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Nr. 166.

Freitag, 21. Juni 1935.

83. Jahrgang

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— Berläht Italien den Völkerbund?

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Laval fordert weitere Berläagervag her MüMhienstzeii

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DeschSft-zeit: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, außer Sonn- und Feiertags.

Werktäglich nachmittags, Samstags vor- u. nachmittags Fernfprecher-Sammel-Nr. 59631.

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Luftpakt und Ostfragen im Vordergrund. Die Verhandlungsthemen für Rom.

Eine Mahnung zur innenpolitischen Zusammenarbeit.

Paris, 20. Juni. Zu Beginn der Kammevsitzung sprach Kammerpräsident B o u i s s o n die üblichen Dankesworte für leine Wiederwahl nach dem Scheitern feiner kurzen Minister- Präsidentschaft. Anschließend horten die Abgeordneten stehend seinen Nachruf für den verstorbenen Ünterrichtsminister Marcombes an. Zum Zeichen der Trauer wurde die Sitzung kurz unterbrochen.

Danach verlas Ministerpräsident und Außenminister Laval eine gleichzeitig vom Kriegsminister Fabry im

bieten prüfen sollen. So sehr man auch in Rom das Flottenabkommen und den Luftpakt behandeln wird, an der abessinischen Frage wird man sicherlich nicht vorüber- gehen und bestimmt wird gerade dieser Punkt für den Volkerbundsminister Eden nicht zu den einfachsten Ge­sprächen gehören.

Es ist möglich, daß man in Rom auch die Do n au­srag e kurz streifen wird. Zur Klärung dieses Prob­lems tragt es allerdings nicht bei, daß das füd- l°wl,che Kabinett Jeftilsch sich zum Rück­tritt e n t s ch l o s s e n h a t, und daß daraufhin die für morgen einberufene Konferenz der Kleinen ~"tente verschoben wurde. Allerdings ist der Rücktritt des Kabinetts Jeftitsch offenbar auf rein innenpolitifche Vorgänge zurückzuführen. Das Verhält­nis zwischen der Regierung und der Opposition hat sich in der letzten Zeit ungemein zugespitzt, wofür in erster Lime ^effitfch verantwortlich gemacht wurde. Das ist der Grund, weshalb einige der Minister ihr Ent- lassungsgefuch einreichten und so schließlich den Gesaint- rucktrrtt des Kabinetts erzwangen. Der jetzt als vor- ausstchtlicher Nachfolger Jeftitschs genannte bisherige Finanzminister Sto jad inowit sch hat innenpolitisch seit geraumer Zeit eine andere Überzeugung vertreten als Zeftitsch und mehrfach Verhandlungen mit den Führern der Opposition gepflogen. Außenpolitisch dürste der Regierungswechsel keine große Bedeutung haben was schon daraus hervorgeht, daß Jeftitsch wieder als künftiger Außenminister genannt wird. Immerhin führt der Regierungswechsel zunächst zu einer Vertagung ter Konferenz der Kleinen Entente und läßt es auch frag­lich erscheinen, ob nun noch die angekündigte Reise ^eftitschs nach Paris und Rom zustande kommen wird. Unter solchen Umständen wird in den Gesprächen Mischen Eden und Mussolini die Donaufrage wohl keine lehr große Rolle spielen. Es wird ja aber, wie aus den übrigen Ausführungen hervorgeht, in Rom nicht gerade an Gesprächsstoff fehlen.

fieser feinen Anbruch auf Lieferung des LL od^nf"RaZöhlunkE^^n^i^

?ra?6l,mnfe: h!i.n tS*Äf, HÖH- der 22 Millimeter breiten Spalte im Anzeigenteil Gründ. Efc*?T ® „“gf-j °-r 85 Millimeter breiten Spalte im Teitteil 45 Rpf., sonst laut Tarif Nr. 3

C,st7" M,Üt b,e dlufnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen und Plätzen ffi’rsUJPoL,<?ero5t>r _ übernommen. — Schluß der Anzeigen-Annahme 10 Uhr vormittags. OroEjere Anzeigen müssen spätestens einen Tag vor dem Erscheinungstage aufgegeben werden.

Eine neue Verletzung des Memelstatuts durch Litauen.

„»»Häufige“ Streichung ans der Wahlliste.

«... 20- 2uni. Der litauische Gouverneur in Memel

nor einiger Zeit eine Kommission zur Überprüfung der durch tue memelland tschen Behörden ausgestellten Jnlands- pasfe eingesetzt. Damit wird der Zweck verfolgt, auch auf 9RIfTr»r ®e -hi der memelländischen W ah le r ein3 u ! chranke n. Diese Kommission arbeitet im ganzen Memelgebiet. Sie hat den Auftrag, strengstens daraus zu achten, daß jeder, auch der kleinste formelle Fehler beanstandet wird, um den Paßinhaber von der Beteiligung anrj^.r jUI den 29. September.angesetzten Laudtagswahl aus- zuschließen. Der Inhaber eines beanstandeten Passes ist nämlich in ib e r Wählerliste „v orläufig" zu stkE'chen. Besonders eingehend sind die Unterlagen Tür ^xrr ,|te u öes Znlandspasses zu prüfen. In geeigneten Fallen kann der in, Frage kommende Paßinhaber der litau­ischen, Staatsangehörigkeit für verlustig erklärt werden unö muf?jomit automatisch aus der Reihe der Wahlberechtigten aus,che,den. Nur bei großlitauisch eingestellten Personen ist von einer Paßrevision Abstand zu nehmen.

Infolge der Beanstandung von Pässen ist verschiedenen Memellandern auf Anordnung des Gouverneurs der Paß durch die litauische Polizei sogar gewaltsam und rechtswidrig abgenommen worden. Dieses Vorgehen bedeutet eine er­neute Verletzung des Memelstatuts.

Scn«^ verlesene Mitteilung der Regierung folgenden 2n-

-.*? »eBtcrung hat zur Sicherstellung der notwendigen Effektivstärken wahrend des rekrutenarmen Zeit- abichnitts befchloffen, das im April 1935 eingestellte Kontingent nach Schluß feines ersten Dicnstjahres wei- tere 6 Monate und die im Oktober 1935 usw. bis ein­schließlich 1939 einzustellenden Rekrntenkontingentc ein weiteres Jahr unter den Fahnen zu behalten, es lei denn, frag eine günstige Entwickelung der Verhand- lungen über die Organisierung der Sicherheit und die Beschränkung der Rüstungen erleichternde Maßnahmen rechtfertigen lasten.

, ,, Die Regierung hat beschlossen, das im April zur Ent­lassung fällige Halbkontingent unter den Waffen zu be­halten, bis das im April eingestellte Halbkontingent das notwendige, Mindestmaß an Ausbildung erhalten hat. Die Regierung spricht den jungen Franzosen, di« diese zeitweilige Verlängerung ihres Militärdienstes mit Patriotismus an­genommen haben, eine öffentliche und feierliche Aner­kennung aus. Sie werden am 6. Juli entlasten. Die Re­gierung bestätigt nochmals den Friedenswillen Frankreichs das unter den Fahnen nur die für feine Sicherheit notwen­digen Effektivstärken hält.

Der sozialistische Abgeordnete Riviere erhob namens seiner Partei Protest gegen die Maßnahmen der Regie­rung. Der Beschluß, die Rekruten länger unter deii Fahnen zu halten, sei durch die Umstände durchaus nicht gerecht- Mt. Die Sozialisten protestierten gegen die Rüstungs-

Von seiner Bank aus erwiderte Ministerpräsident und Außenminister Laval: Die Kammer kennt die internationale Lage und die Gefahren, die sie birgt. Solange die kollektive Organisierung der Sicherheit nicht verwirklicht ist werde diese Maßnahme für den Frieden und seine Erhaltung er­griffen. Noch kühnere Maßnahmen sind von Ländern ge­troffen worden, in denen Mitglieder dieser Kammer ihre politischen Richtlinien suchen.

Ein kommunistischer Abgeordneter wandte sich gegen diese Bemerkung des Ministerpräsidenten, der den Zwischen.

Kabinettsrücktritt in Belgrad.

qr, as. Berlin, 21. Juni. (Drahtbericht unserer Berliner sAoteilung.) Der englische Völkerbundsminister Eden, - der gestern bereits in Paris eintraf, wird heute vormittag smbd nachmittag mit Laval verhandeln. Es ist sehr ^charakteristisch, daß sich in seiner Begleitung der Sach- v e r st and ige des Foreign Office für Ostfragen, G\Daraus kann man ohne weiteres -7 Mi eg en, daß London mit einem Versuch Lavals rech- Osts?MM- d. h. die mit dem französisch-sowjet- Beistandspakt in Verbindung stehende Prob- xlsme, in den Vordergrund zu rücken. Im übrigen aber mummt man allgemein an, daß Eden Laval nicht nur Mngehend über das deutsch-englische Flottenabkommen unterrichten wird, wobei Laval diese Dinge wohl wefentlich ruhiger betrachten dürfte als die noch immer W aufgeregte Pariser Presse, sondern daß Eden vor allen Dingen den Luftpakt behandeln will. ZN Pans glaubt man, daß der Minister bereits bestimmte Paktvorschläge mitbringen wird. - Die große Frage ist natürlich, ob die Franzosen an der ■ These von der Unteilbarkeit

sesthalten, d. h. den Luftpakt nicht eher abzuschließen gedenken, ehe nicht die gesamte Rüstungsfrage erledigt ßmt, oder ob es Eden gelingt, Paris davon zu überzeugen, daß man nur Schrittweise vorankommen kann, wobei der nächste Schritt nunmehr der Luftpakt sein muß.

Von Paris wird sich Eden, wie aus den amtlichen englischen Meldungen hervorgeht, nach Rom begeben, mm dort mit Mussolini die gleichen Themen zu be­sprechen. Er wird also auch den Italienern erklären, baß das Flottenabkommen mit Deutschland die weiteren slottenverhandlungen wesentlich erleichtert und er wird sich auch in Rom eingehend über den Luftpakt unter­halten. Es ist aber anzunehmen, daß man in Rom nicht an der abessinischen Frage vor üb er­geh en wird. Gerade im gegenwärtigen Augenblick er­scheinen in verschiedenen italienischen Blättern Artikel die darauf hinauslaufen, daß Italien möglicher­weise den Völkerbund verlassen wird, wenn dis zur Augusttagung .des Rates nicht eine, den italienischen Forderungen entsprechende Behandlung der abessinischen Frage sichergestellt sei. Die dem römi- Men Außenministerium nahestehende Zeitschrift „Affari Esters" sagt hierzu u. a.: „Italien steht heute auf der schwelle, und eines ist sicher: wenn noch eine europäische Großmacht (es ist vorher in dem Artikels auf das Ausscheiden Japans und Deutschlands Erwiesen) Genf den Rücken kehrt, ist der lkerbund tot". Eden müßte nicht Völkerbunds- nnnister sein, wenn er an solchen Äußerungen, amtlichen i italienischen Stellen nahestehender Zeitungen und 'Zeit­christen vorübergehen könnte. Dabei erleichtert es für Genf die Lage keineswegs, daß gerade jetzt Abessinien »en Vorschlag gemacht hat, der Völkerbund möge Neutrale Beobachter entsenden, die auf Kosten Abessiniens die Lage in den umstrittenen Ge-

Hände und umarmten sich. Unter den Engländern waren viele Kriegsverletzte. Ein kriegsblinder Offizier schüttelte den Deutschen mit den Worten: „Willkommen. Brüder", die Hände. Neben ihm war ein Soldat, der ein Bein verloren batte. Die Deutschen reichten ihm die Hände. Später mar­schierten die Frontsoldaten durch die Straßen, und deutsche Flaggen wehten neben den Fahnen der „British Legion".

„News Ehronicle" berichtet: „Unter denen, die den Deutschen die Hand schüttelten, waren manche Krieger- roitaten, die die Auszeichnungen ihrer gefallenen Männer trugen. Als die Deutschen durch die Stadt marschierten, brach die Menschenmenge immer wieder in stürmische Hoch­rufe aus.“

..Daily Mail" schreibt: „Als die Deutschen das letzte­mal nach Brighton tarnen, waren sie Gefangene, die von bewaffneten Wachen eskortiert wurden. Heute wurden sie vom Bürgermeister empfangen und begeisterte Menschen­mengen und flatternde Banner begrüßten sie."

>,Preß Asiociation" erklärt: „Die Wahrheit der Äuße­rung des Prinzen oon Wales, daß es keine geeignetere Organisation gebe, um den Deutschen die Hand der Freund- ichait entgegenzustrecken, als den englischen Frontkämpfer- bund, wurde gestern in Brighton bewiesen."

„Willkommen Kameraden!"

L«tbon, 21. Juni. (Eig. Drahtmeldungs. Eine A b - vrdnung deutscher Kriegsteilnehmer aus Westfalen, die vom englischen Fronttämpferbund nach England eingeladen worden war, traf am Donnerstag in Wrighton ein und wurde dort außerordentlich herzlich fangen. Viele englische Kriegsteilnehmer und eine : W Menschenmenge begrüßten die deutschen Frontkämpfer Mer .der Führung von Walter Kleinkorres. Zum pichen der Freundschaft wurden die Fahnen des englischen hrontkämpferbundes „British Legion" und der deutschen -Abordnung miteinander gekreuzt. Der Bürgermeister von ^kighwn, Gib son, sagte in seiner Begrüßungsansprache ; wer anderem: „Ich glaube, daß wir in nicht' geringem ^loße dazu beitragen, die Sache des Friedens unter den Nationen der Welt zu fördern."

Mr Die gesamte Morgenpresse veröffentlicht ausführliche . von der Ankunft der Deutschen in Brighton.

: Telegraph" schreibt unter anderem: „Die deutsche

Abordnung wurde von den englischen Frontkämpfern mit

Worten: „Willkommen, Kameraden" begrüßt. Die freut« Rta und englischen Kriegsteilnehmer schüttelten sich die

Ein Vorschlag Abessiniens an den Rat.

Entsendung neutraler Beobachter zur Untersuchung der Zwischenfälle an Ort und Stelle.

Genf, 20. Juni. Die abessinische Regierung hat den Mitgliedern des Völkerbundsrates den Vorschlag unter- breitet, daß der Rat angesichts der zunehmenden Ver­schärfung des Streitfalles mit Italien sofort n « a *€ Beobachter bestimmen sohl, die sich nach Abessinien begeben, um die an Italienisch- Som al ikand und die anderen Kolonien an­grenzenden Gebiete zu bereifen. Sie hätten die in den Grenzgebieten tatsächlich bestehende Lage zu prüfen und eine Untersuchung über alle angeblichen oder wirk­lichen Zwischenfälle vorzunehmen. Die abessinische Re­gierung würde sich verpflichten, den Beobachtern alle Hilfe und Unterstützung für die Erfüllung ihrer Auf- gaoe zu gewähren und die Kosten der Untersuchung zu