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Montag, 24. Juni 1935

83. Jahrgang

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Geschäftszeit: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, außer Sonn- und Feiertags.

Stabilisierung der Währungen?

Die Pariser Tagung der Internationalen Handelskammer.

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Stabile, international brauchbare Währungen, einen möglichst freien Weg vom Erzeuger zum Verbraucher, die Möglichkeit einer elastischen Anpassung des Angebotes an die Nachfrage, ein Gleichgewicht zwischen den Kaufkräften der verschiedenen Völker und ein brauchbares und zuverlässiges internationales Kreditabkommen.

Botschafter von Ribbentrop erstattet dem Führer Bericht.

Hamburg, 23. Juni. Die deutsche Flottendelegation kehrte heute von London nach Deutschland zurück und traf um 14,30 Uhr mit dem Flugzeug in Hamburg ein, wo Botschafter von Ribbentrop dem Führer in Anwesenheit des Ober­befehlshabers der Kriegsmarine, Admiral Raeder sowie der Mitglieder der Delegation, Konteradmiral Schuster und Kapitän Ktderlen, Bericht erstattete.

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wird dieses Abkommen ein Eckstein einer wirklichen Konsolidierung Europas werden.

Wir Deutsche glauben an die Mission, die Europa für die ganze zivilisierte Welt zu erfüllen hat, und ich würde nur zu glücklich sein, wenn alle Länder Europas die außerordentliche Bedeutung dieser Tatsache erkennen würden. Vor die Alter­native gestellt: Konsolidierung der euroväischen Staaten auf der einen Seite mit dem daraus folgenden Wohlstand, der allein den Menschenmassen unseres Kontinents die Existenz sichern kann, und nur Chaos auf der anderen Seite, sollte die Wahl nicht schwer fallen, und ich bin sicher, daß wir nunmehr einen Weg finden werden.

Ich glaube, m dem Ringen um die Erhaltung der Kultur müssen England, Frankreich und Deutschland und die anderen europäischen Länder zusammenstehen. Wir glauben an ein starkes Europa und an ein starkes britisches Weltreich.

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kann, und glaubt, dass die vitalen Probleme Europas nur I durch Friedens -Taten zu lösen sind — auch wenn zwei t Völker zunächst allein handeln — und nicht durch allgemeine M'Friedens -Gespräche, die Europa bislang nicht weiter ge- I bracht haben.

Ich glaube, dieses Flottenabkommen ist der Anfang k-einer praktischen Friedensvolit ik. Es regelt I ein- für allemal die Flottenfrage, das vitalste Problem I: zwischen Deutschland und England. Eine Flottenrivalität wird für alle Zukunft ausgeschaltet. Es ist ein wunderbares fc Gefühl, wenn man sich klar macht, was das für diese beiden Wgroßen Länder bedeutet. Aber ich bin davon überzeugt, das E dies nur die eine Seite der Frage ist. Das andere Haupt- | ergebnis dieser Flottenabmachung besteht darin, dah wir H das Eis gebrochen haben, das die politische Situation W Europas in Erstarrung hielt. Die Atmosphäre der Be- I ruhigung, die jetzt logischerweise nicht ausbleiben kann, wird U sicherlich den Weg zur Lösung anderer Fragen ebnen, und so

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Besondere Beachtung verdient auch das Referat, das Professor Dr. L ü e r - Frankfurt a. M. halten wird und das die Z u f a m m e n h ä n g e z w i s ch e n d e m i n t e r- nationalen Kapital- und Güter ström auf- ,zeigen wird. An klugen und sachverständigen Äußerungen wird es auf diesem Kongreß kaum fehlen.

Beiugspreife: Für eine Bezugszeit von 2 Wochen 94 Rpf., für einen Monat RM. 2.—, ein. schließlich Traglohn. Durch die Post bezogen RM. 2.35, zuzüglich 42 Rpf. Bestellgeld, Einzel- nummern 10 Rpf. — Bezugsdestellungen nehmen an: der Verlag, die AusqadesteUen die Trager und alte Postanstalten. — In Fällen höherer Gewalt ober Betriebsstörungen Haden die Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung des Blattes oder auf Rüötzahlung des Bezugspreises.

Das Schlutz-Koinmimiquö.

London, 23. Juni. Über den Abschluß der Flottenver­handlungen wurde folgendes Kommunique ausgegeben:

Die Besprechungen zwischen den deutschen und den eng­lischen Vertretern seit der Veröffentlichung des Notenwechsels vom 18. Juni haben in demselben freundschaftlichen Geiste wie die früheren Besprechungen mit anderen Regie­rungen stattgefunden. Ein umfassender Meinungsaustausch fand über Fragen, wie zukünftige qualitative Begrenzungen und zukünftige Bauprogramme statt, und eine Darlegung so­wohl der Stellungnahme Deutschlands als auch der Vor­schläge der englischen. Regierung bezüglich eines zukünftigen allgemeinen Abkommens über Flottenbegrenzung wird ver­traulich den Regierungen der anderen interessierten Mächte in den zukünftigen Besprechungen deren Vertretern mitge­teilt. Der Meinungsaustausch zwischen der deutschen und der englischen Regierung hat selbstverständlich provisorischen Charakter, da spätere Entscheidungen aus einer zukünftigen internationalen Flottenkonferenz von der Haltung anderer Mächte abhängen.

Vorschläge der britischen Regierung.

London, 24. Juni. (Eig. Drahtmeldung). Trotz den aus Rom gemeldeten italienischen Versicherungen, daß bei den heute beginnenden Besprechungen mit Eden nur euro­päische Fragen, besonders das deutsch-englische Flotten­abkommen und «der westeuropäische Luftpakt erörtert werden sollen, find verschiedene Blätter der Ansicht, daß auch der italienisch-abessinische Streit zur Sprache ge­bracht werden wird.

Der diplomatische Korrespondent der „Morning Post" glaubt, Wien werde eine letzte äußerste Anstrengung unter­nehmen, um einen Krieg in Abessinien zu verhindern. Wenn diese Bemühung mißglückte, dann sei der Beginn von Feind, seligkeiten im «eptember so gut wie sicher. Eden habe weit­gehende Verhandlungsjreiheiten erhalten. Er bring« Por-

Währungs-Probleme im Vordergrund.

H as. Berlin, 24. Juni. (Drahtbericht unserer Berliner Btotetlung.) Der heute beginnenden Pariser ' Tagung der Internationalen Handels­kammer sieht man in Wirtschaftskreisen mit großem t. Interesse entgegen. Im Mittelpunkt der Erörterungen gtotr-b die Frage der Stabilisierung der Währungen rPehen, eine Frage, die nach der Abwertung des belgi- Wchen Fr-anken und nach den Angriffen auf den französi- Iwen Franken naturgemäß besonders aktuell ist. Schon ^mehrfach ist ja in der letzten Zeit die Frage aufgeworfen worden, ob die Dinge noch nicht reif sind für eine internationale Währungskonferenz. So- - wohl in Paris, als auch in den Vereinigten Staaten f hat man deutlich erkennen lassen, daß man solcher - Konferenz nicht abgeneigt wäre. In Genf hat man sich Daraufhin schon überlegt, ob man diese Beratungen Wicht durch die Wiederbelebung der seinerzeit offiziell ja Stur vertagten Londoner Weltwirtschaftskonferenz wieder in Fluß bringen könnte, aber die Engländer haben sich bisher auf den Standpunkt gestellt, daß es heute noch Zu früh ist, über diese Dinge zu sprechen. Man kann nun naturgemäß von der Tagung der Internationalen Handelskammer keine bindenden Beschlüsse erwarten, bcnn hier sind ja die einzelnen Regierungen überhaupt Jtitf)! amtlich vertreten, aber man geht sicherlich nicht in .der Annahme fehl, daß die Erörterungen über das Währungsproblem durch diese Pariser Tagung neuen Auftrieb erhalten werden. Der Kongreß, der bis Samstag dauert, und an dem auch eine größere -deutsche Delegation teilirimmt, steht unter dem Vorsitz des ^Präsidenten der Internationalen Handelskammer - Fentener van Vlissingen, der schon auf der Stuttgarter (Dagung der Deutschen Weltwirtschaftlichen Gesellschaft |öas Programm der Pariser Derhand- i'Ungen gewissermaßen umrissen hat, wenn er als

Frankreich wieder am Scheideweg.

Die Verhandlungen zwischen Laval und Eden in Paris sind eine englisch-französische Angelegenheit. Sie gehen uns nur insofern etwas an, als sie das Londoner Abkommen von 18. Juni berühren. Der englische Völ­kerbundsminister, der inzwischen in R o m eingetroffen ist, und erst am Donnerstag mit dem Ergebnis der Be­sprechungen mit Mussolini wieder in Paris eintresfen wird, hat angesichts der noch immer völlig starren fran­zösischen Haltung bisher keinen Fortschritt erzielen können, der über die Darstellung der beiderseitigen Standpunkte hinausgegangen wäre. Es hat sich während der zweitägigen Pariser Besprechungen gezeigt, daß maßgebliche Männer Frankreichs sich noch immer in der Rolle eines europäischen Aufsehers gefallen, obwohl das, gemessen am heutigen Stand der Dinge, ein Anachronis­mus geworden ist. Mit ermüdender Gleichförmigkeit, die durch die ständige Wiederholung veralteter Begriffe nicht beweiskräftiger wird, werden die abgeleierten Schlagworte von der „kollektiven Sicherheit", vom „Grundsatz der Einheitsfront" (gegen Deutschland, ver­steht sich), vom Grundsatz des gegenseitigen Beistandes, von automatischen Aktionen, von der Kontrolle der Luftstreitkräfte und vor allem von der „Front der internationalen Zusammenarbeit von Stresa" unter ständiger Bezugnahme auf die Londoner Beschlüsse vom 3. Februar vorgebracht. Diese Schlagworte sind heute zum allergrößten Teil längst eine Archivangelegenheit geworden. Aber sie beherrschen die französische Diktion, wie die Besprechungen mit Eden wieder zeigen, noch immer so stark, daß daraus mit aller Klarheit immer wieder nur der einzige Leitgedanke der französischen Außenpolitik hervorgeht: daß nach wie vor die Intentionen der französischen Politik im Verein mit dem französischen Staatenblock in Europa maß­gebend sein sollen und das dritte Mächte die von Paris formulierten Beschlüsse auch dann vorbehaltlos anzu­nehmen haben, wenn sie etwa der Form halber zu einer abschließenden Sitzung der Mächte unter dem Vorsitz Frankreichs zugelassen werden. Zweifellos Hat ein Staatsmann von der Befähigung Lavals die Durch­setzung einer solchen europäischen Diktaturpolitik schon als unmöglich angesehen, wenn er vor sich selbst ehrlich ist. Aber hier zeigt sich an ihm, wie sehr er — bessere Einsicht und guten Willen einmal vorausgesetzt — dem in Frankreich noch immer herrschenden Spiel der Parteien verhaftet ist.

Man hat sich jetzt in Paris in seiner Unzulänglichkeit gegenüber allen Vernunftgründen auch dadurch nicht beirren lassen, daß beispielsweise England in der Flottenfrage in aller Form darauf hingewiesen hat, daß eine weitere Erhöhung der französischen Flottenstärke mit den guten Beziehungen zwischen den beiden Ländern nicht zu vereinen sein würde. Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, daß darin eine deutliche Anspielung unter anderem auf die französische Kiellegung weiterer 35 OOO-Tonnen-Schiffe liegt, zu denen man in Paris ursprünlich den italienischen Schlachtkreuzerbau dieser Tonnage als Vorwand genommen hatte. Es bleibt nun abzuwarten, ob Herr Eden aus Rom mit Besprechungs- ergebnissen zurückkehren wird, die Herrn Laval ein wenigstens teilweises Einlenken angozeigt erscheinen lassen, nachdem die Unterlagen seiner bisherigen Politik (Londoner Beschlüsse vom 3. Februar, die „Front von Stresa" und das Genfer „Urteil" vom 17. April) durch die Praxis hinfällig geworden sind.

Im übrigen muß man, wenn England jetzt in Paris auch feiner neuen Politik der Friedensstcherung durch zwei- oder mehrseitige Verträge treu geblieben ist, aller Voraussicht nach mit Kompromissen unter den drei Westmächten rechnen, da manche Kreise, vor allem in Paris, glauben, die Beschlüsse vom 3. Februar noch immer als bindend ansehen zu müssen.

Praktische Friedenspolitik

Die Bedeutung des deutsch-englischen Flotten-Abkommens.

Miqeigenpreife: Ein Millimeter Höhe her 22 Millimeter breiten Spalte im Anzeigenteil Grund­preis 6 Rpf., der 85 Millimeter breiten Spalte im Tertteil 45 Rpf., sonst laut Tarif 'Jlr. 3, Nachlatzstaffel C. — Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen und Plätzen wird keine Gewähr übernommen. — Schluß der Anzeigen-Annahme 10 Uhr vormittags. Größere Anzeigen müssen spätestens einen Tag vor dem Erscheinungstage aufgegeben werden.

Nach Jahren der schönen Reden, der ruhelosen Minister­reifen von einer Hauptstadt zur anderen, der Konferenzen, ist hier zum ersten Male auch wirklich etwas getan worden, nämlich: der erste praktische Schritt zur Rüstungsbeschränkung.

E Ich glaube, Europa hat in der Vergangenheit den Fehler gemacht, immer zuviel auf einmal anzupäcken. „Qui trop embrasse mal ötreind", sagt der Franzose. Zwei Fehler vor allem: 1. wollte man immer alles auf einmal in Ordnung bringen, statt ein Problem nach dem anderen in Angriff zu nehmen, und 2. hat man, was noch schlimmer ist, versucht, alle Probleme aller Länder mit allen Mächten gleichzeitig an >ahr- einem Tisch zu lösen. Das wird dann kollektives Friedens-, fystem genannt. Ich glaube, man hat bisher das Pferd am »Schwanz« aufgezäumt.

Auch Deutschland wünscht ein Friedenssvstem, das F reund schäften entspringt, die auf Tatsachen und i nicht auf Theorien aufgebaut sind. So mußte die Grundlage - jedes Völkerbundes aussehen! Aber Deutschland ist davon : überzeugt, daß man dahin nur Schritt für Schritt gelangen

schlüge der britischen Regierung mit, die darauf abzielten, berechtigte italienische Bestrebungen zu befrie­digen, aber zugleich die Unabhängigkeit Abessiniens zu wah­ren. Der Grundgedanke sei, baß Abessinien wirtschaftliche Zugeständnisse an Italien machen sollte: es solle die Er­laubnis zum Bau einer Eisenbahn zwischen Eritrea und Jtalienifch-Somaliland geben, das Benutzungsrecht für gewisse Quellen und Weideplätze im Gebiet von Ogaden gewähren und die Erlaubnis zur Anlage von, Baumwollfeldern im Norden geben. Diese Rechte seien bis zu einem gewissen Grade in den Dreimächtevertrag von 1906 und in dem englisch-italie­nischen Abkommen von 1925 vorgesehen worden. Die britische Regierung fei bereit, ihren Einfluß in dieser Richtung zu gebrauchen, wenn sie Gewähr erhalte, daß es zu keinem militärischen Angriff kommen werde.

Erklärungen des Botschafters von Ribbentrop.

London, 24. Juni. (Eig. Drahtmeldung.) Botschafter von Ribbentrop gewährte am Sonntag den Vertretern von Reuter und Havas ein Interview. Bei dieser Gelegen- beit machte er über das deutsch-englische Flottenabkommen folgende Ausführungen: Ich freue mich, daß die Flottenver­handlungen zu einem guten Ende geführt werden konnten. Dieses englisch-deutsche Abkommen war nur möglich durch eine großzügige und verständnisvolle Ein­stellung auf beiden Seiten, das heißt durch die Haltung des deutschen Kanzlers und der britischen Regie- Mung.

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