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Sonntag, 9. Juni 1935

83. Jahrgang

Nr. 155

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Fernsprecher-Sammel-Nr. 59631. Berliner Büro: Berlin-Wilmersdorf.

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folgen. Das vierte Regiment der Division Sabaudia, ein in Livorno garnisonisiertes Bersaglieri-Regiment, ist eben­falls ausfahrtbereit. Es wurde am Freitag vom Kron­prinzen von Italien besichtigt.

lichen und finanziellen Nöte und nicht zuletzt war es der Unverstand der Parteien des Weimarer Systems — man erinnere sich nur der skandalösen und grotesken Kämpfe um den „Panzerkreuzer A“ —, die hier Hinder­nisse sondergleichen schufen. Aber die Männer der Marine wußten in zäher und nie ermüdender Arbeit schließlich alle diese Hindernisse zu überwinden und wenn es auch bei dem Wagnis des Baues des „Panzer­schiffes A“ nicht an warnenden Stimmen fehlte, so hat doch die Entwicklung längst denen recht gegeben, die sich für diese Pläne einsetzten und diese Pläne durchführ­ten. Mögen auch manche Urteile des Auslandes über die deutschen Kriegsschiffbauten aus durchsichtigen Gründen übertrieben worden sein — zeitweilig schien es ja, als ob das Panzerschiff „Deutschland" die ganze französische Flotte gefährde — so hat das Ausland jedenfalls allen diesen deutschen Bauten große Be­wunderung entgegengebracht.

Mit dem Tage, mit dem der Führer dem deutschen Volke die Wehrhoheit wieder gab, hat auch für die Kriegsmarine eine neue Epoche begonnen. Daß Deutsch­land weder die Absicht noch die Notwendigkeit oder das Vermögen hat, in irgendeine Flottenrivalität einzu­treten, das hat der Führer in seiner großen Reichstags­rede am 21. Mai mit aller Deutlichkeit herausgestellt. Aber Deutschland hat eine Seegrenze von 1500 Kilometer, die gegen feindliche Angriffe ge­schützt werden muß, es muß darüber hinaus die Zu­fuhr lebenswichtiger Rohstoffe sichern und es muß auch stark genug sein, in einem Kriege zweier fremder Staaten seine Neutralität aufrecht zu erhalten. Zn Friedenszeiten aber leistet' die Marine der Allgemein­heit wertvolle Dienste, durch ihr Vermessungswesen, durch den Schutz der deutschen Fischerei und nicht zuletzt durch die Reisen der Auslandskreuzer, die eine leben­dige Brücke zwischen der Heimat und unseren oft schwer kämpfenden Volksgenossen in fernen Erdteilen bilden. Es ist vielleicht einer der schönsten Punkte des reich­haltigen Programms der Marine-Lolkswoche in Kiel, daß in diese Zeit (Samstag, 15. Juni) die Rückkehr des Kreuzers „Karlsruhe" von seiner Weltreise fällt.

So wird die Marine-Volkswoche Zeugnis ablegen, von dem, was bei unserer Wehrmacht zur See geleistet worden ist und geleistet wird. Leistung von Schiff und Besatzung wird der Erundton sein, aus den diese erste Marine-Volkswoche und die, die in späteren Jahren folgen werden, abgestimmt ist.

Wegen des Pfingstfestes erscheint die nächste ,Tagblatt"-Ausgabe am Dienstag.

^5.1 e

Pfingsten.

Wir spähen nach den. heiligen Flammen, die die Völker aufrütteln.könnten. Wir horchen auf die Bot­schaft der Versöhnung und der einigenden Gedanken. Roch klingt in unserer Ohren der gewaltige Appell des Führers: „Wir aber leben in der festen Über­zeugung, daß sich in unserer Zeit nicht erfüllt der Unter­gang des Abendlandes, sondern seine Wiederaufer­stehung. Daß Deutschland zu diesem großen Werk einen unvergänglichen Beitrag liefern möge, ist unsere stolze Hoffnung und unser unerschütterlicher Glaube."

In Liesen Worten klingt der Geist einer P f-i n g st- botschaft, von der wir sehnlichst wünschen, daß sie sich in der Welt immer stärker und lebendiger durch­setzen möge. Wir sind als größte Nation Europas mehr denn je entschlossen, unseren Beitrag für den Wieder- . aufbau dieses Kontinents zu leisten, der sich von den Leiden des Krieges und von den Fieberschauern der Nachkriegszeit noch immer nicht erholt hat. Der Führer und Reichskanzler verkörpert nicht nur diesen Willen des deutschen Volkes, er Hal diesen Willen auch mit ent­schlossenem Geiste und mit jener Kraft des Glaubens erfüllt, der Berge versetzt.

Aber dieser entschlossene Wille, dieser Geist und dieser Glaube beherrscht noch lange nicht die Welt. Die schwere Krise der Nachkriegszeit, die im national­sozialistischen Deutschland mit geradezu heroischer Kraft und mit großen Opfern an Geld, Leistungen und Entbehrungen eingedämmt worden ist, bricht an anderen Stellen immer wieder durch. Diese Krise hat vor allem politische Ursachen; aber ihre Auswirkungen erstrecken sich weit auf das wirtschaftliche Gebiet, wie die Ereignisse der letzten Woche wieder einmal mit aller Deutlichkeit dargelegt haben.

Marine-Volkswoche.

Zu den Kieler Veranstaltungen der Kriegsmarine.

Erst verhältnismäßig spät ist in der hohen Politik diesmal die Feiertagsruhe eingekehrt. Noch für den Freitag sah der politische Terminkalender genügend Er­eignisse von Bedeutung vor: Sitzung des Unterhauses, Kabinettsumbildung in England und schließlich Re­gierungserklärung des neuen Kabinetts Laval. Man wollte eben auch in Frankreich die Krise endgültig vor den Feiertagen beendet wissen. Es gab zwar Pessimisten, die fürchteten, daß Laval mit seinem neuen Kabinett — es ist das dritte, das dieser Mann bildete und das zehnte, das mit der aus den Maiwahlen des Jahres 1932 hervorgegangenen Kammer zu arbeiten hat — das gleiche Schicksal erleiden würde wie Bouisson. Aber selbst die französischen Abgeordneten waren des unsinnigen Spieles müde und so konnte noch knapp vor den Feiertagen Laval ein Vertrauensvotum füi sich und seine Regierung buchen. Die neuen Männer, die ja zum allergrößten Teil die alten Männer sind, können sich nun eine ganz kurze Spanne Erholung gönnen, ehe sie an die Arbeit gehen. Leicht wird diese Arbeit be­stimmt nicht sein und wenn Laval in seiner ersten Er­klärung, die er noch vor der Kammersitzung abgab, von den Opfern sprach, die die Gemeinschaft werde bringen müssen, so verriet er damit zwar nichts neues, berührte aber gleichzeitig -en gefährlichsten Punkt, denn die große Frage ist eben, wie die Gemeinschaft auf die Opfer, die ihr zugemutet werden müssen, reagieren wird. Allerdings wird durch die Ausschaltung der Kammer die Arbeit des Kabinetts erleichtert, aber spätestens mit dem Ablauf der Vollmachten steht wieder die ganze Politik des jetzt neuen Kabinetts zur Debatte.

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Auch in England können sich die neuen Männer eine kurze Feiertagspauje gönnen, bevor das Kabinett Baldwin die Arbeit aufnimmt. Die Innenpolitik spielt hier eine wesentlich geringere Rolle als in Frankreich, wenn es auch Aufgabe dieses neuen Kabinetts fein wird, die Wahlen, die im Herbst vorgenommen werden sollen, oorzubereiten. Dadurch wird auch in England die Innenpolitik gewiß nicht zu kurz kommen, aber wie in Frankreich, so wird sich auch in England das neue Kabinett sehr eingehend mit den großen internationalen Fragen befassen müßen, die durch die Friedensrede des Führers wieder in Fluß gekommen sind. Der neue Außenminister Sir Samuel Hoare sindet, um nur an einen Punkt zu erinnern, in seinem Amte den deut­schen Entwurf für einen Luftpakt vor. Er wird weiter­hin auch von den bisher in den Flottenbesprechungen erzielten Ergebnissen Kenntnis nehmen können, auch wenn diese Besprechungen nach den Feiertagen fort­geführt werden. Vielleicht ist es für die weitere Ent­wicklung recht günstig, daß Sir Samuel Hoare außen­politisch ein unbeschriebenes Blatt, ein Mann, der nicht in irgend einer Weise festgelegt ist. So kann man in dieser Ernennung den klaren Willen des neuen eng»

Die Lage in Nordchina.

England unterrichtet sich.

Tokio, 8. 2uni. (Eig. Drahtmeldung.) Der englische Botschafter wird im Laufe des Samstags bei dem japani­schen Vizeautzenminister vorsprechen, um sich über die Lage in Nordchina unterrichten zu lassen. Bisher ist ein Protestschritt Englands oder Amerikas, wie verschiedene Meldungen des Auslandes andeuteten, nicht erfolgt.

Das japanische Nachrichtenbüro Rengo gibt die Forde­rungen Japans gegenüber China bekannt. Japan fordere die sofortige Auflösung der Blauhemden in ganz China, ferner die Entmilitarisierung der Provinz Hopei und schließlich das Ausscheiden Tientsins aus dem Prooinzial- verband und seine Erhebung zu einer freien Stadt. Die Entmilitarisierung der Provinz Hopei würde eine starke Verbreiterung der bisher entmilitarisierten Zone nach ■ Süden hin bedeuten.

Bettg»prei|e: Für eine Bezugszeit von 2 Wochen 94 Rps., für einen Monat RM. 2.—, ein- schließlich Traglohn. Durch die Post bezogen RM. 2.35, zuzüglich 42 Rpf. Bestellgeld, Einzel­nummern 10 Rpf. — Bezugsbestellungen nehmen an: der ® erlag, die Ausgabestellen, die Träger und all« Postanstalten. — In Fällen höherer Gewalt oder Betriebsstörungen haben die Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung des Blattes oder auf Rückzahlung des Bezugspreises.

Anzeigenpreise: Ein Millimeter Höhe der 22 Millimeter breiten Spalte im Anzeigenteil Grund- preis 6 Rpf., der 85 Millimeter breiten Spalte im Tertteil 45 Rpf., sonst laut Tarif Nr. 3, Nachlatzstaffel C. — Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen und Plätzen wird keine Gewähr übernommen. — Schluß der Anzeigen-Annahme 10 Uhr vormittags. Größere Anzeigen müssen spätestens einen Tag vor dem Erscheinungstage aufgegeben werden.

Jenukidse aus der kommunistischen Partei ausgestotzen.

Moskau, 8. Juni. Amtlich wird gemeldet: Der Haupt­ausschuß der kommunistischen Partei der Sowjetunion hat nach Entgegennahme eines Berichts des Vorsitzenden des Ausschusses für Parte-ikontrollc beschlossen, den ehe­maligen Sekretär des Hauptvollzugsaus- schusfes der Sowjetunion, Jenukidse, wegen poli­tischer Zersetzung aus dem Hauptausschuß der kommunistischen Partei zu entfernen und aus der Partei auzustoßen.

Moskau, 8. Juni. (Eiq. Drahtmeldung.) Nach einer Meldung aus Xiflis hat im Zusammenhang mit dem Beschluß des Zentralkomitees der kommunistischen Partei über den Fall Jenukidse nun auch das Präsidium des Vollzugsaus­schusses der kaukasischen Republiken Jenukidse seines Amtes enthoben. Er schied von sämtlichen Ämtern der kaukasischen Regierung aus. Er und seine 15 Mitarbeiter sind ver­haftet und n a ch M o s ka u ge b ra cht worden.

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Mussolini in Sardinien.

Rom, 8. Juni. (Eig. Drahtmeldung.) Mussolini hat sich Samstagsrüh in einem dreimotorigen Flugzeug, das er selbst steuerte, zur Besichtigung der in Sardinien stehen­den dritten mobilisierten Division „Sabaudia" - nach Cagliari begeben. Er wurde bei seiner Ankunft von den Vertretern der Behörden und der Bevölkerung mit großer Begeisterung begrüßt. Die drei in Sardinien liegenden Regimenter der Division, zwei Jnfanterieregi- menter und ein Artillerieregiment, sind ausfahrtbereü. Der erste Truppentransport wird auf dem Dampfer „Merano" am Pfingstsonntag nach Jtalienisch-Ostafrika in See gehen. Das Divisionskommando und weitere Truppen­verbände werden bereits in der nächsten Woche mit dem Dampfer „Cesare Vattisti'l und auf anderen Schiffen

Das neue Luftabwehr-Geschütz der englischen Flotte.

London, 8. Juni. (Eig. Drahtmeldung.) Der Schleier der Geheimhaltung, mit dem das neue Luftabwehr- geschütz der englischen Flotte bisher umgeben worden ist, wird jetzt zum erstenmal von den englischen Behörden ge­lüftet. Der Flottenkorrespondent des „Daily Telegraph" meldet: Die neue Luftwaffe bedeutet eine Revolution in den Abwehrmethoden der englischen Flotte gegen niedrig fliegende Bomben- und Torpedoflugzeuge. Das neue „Wun­de rge schütz" ist nach Ansicht der meisten Marineoffiziere die wirkungsvollste Antwort auf Luftangriffe aus niedriger Höhe, die bisher erfunden worden ist. Es handelt sich um ein mehrkalibriges, mehrläufiges Maschinengewehr, das etwa 100 hochexplosive ©rannten in der Minute abfeuert. Der Schuß geht weit über den Bereich hinaus, mit dem ein Tor­pedoflugzeug einen aussichtsvollen Angriff gegen ein Kriegs­schiff durchführen kann. Der Strom der ©rannten, die das Flugzeug erreichen und entweder durch Zeit- oder Aufschlag­zündung explodieren, setzt ein Sperrfeuer auf, durch das kein Flugzeug hindurch kann. Die Aufschlagszündung ist fo empsind!ich, daß selbst die Berührung eines Flugzeugdrahtes zur Explosion führt. Die englischen Schlachtschiffe und Kreu­zer sind in den letzten Jahren bereits mit dem neuen Geschütz ausgerüstet worden, und es wird in Zukunft auf allen größeren Schiffen der englischen Flotte ausgestellt werden.

Eine Leistungsschau.

as. Berlin, 8. Juni. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Dem Tag der Seefahrt folgt unmittelbar nach Pfingsten in Kiel die Marine-Volkswoche, deren Verunstaltungen vom 11. bis zum 16. Juni dauern. Wollte der Tag der Seefahrt dem deutschen Volke das für Deutschland immer gültige Wort „Seefahrt ist not!" einhämmern und wollte der Tag zugleich ein Ausdruck sein der engen Verbundenheit zwischen dem ganzen deutschen Volke und allen denen, die für dieses Deutsch­land auf allen Meeren der Welt arbeiten und schaffen, so soll die Marine-Volkswoche weitesten Kreisen der deutschen Bevölkerung Gelegenheit geben, einen Ein­blick zu gewinnen in das Leben und Treiben unserer Kriegsmarine. Panzer­schiffe, Linienschiffe, Kreuzer, Torpedoboote, Schnell­boote, Minensuche und Räumboote werden in Kiel liegen und jedermann unter sachkundiger Führung zu­gänglich sein. Es werden aber auch die verschieden­sten Manöver vorgeführt werden, von der Flug­abwehr dei^ Schiffe bis zum Torpedoschuß und zu den Arbeiten der Taucher, und jeder Besucher wird sich hier überzeugen können, wie reibungslos dieser ganze Organismus arbeitet und wirkt. Während Les Er­öffnungsfestaktes wird den Teilnehmern auf einer großen Weltkarte mit aufleuchtenden Schiffsnamen noch einmal in das Gedächtnis zurückgerufen werden, wo in aller Welt unsere Marine'im Weltkrieg kämpfte und blutete.

große Leistungsschau sein, zu­gleich auch ein Rückblick auf das, was die Reichsmarine trotz Versailles geschaffen hat. Hier ist nicht weniger gearbeitet und geleistet worden als im Reichsheer. Als die alte deutsche Flotte vor Scapa Flow gesunken war, da mußte Deutschland die letzten verhältnismäßig modernen Schiffe und Docks abliefern. Der damals noch | in den Häfen liegende Rest war kaum noch altes Eisen. Wollte man sich überhaupt einen Rest von Seegeltung und Küstenschutz erhalten, dann mußte zunächst das alte Material wieder schwimmfähig gemacht werden, damit es zur Ausbildung dienen konnte. Langsam konnte man dann zum Neubau der Flotte übergehen, wobei schüch­tern die ersten kleinen Auslandsreisen nach den nordi­schen Häfen und Spanien aufgenommen wurden. Dem Aufbau der Flotte stellten sich mancherlei Schwierig­keiten entgegen. Einmal waren es die Fesseln des Versailler Diktats, zum andern waren es die wirtschaft-

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