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Donnerstag, 20. Juni 1935
83. Jahrgang
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französischen Mattern lesen, daß sich ein Krieg in rssinien nur dann vermeiden lassen würde, wenn
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Fortsetzung der Londoner Besprechungen über technische Fragen.
Loudon, 19. Juni. Die Verhandlungen der Flotten- sachverständi'gon nahmen am Mittwoch ihren Fortgang. Es wurden hauptsächlich technische Fragen erörtert.
Botschafter von Ribbentrop hatte am Mittwoch eine längere Aussprache mit dem ständigen llnterstaats- sekretär im Foreign Office Sir Robert Vansittart.
| Beginn deutsch-polnischer Wirtschafts- Verhandlungen.
r Eine vertragliche Grundlage für den Warenverkehr.
geführt hatte, jetzt dieses Freundschaftsgefühl für Ronr in Paris hervorruft.
Auch in Rom w i rd e i ni ge Kri ti k an d e in Flotten ab kommen geübt. Vor allem scheint - man hier aber den Schluß zu ziehen, daß Italien ähnlich handeln müsse, wie es England und Deutschland getan, was für Rom bedeute, daß es sich nicht weiter um den Völkerbund zu kümmern brauche. Das japanische Vorgehen int Fernen Osten, Außerkraftsetzung der Verfailler Militärklausel durch Deutschland und der Abschluß des deutsch-englischen Flottenabkommens, das seien drei Fälle, aus denen Italien die Lehre ziehen müsse, daß es bei einem künftigen Vorgehen in Abessinien auf den Völkerbund keine Rücksicht zu nehmen habe. In diesem Sinne wird man es in Rom wohl durchaus begrüßen, wenn die französische Presse den italienischen Standpunkt unterstützt. Es fragt sich nur, ob man in Paris, wo man bekanntlich so sehr an Genf hängt, sonderlich entzückt sein wird, von der neuen italienischen Polemik gegen den Völkerbund.
r Die erste Sitzung des neuen englischen Kabinetts.
Rußland und Rumänien.
Herr Venesch, der Außenminister der Tschechoslowakei, ist aus RäterußlanÄ zurückgekshrt, und hat sich von seinen Parteigenossen einen überschwenglichen Empfang bereiten lassen. Auf der Vogrüßungsoeran- staltung erklärte er, daß sich Rußland zwar verändert habe, aber das russische Herz sei das alte geblieben. Mit diesem sentimentalen Akzent soll offenbar ein neuer Panslawismus eingeleitet werden, der die harte Tatsache, daß die Tschechoslowakei, die Zufluchtsstätte so vieler Weißrussen, ihren Frieden mit dem Bolschewismus gemacht hat, etwas lyrisch verbrämt. Aber mitten in den Freudenbecher über die vermeintlichen Erfolge des Herrn Venesch fällt ein Wermutstropfen. Rumänien dementiert die Nachricht, daß es mit Sowjetrutzland über einen Beistandspakt verhandle, es sei von ihm nur ein Freundschaftsabkommen mit dem Rätestaat geplant.
Dementis sollen ja im diplomatischen Handwerk manchmal auch die Wahrheit dementieren. Im vorliegenden Falle kann man sich wohl leicht ausmalen, mit welchem Glauben dieses Dementi aus Bukarest in der diplomatischen Welt aufgenommen wird. Das Abkommen der Tschechoslowakei Mit der Sowjetunion würde ja in der Luft schweben, wenn nicht Rumänien als die breite Landbrücke zwischen Prag und Moskau in den Beistandspakt eingefügt würde. In der Tat haben rumänische Blätter für das tschechisch-sowjetrussische Bündnis auch den zutreffenden Namen „Stratosphärenabkommen" geprägt. Es hängt wirklich in der Luft. Und es müßte ohne den Beitritt Rumäniens Stückwerk bleiben. Das weiß natürlich Herr Titulescu, der rumänische Außenminister ganz genau. Man braucht Rumänien als Verbindungsstück. Die Bindung Rumäniens an den Bolschewismus ist im Lande keineswegs populär. Die Armee und der König empfinden starke Hemmungen, nun einfach das Land vertragsmäßig zum Durchzugsland und zur Luftbasts der Roten Armee werben zu lassen. Herr Titulescu möchte aus diesen Gründen eine nochmalige feierliche Garantie für die Ostgrenze seines Landes durch Sowjetrußland erzielen. Bei Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Rumänien und Räteruß- land hat zwar in einem Briefwechsel Herr Litwinow den heutigen Besitzstand Rumäniens de facto anerkannt. Aber weder dem rumänischen Außenminister noch insbesondere dem rumänischen Volke erscheint die Zusicherung als eine feste, rechtlich unumstößliche Anerkennung der Besitzrechte Rumäniens auf Bessarabien. Die Dnjestr-Erenze liegt ja den Rumänen am stärksten auf dem Herzen. Als der alte Barthou seinerzeit nach Bukarest kam, um hier für seine als Sicherheitsthese getarnte Einkreisungspolitik gegen Deutschland Anhänger zu werben, wurde er sogleich vom rumänischen Außenminister darauf festgelegt, daß der Dnjestr Frankreichs Ostgrenze sei. In Paris begriffen einige Realpolitiker zwar dieses Engagement in seiner ganzen peinlichen Bedeutung, aber nachdem Frankreich und Sowjetrußland ihre neue Freundschaft entdeckt hatten, verstummte die Kritik über die gefährliche Tragweite der ganzen französischen Paktpolitik. Sowjetrußland begrub aus Haß gegen Deutschland den Erenzstreit mit Rumänien, aber in Rumänien wurde man doch der svwjetrussischen Zusicherungen von Tag zu Tag weniger froh. Dieser eingetretenen Ernüchterung ist das neuere Verlangen des Herrn Titulescu entsprungen. Es kommt noch hinzu, daß man in Polen die Bindung Rumäniens an den Rätestaat recht kritisch betrachtet. Polen vertieft zwar seine wirtschaftlichen und, kulturellen Beziehungen zu Rumänien, aber bei aller freundschaftlichen Sympathie, die man in Warschau Dem Königreich an der südlichen Donau sntgegenbringt, fehlt es doch nicht an kritischen Ausstellungen gegenüber dem geschäftigen Außenminister Rumäniens.
Die Sowjetleute haben inzwischen versucht, die rumänische Freundschaft durch kleinere Geschenke zu erhalten. Während des Weltkrieges waren die rumänischen Archive nach Moskau in Sicherheit gebracht worden. Bei Antritt der Bolschewistenherrschaft stellte sich diese „Sicherheit" als recht problematisch heraus. Aber schließlich haben diese Akten, besonders nachdem die Bolschewisten von ihnen ausreichend Kenntnis genommen haben dürften, für SowjetrußlanÄ keinerlei Wert. Es war also eine billige Geste, sie an Rumänien zurückzugeben. Rumänien aber fordert mehr. Es will die feierliche Zusicherung der Dnjestr-Erenze! Natürlich wird man von Moskau und Prag aus Paris drücken, damit der rumänische Teilhaber etwas gefügiger gemacht wird. Aber auch hier möchte wohl Rumänien finanziell für sich etwas herausschlagen. Die neuen Rüstungen stellen für das wirtschaftlich nicht sehr gefestigte Rumänien eine schwere Last dar. Die rumänische Regierung versuchte bereits von Prag und Paris Anleihen zu erhalten. Die Tschechen haben eine
- I L2onbott, 19. Sunt. Am. Mittwochoormittag fand unter A Vorsitz des Ministerpräsidenten Baldwin die erste Muitg des neuen englischen Kabinetts statt.
1LU4- VU1UI iWUlireilWll AUJJVll XVUWV, bessinien den Italiener volle Genugtuung gäbe. Ein wie Abessinien, in dem noch die Sklaverei be- He, so meint der „JntraNsigeant", habe durchaus ein Meresse daran, durch die „große lateinische Nation" Misiert zu werden. Es entbehrt nicht einer gewissen Wvnie, daß gerade die Flottenfrage, die früher, man Me nur an die letzten italienischen Baupläne, zu Mgen Auseinandersetzungen zwischen Paris und Rom
Der italienisch-abessinische Streit
Amerika distanziert sich.
Mailand, 19. Sunt. „Sortiere della Sera“ meldet aus Washington, Daß die amerikanische Regierung in der Voraussicht einer möglichen militärischen Auseinandersetzung zwischen Stallen und Abessinien beschloßen habe, den . amerikanischen divlomatischen Vertreter in Abessinien unter gleichzeitiger Erklärung der amerikanischen Neutralität zurückzuziehen.
Italienische Flagge von einem Eesandtschastswagen abgerissen.
London, 20. Sunt. „Daily Telegraph" meldet aus Addis Abeba, einMitgliedderitalienischenEesandt- schaft sei am Dienstagabend in einen Straßen« Zwischenfall verwickelt gewesen.
„Daily Erpreß" berichtet hierzu, ein junger abessinischer Fliegeroffizier sei am Mittwoch verhaftet worden, weil er von einem der italienischen Gesandtschaft gehörenden Kraftwagen die italienische Flagge abgerissen und den Mantel des ersten Sekretärs der italienischen Gesandtschaft, M o m b e l l i, zerrißen habe.
E, Berlin, 19. Sunt. Sn der nächsten Woche werden, wie M von unterrichteter Seite erfahren, in Berlin deutsch- S°inisch« Wirtschaftsverhandlungen beginnen mit dem Ziel, M Warenverkehr zwischen Deutschland und ?olen auf eine vertragliche Grundlage zu zollen. Darüber hinaus soll erstrebt werden, die deutsch- N"ifchen Beziehungen auch nach der wirtschaftlichen Seite
teroirtag des Mlen-MmiM.
lers Beitrag zum Frieden. — Vor der Reise Edens. — Die französische Presse unterstützt Italien gegen Abessinien.
Sn}«gem>reife: Ein Millimeter Höbe der 22 Millimeter breiten Spalte im Anzeigenteil Ernnd- preis 6 Rpf., der 85 Millimeter breiten Spalte im Tertteil 45 Rpf., sonst laut Tarif Nr. 3, Nachlaßstaffel C. — Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen und Plötzen wird leine Gewähr übernommen. — Schluß der Anzeigen-Annahme 10 Uhr vormittags. Größere Anzeigen müssen spötestens einen Tag vor dem Erscheinungstage aufgegeben werden.
Japan sieht in den Flottenabkommen eine europäische Angelegenheit.
Tokio, 20. Juni. (Eig. Drahtmeldung.) Im hiesigen Regierungs- und Marinekreifen bezeichnet man das deutsch-englische Flottenabkommen als eine rein europäische Angelegenheit, in der sich der Erfolg der deutschen Außenpolitik und die Klugheit Englands gezeigt habe.
| Englische Einladung an Paris, Rom und Moskau.
i as.- Berlin, 20. Juni. (Drahtbericht unserer Berliner | Meilung.) Die gesamte Presse des Auslandes Le- - tzästig-t sich weiter eingehend mit dem deutsch-engli-
tzen Flottenabkommen, das durchweg als großer = klfolg HitIers und überall dort, wo man Ver- lättimis für das neue Deutschland hat, als neuer Zeitrag des Führers zum Frieden gekenn- 1 Mnet wird. Mehr und mehr drängt sich nun die 1 jfcuje in den Vordergrund, was weiterhin geschehen | M. Vielfach wird dabei angenommen, daß das Ab- i tarnen den Auftakt zu einer neuen Periode ) IUßenpo 1 itischer Aktivität Englands in : ruropa bilden werde. Zunächst werden die Engländer - zÄsnfalls verfluchen, die Flottenfrage weiter zu klären, f Lauf diese Weife die Weltflottenkonferenz s »rzu bereit en. So hört man, daß bereits an l Httis, Rom und Moskau Einladungen ergangen feien, - Nottenfachverständige zu Besprechungen nach London i i entsenden. Dann aber dürfte man auch wohl in ■■ tadon versuchen, den Lustpakt zu fördern, den s -er englische Außenminister unlängst als dringlich be- 1 Mnete.
j r Unter solchen Umständen gewinnt naturgemäß die | M morgen in Aussicht genommene Reise des eng- s fischen Ministers Eden nach Paris besonderes J Aereffe. Die französische Presse läßt keinen Zweifel - «ran, daß Eden in Paris nicht gerade mit besonderer : Nrrne begrüßt werden wird. Noch immer zeigen die : Knzösifchen Blätter sich sehr verstimmt über das 1 ßottenabkommen, wie denn ja immer, wenn irgend ein Witim Fortschritt in der Friedenspolitik erzielt ist, »n Frankreich Schwierigkeiten gemacht werden, kaval, der gestern im Auswärtigen Ausschuß der j Sammer sprach, ist allerdings mit seinen Äußerungen wer das Flottenabkommen wesentlich zurückhaltender , taesen, als die französischen Blätter, doch soll auch - davon gesprochen haben, daß Frankreich damit ine ,Lewiffe" Handlungsfreiheit wieder- : ewonnen habe. Er scheint es aber vermieden zu J chen, darüber nähere Ausführungen zu machen, wie ; Rin überhaupt der bevorstehende Besuch Edens ihn I Sanlaßte, nicht näher auf die Einzelheiten einzu- - hen. Dafür läßt die französische Presse ihrer j erstimmung freien Lauf. Sie entdeckt plötzlich ihr Herz Bdie italienische Abeffinienpolitik und den Engländer zu verstehen, daß Paris unter
1 dien Umstanden die englische Politik in der Abessinien- i läge unterstützen werde. So sehr das Bestehen ge- i imer französisch-italienischer Abmachungen über
Wimen bestritten wird, so kann man doch jetzt in
Die Verteilung der Tonnage.
as. Berlin, 20. Sunt. (Drähtbericht unserer Berliner Abteilung.) Der „Völkische Beobachter“ veröffentlicht einen, offenbar aus amtlicher Quelle stammenden, mit drei Sternen gekennzeichneten Artikel über das deutsch-englische Flottenabkommen, in dem u. a. errechnet wird, welche Tonnage Deutschland nunmehr zustsht. Es ergeben sich danach folgende Zahlen:
Die englische Deutschland Beretts in Deutsch!. Vertragsstärke: steht danach zu: vorhanden: Schlachtschiffe 525 000 t 183 750 t 30 000 t Flugzeugträger 135 000 t 47 250 t ---
Schwere Kreuzer 146 800 t 51380 t ----
Leichte Kreuzer 192 000 t 67 270 t 35 400 t
Zerstörer 150 000 t 52 500 t 9 600 t
U-Boote 52 700 t 18 445 t ----
Sn dieser Tabelle ist nicht berechnet, daß das Abkommen die Übertragung der in einer Kategorie nicht voll ausge- nutzten Tonnage auf eine andere Kategorie in gewissem Umfang ermöglicht, ebenso nicht die Sonderregelung für U-Boote, die ein Überschreiten der Gefamtzifser unter gewissen Voraussetzungen zuläßt.
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