Einzelbild herunterladen
 

Wiesbsdemr Tmlilstt

Druck und Verlag: anx*AM*r;j. 7 9n«srtAÄ»tt Erscheinungszeit:

, «ArflMthPrÄ’toe AnfhuAbtttiferet. „Iitoblfttt. ^UDwiVilUlul IW5» < 4lU3UuUVll «ackmittaa,.Samslaas vor.u. na

Ausgaben

Wöchentlich

L. Schellenderg "sch- Hofbuchdrnckerei, „Tagblatt. Han»'

werktäglich nachmittag», Samstags vor- n. nachmittag»

Unterhaltungsbeilage.

mit einer täglichen

Fernsprecher-Sammel-Nr. 59631. Berliner Büro: Berlin-Wilmersdorf.

Geschäftszeit: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, außer Sonn- und Feiertags.

«ez»am>reise: Für eine Bezugszeit von 2 Wochen 94 Rpf., für einen Monat RM. 2.—, ein­schließlich Traglohn. Durch die Post bezogen RM. 2.35, zuzüglich 42 Rpf. Bestellgeld, Einzel- nummern 10 Rpf. — Bezugsbestellungen nehmen an: der Verlag, die Ausgabestellen, die Träger und alle Postanstalten. — In Fällen höherer Gewalt oder Betriebsstörungen haben die Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung des Blattes oder auf Rückzahlung des Bezugspreises.

«meigeitprelse: Ein Millimeter Höhe der 22 Millimeter breiten Spalte im Anzeigenteil Grund- preis 6 Rpf., der 85 Millimeter breiten Spalte im Tertteil 45 Rpf., sonst laut Tarif Nr. 3, Nachlaßstaffel C. — Für die Aufnahme von Anzeigen an besttmmten Tagen und Plätzen wird keine Gewähr übernommen. — Schluß der Anzeigen-Annahme 10 Uhr vormittags. Größere Anzeigen müssen spätestens einen Tag vor dem Erscheinungstage aufgegeben werden.

Telegramm-Adresse: Tagblatt Wiesbaden.

Höchste Abonnentenzahl aller Tageszeitungen Wiesbadens und Nassaus.

Postscheckkonto: Frankfutt a. M. Nr. 7405.

Nr. 159.

Freitag, 14. Juni 1935.

83. Jahrgang.

Wie weit will Japan gehen?

Nach Ausführungen der japanischen Presse beabsichtigt Japan in Nordchina ein Gebiet unter seine Kontrolle zu bringen, bas von dem bisher besetzten Gebiet bis zum Hoangho-Fluß im Süden sich erstreiken -würde. Dieses riesige Gebiet, bas in dieser Karte gekreuzt schraffiert ist. soll eine „entmilitarisierte Zone" werben, die unter der Oberaufsicht japanischer Truppen und von japanfreunv- lichen Personen verwaltet würde. Damit würde Japans Machteinflug auf dem asiatischen Kontinent eine gerade­zu ungeheure Vergrösserung erfahren.

(Expreg-Bilderdienst, M.)

weite Gebiete der sibirischen Küste, räumte später diese Ge­biete wieder und eroberte dafür die Mandschurei, die unter japanischer Führung zu einem selbständigen und unab­hängigen Staat Mandschukuo proklamiert wurde. Die Japaner ernannten auch den Herrscher Des von japanischen Waffen geschaffenen neuen Staates: den Kaiser Kangteh, den letzten männlichen Sprossen jenes alten chinesischen Kaisergeschlechtes, das im Jahre 1912 aus der chinesischen Ge­schichte abtrat; Sunjatsen und Puanschikai wurden die ersten Präsidenten der neuen chinesischen Republik.

Japan wählte für die Eroberung der Mandschurei den politisch und strategisch günstigsten Zeitpunkt. China war durch lange Bürgerkriege rivalisierender und feindlicher Generäle geschwächt und brachte, obgleich es sich wehrte, doch nicht die Kraft auf, die stark genug gewesen wäre, die moder­nen und siegentschlossenen Truppen Japans zu schlagen. Die Sowjetunion, die als nächster Angrenzer das größte Inter­esse hatte, Daß diese Machtausdehnung Japans nicht statt­fand, war ebenfalls nicht stark genug, es auf einen Krieg ankommen zu lassen. Die europäischen Großmächte, der Völkerbund und die Vereinigten Staaten von Amerika wurden vor eine vollendete Tatsache gestellt! — Der Staat Mand­schukuo ist von vielen Mächten noch nicht anerkannt: das hat keinen Einflug auf die politische Lage im Fernen Osten und auf die entscheidende Tatsache, daß dieser Staat besteht.

Die strategische Lage Mandschukuos ist ungünstig. Der neue Staat wird im Osten, Norden und ein Stück im Westen von der Sowjetunion umklammert. Der weitaus größte Teil der Westgrenze stößt jedoch an China. Um diese Grenze geht der neue Kampf, den Japan jetzt eingeleitet hat und der wieder mit der Kapitulation Chinas endigte. Japan hat. auf die militärische Entlastung Mandschukuos bedacht, jetzt durchgesetzt, das im Nordosten Winas eine neutrale, entmilitarisierte Zone zwischen das Kaiserreich Mandschukuo und die Republik China eingeschoben wird. Das Gebiet dieser neutralen Zone umfaßt beinahe die ge­samte Provinz Hopei; die westliche Grenzlinie dieses Puff'er- gebietes umsaßt den Hafen Tientsin am Gelben Meer, die frühere Hauptstadt Peking und die Stadt Kalgan. Damit hat Japan die Eisenbahn nach der 'Mongolei unter seine Kontrolle bekommen. Das umstrittene Gebiet ist über bi«

Was wird aus Abessinien?

Entspannung Rom—London. — Die französische Vermittlung wirksam? — Der Suezkanal.

Dementierte Pläne.

as. Berlin, 14. Juni. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Nach römischen Meldungen -scheint sich in dem italienisch-englischen Verhältnis eine Entspannung, anzubahnen. Jedenfalls schlagen die italieni- Jchen Blätter, die in der abessinischen Frage in ganz außerordentlich heftiger Art gegen England polemisiert hatten, jetzt London gegenüber wesentlich sanftere Töne an. Worauf diese Wendung zu- rückzu-führen ist, läßt sich nicht ohne weiteres sagen. Seit einiger Zeit wird ja davon gesprochen, daß Frank­reich zwischen Rom und London vermittelt, und so wäre es wohl denkbar, daß es sich hier um die Auswirkung dieser französischen Aktionen handelt. Im Zusammen­hang hiermit sind in den letzten 24 Stunden auch eine ganze Reihe von Meldungen über angebliche Pläne Italiens aufgetaucht. So hieß es einmal, daß die Italiener beabsichtigten, eine Bahn zu bauen, die quer über abessinisches Gebiet hinweg ihre beiden ostafrikanischen Kolonien Eriträa und Somali­land miteinander verbinden soll, wobei dann längs dieser Bahn eine italienische Zone in Abessinien ent­stehen würde. Diese Nachricht ist aber inzwischen von amtlicher italienischer Seite dementiert worden. Eine andere Meldungspricht davon,daß Abessinien über­haupt in drei Einflußzonen aufgeteilt werden solle, wo­bei Italien den Hauptanteil erhalten würde, nämlich ein Viertel des gesamten abessinischen Gebietes, wobei aber »uch englischen Interessen berücksichtigt werden würden. Aber auch hierfür liegt keinerlei Bestätigung vor. Wie sich die Dinge tatsächlich weiter entwickeln werden, läßt sich unter solchen Ilmständen noch nicht übersehen. Interessant ist aber, daß man sich in Italien immer wieder mit der Frage d es Suezkanal s -be­schäftigt. Bekanntlich müssen die italienischen Truppen­transporte nach Ostafrika den Sueskanal passieren und hier war nun in englischen Blättern die Lesart aufge­taucht, daß England im Falle eines offenen Konfliktes Len Kanal für Kriegsteilnehmer, d. h. also praktisch für Italien sperren könne. Einer solchen Auffassung tritt die dem italienischen Außenministerium nahe­stehende Zeitschrift „Affari Esten" entgegen. Sie er­klärt, daß der Suezkanal nach den Bestimmungen aus dem Jahre 1888 allen Nationen im Krieg und im Frieden offen stehe. Eine Macht, die das Recht bean­spruche, nach der Art eines Weltgendarms den Suez­kanals zu öffnen oder zu schließen, würde sich damit das Recht anmaßen, in jedem Falle zu entscheiden, was ein Angriff und was eine Verteidigungshandlung ist und damit zum Richter über die Nationen werden. Ob hinsichtlich dieser Frage die Italiener von den Engländern bestimmte Zusicherungen erhalten haben, läßt sich nicht ohne weiteres sagen. Die Lage ist im

ganzen noch recht undurchsichtig und es bestände kaum ein Anlaß, sich ausführlicher mit diesen Dingen zu beschäftigen, wenn nicht eine starke Rückwirkung auf die europäische Politik festzustellen wäre. Aus diesen Gründen verdient jedenfalls die Meldung von einer sich anbahnenden Entspannung zwischen London und Rom Aufmerksamkeit.

Mussolini:

Italien bestimmt sein Geschick selbst.

Paris, 14. Juni. (Eig. Drahtmel-dunig.) Mussolini hat am Donnerstag eine Mitarbeiterin des „Excelsior" empfangen. Im Verlaufe Der Unterredung kam auch der abessinisch-italienische Streitfall zur Sprache. Der Duce führte hierzu aus: „Die abessinischen Angelegenheiten wer­den ihren logischen Abschluß finden. Italien bestimmt s e i n E e s ch i ck s e l b st. Ich habe das im Parlament er­klärt. Ich kann meine Worte nur bestätigen. Die gesamte ostafrikanische Frage -hängt zusammen mit der Haltung, die jeder europäische Staat bei dieser Gelegenheit einnehmen wird, indem er uns eine nicht nur oberflächliche, sondern tatsächliche Freundschaft -bezeugt. Wir haben mili­tärische Maßnahmen ergriffen und werden solche auch w eiter hin ergreifen. Trotzdem haben wir einem Schiedsgerichts- und Ausgleichsverfahren zuge- stimmt, das sich auf die ausschließliche Prüfung des Zwischen­falls von Ual-Ual beschränken wird. Denn Dieser Zwischen­fall war Das Alarmzeichen für eine Lage, die seit Jähren immer ernster wurde. Bereits seit 1929, ich betone dies, hat Abessinien begonnen, sein Heer mit Hilfe europäischer Aus­bildungsoffiziere neu zu ordnen. Die Drohung, der unsere ostafrikanische Grenze ausgesetzt ist, i-st nicht erst im Ent­stehen begriffen. Sie ist tatsächlich oor-danden und wird immer größer. Sie zwingt uns, die Frage der italienisch- abessinischen Beziehungen von Grund aus aufzurollen. Daß wir ein Volk sttzd, Das kolonisieren, organisieren und ein Land befrieden kann, beweisen die Verhältnisse in Libyen."

Eine abessinische Mitteilung.

Rom, 13. Juni. Die abessinische Gesandtschaft hat eine Mitteilung ausgegeben, in der gegen die Veröffentlichung „phantastischer Nachrichten über Abessinien und hauptsächlich über das Leben der Sklaven" in der italienischen Presse Stel­lung genommen und erklärt wird, daß „die Sklaverei von der abessinischen Regierung aufs stärkste bekämpft wird und in kurzer Zei-t zu ver­schwinden bestimmt ist." Auch die veröffentlichte Nachricht, daß Abessinien die italienischen Kolonien habe angreifen wollen oder angegriffen habe, sei vollständig unbegründet. Wenn das seine Absicht wäre, so heißt es in der Mitteilung weiter, hätte der Kaiser von Abessinien Italienisch-Eritrea und Somali sehr leicht zu einer Zeit angreifen können, wo diese Kolonien nur von wenigen hundert Mann geschützt ge­wesen sind. Weder damals noch heute habe aber die Regie­rung von Abessinien einen solchen Gedanken gehabt, und lediglich als Antwort auf die gewaltigen militärischen Vor­bereitungen Italiens habe der Kaiser von Abessinien „die notwendigen Maßnahmen getroffen, um die Verteidigung des Landes vorzubereiten.

Die neue Lage tm Fernen Osten.

Seit 40 Jahren kämpft das japanische Jnselreich um neuen Lebensraum und um die politische Vormachtstellung im -südöstlichen Teile Asiens. Im Kriege 1894/95 gegen China versuchte Japan die Halbinsel Korea zu erobern, um damit auf dem Kontinent festen Fuß zu fassen. Die Japaner siegten, wurden aber durch den Einspruch Rußlands, Frank­reichs und Deutschlands um die Früchte ihres Sieges ge­bracht. Japan vergaß nichts. Zehn Jahre später trat es er­neut zum Waffcngang an, diesmal gegen Rußland. Wieder siegte Japan. 2m Frieden von Portsmouth setzten die Sieger den Abzug der Russen aus Der Mandschurei durch; sie ge­wannen die Halbinsel Korea als „Interessensphäre", sie be­kamen die südliche Hälfte Sachalins und setzten sich auf der -südlichen Spitze der Halbinsel Liautun-g fest. Wo ehedem Port Arthur war, die starke russische Festung, liegt jetzt Dairen — eine weit vorgeschobene militärische und maritime Schlüsselstellung Japans im lüelben Meer. — Wieder zehn Jahre später: 1914! Diesmal kämpft Japan gegen Deutsch­land und erobert nach einem Kampfe von drei Monaten das Deutsche Pachtgebiet Kiautschou mit dem Hafen Tsingtau. Damit hatte Japan den zweiten wichtigen Flottenstützpunkt am Gelben Meer erobert.

Rach dem Weltkrieg hat Japan ein Stück Ostasiens nach dem andern erobert. Es -besetzte zunächst Wl-ädiwostock und

MANDSCHÜKUi

3

CHINA

? TIBET

Gmiorv

ÄUSSERE .....

MONGOLEI

INDIEN

) :

A JC<

/ 031- TÜRKESTAN

Die Fortführung der Flottenverhandlungen,

von Ribbentrop wieder in London.

London, 13. Juni. Botschafter von Ribbentrop ist am Donnerstag um 18,55 Uhr im Flugzeug, von München kom­mend, röt Flughafen Croydon eingetroffen.

Eine japanische Mitteilung in London überreicht.

London, 13. Juni. Der japanische Botschafter in London überreichte am Donnerstag Japans Antwort auf die Rück­frage Englands, welchen Standpunkt Japan zu dem bisher erzielten Ergebnis der deutsch-englischen Flotten-besprechungen entnehme. In unterrichteten englischen Kreisen wird d i e japanische Antwort ebenso wie die mündliche Antwort der Vereinigten Staaten als günstig bezeichnet. Über di« Haltung Italiens und Frankreichs, die als Mitunterzeichner des Washingtoner und des Londoner Flottenoertrages von Groß- -britanmen ebenfalls um Mitteilung ihrer Ansicht ersucht worden sind, liegen noch keine Nachrichten vor.

Russische Vorstellungen in London

gegen einen westeuropäischen Lustpakt.

London, 14. Juni. Der diplomatische Mitarbeiter des „Daily Herald" meldet, die Rätere-gierung habe bei der britischen Regierung Vorstellungen wegen des ge­planten westeuropäischen L-uftpaltes erhoben. Rußland befürchte, baß der Luftpakt jetzt abgeschlossen werben könne, ohne daß man auf die Erfüllung bes Gesamt­programms des Londoner Protokolls vom 3. Feb­ruar b. I. warte. Es habe baher England um Zusiche­

rungen gebeten, baß ber Grundsatz der Gleich­zeitigkeit nicht aufgegeben werde. Die englische Regierung habe biese Versicherung jedoch nicht gegeben.

Neue Memelnote der Signatarstaaten an Litauen.

Eine Mitteilung des „Echo de Paris".

Paris, 13. Juni. Die französische, englische und italienische Regierung bereiten, wie bas „Echo de Paris" mitteilt, eine neue gemeinsame Note an Litauen vor. In dieser sollen sie sich mit bem ablehnen­den Bescheid, den Litauen auf die erste Note in der Memelfrage erteilt hatte, nicht einverstanden erklären und zu verstehen geben, baß die litauische Diktatur, falls unglückliche Ereignisse eintreten sollten, nicht aus ihre Unterstützung rechnen dürfe.

Umwandlung des litauischen Schützenoerbandes.

Kowno, 13. Juni. Die litauische Regierung hat ein Gesetz verabschiedet, wonach der bisherige Schützenver- band in eine vom Kriegsmini st erium geleitete und bem Armeeführer unmittelbar unter­stellte Organisation umgewandelt wird. Auch im übrigen erhält die Organisation einen völlig mili­tärischen Charakter. Die Mitglieder bes Verbandes werden in militärischen Formationen, wie Kompanien, Schwadronen, Batterien usw. zusammengefaßt und einer streng militärischen Disziplin unterworfen. In den Verband werden Personen beiderlei Geschlechts vom 16. Lebensjahr ab ausgenommen. Der Führer des Verbandes erwählt der Staatspräsident aus ben Reihen ber höheren Ossiziere. Die Kriegskommanbanten sinb gleichzeitig die Bezirkssührer in ber Piopinz. —