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Wöchentlich

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R. Schellenberg'sche Hafbuchdrnckerei, „Tagblatt < Haus'.

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Freitag, 28. Juni 1935

83. Jahrgang

Enttäuschung in London.

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Zusammenstöhe in Peking.

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Fernsprecher-Sammel-Nr. 59631.

Berliner Büro: Berlin-Wüniersdorf.

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Sklaverei werde nicht geleugnet. Es werde aber Nach­druck auf die Fortschritte gelegt, die in Richtung auf Be­freiung der Sklaven, Schaffung von Schulen und andere Reformen gemacht worden feien.

Geschäftszeit: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, außer Sonn, und Feiertags.

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Englische Neuwahlen erst Ende des Jahres.

Einführung der Arbeitslosenunterstützung

London, 28. Zuni. (Eig. Drahtmeldung.) Einer „Pretz-Assoeiation"-Meldung zufolge, beabsichtigt die Regierung die neuen Bestimmungen über Arbeitslosen­unterstützung im Herbst und noch vor «den Parlaments- Wahlen zu behandeln. Diese Entscheidung macht die Wiederholt geäußerte Mutmaßung, wonach das Unter­haus während der Sommerferien aufgelöst werden würde, hinfällig.

Die Lage in Abessinien.

Ein Regierungsbericht aus. Addis Abeba.

Loudon, 28. Juni. (Eig. Drahtmeldung.) „Daily Elegraph" meldet aus Addis Abeba, ein Bericht er Regierung lenke die Aufmerksamkeit auf die fortge- ktzte Entsendung italienischer Truppen, die weit über ille nötigen Erfordernisse für "die Verteidigung der talienischen Kolonien hinausgingen. Ferner heißt es, lbesfrnien habe keinen Schritt zur Mobilmachung setan. Es habe förmlich erklärt, daß, wenn der Spruch >er Schiedsrichter gegen Abessinien ausfalle, Italien «olle Genugtuung erhalten werde. Der Bericht erkläre erner, daß der Kaiser den Völkerbund ersucht habe, leutrale 'Beobachter zu entsenden, um die tatsächliche mge im Lande festzustellen. Das Vorhandensein von

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Eden wieder in London.

London, 28. Juni. Der Minister für Völkerbunds­angelegenheiten Eden ist am Donnerstag 21.30 Uhr auf dem Luftwege aus Paris kommend im Londoner Flughafen Croydon eingetroffen. Pressevertretern gegenüber erklärte er, sich nicht über das Ergebnis seiner Besprechungen äußern zu rönnen. Er werd« am Freitag seinen Kollegen Bericht erstatten.

Kriegsmariueminifter Piötri gerade«in demAugenblick, in dem Eden in Paris weilte, für nötig erachtete, auf einer Flottenparade in Brest, wo etwa hundert Ein­heiten >des französischen Atlantik- und Mittelmeerge- schwaders zusammeuge,zogen waren, heftig Kritik an dem deutsch-englischen Flotten ab kommen zu üben, wobei sich diese Kritik in erster Linie an die englische Adresse wandte. 'Diese Brester Demonstration muß als sichtbarer Hinweis Frankreichs an England ge­wertet werden, seine Flottenstärke nach eigenem Gut­dünken zu erhöhen, ehe Frankreich in neue Verhand­lungen über Rüstungsbeschränkungen zur See — Verhand­lungen, die auf die Dauer auch Frankreich nicht ab- lehnen kann — eintritt.

Zur Vervollständigung des Bildes sei hinzugefügt, daß die dem italienischen Außenminister nahestehende Zeitschrift „Afari Estari" jetzt nach dem römischen Besuch Edens außerordentlich s ch a r f e W o r t e gegen die englische Politik findet, Worte, wie sie in Lieser Schärfe von maßgebender italienischer Seite gegen England noch nicht gebraucht wurden. Hier wird England sogar «der Vorwurf gemacht, daß es eine doppelte Politik treibe. Diese Kritik ist ein Ausfluß der italienischen Unzufriedenheit über die Haltung Englands in der abessinischen Frage. Die Nachricht, daß England trotzdem seine Be­mühungen in Rom nicht aufgeben werde, sondern mög- licherweife Macdonald nach Rom entsenden würde, klingt, namentlich, was ihren zweiten Teil anbelangt, unter diesen Umständen nicht sonderlich glaubhaft. Im ganzen freilich wird man, wie schon gesägt wurde, ab­warten müssen, welche Folgerungen das englische Kabinett aus dem Bericht Edens ziehen «wird.

Der Wirtschaftsweg Berlin-Warschau.

Die Brücke zwischen den zwei Nachbarländern Deutschland und Polen ist nun schon seit anderthalb Jahren gespannt, seit jenem Verständigungsabkommen, Las im Januar 1934 abgeschlossen wurde. Die Politik immer Wiederkehrender kleiner Reibungen ist seitdem beendet, die Nervosität, die daraus entsprang, ist ge­wichen, und die verantwortlichen Stellen haben sich um eine, ruhige Beurteilung auch dann bemüht, wenn sich in dem einen oder anderen Fall ein Gegensatz der In­teressen ergab. Die diplomatischen Vertretungen des Reiches und Polens sind zu Botschaften erhöht worden, man hat schon unmittelbar nach dem Verständigungsab­kommen den Zollkrieg «abgebrochen, der einige Jahre zwischen Deutschland und Polen bestand, der zur Folge hatte, daß man durch Zollvorschriften und Zollsätze den Handelsaustausch beider Wirtschaften abstoppte. Das waren aber zunächst noch Vorbereitungen, noch fehlte auf wirtschaftlichem Gebiet eine Vertragsgrundlage.

Verhandlungen in Berlin.

Es hat, was man vielfach nicht wissen wird, seit der Errichtung des polnischen Staates noch keinen um­fassenden Handelsvertrag zwischen Deutschland und Polen gegeben. Frühere Versuche, einen solchen Ver­trag zu schaffen, scheiterten stets, und ihr Ergebnis war eigentlich gerade jener Zollkrieg, der im Jahre 1925 ein­setzte, und der erst im März 1934 beendet wurde. Die Gründe lagen vielfach darin, daß man einen Ausgleich zwischen den landwirtschaftlichen Ausfuhrmteressen Polens und dem Absatzbedarf der deutschen Landwirt­schaft nicht finden konnte, «so lange die deutschen Land­wirtschaftspreise den Schwankungen des freien Marktes ausgesetzt waren, während die jetzige Wirtschaft gerade für Agrar Produkte Liese Schwierigkeit vermindert. Nach­dem, wie «gesagt, die Politik beider Regierungen andert­halb Jähre darauf gerichtet «war, den früher bestehenden Reizungszustand zu vermeiden, ist also jetzt der Augen­blick gekommen, Verhandlungen über eine vertragliche Regelung aufzunehmen. Sie werden am Freitag in Berlin beginnen und eine wichtige neue Etappe ein­leiten. In jenem Abschnitt des Zollkrieges erhöhten Deutschland und Polen gegenseitig die Zolltarife gerade für jene Waren, auf deren Ausfuhr der andere Staat Len Hauptwert legte. Der Abbau der Kampftarife, wie sie damals bestanden, genügt «aber allein noch nicht, um einen Wirtschaftsverkehr in Gang zu bringen. Man muß Ziffern sprechen lassen, um zu erkennen, wie wich­tige Arbeit hier zu.leisten ist. Im Jahre 1928 über­nahm Deutschland für rund 378 Millionen Mark polnische Waren und führte für 496 Millionen deutsche Waren nach Polen aus. Das heißt also, «daß damals der Umsatz zwischen den beiden Ländern sich auf 900 Millionen Mark belief, und daß dabei für Deutschland ein Überschuß von rund 118 Millionen Mark heraus­kam. Von Jähr zu Jahr ging infolge der Kampfmaß­nahmen der Handelsverkehr zurück, «im Jähre 1933 be­trug er nur noch 160 Millionen Mark, und der Über­schuß für Deutschland war auf etwas mehr als vier Millionen Mark gesunken. Im Jahre 1934 ging die Senkung weiter, der ganze Umsatz, also Ein- und Aus­fuhr zusammen genommen, belief sich nur noch auf 133 Millionen, und zum erstenmal blieb «für Deutschland aus diesem Handel nicht nur kein Überschuß, sondern es ent­stand ein Minus von 23 Millionen Mark. Auf den I ersten Blick erkennt man, welche dem Interesse beider Völker entgegengesetzte Entwicklung eingetreten war. Auch das erste Vierteljahr 1934 hat daran nichts ge­ändert, denn eine Vierteljahres-Einfuhr polnischer Waren nach Deutschland «in Höhe von kaum 18 Millionen, eine deutsche Ausfuhr in Höhe von kaum 10 Millionen — das sind Ziffern, die «dem natürlichen Verhältnis beider Staaten bei «weitem nicht entsprechen.

Ost-West oder Süd-Nord?

Warschauer Meldungen besagen denn auch, daß man von den Verhandlungen, die in Berlin beginnen sollen, einen umfassenden Handelsvertrag erwartet, «und daß man in Deutschland den besten, natürlichsten und für die Zukunft auch größten Absatzmarkt Polens sehe. Es hat in der polnischen Handelspolitik selbst erhebliche SchWankungen gegeben, die zu der Entwicklung der ver­gangenen Jahre wohl beitrugen. Aus den Zeiten vor der Errichtung des polnischen Staates erschien es natür­lich, daß die Produkte der «Weiten polnischen Gebiete von Osteuropa nach Westeuropa wanderten. Die Handels­wege waren so eingerichtet, die Eisenbahnlinien liefen in dieser Richtung. Die polnischen Wirtschaftspolitiker haben dann zeitweilig eine Lösung ihrer Probleme in der Veränderung der Handelsrichtung gesehen, sie haben an die Stelle der Ost-West-Linie eine Nord-Süd-Lmie

Edens Rückkehr.

ie zweite Aussprache mit Laval ergebnislos. — Weitere Verhandlungen auf diplomatischem Wege. — Der französische Marine-Minister kritisiert England.

aiqtigenpreife: Ein Millimeter Höhe der 22 Millimeter breiten Spalte im Anzeigenteil Grund, preis 6 Rpf., der 85 Millimeter breiten Spalte im Tertteil 45 Rpf., sonst laut Tarif Nr. 3, Nachlatzstaffel C. — Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen und Plätzen wird feine Gewähr übernommen. — Schluß der Anzeigen > Annahme 10 Uhr vormittags. Größere Anzeigen müssen spätestens einen Tag vor dem Erscheinungstage aufgegeben werden.

Fernen Osten anerkennen und seine Politik darauf abstellen. Zunächst wird für Japan in Nordchina die politische Führung gefordert bei völliger llnab- hängigkeit von Nanking.

~ Der Sprecher des japanischen Außenamts erklärte zu den Forderungen der Kwantungarmee, daß es sich bei diesen lediglich um eine grundsätzliche Darlegung der Haltung der Kwantungarmee handele.

Extrablätter berichten über Zusammen st öße zwischen chinesischen Truppen und chinesischer Polizei in und bei Peking. Japanische Truppen seien zur Wiederherstellung der Ordnung eingesetzt und das Kriegs­recht über Peking verhängt worden. Die japanischen Volks­schulen seien geschlossen und die Bahn nach Tientsin unter­brochen. Beim Generalstab in Tokio fei man der Ansicht, daß es sich nicht um ernste Zwischenfälle handele. Man erwarte, daß sie bald beigelegt würden. Man glaube, daß sich fahnenflüchtige chinesische Truppen Übergriffe zuschulden kom­men liegen.

as. Berlin, 28. Juni. (Drahtbericht unserer Berliner teilung.) Der englische Völkerbundsminister Eden Paris gestern abend wieder verlassen und ist i-schen nach London zurückgekehrt, wo er dem Ko­rnett über seine Verhandlungen «mit Mussolini und oal berichten wird. Er dürfte «allerdings den «schon raphisch übermittelten Berichten kaum sonderlich iel hinzuzufügen haben, zumal die erneuten Be - pr echunge n mit Laval ziemlich er geb ni s= ° 5 geblieben zu fein scheinen. Rach dem amtlichen «mzösifchen Bericht über diese Besprechungen haben es ich die beiden «Staatsmänner angelegen sein lassen, „in em Rahmen des Kommuniques vom 3. Februar die efte «Prozedur festzulegen, um die Lösung der Probleme « M beschleunigen, die ins Auge gefaßt sind." Dabei ist er man aber zweifellos nicht sehr weit gekommen, denn es ,Z. heißt nämlich «in dem «amtlichen Bericht: „Wir «werden auf -«g tplomatischen Wegen die Prüfung «dieser „ * fragen fortsetzen." Daraus kann «man ohne weiteres 3s fließen, daß hinsichtlich des Luftpaktes fein or tfchritt erzielt wurde. Man muß es dabei dahingestellt fein lassen, wie «weit der seinerzeit in Paris weilende rumänische Außenminister Titulescu es verstanden hat, hinter den Kulissen in dem Sinne zu « »beiten, daß Laval sich nicht auf einen Luftpakt ein- j lassen «soll, ehe nicht die, Frage des D o n a u p «a k t e s ge­klärt ist. Jedenfalls hält man in Paris ganz offensicht­lich an «der ,Zlntei«lbarkeit" der «im Londoner Kom-

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munique «aufgezählten Probleme fest, während die Eng­ender zunächst den Luftpakt unter Dach und Fach zu bringen wünschen. Die Frage ist nur, welche Folgerun­gen «das britische Kabinett aus dem Bericht Edens ziehen Dird, ob es «sich veranlaßt sehen wird, den Franzosen veiler entgegen zu kommen oder ob es an «der mit dem deutsch-englischen Flottenabkommen erfolgreich einge- hlagenen Methode der zweiseitigen Verhand­lungen festhält.

| Jedenfalls ist es auch bei dem neuen Besuch Edens in Paris nicht gelungen, die Mißstimmung zu be- eitigen. Das ergibt sich einmal aus dem amtlichen ranzösischen Bericht über diese Gespräche, zum anderen aber auch aus der Tatsache, daß es der französische

Zuspitzung im Fernen Osten.

Kwantung-Armee fordert Neuorientierung der Politik Japans in China. „Der Orient den Orientalen."

Tokio, 28. Juni. (Eig. Drahtmeldung.) Die japanische 3 Kwantungarmee hat eine Erklärung' veröffentlicht, die i ich auf dre Grundlagen de«r japanischen Politik segenüber China bezieht. In der Erklärung werden vct» »lgende Forderungen an das japanische Außenamt gestellt: nS.’re iapan soll bei der Zusammenarbeit von Japan, Mandschu- i'sS und China die verantwortliche Führung Lber- thmen. China soll die ausländischen Einflüsse efeitigen und anerkennen, daß Japan China vor einer Aufteilung gerettet hat. Die Regierung Tschiangkaischeks und die Kuomintangs seien, 0 heißt es in der Erklärung weiter, zu einer Politik >er Verständigung mit Japan unfähig und «her von Japan abzulehnen. Im Fernen Osten müsse eine irundsätzliche Neuorientierung unter der Losung „Der Orient für die Orientalen" verlangt werden. *ud> SowjeLrußl.and müsse Japans Führung im