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Nr. 162,
Montag, 17. Juni 1935
83. Jahrgang
Das ohnmächtige Europa
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Geldfressendes Mitztrauen
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Fernsprecher-Sammel-Nr. 59631. Berliner Büro: Berlin-Wilmersdorf.
Das englische Kabinett und Lloyd George
Ablehnung seines Arbeitsbeschassungsprogramms.
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non China losgerissen werdensoll, daß es aber eine gewisse Selbstverwaltung erhalten müsse. Diese Darstellung könnte die nächsten japanischen Ziele durchaus richtig wiebergeben. Was später einmal aus diesem Rordchina wird, ist eine zweite Frage. Ob es etwa i „spontan" den Wunsch zum Ausdruck bringen wird, sich . ganz unter japanischen Schutz zu stellen oder ob es mit der Mandschurei ein großes Reich gemeinsam bilden wird. Nur das eine ist sicher, daß die Japaner hier nicht mehr verschwinden werden.
I Die chinesische Regierung scheint, ohne die Form eines offiziellen Protestes gewählt zu haben, in London und auch in Washington auf das Vorgehen der japanischen Regierung verwiesen zu haben. Die Japaner ihrerseits beeilen sich darauf mitzuteilen, {daß sie weder die englischen Interessen noch das Neun- - Mächteabkommen verletzen würden. Es ist dies das im
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* Das neue englische Flottenprogramm.
Fünf Schlachtschiffe.
E London, 17. Ium. (Tig. Drahtmeldung.) Die Mel- : °ung des „Daily Telegraph" vom Samstag, daß England im Lohmen eines neuen Dlerfahres-Bauprogramms der eng* f achen Flotte acht neue Schlachtschiffe bauen werde, wird s heute von dem Marinemitarbeiter des Blattes dahin richtig- : Keitellt, daß es sich tatsächlich nur um füns Schlacht- f'chiffe handle, von denen wahrscheinlich im Jahre 1937
Le-, im folgenden Jahre gleichfalls zwei und im Jahre 1939 I •r«s in Angriff genommen werden würden.
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Die italienischen Siedler räumen Abessinien.
15. Juli letzter Termin.
London, 17. Juni. Die italienische Regierung hat — der „Times** zufolge — Schritte unternommen, um die Zahl der italienischen Siedler in Abessinien zu verringern. Als l e tz - tei Termin der völligen Räumung solider 15. Juli festgesetzt worden sein. Reutermeldungen besagen, daß in Dschibuti dauernd Italiener aus Addis Abeba eintreffen und ihre Reise nach Maffaua (Eritrea) fortsetzen.
| Europa und der Ferne Osten.
Vor einer Erklärung des englischen Außenministers über China.—Das Vordringen der Japaner* Tokio rechnet nicht mit diplomatischen Schritten.
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l as. Berlin, 17. Juni. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Im Unterhaus wird heute voraussichtlich der englische Außenminister Sir Samuel Hoare belastets seine Erklärung zum Vorgehen der Japaner in Nord- china -abgeben. Bekanntlich sind die Japaner im : Augenblick damit beschäftigt, sich die nordchinesische tP r o v i n z Hopei samt den Städten Peking und Kien ts i n zu unterwerfen, immerhin ein Gebiet, etwa non der Große Italiens. Die letzten Nachrichten sprechen ldavon, daß rund 40000 Mann japanischer Kruppen zum Einmarsch bereitstehen sollen ustd daß japanische Militärflugzeuge über Peking kreisen. Wie weit die japanischen Ziele gehen, ist dabei p. Zt. noch nicht ohne weiteres zu erkennen. Es scheint i aber, daß man sich keineswegs mit der Provinz Hopei 'begnügen will, sondern ganz Nordchina in irgend einer Form unter japanischen Einfluß zu bringen gedenkt. In dieser Hinsicht ist die Erklärung eines allerdings ungenannten japanischen Diplomatew interessant, die der „Petit Parisien" wi-edergi-bt. Dort heißt es nämlich, Japan wolle aus N o r d ch i n a eine japanische Einflußzone machen, die zwar staatsrechtlich bei China -bleiben würde, in der aber die Behörden bet Genehmigung Japans bedürfen würden. Die gegenwärtige Aktion beschränke sich auf die Provinz Hopei,
i _ Kurz nach Sonnenaufgang wurden am Montag in ^-ynesrde (Schottland) und in Nord-Wales große
- Aw.einsame Manöver der englischen Armee, Flotte und ssiststreitkräfte eröffnet. In Schottland stützten sich die
| jungen auf das Vorbild der Schlacht von Zeebrügge, in gr Grafschaft Caernarvon in Wales auf die Kämpfe vor ! z^ß’-poli. Angreifern und Verteidigern stehen große Flug- l Zugkräfte zur Verfügung.
England unterrichtet sich.
London, 17. Juni. Die englische Regierung hat, wie der diplomatische Mitarbeiter des „Daily Telegraph" meldet, auf Grund der chinesischen Vorstellungen in London sowohl in Tokio wie in Peking Nachforschungen über die Lage in Nordchina eingeleistet. Der Korrespondent berichtet, daß die chinesischen Vorstellungen anscheinend nur in der englischen Hauptstadt, nicht aber in den Hauptstädten der anderen Unterzeichnerstaaten des Neunmächtevertrages erhoben worden feien. Der englische Außenminister Sir Samuel Hoare werde es jedoch im Unterhaus wahrscheinlich klar machen, daß England in dieser Angelegenheit nicht unabhängig vor gehen könne. Besprechungen über die nordchinesische Lage hätten unter anderem bereits mit der Regierung der Vereinigten Staaten stattgefunden.
: * über Japan rechne damit, daß die übrigen Provinzen lvichteki Aordchinas bald in die japanische Einflußzone kommen Ä -Ms ^>nd zwar von selbst. Es wird dann von diesem japani- n oben Wen Diplomaten nochmals betont, daß Nordchina nicht
Sowjetpropaganda auf der Genfer Arbeitstagung.
Genf, Juni 1935.
Seitdem die Sowjetunion Mitglied des Völkerbundes ist, gibt es auch einen russischen Delegierten bei der Nebenorganisation des Bundes, dem Internationalen Arbeitsamt. Und damit gibt es auch einen russischen Vertreter auf der gegenwärtig tagenden Internationalen Arbeit s ko n f e r e n z. Es ist Herr Professor Boris Marcus. Zwar will er von praktischer Mitarbeit an der Arbeitskonferenz nichts wissen, — schon weil der Grundgedanke dieser Konferenz, die Zusammenarbeit zwischen Unternehmern und Arbeitern, dem klassen- kämpferischen Marxismus fremd ist. Deshalb stimmt Herr Boris Marcus bei den Konferenzabstimmungen nicht mit ab, — womit er im übrigen nicht viel verliert. Dennoch aber benutzen die Russen ukkd ihr Genfer Vertreter, Herr Professor Boris Marcus, die Arbeitskonferenz, um sich auf ihre Art und Weise über sie lustig zu machen. Sie benutzen sie zur Propaganda, uiib zwar zur Propaganda in ihrer gröbsten Form.
Das bewies die einzige Rede, die Herr Marcus in diesen Tagen auf der Arbeitskonferenz gehalten hat. Diese Rode, die ein Muster dafür ist, was man heutzutage auf internationalen Konferenzen alles behaupten kann, ohne ausgelacht zu werden, begann mit der Feststellung, daß es bei den Sowjets keine Arbeitslosigkeit mehr gebe. Bei den Sowjets spielen überhaupt alle die Fragen, mit denen sich die Arbeitskonferenz und die nichtkommunistische Welt noch beschäftigen müssen, keine Rolle mehr. Arbeitslosigkeit der Jugendlichen wie der alten Arbeiter, — existiert in Rußland nicht' (erklärte Herr Marcus). Die Frage des bezahlten Urlaubs — ist in Rußland längst gelöst, und diese Lösung geht weiter als alles, was die Arbeitskonserenz erreichen kann. Vierzigstundenwoche? In Rußland arbeitet man seit 1927 nur noch sieben Stunden täglich . . . Arbeitszeit in den Kohlengruben? Auch für die Arbeit unter Tage gibt es besondere Vorschriften, Sechsstundentag und jeden fünften Tag einen Ruhetag. . . Kurz und gut, Rußland muß nach den mit Stentorstimme und in kaum erträglichem Französisch herausgeschmetterten Tiraden des Herrn Professors Boris Marcus ein Paradies auf Erden fein. Alles funktioniert glänzend, überall Fortschritte über Fortschritte! Die Bauern ernten jetzt, im Kollektivbetrieb, bereits 10 Prozent mehr, als früher die Kulaken auf der gleichen Fläche ernteten, — behauptet Herr Marcus. Es gibt nur noch Kolchose, die Kulaken sind „liquidiert**. (Darin dürfte er Recht haben, allerdings sagt er nichts darüber, w i e man die Kulaken „liquidiert** hat, aber die Flüchtlinge haben darüber einiges erzählt.) Hungersnot? Mißernten? Benachteiligung der Bauern zugunsten der städtischen Arbeiter? Von allen diesen Dingen, die durch Tatsachenberichte aus Rußland und durch die Erzählungen von Augenzeugen unter Beweis gestellt wurden, berichtet natürlich Herr Boris Marcus kein Wort. Nein, er besitzt sogar den Mut, öffentlich in Genf festzustellen: „Die russische Bevölkerung ist seit der Machtergreifung der Sowjets besser ernährt, das Durchschnittsgewicht der Russen hat seit der Revolution um zwei Kilogramm pro Person zugenommen!** Sind bei diesen Berechnungen auch die Gebiete der Ukraine und des Kaukasus, sind Georgien und Aserbeidjan mit berücksichtigt worden? Hat man die Millionen Verhungerter, mitge-
Frankreichs Grenzbefestigungen
Das Ergebnis der Besichtigungsreise.
Paris, 16. Juni. Im Anschluß an die Befichtigungsreise des Heeresausfchusies und des Kriegsministers in das Ee- biet zwischen dem Rhein und der Saar gibt der Abgeordnete fiuccit im „Matin** einen Überblick über die dortigen Befestigungsarbeiten. Abgesehen von den nördlich von Metz errichteten Anlagen umfaßen die Arbeiten auf dieser Strecke vier Millionen Kubikmeter und haben 400 000 Kubikmeter Zement erfordert. Auf dieser Linie, die 99 Kilometer Länge ausmacht, sind unterirdische Gänge von im ganzen 33 Kilometer Länge errichtet worden, die bis zu 120 Meter unter die Erde rühren. Die Telephonleitungen ergeben ein Leitungsnetz von etwa 20 000 Kilometern Lange. Der Heeresausschuß der Kammer -st der Befestigungslinie gefolgt, die teils der Grenze entlang, teils bis 15 und 20 hinter der Grenze verläuft, jo z. B. gegenüber der Pfalz und gegenüber dem Saargebiet. _T)ie Abgeordneten mußten ein langes Stück in unterirdischen Galerien zurücklegen, die zum Teil 4 bis 5 Meter breit sind
haben fünf Milliarden gekostet.
und zwei Eisenbahn-Gleise nebeneinander aufgenommen haben. Die elektrischen Anlagen für die Versorgung der Be- leutÄungsanlagen, der Küchen, und der Ventilation haben nach der Schilderung des Abgeordneten das Ausmaß von großen Werkstätten. Der Verfasser errechnet, daß seit 1930 für die Befestigungsanlagen von der Nordsee bis Belfort und an der Südostgrenze 5,1 Milliarden Franken ausgegeben worden seien einschließlich der Kosten für dckn Ankauf des Gebietes, für die Bewaffnung und die vorrätige Munition.
Dank Fabrys an die Kommandeure von Metz und Nancy.
Paris, 16. Juni. Kriegsminister Fabry hat nach seiner Besichtigungsreise durch die Befestigungswerke der französischen Ostgrenze an die kommandierenden Generäle der Wehrbezirke Metz und Nancy ein Schreiben gerichtet, in dem er erklärt, er habe bei seiner Besichtigung die prachtvolle Haltung der Truppen uiti ihr« tadellose Pflichterfüllung fe|tftetten können.
Jahre 1922 von den in China interessierten Mächten getroffene Abkommen, das im wesentlichen die Souveränität, hie Unabhängigkeit, die territoriale und wirtschaftliche Unversehrtheit Chinas sichern sollte. Offenbar glaubt die japanische Diplomatie dieses Abkommen so auslegen zu können, daß sich die jetzige Aktion Tokios damit in Einklang bringen läßt. Man ist in Tokio wohl auch der Ansicht, daß man mit dieser Auslegung durchdringen wird und erwartet keinerlei Schritte Englands. In London und Washington hat man so viel eigene Sorgen, daß man nicht allzuviel Zeit hat, sich um den Fernen Osten zu kümmern. Roosevelt kämpft um seine Wiederaufbaugesetze, Moskau blickt hypnotisiert nach dem Westen und für London sind im Augenblick die europäischen Fragen wichtiger als China. So konstatiert das Blatt Mussolinis, der „Popolo d'Jtalia**, daß die japanische Diplomatie geschickt in der Wahl der Zeit gewesen sei. Die Vorgänge im Fernen Osten machten die Ohnmacht Europas sichtbar. Es sei nicht ohne Bedeutung, daß der Vorstoß nach der Schwächung der Stresafront erfolgte. Mag hier auch der Wunsch Italiens mit- spielen, die Spannung mit London ganz zu beseitigen und England für die italienisch-abessinische Politik zu gewinnen, so wird man dem italienischen Blatt doch in der Feststellung zustimmen müssen, daß die Japaner in der Wahl der Zeit sehr glücklich waren and ihrerseits die Folgerung aus der verfahrenen europäischen Politik gezogen haben. j
sie K London, 17. Juni. Der politische Mitarbeiter des >>* Daily Telegraph** meldet Hatz die Regierung nicht beab- 16 " Wchtige, das Arbeitsbeschaffungsprogramm Lloyd Georges, k den 'logen. New Deal, anzunehmen. Die Regierung werde in einer öffentlichen Verlautbarung die Gründe dar- Htjjen, die sie zur Ablehnung des Planes bewogen" Matten. Gleichzeitig würden Lloyd Georges Vorschläge im
. einzelnen befanntgege*ben werden. Nach Ansicht der Regie- riung seien die Plane zu ungenau und zu spekulativ, um ihre durch das Schatzamt zu rechtfertigen. „Mor- r-ng Post** erblickt in der Tatsache, daß Lloyd George sich >roegung „für Frieden und Wiederauf- en Beweis dafür, daß er mit der Re-
»«zngspreise: Für eine Bezugszcit von 2 Wochen 94 Rpf., für einen Monat RM. 2.—, ein. K. schließlich Traglohn. Durch die Post bezogen RM. 2.35, zuzüglich 42 Rpf. Bestellgeld, Einzel. | nummern 10 Rpf. — Bezugsbestellungen nehmen an: der Verlag, die Ausgabestellen, die t: Träger und alle Postanstalten. — In Fällen höherer Gewalt oder Betriebsstörungen haben die | Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung des Blattes oder auf Rückzahlung des Bezugspreises.
