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8. Schellenberg'sche Hosbuchdmckerei, „Tagblatt-Hau,".

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Samstag, 15. Ium 1935

160

83. Jahrgang

Blick in die Welt.

s

Fcrnsprecher-Cammel-Nr. 59631. Berliner Büro: Berlin-Wilmersdorf.

Frontkämpfer wieder in

Der italienisch-abessinische Streitfall.

Englische Zweifel au einer Entspannung.

Geschäftszeit: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, außer Sonn- und Feiertags.

kommen heiser war, was feine Kollegen nicht wenig er­freute.

Nach der Annahme der Verlängerung des fog. NZRA-Skelettes bis zum April 1936 ist nun die Ein­bringung der übrigen Notgesetze zu erwarten, die eine neue Billigung derjenigen Bestimmungen der alten NJRA-Eesetzgebung bezwecken, die nicht unniittelbar von dem Urteil des höchsten Gerichtshofes betroffen worden find. Es sind hier also noch weitere Parlamentskämpfe um die Aufbaupolitik Äoofevelts zu erwarten. Im ganzen wird man. doch sagen können, daß sich der gesunde Menschenverstand durchgesetzt hat und baß die Mehrzahl der Amerikaner jedenfalls nicht daran denkt, Roosevelts Wiederaufbau­politik einfach fallen zu lassen. Man wird immerhin fest­stellen können, datz mit den letzten Parlamentsbeschlüssen das Roosevelt'sche Regime wieder festen Boden unter den Füßen hat.

Zugleich muh es auch als ein Erfolg Roosevelts ge­bucht werden, datz es dem Präsidenten gelungen ist, den drohenden K o h l e n a r b e i t e r st r e i k, durch den nicht weniger als 300 000 Bergarbeiter betroffen worden wären, zu verhindern. Roosevelt griff hier selbst ein und machte beiden Parteien Vorschläge, die zum Abblasen des Streikes führten. Auch das spricht dafür, datz sich die Weiterentwicklung in den Vereinig­te n S t a a t e n i n w e it ruhigeren Bahnen vollziehen wird, als man zunächst nach dem Spruch des Obersten Gerichtshofes annahm.

Die offizielle deutsche Einladung

von den britischen Frontkämpfern angenommen.

.. Berlin, 14. Juni. Die „British Legion" hat am Freitag (tne offizielle gemeinsame Einladung der grotzen deutschen Frontkämpferoerbände erhalten, und zwar von derNatio- -»alsozialistischen Kriegsopferversorgung, W- V., dem Kyffhäu selb und, dem Ratio nalsozia- b.stüschen Frontkämpferbund (Stahlhelm) und dem Äeichsverband deutscher Offiziere.

* Diese Einladung wurde von der „British Legion" ange- 'wmmen. Am 13. Juli wird eine Delegation der „British Megions" von London nack Deutschland kommen, um die Ueunbschaftlichen Beziehungen mit den genannten Der- ^iuden aufzunehmen.

Wenn in diesen Tagen der engli­sche Thronfolger sich für einen Be­such der englischen Frontkämpfer in vorderster Linie. Deutschland aussprach und bei dieser Gelegenheit äußerte, datz es keine Organisation gäbe, „die geeigneter wäre den Deutschen die Hand der Freundschaft entgegenzustrecken als die ehemaligen Frontkämpfer, die, im Weltkriege gegen sie gekämpft und die das alles jetzt vergessen haben", so wird man in diesen Worten einen erneuten Beweis dafür erblicken können, datz durch die große F r i e densrededes Führers eine gewisse Auflockerung der internationalen Lage e i n g e t re te n i st. Man wird in diesen Worten aber auch, da sie ohne Zweifel als amtliche englische Re- gierungsäutzerung zu gelten haben, einen Anhaltspunkt dafür erblicken können, in welchem Geiste Baldwin die Politik seiner neuen Regierung zu führen gedenkt. Nun ist natürlich das eine richtig, daß ein Besuch englischer Frontkämpfer in Berlin noch fein. Friedens-

Ein Erfolg Roosevelts.

Die NJRA-Gesetze verlängert. — Abgeblasener Kohlenarbeiterstreik.

Erne oppositionelle Dauer-Rede.

s as. Berlin, 15. Juni. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) In seinem Kampf um die Wiederaufbau­politik hat der amerikanische Präsident Roosevelt jetzt nach dem schweren Schlag, der ihm dadurch ver­ursacht wurde, daß der Oberste Staatsgerichtshof einige der Wiederausbaugesetze für verfassungswidrig erklärte, einen Erfolg erringen können. Nach dem Senat hat gestern auch das Repräsentantenhaus der Verlängerung der NJRA-R ahrnengefetze bis zum 1. April 1936 zugostimmt. Wäre dieser Beschluß nicht gefaßt worden, so wären die Gesetze heute abge­laufen. Man hätte in den Vereinigten Staaten also fror einer vollständigen Beseitigung der Rooseoeltschen Wiederaufbaugesetzgebung gestanden. Das war das Ziel einiger oppositioneller Abgeordneten und im Senat beispielsweise hat der radikale Demokrat Huey Lang, der Mann, der bekanntlich, wenn er zum Präsidenten gewählt werden sollte, jedem Amerikaner aus den Taschen der Reichen 5000 Dollar zu wend en will, sich alle Mühe gegeben, eine rechtzeitige Erneuerung der NJRA- gesetze zu verhindern. Der Senator hat 151/2 <ö t u n b e n hintereinander gesprochen, was unseres Wissens zwar nicht gerade den Weltrekord darstellt, aber doch immerhin als beachtenswerte Leistung oppositioneller Beredsamkeit gebucht werden kann. Der Ieinzige Erfolg freilich, der mit dieser Rede erreicht wurde, war der, daß der Redner selbst zum Schluß voll-

Es scheint, als ob der Besuch eng- Atempause lischer Frontkämpfer in Deutschland ge- iu Frankreich, wissen französischen Kreisen wenig an­genehm ist. So sehr sich aber auch die französische Presse mit den außenpolitischen Fragen be­schäftigt, so hat Laval es als Chef der neuen Regierung bisher vermieden zu diesen Dingen Stellung zu nehmen. Das hat hier und da bereits die Vermutung auftauchen lassen, daß die außenpolitische Aktivität Frankreichs durch die wirtschaftspolitischen Sorgen überhaupt beeinträchtigt werden wird. Wie Laval seine Zeit zwischen den beiden Ämtern, die er nunmehr aus­zufüllen hat, verteilen wird, ob er mehr Außenminister oder mehr Ministerpräsident sein wird, das bleibt frei­lich zunächst abzuwarten. Sicher ist, daß mit der Bil­dung der Regierung Laval die grotzen finanzpolitischen Aufgaben, über die Doumergue und Flandin stolperten, nicht gelöst sind. Za, diese Aufgaben sind, weil ihre Lösung immer wieder vertagt wurde, keineswegs leichter geworden. Noch ist nicht klar zu übersehen, wie Laval und sein Finanzminister das große Loch im Haushalt stopfen wollen. Das Wort „sparen" ist bei den französi­schen Abgeordneten nicht gerade sehr beliebt und wenn Bouisson mit seinem Finanzminister Caillaux so schnell in der Versenkung verschwand, so ist das nicht zuletzt auch darauf zurückzusühren, daß viele Abgeord- neten fürchteten, Caillaux könnte wirklich die radikalen Sparmaßnahmen, die er immer früher gepredigt hatte, — denn Caillaur führte seit Jahren einen unermüd­lichen Kampf gegen „die Verschwendungssucht in der Ausgabenwirtschaft" — in die Praxis umsetzen. D i e Schwierigkeiten für die Regierung Laval beginnen also jetzt er st. Gewiß war die Mehrheit, die Laval errang, sehr groß, aber auch viele französische Blätter haben offen ausgesprochen, datz man in dem Kabinett Laval einen Notbehelf sieht, für den sich eigentlich niemand begeistert. Tatsächlich ist ja auch der Kampf zwischen Rechten und Linken bei dieser Kabinettsbildung nicht ausgetragen worden, es ist vielmehr noch ein Versuch mit der „nationalen Union" gemacht worden. Ob es der letzte Versuch, dieser Art sein wird, wie manche französische Politiker meinen, läßt sich heute nicht sagen. Sicher ist nur eins, datz näm­lich Zeit gewonnen ist.

Londoner Pressestimmen.

Loudon, 14. Juni. Die deutsch-englische Flotten- aussprache wurde nach der durch die Pfingstfeiertage ver­ursachten Unterbrechung am Freitag wieder ausgenommen. Die englische Presse rechnet durchweg mit einem gün- srigen Ausgang der Besprechungen. Die Grundlage der Besprechungen ist, wie „Preß Asiociation" zu berichten weiß, die Anerkennung der deutschen Forde­rung auf eine gleichmäßige Verteilung der 35 v. H. auf die verschiedenen Schiffsklassen

Anzeigenpreise: Ein Millimeter Höhe der 22 Millimeter breiten Spalte im Anzeigenteil Grund­preis 6 Rpf., der 85 Millimeter breiten Spalte im Tertteil 45 Rpf., sonst laut Tarif Nr. 3, Nachlaßstaffel C. — Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen und Plötzen wird ferne Gewähr übernommen. — Schluß der Anzeigen - Annahme 10 Uhr vormittags. Größere Anzeigen müssen spätestens einen Tag vor dem Erscheinungsiage aufgegeben werden.

Programm an sich bedeutet. Auch darf nicht über­sehen werden, daß Frontkämpferverbände keine verant­wortlichen Staatsinstanzen sind. „Aber", so sagt hierzu mit Recht die Deutsche diplomatisch-politische Korre­spondenz, „sie vermögen die Arbeiten der Staats­führung und der Diplomatie zu beeinflussen und zu er­leichtern. Gewiß ist der Frontkämpfergeist kein politi­sches Programm in dem Sinne, datz es bereits die Methodik einer fruchtbaren zwischenstaatlichen Ordnung fertig enthält, er wird aber, wenn seine ihm eigenen Werre gewissermaßen weltanschaulich zur Basis der politischen Einstellung zwischen den Völkern gemacht werden, auch in dem ausgesprochen politischen Bereich einschneidende Wirkungen ausüben, und seine Er­fahrungen und sein Urteil, deren unbestechlicher und patriotischer Charakter von niemanden bestritten wird, werden immer wertvoller erscheinen und wirksamer werden als alle tendenziöse Tagesmache." In diesem Sinne muß der Besuch der englischen Frontkämpfer ver­standen werden. Er wird sicherlich dazu beitragen, alles etwa noch bestehende Mißtrauen zu überwinden und eine Atmosphäre mitzuschaffen, die den berufenen Diplomaten und Staatsmännern ihre Arbeit erleich­tert. Damit stellen sich die alten Fronsoldaten wieder in die vorderste Linie, in die vorderste Linie des Kampfes um die Völkerverständigung und den europäischen Frieden.

Frankreich und die Flotten-Berhandlungen.

Pietrq berichtet dem Ministerrat.

Paris, 14. Juni. Nachdem der Ministerrat das Pro­gramm der Beisetzungsfeierlichkeiten für den verstorbenen Unterrichtsminister Marcombes geregelt hat, hat Kriegsmarineminister P i e t r y den Rat über den Stand der deutsch-englischen Flottenver­handlungen in Kenntnis gesetzt. Der Minifterrat hat darüber beraten und den Außenminister und den Kriegs- marinemmister beauftragt, den Wortlaut der französischen Antwort an die britische Regierung auszuarbeiten.

Einzelbeschlüsse über die'wirtschaftlichen und finanziellen Pläne der Regierung sind nicht gefaßt worden, doch wurde ein umfangreiches und genaues Arbeitsprogramm festgelecft. Die von der Regierung zu treffenden wirkungsvollen Maß­nahmen sind vom Ministerrat grundsätzlich gebilligt worden. Ministerpräsident Laval hat zum Ausdruck gebracht, daß

Die deutsch-englische Flotten-Aussprache als Musterbeispiel für Abrüstungsmethoden.

man energisch sein müsse, aber ohne unnütze Schärfe. Äußer mit den Ersparnismaßnahmen hat der Minifterrat sich mit den Mitteln befaßt, die die wirtschaftliche Tätigkeit des Lan­des beleben sollen. Es wird besonders betont, daß man den Franken unentwegt verteidigen und den Kampf gegen die Spekulation besonders tatkräftig weiterführen werde. Ein

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durch England.

Er Auch die „Evening News" b^eichnet eine Einigung auf dieser Grundlage als ^höchstwahrscheinlich, und es fei nicht einzufehen, welche wesentlichen Einwände von anderer Seite hiergegen erhoben werden könnten. Reichskanzler Hitler ^verschließe sich nicht der Notwendigkeit, daß Großbritannien zur See allen Nationen, mit Ausnahme der Vereinigten Staaten, überlegen fein müsse. Wenn andere festländische Mächte entweder im Hinblick auf England oder auf Deutsch­land ihre Flotten beträchtlich verstärken sollten, so werde auch Großbritannien aufrüsten, und Deutschland werde auf Grund des Abkommens mit Großbritannien automatisch be­fugt sein, Schritt zu halten. Aber, so fährt das Blatt fort, Mcht auf die Einzelheiten komme es an, sondern auf die Tatsache, datz ein Abkommen nicht so leicht erreicht zu werden -pflege. Die Abrüstungskonferenz, unternommen von "einer Vielheit der Nationen, die argwöhnisch und be- svnruhigt feien, und an der «ine Ärmee von Staatsmännern sünd Sachverständigen teilgenommen habe, jeder mit seinen («rgenen kleinlichen Sorgen und vorgefaßten Meinungen, sei ^von vornherein zum Fehlschlag verurteilt gewesen.

Diese Methode sei jetzt aufgegeben worden. Es stelle der Intelligenz der Diplomatie ein schlechtes Zeug­

worden sei. Die NotweiÄigkeit für eine allgemeine Rüstungsbeschränkung bleibe bestehen, und es empfehle sich, die bei der Regelung der deutschen Flottenfrage angewandte Methode auch auf anderem Gebiet zu befolgen. Wenn die britische Flotte als allgemein gültiger Matzstab angenommen werde, müsse es jeder anderen Floitenmacht leicht fallen, ihre Flottenbedürfnisse zu bestimmen.

,________ ____________ . _ r._ ______ . . . „ „ neuer Ministerrat wird voraussichtlich am Dienstag der

ais aus, baß so viel Zeit und Geld nutzlos verschwendet nächsten Woche stattfinden.

London, 14. Juni. Die Gerüchte über ein Nachlassen der italienisch-abessinischen Spannung entbehren, wie der diplo­matische Korrespondent des Reuter-Büros meldet, einer tat­sächlichen und praktischen Begründung, ebenso der Hinweis auf die Möglichkeit einer Lösung des Konfliktes durch abessinische Zugeständnisse in wirtschaftlichen Fragen. In unterrichteten englischen Kreisen sei man zwar der Meinung, datz eine Besserung eintreten werde, falls die Verhandlungen von einer politischen aus eine wirtschaftliche Grundlage ver­legt würden. Aber aus den bisher in London vorliegenden Berichten sei nicht auf dos Vorhandensein einer solchen Ten­denz zu schließen. Jedenfalls glaubt man in italienischen Kreisen in London nicht, datz zurzeit eine Möglichkeit für eine Regelung des Konfliktes auf wirtschaftlicher Grundlage bestehe.