber selbst das geht schon ver­schiedenen Pariser Blättern zu weit und so sieht man vorerst noch nicht klar, wie sich die Dinge nun weiter entwickeln werden.

England und Irland.

Aufsehen erregende Rede de Baleras.

Dublin, 1. Juli. In einer Rede in Limerick sprach am Sonntag de Valero von dem englischen König als einem ausländischen König und sagte, wenn die Irländer frei wären, so würden sie ihn nicht zu ihrem Herrscher wählen. Bevor die Regierung ihr Amt verlasse, werde sie eine von Grund auf irische Verfassung einbringen. Der Augenblick der völligen Freiheit sei sehr nahe.

Lavals Position.

88. Berlin, 1. Juli. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Der englische A u ß e n m i v ist e r will im Laufe dieser Woche eine Erklärung zur inter­nationalen Lage abgeben. Wenn auch diese Er­klärung nach der Berichterstattung Edens über seine Er- kundungsfahrt nach Paris und Rom erfolgt, so wird man doch kaum viel sonderlich Neues zu hören be­kommen. Aus der englischen Presse geht hervor, daß die abessinische Frage der Londoner Regierung noch immer sehr erhebliche Sorgen macht, viel weniger um der englischen Interessen in Abessinien willen als viel­mehr wegen des Schicksals des Völkerbundes. Musso­lini hat Eden bei dessen Aufenthalt in Rom wohl keinen Zweifel daran gelassen, daß Italien den Völker- bund verläßt, wenn dieser sich in den italienisch- abessinischen Konflikt einmischt. Eine Antwort darauf hat gewissermassen Baldwin erteilt, als er in einer Rede erklärte, daß die Völkerbundssatzungsnss ein Eck­stein der englischen Politik seien. Man ist in England offenbar sehr verwundert, in diesem Kampf für den Völkerbund Frankreich diesmal nicht an der Seite der englischen Regierung zu sehen, da Frankreich offen­bar die neue Freundschaft mit Rom nicht auf das Spiel setzen will. Mit Besorgnis ver­nimmt man in London von weiteren italienischen Teuppenverschisfungen und ebenso die kriegerischen Töne, die aus Abessinien selbst herüberschallen.

Die schwierige Frage, was nun weiter geschehen soll, wird durch das abessinische Problem nicht eben leichter. Alle Kritik, die das deutsch-englische Flotten- abkommen in Rom und Paris gefunden hat, hat an den Ansichten der englischen Regierung nichts geändert. Baldwin hat erst vorgestern wieder das Abkommen als den e r st e n praktischen Schritt z u r A b - rüstung bezeichnet. Er hat aber auch gesagt, daß England an dem Londoner Kommunique vom 3. Februar festhält und ernstlich hofft, daß

Was soll jetzt geschehen?

Vor einer englischen Regierungs-Erklärung. — Londoner Sorgen um den Völkerbund Die neuen Verhandlungs-Methoden.

Rufen: „Rieder mit den Klerikalen, Nieder mit Bürgermeister Schmitz!" aufsprengte, in das Innere des Gebäudes eindrang und auf dem Balkon eine grünweiße Fahne hißte. Andere Darstellungen behaupten, baß di« Heimatschützler durch eine Abordnung di« Hissung der grünweißen Fahne durchsetzten.

.. In dem Bericht der Heimwehr-Korresponbenz über den Aufmarsch des Kraftfahrkorps der Heimwehr in Wien wird bei Vorfall vor dem Rathaus nur kurz gestreift und gesagt: . „Rach der Fahrt durch Wien sammelten sich di« Kraft­fahrer auf dem Rathausplatz, wobei die Hissung der gvün- weißen Fahne auf dem Rathai grüßt wurde.

Die Verfassungsreform in Frankreich.

Wahlrechtsausschutz der Kammer gegen Einführung »es Verhältniswahlsystems.

Paris, 30. Juni. Der Wahlrechtsausschuß der Kammer hat sich grundsätzlich gegen die Einführung des Verhältnis­wahlsystems ausgesprochen, über das einem von der Kammer angenommenen sozialistischen Entschließungsentwurf gemäß der Ausschuß dem Plenum berichten sollte. Dieser Bericht wird erst im Herbst nach dem Wiederzusammentritt des Parlaments zur Beratung gestellt werden.

Wien, 30. Juni. Das Kraftfahrkorps des österreichischen Heimatschutzes veranstaltete am Sonntag einen Aufmarsch in Wien, an dem etwa 2000 Fahr­zeuge aus ganz Österreich teilnahmen. Gegen Mittag defi­lierten die Kraftfahrzeuge über die Wiener Ringstraße. An­schließend daran ereignete fich in den ersten Nachmittags­stunden, wie man jetzt erfährt, ein Aufsehen erregen­der Zwischenfall, der allerdings noch nicht völlig ge­klärt ist. Eine größere Gruppe Heimatschützler geriet darüber, daß auf dem Wiener Rathaus nicht die grünweiße Fahne des Heimatschutzes gehißt wurde, in große Aufregung und demonstrierte vor dem Rathwusgebaude. Bald er­schien Minister F e y, der Landesführer des Wiener Heimat- schrtzes auf einem Maschinengewehrwagen und hielt eine kurze Ansprache, in der er nach Berichten von Ohrenzeugen er­klärte, daß es sich wieder zeige, wie notwendig die inner« E-ichlossenheit des Heimatschützes fei. Die Schilderungen über di« weiteren Vorfälle gehen nun auseinander. Es heißt, daß ein Trupp Heimatschützler die ge­schlossenen Tore des Rathauses unter den

Die Flottenpläne der Vereinigten Staaten.

Washington, 1. Juli. (Eig. Drahtmeldung.) Wie aus Kreisen, die dem Marineamt nahestehen, bekannt wird, soll vom Jahre 1937 ab jährlich ein Schlachtschiff d o n 3 5 0 0 0 Tonnen gebaut werden. Ein vorläufig aus- gearbeiteter Bauplan sieht den Bau von mindestens sieben solcher Schlachtschiffe vor, die möglicherweise auch gebaut werden sollen, falls ein neuer Flottenpakt zustande kommen sollte.

Der vorläufige Bauplan für das Haushaltsjahr 1936/37 enthalt, wie aus derselben Quelle verlautet, ein Schlacht­schiff, zwölf Zerstörer von 1500 Tonnen und sechs Unterseeboote.

Der Bau der 35 000-Tonnen-SchIachtschiffe wird damit begründet, datz die Vereinigten Staaten nur wenige über­seeische Flottenstützpunkte hatten und diesem Mangel durch eine entsprechende Anzahl schwerer Kriegsschiff« mit großer Reichweite ausgleichen müßten. Die künftigen Schlachtschiffe müßten daher mit weiterreichenden Geschützen, verstärktem Deckpanzer, größerer Schnelligkeit und größerer Reichweite ausgestattet sein, als die jetzt vorhandenen 15 Schlachtschiff« der amerikanischen Flotte.

Wiedergutmachung der Fehler von Versailles.

London, 1. Juli. (Eig. Drahtmeldung.) Lord Allen of Hurtwood schreibt in einem Bries an die „Times", nach 16 tragischen Jahren gebrauche Großbritannien seinen Einfluß, um die Fehler auszulöschen, die Europa in siegreiche und besiegte Mächte geteilt hätte. Mit eindrucksvoller Ein­helligkeit habe das britische Volk seiner Regierung beim Aus- strecken der Bersöhnungshand an Deutschland unterstützt. Mit unbedingter Entschlossenheit zerschneide England das Netzwerk juristischer Formalitäten und erreiche endlich den Kern des Problems. Die britische öffent­liche Meinung bleibe dabei, daß nunmehr nichts die An­erkennung Deutschlands als gleichberech­tigte Schwesternation verhindern dürfe. Diese Gleichheit, erklärt Lord Allen, müsse ihre Erfüllung in einem System kollektiver Sicherheit finden. Er fährt dann fort: Diese Wiederversöhnung Europas ist von solcher Wichtigkeit, und das neue Einvernehmen zwischen Großbritannien und Deutschland ist so aussichtsvoll, daß ich mich nicht enthalten kann, einen weiteren Fortschritt zu befürworten. Wenn all dieser gute Wille auf eine feste Grundlage kommen soll, müssen wir ihn im tiefsten Herzen empfinden. Wir müssen Deutschlands Hand nicht nur ergreifen, weil wir unsererseits die Fehler von Versailles wieder gutzu­machen wünschen, sondern weil Sir aus aufrichtigem freiem Antrieb wünschen, die Freunde unserer deutschen Nach­barn zu sein.

Es verbleibe, meint der Einsender weiter, aber noch ein Gefühl des Zauderns und Bedauerns. Lord Allen führt dies auf den inneren Eeftaltwandel Deutschlands zurück, dem er als Liberaler bekanntlich ablehnend gegen­übersteht, der allerdings, wie er zugibt, eigene Ange­legenheit derDeutschensei.

Getrennte Wege, gleiches Ziel.

Militär und Politik in Japan.

Die Entwicklung des neuerlichen Konfliktes zwischen Japan und China hat inzwischen ein Tempo angenommen, das deutlich macht, wer diese ganzen Aktionen 'hervorgerufen hat und wer diese Wege zu einer Verstärkung des japanischen Einflusses in China bis zum Ende zu gehen beabsichtigt. Es ist einzig und allein das Militär, die Kwantung-Armee auf dem Festland. Daß man nach außen hin und bei Besprechungen mit Journalisten auf Seiten der japanischen Diplomatie ein Interesse daran hat, die Absichten und Wünsche der Armee mit denen der hohen Politik zu identifizieren, erklärt sich ans dem Bestreben, nach außen hin nicht zu erkennen zu geben, daß im Grunde erhebliche Spannungsmomente zwischen beiden Polen vorhanden sind.

Tatsächlich aber wäre es wohl der japanischen Diplo­matie lieber gewesen, eine Art gütliche Durchdringung durchzuführen und keine militärische Besetzung Nord- chinas, die überdies mit schweren finanziellen Opfern für die Nation verbunden ist. Auch die Gründe, die schließlich zur Besetzung von Tientsin durch -b:- japanischen Truppen geführt haben und sicherlich in ab­sehbarer Zeit zur Okkupation von Peiping führen wer­den, sind rein militärisch, wie es auch regelmäßig bas Heer war, das Verletzungen irgendwelcher Neutralität ufw. konstruierte, um mit der Waffe in der Hand vor­wärts stürmen zu können. Daß das Außenministerium in Tokio sich regelmäßig den Aktionen der Armee zu unterwerfen pflegt,- hat seine natürliche Erklärung darin, daß man zwar auf getrennten Wegen marschiert, im Prinzip aber das gleiche Ziel hat. Da außer­dem die Operationen des Heeres erfolgreich sind, fällt es Tokio nicht sehr schwer, nachzugehen und das Ver­fahren der Truppen durch die Diplomatie zu decken. Der wundeste Punkt ist und bleibt die Finanzlage, denn die Armee macht sich nach echter Soldatenart 'rela­tiv wenig Gedanken um die Finanzierung ihrer kost­spieligen Vormärsche, während sich die japanischen Poli­tiker der Verantwortung bewußt sind und sich stirnrun­zelnd die Frage vorlegen: „Wie sag' ich's meinem Volke?" Hierbei kommt den Staatsmännern allerdings das ausgeprägte japanische Nationalgefühl und die für europäische Begriffe fast unbegrenzte Opferbereitschaft dieses zähen und energischen Volkes zustatten. Für die Mehrung des japanischen Ansehens unib des japanischen Besitzes wird die Nation jeden Weg gehen, von dem sie sich in dieser Hinsicht Erfolg verspricht.

Es ist sehr wohl möglich, daß die japanische Politik nach genügender Zermürbung der Chinesen ein end­gültiges Veto gegenüber den militärischen Plänen ein- legt, da dann die Frucht schon so reif fein dürfte, daß sie mühelos abgepflückt werden kann oder auch selbst ab­fällt. Vorläufig aber werden Heer und Politik noch verschiedene Wege gehen, die allerdings, wie schon be­merkt, in einem gemeinsamen Zielpunkt münden.

Der Brief schließt, kein Engländer, der nicht den Vorzug gehabt habe, in freimütiger Aussprache mit dem Führer des deutschen Volkes zusammenzukommen, könne jemals völlig be­greifen, wie tief das Eisen der Ungerechtigkeit in das Herz eines stolzen und großen Volkes wie des deutschen einge­drungen sei. Nur weil einige Engländer diese Tatsache so lebhaft erkannt hätten und so ernstlich danach strebten, ihren Beitrag der Achtung und Versöhnung zu liefern, wage er es so zu schreiben, wie er es sich in diesem Brief-erlaubt habe.