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Nr. 174
Samstag, 29. Juni 1935
83. Jahrgang
Blick in die Welt
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in Paris.
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innenpolitischen andersetzungen noch
Nach der Reise Edens.
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Geschäftszeit: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, außer Sonn, und Feiertags.
Beratungen des italienisch-abessinischen Schlichtungs-Ausschusses
auf Dienstag vertagt.
Man könnte überhaupt aus gewissen An- Wohin Zeichen den Schluß ziehen, daß Lavals steuert Politik doch nicht ganz so stur sein wird, wie Laval? es die Politik seiner Vorgänger war. Auch der französische Ministerpräsident hat jetzt aner- kannt, daß das Saarproblem international bereinigt sei. „Jede Reibungsurfache mit Deutschland ist somit beseitigt". Ja, Laval ist noch einen Schritt Weitergegangen Er hat von den Möglichkeiten eines deutsch- französischen Gesprächs im Senatsausschuß gesprochen, wobei es allerdings nicht' an Vorbehalten fehlte. Man wird also gut tun, keine zu weitgehenden Schlüsse aus diesen Worten des französischen Ministerpräsidenten und Außenministers zu ziehen, aber man wird doch sagen können, daß die Friedenspolitik des Führers und die bekannten Äußerungen Ribbentrops nunmehr doch auch in Paris nicht mehr völlig übersehen werden. Freilich wird man hinzusetzen müssen, daß das französische Presseecho aus das Interview Ribbentrops keineswegs sehr erfreulich war, vielmehr sehr^ deutlich erkennen ließ, daß man in den meisten Pariser Schriftleitungen noch nichts von dem Hauch der neuen Zeit verspürt hat. Ob nur die Rücksicht auf diese Stimmung Laval veranlaßt hat, in so überaus vorsichtiger und zu nichts verpflichtender Weise von der Möglichkeit eines deutsch-französischen Gespräches zu sprechen, ist vorerst noch nicht zu übersehen. Man wird die Entwicklung sorgfältig verfolgen müssen, aber es ist heute noch zu früh, bereits ein Urteil abzugeben.
italienische Spezialisten an Ort und Stelle Untersuchungen anstellen würden, um die letzten technischen Schwierigkeiten zu überwinden. Im Zusammenhang mit der sich offenbar anspinnenden engeren Zusammenarbeit des französischen und italienischen Generalstabes, die im übrigen schon vor kurzem es den Franzosen ermöglichte, Truppen von der italienischen Grenze in das Elsaß zu verschieben, verdient auch diese Nachricht zweifellos Beachtung.
Im übrigen hat auch Frankreich selbst Besuch hoher ausländischer Militärs. Schon feit einigen Tagen weilen E e n e r a l st a b s o f f i z i e r e der Kleinen Entente in Paris, nachdem diese Offiziere vorher an französischen Manövern teilnahmen. Diese Besprechungen hängen zweifellos zusammen mit den Rückwirkungen des französisch - sowjetrussischen Vertrages auf die Militäroerträge der Ententestaaten. Dann ist ferner auch gestern der englische Kriegsminister Lord Halifax in Begleitung von 42 höheren englischen Offizieren in Frankreich eingetroffen, um Studien auf den Schlachtfeldern an der Marne zu machen. Solche Besuche englischer Offiziere auf den Schlachtfeldern der alten Westfront sind aber nichts Neues und es liegt auch deshalb kein Grund vor, diese Besuche irgendwie zu überschätzen.
Abgeblasene Rüftungsdebatte
, in der französischen Kammer.
Laval kein kann, die Aus ei n-
Kurz darauf erklärte Ministerpräsident Laval in der Kammer, es seien noch mehrere dringliche Gesetzesvorlagen zu verabschieden, die erledigt werden müßten, damit die Regierung im Rahmen der ihr zuerkannten Vollmachten ihre Aufgaben erfüllen könne. Um die Verabschiedung dieser Gesetze zu ermöglichen, ziehe er die Vorlage über die Militärzufatzkredite zurück.
Wie verlautet, ist dieser Beschluß darauf zurückzuführen, daß im Senat Senator Caillaux als Vorsitzender des Finanzausschusses sich entschieden geweigert haben soll, im Laufe einer so späten Nachtfitzung über eine so wichtige Angelegenheit wie die Zusatzkredite für die Landesverteidigung zu beraten. Dadurch sei dem Ministerpräsidenten nichts anderes übrig geblieben, als die Aussprache vorläufig abzublasen.
Überfälle und Brandstiftungen.
Madrid, 29. Juni. (Eig. Drahtmeldung.) Da die de- ktvaffneten Überfälle und Brandstiftungen links- iradikaler Elemente in Barcelona in der letzten Zeit ständig zugenommen haben und erst in der Nacht zum Freitag wieder eine Straßenbahn und zwei Autobusse in Brand gedeckt wurden, hat der außerordentliche Ministerrat be- -schlossen, über Stadt und Provinz Barcelona den Kriegszustand zu verhängen.
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Richtig ist sicher, daß Innenpolitische Interesse daran haben Sorgen
Es ist erfahrungsgemäß eine undankbare Sache, unmittelbar nach der Reise eines Staatsmannes eine Bilanz der Reise- Ergebnisse aufzustellen, da wesentliche . .. Abmachungen und Vereinbarungen oft erst spater bekannt werden. Immerhin wird man sagen
rönnen, daß Edens Erkundungsreife nach Paris und Rom ein Mißerfolg war soweit die ab ess i- nische Frage in Betracht gezogen wird. Es hat sich gezeigt, daß Mussolini sich nicht mit einigen mehr öder weniger großen Zugeständnissen ab,finden läßt, sondern eine Gesamtlösung erstrebt. Den Krieg in Ostafrika hält man heute allgemein für unvermeidbar und die englischen Blätter sind der Ansicht, daß vielleicht schon im Juli, bestimmt aber bei Ende der Regenzeit der Kriegsausbruch nicht mehr zu verhindern fei. Glücklicher hat Eden ganz offensichtlich in der Flottenfrage operiert. Zwar haben auch hier die Italiener ebenso wie die Franzosen kritisiert, daß sie nicht vor dem Abschluß des deutsch-englischen Flottenadkemmens ausreichend in das Bild gesetzt worden sind, aber wenn nicht alles täuscht, so wird sowohl Rom als auch Paris in absehbarer Zeit Sachverständige nach London entsenden, um über ein internationales Flottenabkommen die nötigen Vorbesprechungen zu führen. Dem steht auch nicht der Beschluß des MarineausschUsses der französischen Kammer im Wege, der „freie Hand" für die Marinepolitik der Pariser Regierung forderte. Der deutsch-englische Flottenvertrag ist eben auch für Paris und Rom eine Tatsache, die sich nicht aus der Welt schaffen läßt. Für die Flottenrüstungen wird Laval nicht das Rein wiederholen, das seinerzeit sein Amtsvorgänger Barthou sprach, und das die europäische Politik so unheilvoll beeinflußte.
Kriegszustand über Barcelona
Maßnahmen gegen die linksradikalen Ausschreitungen.
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WWWMWWWWWV , anzublasen.
Sie sind schon ohnehin lebhaft genug, auch wenn es gelang, die Frage der Verbände im Parlament sehr schnell unter dem Tisch verschwinden zu lassen. Die Linke fühlt sich lebhaft beunruhigt durch das Auftreten der Rechtsverbände, nicht zuletzt durch verschiedene Reden, die der Führer der „Feuerkreuzler" hielt, wobei das Parlament nicht eben gut abschnitt. So hat die Linke eine Abordnung zu Laval entsandt, um ihn zu einem Vorgehen gegen die Verbände zu veranlassen. _ Laval ist der Rechten soweit entgegengekommen, daß er die für den 14. Juli (französischer Nationalfeiertag) geplanten Aufmärsche und Kundgebungen der Verbände nicht behindern wird, aber er hat zugleich der Linken das Zugeständnis gemacht, daß er nach dem 14. Juli keinerlei Kundgebungen mehr dulden werde, selbst wenn sie in Privatbesitzungen stattfänden. Daß die Rechte mit einer solchen Erklärung nicht sehr zufrieden ist, liegt auf der Hand. Es zeigt sich damit wieder, daß die leidige Frage der Verbände sich so leicht nicht lösen läßt, wenn auch wohl die Rücksicht auf die sommerliche Hitze beide Parteien veranlassen dürste, den Bogen jetzt nicht zu überspannen. Immerhin wird Laval befriedigt aufatmen, wenn erst die Kammer in die Sommerferien gegangen ist.
Gamelin bei Mussolini.
Militärische Bündnis-Besprechungen in Rom. — Was man in London meint. Kommt der Montblanc-Tunnel?
Laval zieht die Vorlage über die Militärzusatzkredite zurück.
I Paris, 29. Juni. (Eig. Drahtmeldung.) Die Nacht- tsitz ung der Kammer hat einen unvorhergesehenen -Verlauf genommen. Zunächst behauptete der sozialistische ^Abgeordnete Ramadier, das Wettrüsten habe wieder = begonnen und es sei zu befürchten, daß die Verabschiedung -der Militärzusatzkredite die laufenden diplomatischen Verschandlungen beeinträchtigen könne. Überdies muffe man sich ' fragen, ob diese Kredite überhaupt nützlich und zweckent- : sprechend verwendet würden. Es müsse für eine entsprechende ^Beaufsichtigung der Rüstungsindustrie, an sdie Aufträge vergeben würden, gesorgt werden, damit nicht ieen irgend einer beteiligten Seite skandalöse Gewinne erzielt würden.
? Englands Äriegsminister an der Marne.
I as. Berlin, 29. Juni. (Drahtbericht unserer Berliner ^Abteilung.) Den Reifen der Staatsmänner scheinen jetzt die Reifen der Militärs zu folgen. Die wich- tigste dieser Fahrten ist wohl der kurze Besuch, den der französische Eeneralstabschef Gamelin gestern Rom abgestattet hat, wo er_ von Mussolini empfangen wurde und wo er mit dem Ehef des italienischen Generalstabs : verhandelte, über diese Reise und diese Verhandlungen ist nicht sehr viel bekannt geworden. In Pariser Meldungen wird lediglich als Zweck der Reise die „Prüfung eventueller gemeinsamer Maßnahmen der beiden ■ Generalstäbe" angegeben. Daraus ist nicht ersichtlich, ob man jetzt wieder an die Verhandlungen über einen französisch - italienischen Luftpakt an- knüpst, von dem vor einiger Zeit schon einmal die Rede war und der das gsmeinsanw Operieren der beiden ; Luftflotten in bestimmten Fällen sichern sollte, wobei damals schon darauf verwiesen wurde, daß einer solchen kZüsammenarbeit der Luftflotte auch eine Zusammenarbeit der Heere und der Seestreitkräfte folgen müsse. Andererseits bringt man den Besuch Gamelins in Rom s'äuch in Zusammenhang mit der Lage in Ostafrika, und gerade deswegen hat man auch in London die Nachrichten über diese Reife mit einigem Mißbehagen auf- genommen, da man kaum daran zweifelt, daß der Zweck dieses Besuches darin bestand, Italien für den bevör- stehenden Feldzug in Abessinien Rückendeckung in Europa zu gewährleisten, wodurch alle englischen Vermittlungsversuche, die zwar ohnehin aussichtslos erscheinen, noch weiter erschwert würden.
M Charakteristisch für die Besserung desitaliönisch- französischen Verhältnisses, die sich auch in dem römischen Besuch Gamelins widerspiegelt, ist im übrigen die Nachricht, daß der Montblanc-Tunnel nunmehr doch gebaut werden soll. Die Bedenken rein militärischer Art, die man früher sowohl in Italien als auch in Frankreich gegen einen solchen Tunnel hatte, scheinen nun überwunden zu sein, sodaß dieser an sich sehr alte iPlan verwirklicht werden soll. Es wird sich dabei aber nicht um einen Eisenbahntunnel handeln, sondern t in etwa 1500 Meter Höhe soll eine Auto st raße durch den Montblanc geführt werden und es heißt jetzt, daß in etwa 14 Tagen französische und
Haag, 28. Juni. Der italienisch-abessinische Schlichtungs- ausschutz in Scheveningen hat, nachdem am Donnerstag in einer kurzen Sitzung mehrere formelle Fragen für die technische Abwicklung des Verfahrens behandelt worden waren, ihre Beratungen bis zum kommenden Dienstag vertagt. Aus dem Kreis des Schlichtungsausschusses wird Wert auf die Feststellung gelegt, daß zwischen ihren Beratungen und den in Rom stattfindenden diplomatischen Besprechungen über den italienisch-abessinischen Streit kein unmittelbarer Zusammenhang bestehe.
Neuer abessinischer Gesandter für London.
Addis Abeba, 28. Juni. Der neuernannte abessinische Gesandte für London, Dr. Martin Worte ne, ist am Donnerstag nach seinem neuen Amtssitz abgereist.
In diesem Zusammenhänge begeben sich am Samstag 'der spanische Kriegsminister sowie der Innenminister nach Barcelona, um foen Kriegszustand selbst zu verkünden und Untersuchungen vor allem über di« von der Polizei durchge- führten Gegenmaßnahmen vorzunehmen. Es wird vermutet, daß — wie die vor kurzem erfolgte Dienstentlassung von 74 Polizeibeamten in Barcelona auch zeigt — gewisse Beamte nicht mit der nötigen Energie gegen die Verbrecher vorgehen.
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