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Z Nr. 175

Sonntag, 30. Juni 1935

83. Jahrgang

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Was wird aus der Verständigung?

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Man könne hoffen, wie von geroificr Seite verlaute, daß die zwischen Paris und Rom geführten militärischen Be­sprechungen eine Annäherung zwischen Italien und der Klei-

Line Generation tritt allmählich von der politischen Bühne Frankreichs ab, die dort eine furchtbare Rolle gespielt hat. Denn — Frankreich hat sich seines frag­würdigen „Siegs" von 1918 niemals erfreuen können. Dazu war dieses Ergebnis einmal zu teuer erkauft zweitens innerlich zu unwahr, um wirklich beglücken Früchte tragen zu können.

nationalsozialistische Deutschland, die Ruhe und Be­sonnenheit der Regierung des Führers, die unantast-

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nen Entente erleichtern könnten. Denn es sei anzunehmen, daß Frankreich gegenüber Italien keinerlei Verpflichtungen eingehen werde, wenn Italien sich nicht seinerseits gegenüber der Kleinen Entente verpflichte.

Andererseits könne der bevorstehende Abschluss des rumänisch-sowjetrussischen Paktes die Herbei­führung der Anerkennung Sowjetruhlands durch Südflawien erleichtern. Auch der Abschluß eines Donaupaktes bleibe ebenso problematisch wie fernliegend, nachdem bezüglich dieses Paktes derart viele verschiedene Vorschläge in den letzten Monaten aufgetaucht seien, dah man sich ihrer kaum noch erinnern könnte. Schließlich bestehe auch noch die Möglichkeit eines italienisch-abessinischen Krieges. Frankreich jedenfalls könne fein Programm und die von ihm seit 15 Jahren betriebene Politik nicht plötzlich verleug­nen. Deshalb könne es nichts unternehmen, was im Wider­spruch zu den Interessen seiner alten und neuen Verbündeten stehe.

.'.des Schatzes ein gewisses Dunkel. Als nun in der letzten .Zeit nicht zuletzt dank der Vermittlung des französischen Freundes sich das Verhältnis zwischen Rumänien und Sowjetruhland wesentlich besserte, besannen sich die Russen barauf, dah die rumänischen Archive noch in ihrem Besitz seien und erklärten sich grohmütig zur Rück­erstattung bereit. Man hat das damals nicht mit Un­recht als ein Zeichen der Annäherung zwischen Bukarest und Moskau betrachtet. Ms nun aber jetzt der von der

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i~=| Der Hauptpunkt für Frankreich und für ganz Europa fei die Frage der Begrenzung der Landrüstungen. Man müsse eingestehen, dah die französischen Diplomaten, 5' wohin auch ihr Blick sich wende, nach dem Abschluß des ‘5-; deutsch-englischen Flottenabkommens nur grohe Schwie- L: rigleiten sehen. Selbst nach seiner grundsätzlichen An- 'S- nähme des Ostpaktplans durch Deutschland könne es z. B. ”, Verwicklungen geben, wenn Polen sich der Teilnahme der < j Tschechoslowakei widersetze oder wenn Deutschland eine Regelung der Memelfrage verlange. Noch mehr i z. Schwierigkeiten tauchten auf, wenn man an 'den Balkan- ----- Pakt denke. Die letzte Regierungskrise in Südflawien habe ■=“! Jbie Versöhnung zwischen Italien und Südslawien hinausge- ©'• Zögert ebenso wie die so sehr erwartete diplomatische Aner- ßennung zwischen Belgrad und Moskau.

rumänischen Regierung gemietete Dampfer „Prinzessin Maria", bet bas Archiv in Odessa an Bord genommen hatte, in Konstanza eintraf und man nun bie Kisten — es waren ihrer nicht weniger als 1444 — öffnete, ba stellte sich heraus, daß man zwar eine Menge Makulatur zuruckerhalten hatte, auch einiges heute völlig wertloses Papiergeld, schliehlich auch bie Gebeine eines mol­dauischen Fürsten, nur von Eolb war beim besten W i I l e n n i ch t s z u finde n. Darüber ist man nun begreiflicherweise in Bukarest ziemlich verschnupft, benn man hatte schon sehr sicher mit diesem Betrag gerechnet.. Es fehlt int übrigen nicht nur bas Gold, sondern es fehlen auch der Ju we lens chatz der königlichen Familie und bie Pfänder des Bukarester Leihhauses, bie Wertsachen des „kleinen Mannes", bie man damals ebenfalls nach Rußland verfrachtet hatte. Die Sowjets stellen sich nun auf den Standpunkt, dass sie keine Verantwortung für den Verbleib aller dieser Kostbarkeiten übernehmen könnten, benn alles das fei ja gar nicht ihnen, sondern der Zarenregierung übergeben worben. Mit dieser Auskunft scheint man sich aber in Bukarest nicht begnügen zu wollen, viel­mehr wird berichtet, baß Titulescu in der Unterredung mit dem sowjetrussischen Botschafter sehr energisch ge­worden fei. Ja, es gibt rumänische Blätter, die meinen, datz von einer Verständigung mit Moskau nicht eher die Rede sein könne, ehe bie Sowjets Nicht das Gold her­ausgerückt hätten. Da sowohl den Framosen als.auch den Sowjetrussen viel daran gelegen ist, Rumänien, das ja die Brücke zwischen Rußland und der Tschechoslowakei bildet, in das System der Bei­standspakte einzubeziehen, so kann sich Herr Titulescu schon einer scharfen Sprache bedienen. Ob damit bas Gold allerdings wieder herausgezaubert werden kann, ist eine andere Frage. Aber auch an bet zurückgeliefer­ten Makulatur hat man in Rumänien wenig Freude. In einigen Kisten befanden sich Damenkleider, bie einige sehr eifrige Beamte der damaligen Zeit offenbar für ihre Frauen retten wollten, bei anderen Kisten soll der Inhalt nicht mit dem Verzeichnis übeteinstimmen. Kurzum, die „symbolische Geste" bet Sowjets scheint unter solchen Umständen die Freundschaftsgefühle in Bukarest nicht gerade gestärkt zu haben.

Frankreich hat das Wort...

. Der französische Ministerpräsident Laval hat zum erstenmal Worte für bie Möglichkeit eines „Arrange­ments" zwischen Deutschland und Frankreich gefunden, bie aufhorchen lassen. Es scheint doch so, als ob sich bet kluge und «unabhängige Chef der französischen Regie­rung der Einsicht in bie wirkliche Lage Europas nicht verschließt, wenn auch von solchen ersten Worten bis Zur Tat aus Einsicht noch ein recht weiter Weg liegt.

Wenn wir die Dinge grundsätzlich betrachtens so müssen mir feststellen, baß seit dem Regierungsantritt PoincarLs als Präsident der französischen Republik vor dem Weltkriege bis heute zwischen Frankreich und Deutschland nicht bas bestanden hat, was man „normale Beziehungen" nennt. Victor Margueritte weist in seinem Buche über Briand darauf hin, daß man das An­gebot Kaiser Wilhelms an Poincarä von 1913 nicht ver­gessen dürfe, wenn man die alten Streitfragen erörtere: „Eine Verständigung, bet die Autonomie beider Pro­vinzen (Elsaß und Lothringen) zugrunde liegen sollte." Und der Verfasset — dessen Abstand von bet national­sozialistischen Weltanschauung gewiß unermeßlich ist, der aber wertvoll als Zeuge für den ununterbrochenen deutschen Friedenswillen sein dürfe —, ber Verfasser fährt fort: „Das Deutsche Reich hätte den Provinzen Elsaß-Lothringett bie Autonomie gewährt, die sie haben, menn'bet „Überloti)ringer“ (Poincato), dank ber Ge­wißheit einer englisch-russischen Unterstützung, nicht ent­schlossen gewesen wäre, sie ihm gewaltsam zu entreißen."

Heute, wo wir nach dem Wort bes Führers keine territorialen Streitfragen mit Frankreich mehr haben, heute ist es wertvoll, sich in vielleicht entscheidender Stunde einmal zu erinnern, wie Deutschland immer wieder, selbst in höchster Bedrängnis, zu all den Zuge- ständnisseit ‘bereit wat, die Frankreichs Wünsche befrie­digen sollten. Der „Poincarismus" hat Millionen französischer und deutscher Männer geopfert, hat namen­loses Unglück über Europa gebracht und hat auch nach ber Erfüllung aller grausamen Wünsche dieser „alten Männer" Frankreichs nicht geruht: Immer und immer wieder wurde die Haßpsychose belebt, und bis jetzt waren es immer wieder noch die alten Gedanken Poincatäs, bie Frankreich daran hinderten, wirkliches Vertrauen zu Deutschland zu fassen. Was nie be­standen hatte: die Gefahr eines Überraschungs- fchlages ber Deutschen gegen bas französische Völk und Land —, das wurde seit Jahrzehnten als oberster R i ch t g e d a n k e für die französische Politik ge­nommen. Einet Schimäre opferte man in Frankreich den Frieden, die Ruhe, bas friedliche Gedeihen zweier Völker.

Aber die Zeit ist erfüllt: diese Legende vom deutschen Angtiffsw illen ist erschöpft. Das war deutlich zu spüren, als nach der Verkündigung ber Wiedereinführung ber allgemeinen Wehrpflicht in Deutschland es nicht möglich war, im französischen Volke eine Psychose bes Schreckens festzustellen oder zu er­wecken. Die Worte Adolf Hitlers, fein überwältigendes, immer wiederholtes Bekenntnis zum Frieden — als ber Rettung Europas — haben stärket gewirkt, als alle auf­putschenden Parolen ber deutschfeindlichen Presse.

Schwierige Probleme.

Paris, 29. Juni. Nach dem enttäuschenden zweiten Eden- Besuch in Paris bemüht sich die französische Presse, die Richtung zu finden, die auf das geplante französisch- englische Kompromiß über die zu verfolgende Methode zur ^Regelung ber in der Londoner Februarerklärung angeführten Probleme hinführt. Bemerkenswert ist, was die über die Absichten des französischen Außenministeriums gewöhnlich Dmsgezeichnet unterrichtete Mitarbeiterin des „Oeuvre" lausfuhrt:

Es bestehe kein Zweifel, so schreibt sie, datz sich in einigen Tagen am Quai d'Orsay eine leichte Entwicklung in den diplomatischen Methoden zeige, die nach den Erklärungen von London und Stresa angewandt werden soll­ten. Man glaube nämlich, daß der Quai d'Orsay sich viel-

Die französische Politik nach dem Eden-Besuch

Entwicklung der diplomatischen Methoden.

Unterredung des Kaisers

mit einem englischen Pressevertreter.

London, 29'. Juni. In einer Unterredung mit einem Sonderberichterstatter des „News Chronicle" 'erklärte der Kaiser von Abessinien u. a., wenn es zu einem Krieg komme, werde er seine Truppen selbst anführen. Auf die Frage, ob er wirklich an einen Krieg glaube, antwor­tete er, er vertraue immer noch daraus, datz der Völkerbund und die Großmächte den Krieg verhindern könnten. England und Frankreich hatten hilfreiche Bemühungen für eine fried­liche Regelung des Streitfalles gemacht. Die Mitteilung, daß England wirtschaftliche Zugeständnisse Abessiniens an Italien vorgeschlagen habe, sei nur ein Presse­bericht. Im Verlaufe der gegenwärtigen Verhandlungen habe Italien niemals irgendeine Forderung nach wirtschäft- lichen oder gebietsmäßigen Zugeständnissen vorgebracht. Abessinien gewähre rein wirtschaftliche Konzessionen nur an

I Titulescu und der Staatsschatz.

Rumänien fordert seinen Staatsschatz von den Sowjets zurück. — Makulatur genügt nicht.

Wenn es zum Krieg in Abessinien kommt.

seicht nicht weigern würde, ein Abkommen über eine der Einzelfragen des europäischen Problems zu unterzeichnen 5j®unter der selbstverständlichen Bedingung, daß die drei deren Fragen auf dem sicheren Wege einer Lösung seien, ür den Augenblick aber könne man feststellen, daß der Quai 'Orsay vorher jedoch eine Geste Deutschlands für die rundsätzliche Annahme wenigstens der französischen ‘ o t e über den Ostpakt erwarte.

,a?r- Berlin, 29. ^uni. (Drahtbericht unserer Berliner .T-s--, Abteilung.) Der rumänische Außenminister Titulescu 2^- roi^i>ei Erna! in Paris. In Bukarest hatte man - = - ■ fid) ber Hoffnung hingegeben, baß er dort nicht nur mit --b£a»al konferieren würbe, sondern baß er in ber ftan- izosifchen Hauptstadt auch mit Litwinow und mit Benesch zusammentreffen würbe. Daraus scheint vor- ■ erst iedoch nichts zu werben und so hat sich Herr Titu- : «scu bamit begnügen müssen, in Paris mit bem sowjet- russischen Botschafter Potemkin zu sprechen. Es Weint sich habet auch nicht so sehr um ben geplanten ' Beistandspakt zwischen Moskau unb Bukarest gehandelt InU haben, als vielmehr um bie rumänische Be- »chwerbe wegen ber Nichtauslieferung bes mürrischen Staatsschatzes. Diese ganze An- Welegenheit entwickelt sich langsam zu einer Komödie. Mls nämlich 1916 deutsche unb österreichische Truppen Hit Rumänien einbrangen, hielten es sehr vorsichtige (Leute in Bukarest für bas zweckmäßigste, nicht nur bie Archive, sondern auch ben Staatsschatz im Werte Wvn etwa 300 Millionen Akark, sowie bie kostbaren rumänischen Kronjuwelen bem russischen Bundesgenossen zu überliefern. Man verlud alles in einen Panzerzug, bie Russen schlossen bann bie Kostbar­keiten in den Gewölben bes Kremls ein unb versprachen, baß Rumänien nach bem „siegreichen Kriege" alles zu- Mckerhalten würbe. Der russische Generalstab hat bisse Maßnahme -befürwortet, damit bas Gold nicht dem Feinb in bie Hände fiele. Freilich blieb der Staats­schatz auch nicht in Moskau, sondern wurde, als bie Re- Btolutton -in Rußland ihr Haupt erhob, nach Kasan ge­bracht. Seit jener Zeit aber herrscht über ben Verbleib

Privatleute oder Firmen, nicht aber an Regierungen. Die italienischen Staatsangehörigen würden wie bisher auf der Grundlage vollkommener Gleichberechtigung mit den andern Ausländern behandelt werden. Der Kaiser erklärte ferner, daß neutral eAusländer im Kriegsfall nicht das Land zu verlassen brauchten, da die abessinische Regierung für ihre Sicherheit sorgen werde. Abschließend sagte er, Abessinien habe bei keinem Lande und bei keiner Gruppe um finanzielle Unterstützung nachgesucht oder eine solche angeboten erhalten. Abessinien suche auch keine Vergrößerung seines Gebietes, roie $. B. einen Zugang zum Roten Meer.

Schweizerische Straßenbaukonzession nach dem Sudan.

Addis Abeba, 28. Juni. Die abessinische Regierung hat die Konzession für den Dau einer Straße von Addis Abeba nach Kart hum (Sudans an ein Schweizer Syn­dikat vergeben. Die Arbeiten wurden bereits begonnen. Sie werben voraussichtlich im Jahre 1938 beendigt fein.