Wiesbadener Tsgblatt
taaMah• xlSDaiCnlllu) ,WR • ♦lUsiUUUCn M^ttaaliL ««ckmittaas.Samstaas vor- u.nc
7 Ausgaben
Wöchentlich
Werktäglich «ichmittag«, Samstags vor- u. nachmittags
£. Schellenberg'sche Hofbuchdruckerei, „Zagblatt«Sans*.
Unterhaltungsbeilage.
mit einer täglichen
Postscheckkonto: Frankfurt a. M. Rr. 7405.
Höchste Abonnentenzahl aller Tageszeitungen Wiesbadens und Nassaus.
Zelegramm-Abresse: Zagblatt Wiesbaden.
83. Jahrgang
Mittwoch, 26. Ium 1935
Nr. 171
chli eßend stellte der Redner fest, daß die Stabilisierung einer
Fernfprecher-Sammel-Nr. 59631.
Berliner Büro: Berlin-Wilmersdorf.
Geschäftszeit: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, außer Sonn- und Feiertags.
Frankreichs politische Lage und ihre Rückwirkungen auf das Ausland.
Neuer französischer Rüstungskredit.
as. Berlin, 26. Juni. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Der englische Völkerbundsminister Eden tritt von Rom aus heute die Rückreise nach London an, die ihn über Paris führt, wo er bekanntlich nochmals mit Laval konferieren wird. Der Bericht, der über seine gestern abgefchloffenen Besprechungen mit Mussolini ausgegeben wurde, zeichnet sich nicht nur durch seine Dürftigkeit aus, sondern auch durch die Kühle des Tones. Er besagt lediglich, daß die gestrige Unterredung eine Stunde dauerte, daß die verschiedenen Probleme erörtert worden feiens wobei die Feststellung getroffen wird, „daß die in dem Lodoner Kommunique vom 3. Februar und in den Beschlüssen von Stresa fsstgelegte Linie im Interesse der Festigung Europas weiter entwickelt werden kann." Hinzugefügt wird noch, daß auch die abessinische Frage behandelt wurde. Man geht nun sicherlich nicht in der Vermutung fohl, daß für die Kühle des Tones gerade die Besprechungen über Abessinien verantwortlich zu machen sind. Aus italienischen und englischen Äußerungen ergibt sich nämlich, daß man sich hier um keinen Schritt näher gekommen ist, was im übrigen nach der pressetechnischen Vorbereitung dieser Aussprache in Rom keineswegs überraschend kam. Eden scheint zu einigen kleinen Zugeständnissen in der abesiinischen Frage bereit gewesen zu sein, Mussolini jedoch erstrebt eine Gesamtlösung. Das geht auch daraus hervor, daß Italien die Oberhoheit Abessiniens in dem Gebiet von Zimma, wo unläirgst der Sultan starb, bestreitet. Dabei hat dieses fragliche Gebiet kein« direkten Grenzen mit den italienischen Kolonien.
Einen etwas günstigeren Verlauf scheinen die römischen .Besprechungen über die Flotten fr age gekommen zu haben. Zwar hat auch hier Eden einige Kritik zu hören bekommen, die sich offensichtlich vor allem dagegen richtete, daß London vor dem Abschluß ,des deutsch-englischen Flottenabkommens sich nicht mit Rom in Verbindung gesetzt hat. Im ganzen sind die Italiener aber in dieser Frage nicht so stur wie die Franzosen. So verlautet auch, daß Mussolini sich be-
Kühler Schluß in Rom.
Eden tritt heute die Rückreise an. — Gegensatz Rom—London nicht überbrückt. Die Flottenfrage.
Warschau, 26. Juni. (Eig Drahtmeldung.) Die Beratungen des Sejm über das neue Wahlgesetz führten cm Dienstag, dem ersten Sitzungstage, zu einer Dauersitzung. Die Aussprache wurde erst heute in den frühen Morgenstun-
Preissteigerung nicht entgegenstehe, sogar eine Vorbedingung bilden könne, und daß die Festsetzung angemessener Paritäten nicht eine Vorbedingung der Stabilisierung, vielmehr ein Teil des Stabilisierüngsprozesses selbst sei.
Professor R i st (Frankreich) sprach anschließend über die Frage der Paritäten. Er bezeichnete die heutigen Bedingungen für eine Währungsstabilisierung nicht günstiger wie im Jahre 1922. Als unzulässig bezeichnete er den Versuch, von einem Vergleich der Kaufkraft des Geldes in den
tümlich werden sollte. Er spreche nicht im Namen irgend einer politischen Regierung, sondern im Namen Frankreichs. Es gehe nicht nur um das Schicksal der verfassungsmäßigen Einrichtungen, sondern um das Schicksal des Landes selbst. Das Ansehen Frankreichs im Auslande werde verschwinden, wenn Frankreich nicht stark und nicht mehr gesund sei. Frankreich werde aber stark und gesund sein, wenn es sich die doppelte Aufgabe angelegen sein lasse, seine Ausgaben nach seinen Einnahmen einzu richten, und für die Wahrung seiner Sicherheit zunächst auf sich selbst zu zählen. Alles werde geschehen, damit man im Auslande, wie in Frankreich selbst wisse, daß die Regierung bereit jei, energisch durchzugreifen. Außenpolitisch sei es eine feststehende Tatsache, dag jede politische Kris« :n Frankreich sein Ansehen im Auslaüde schwäche. Er habe
Snteigenptelfe: Ein Millimeter Höhe der 22 Millimeter breiten Spalte im Anzeigenteil Grund- preis 6 Rpf., der 85 Millimeter breiten Spalte im Teriieil 45 Rpf., sanft laut Tarif Nr. 3, Nachlatzstaffel C. — Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen und Plätzen wird leine Gewähr übernommen. — Schluß der Anzeigen -Annahme 10 Uhr vormittags. Größere Anzeigen müssen spätestens einen Tag vor dem Erscheinungstage aufgegeben werden.
Englische Erörterungen über die Frage der ll-Boot-Berwendung.
Loudon, 26. Juni. (Eig. Drahtmeldung.) „Daily Telegraph" sagt in einem Leitartikel, die Mitteilung des Ministerpräsidenten, die Regierung wolle Frankreich, Italien und Sowjetrutzland zu Flottenbesprechungen einladen, werde in England allgemeine Befriedigung ausläsen. Die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit werde aber im Augenblick von der Mitteilung des Marineministers gefesselt werden, wonach die deutschen Vertreter bei den letzten Flottenbesprechungen Deutschland zur Befolgung der Regelung des U-Boot- k r i e g e s verpflichtet hätten, die im Teil IV des Londoner Flottenvertrages niedergelegt feien. Diese deutsche Zu- Scherung werde in allen Kreisen der britischen Öffentlichkeit einen tieferen und günstigeren Eindruck machen als irgendeine andere Zusicherung, die etwa hätte gegeben werden können. Sie werde um so mehr Glauben finden, als Deutschland bei allen Abrüstuwgserärterungen ebenso wie Großbritannien die völlige Abschaffung von ll-Booten befürwortet habe. Einige andere Länder Hätten sich allerdings dem Vorschlag widersetzt, da das ll-Boot "das Gleichgewicht zu Gunsten der schwächeren See- dmächte wiederhergustellen in der Lage sei.
Das liberale Blatt „News Chronicle" nennt in seinem Leitartikel den deutschen Beschluß, auf einen unbe- 'grenzten U-Bootkriea zu verzichten, weise und spricht sich für eine völlige Abschaffung der Ü-Boote oder doch wenigstens der großen Hochsee-U-Boote im Gegensatz zu den U-Booten für die Küsten Verteidigung aus. Die Hochsee-U-Boote seien .für eine Verteidigung gar nicht erforderlich.
B Das arbeiterparteiliche Blatt „Daily Herold" sagt, der deutsche Schritt sei etwas wett. Alle anderen Seemächte sollten jetzt ähnliche Versprechungen abgeben. Am besten wäre es, die U-Boote völlig abzuschaffen ober ein Vorgehen gegen -Handelsschiffe nur für den Fall von Sanktionen, die vom Völkerbund gebilligt seien, für zulässig zu erklären.
den beendet. Die Redner sprachen im wesentlichen vor einem ziemlich leeren Saal. Dazu trug die Tatsache bei, daß alle Gründe, die sich gegen die Wahlgesetze seitens der gegnerischen Parteien vorbringen lassen, schön aus Presseerörte- rungen bekannt sind, vor allem aber trug auch die ungewöhnliche Hitze dazu bei, daß die Mehrheit der Abgeordneten den Aufenthalt im Park des Sejmgebäudes oder bei kühlen Getränken im Restaurant des Sejm vorzog.
In der allgemeinen Aussprache äußerten sich gegen die Annahme des Wahlgesetzes die Nationale Partei, die bäuerliche Volkspartei, die sozialistische Partei, die christliche Demokratie, die nationale Arbeiterpartei, die christliche Volksvereinigung und die neugegründete „Bauernpartei". Bemerkenswert ist, daß auch alle nationalen Minderheiten sich gegen die Annahme des Sejmwahlgesetzes aussprachen, wenn auch aus anderen Gründen als die polnischen oppositionellen Parteien.
Namens der deutschen Volksgruppe erklärte Abgeordneter von Saenger, daß die deutsche Volksgruppe das Sejmwahlgesetz ablehne, weil es eine angemessene Vertretung der Minderheit nicht gewähre. Die übrigen nationalen Minderheiten gaben ähnliche Erklärungen ab.
Eine Rede Lavals.
Paris, 26. Juni. Ministerpräsident Laval hielt am Dienstag bei einem Bankett der Vereinigung der französischen Provinzpresse eine politische Rede. Zur Regelung der Saar frage erklätte Laval: Das Saarproblem ist international bereinigt worden. Jede Reibungsursache mit Deutschland ist somit beseitigt. Nach einem längeren Hinweis auf die innenpolittschen Schwierigkeiten, mit denen die Regierung zu kämpfen hat, betonte der Ministerpräsident den Willen des Kabinetts, zum Besten des Landes sämtliche bestehenden Hindernisse aus dem Wege zu räumen. Er wolle die ihm übertragenen Vollmachten nicht mißbrauchen, aber davon einen zweckmäßigen Gebrauch machen, selbst um den Preis, daß er eines Tages unvolks-
Der Kampf um die Goldbasis.
Die Vollsitzung der Internationalen Handelskammer in Paris.
Paris, 25. Juni. Am Dienstagvormittag fand die erste Vollsitzung des Internationalen Handelskämmerkongresses statt, die dem Hauptthema dieser Tagung, der Währungs- stabilisie-rung gewidmet war. Zunächst entwickelte Professor Gregory (England) seinen im Auftrage des Währungsausschusses verfaßten Bericht. Das Energebnis der Währungsentwertung in der modernen Welt fei nicht eine allgemeine Erholung, sondern eine allgemeine^Zunahme der Maßnahmen gewesen, die den Strom des Außenhandels hemmten. Professor Gregory setzte auseinander, warum das wesentliche Merkmal der Stabilisierung in Rückkehr zum Golde zu ehen sei. Wie die Stabilität nur international.zu erzielen ei, so könne sie auch nur auf dem G o l d e b a s i e r e n. Ab
reit erklärt hat, Sachverständige nach London zu entsenden, um über eine Verbreiterung des deutsch-englischen Abkommens zu einem allgemeinen Flottenabkommen zu verhandeln. In bezug auf diesen Teil seiner Besprechungen scheint denn auch Eden ganz zufrieden zu sein, bemerkte er doch zum Flottenabkommen, daß sich in Lieser Hinsicht die Reise nach Rom gelohnt habe.
Wie sich nun das Ergebnis de r römischen E e spräche auswirken wird, wenn Eden jetzt erneut mit Laval verhandeln, bleibt abzuwarten. Zunächst hat gestern einmal der Marineausschuß der französischen Kammer eine Entschließung angenommen, in der betont wird, daß Frankreich für seine Marinepolitik vollständig freie Hand haben müsse. Wie üblich, wird die Regierung aufgefordert, dafür zu sorgen, daß Frankreich im Mittelmeer und in der Nordsee über die erforderlichen Seestreitkräfte verfügt, die seine Sicherheit gewährleisten können. Das klingt nicht gerade übertrieben nach Verständigung, besonders dann nicht, wenn man gleichzeitig hört, daß der französische Kriegsminister einen neuen Rüsiungskredit in Höhe von 600 Millionen Franken, gleich rund 100 Millionen RM. angefordert hat zur Beschaffung von Kriegsmaterial. Daß das gerade in einem Augenblick geschieht, in dem Laval sich den Kopf darüber zerbricht, wie das Rissenloch im Staatshaushalt gestopft werden soll, sei nur nebenbei bemerkt.
Sehr günstig dürfte unter solchen Umständen die Pariser Atmosphäre für die neuen Besprechungen Edens kaum sein. Um so bemerkenswerter ist es, daß das englische Blatt „Star" sich veranlaßt sieht, an Sir Samuel Hoare zu appellieren, sich nicht durch die Franzosen zu stark beeinflussen zu lassen und auch nicht der franAosen- freundlichen Bürokratie des Londoner Auswärtigen Amtes zu unterliegen, sondern Mut zu zeigen und in der Richtung auf den Frieden und die Rüstungsbe- schränkung munter weiter zu marschieren, ohne daß französisches Blei an den englischen Füßen hänge. Eine gewiß nicht uninteressante englische Pressestimme, die allerdings nicht überschätzt werden darf.
Dauersitzung des Sejm
Um das neue Wahlgesetz.
einzelnen Ländern auszugehen, weil die Berechnung dieser Geldlage sehr schwierig sei. Es dürften die gewählten Paritäten in dem betreffenden Lande keinesfalls'eine überstürzte Preishausse oder -baisse zur Folge haben. Außerdem müsse jedes Land feine Stabilisierungsquote dem Stande feiner inneren Verschuldung angleichen.
Als Ausspracheredner zu dem Thema „Währungsstabili- sterung" sprach Bankdirektor Dr. Fischer (Reichs-Kredit- gesellschast). Auf die Frage, ob wir stabilisieren sollen oder eine Fortdauer des Wahrungsschaos wünschen, kann es nach seiner Ansicht nur eine Antwort geben, daß es nämlich ohne vorhergehende Stabilisierung der Währungen unmöglich sei, alle jene Hindernisse zu überwinden, deren Fortfall die Voraussetzung bilde für einen allmählichen Aufbau des Welthandels. Der Handel von Produktionsgütern fei durch die Unstabilität der Währungen und die daraus sich ergebenden Schwierigkeiten in der Kreditgewährung zerstört worden. In diesem Zusammenhang beschäftigte sich Dr. Fischer mit der Spekulation als Nutznießer des gegenwärtigen Zustandes und wies auf die große Gefahr der vagabundierenden Gelder hin, die von den Banken des eigenen Landes an die des anderen Landes ausgeliehen und von diesen bedauerlicherweise auch dann angenommen würden, wenn eine vernünftige die Wirtschaft des betreffenden Landes fördernde Verwendung nicht vorhanden fei.
Zum Schluß betonte Alfred Val ter (Polen), daß die Wiedergesundung der Wirtschaft unmöglich sei ohne eine allgemeine Währungsstabilisierung, die ergänzt werden müsse durch völlige Freiheit des Devisenhandels. Die Freiheit des Devisenhandels sei Vorbedingung für die Wiederstellung des internationalen Kredits, besonders wenn man die Lage der Länder mit passiver Zahlungsbilanz berücksichtige.
Ein längerer Entschließungsentw.urf, der zu einer lebhaften Aussprache führte, bezeichnet die unverzügliche Stabilisierung bet Währungen auf Goldgrundlage als ein dringliches Erfordernis. Er fordert die Einberufung einer Konferenz einer beschränkten Zahl von Regierungen, deren Ziel ein Abkommen über eine vorläufige Stabilisierung auf dieser Grundlage sein müßte. Der Entschließungsent- wurf richtet an die Regierungen die Bitte, ein solches Abkommen unverzüglich in Kraft zu setzen und in ihrer nationalen Wirtschaftspolitik die Änderungen vorzunehmen, die einem internationalen Währungsstandard ein ungestörtes Arbeiten auf lange Dauer ermöglichen. Das Schicksal dieses Entwurfes ist noch nicht zu übersehen, da sich besonders die Engländer dagegen wenden. Sie wollen den Grundsatz nicht gelten lassen, daß eine Währungsstabilisierung praktisch nur Stabilisierung auf Goldgrundlage bedeuten könnte. Auch bestreiten die Engländer, daß die Stabilisierung eine Besserung des Preisstandes herbeiführen würde.
Der Entschließungsentwurf wurde dem Entfchließungs- ausschuß überwiesen, wo der eigentliche Kampf zwischen den. entgegengesetzten Ansichten ausgefochten wird.
Sqngspteife: Für eine Bezugszeit von 2 Wochen 94 Rpf., für einen Monat RM. 2.—, ein- schließlich Traglohn. Durch die Post bezogen RM. 2.35, zuzüglich 42 Rpf. Bestellgeld, Einzel- nummern 10 Rpf. — Bezugsbestellungen nehmen an: der Verlag, die Ausgabestellen, die Träger und alle Hostanstalten. — In Fällen höherer Gewalt oder Betriebsstörungen haben die Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung des Blattes oder auf Rückzahlung des Bezugspreises.
