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WaÄ und die MIM-Mdiiisse

Eine Rede Edens

Kämpfer „Sarbartgo Die Straßen unb PlL

Fotzen bedeuten, Iber zweite Weg Abessiniens mti> et^nc weitere

Schmälerung Les

VöKerLund mit allen würde die Preisgabe

Sundes als Beschirmer der schwächeren Seite zur Folge Hoden. In beiden Fällen würde eine schwere Spannung in den internationalen Beziehungen eintreten, wtw jwer in einem Augenblick, wo die Lage in Europa es

Der Lordsiegelbewahrer für ein Kottektivsysiem. — Mangelndes Verständnis für Deutschlands Lage.

Pierre Lavals System.

Von feiner dritten großen Werbereise wird Frank­reichs Außenminister mit dem Gefühl zurückfahren, sein System der Außenpolitik wieder um ein Stück der Ver­wirklichung näher gebracht zu haben. Der 52jähvige Rechtsanwalt, Senator und Minister Laval hat die Methode der Reifen und der persönlichen Fühlung­nahme offenbar von vornherein als ein wichtiges Mittel der Außenpolitik betrachtet Als er vor etwa einem Jahrfünft zum erstenmal an die Spitze eines französischen Kabinetts trat, hat er seine Einschaltung in die Außenpolitik ebenfalls mit Hilfe dieses Mittels durchgeführt. Damals waren es die Reifen nach Ber­lin und nach Washington. Beide brachten keine Er­gebnisse. Aber, nachdem er einige Monate lang das Amt des Außenministers als Nachfolger des ermordeten Barthou geführt hatte, setzte die neue Periode der Reisen ein. Minister Laval war seitdem in Rom, in London, in Warschau und Moskau, wobei sich diese Fahrten in die Hauptstädte anderer Großmächte von den Fahrten zu Konferenzen dadurch unterscheiden, daß es sich ausgesprochen um Werbereifen zur Her­stellung neuer oder zur Festigung alter Freundschaften handelt.

Ansehens des Völker-

Der italienisch-abessinische Streit

Sondersitzung des Londoner Kabinetts.

wahrer nichts von den Bemühungen der Sowjetrussen vernommen habe, die Angriffsbasis gegen Deutschland vorzuschieben dadurch, daß die Russen sich Flugplätze in der Tschechoslowakei und auch in Litauen sichern.

Man wird im ganzen wirklich nicht -sagen können, daß Edens Rede der Lage Deutschlands gerecht wird und wir können nur hoffen, daß die Rede, die Baldwin in der lluterhausdebatte über die Rüstungsfragen am Mittwoch — also einen Tag nach der Erklärung des Führers im Reichstag — halten wir d, das Versäumte nach holt, wenn unsere Hoffnungen in dieser Hinsicht auch nicht -sehr groß sind.

Eden hat, wie es in der Linie der englischen Politik liegt, den Völk erb und wieder einmal sehr energisch verteidigt. Wir können uns gut vor­stellen, daß, um des Völkerbunds willen, den Eng­ländern das Vorgehen Italiens gegen das Völkerbunds Mitglied Abessinien äußerst unsympathisch ist. Bekanntlich hat die englische Regie­rung ihren römischen Botschafter, den früheren General­sekretär des Völkerbundes, Sir Eric Drum-mond, zur Berichterstattung über diese ganze Frage nach Lon­don kommen lassen. Während die „Times" glaubt, Italien vor kriegerischen Handlungen warnen zu müssen, vertritt der „Daily Telegraph", der in letzter Zeit über die Meinungen im englischen Auswärtigen Amt sehr gut unterrichtet war, die Ansicht, man glaube nunmehr in London, daß, nachdem Italien Schritte unternommen habe, um die Schlichtungskommission hin­zuberufen, für den Völkerbund keine Veranlassung mehr bestehe, den abessinischen Konflikt zu behandeln. Der Völkerbund werde jedoch beruhigt werden wollen, daß während der Dersöhnungsverfuche keine weiteren kriegerischen Vorbereitungen mehr getroffen werden. Wenn das mit der amtlichen Auffassung überein- stimntt, dann würde es bedeuten, daß England das Bestreben Italiens unterstützt, ein Ein­greifen des Völkerbundes hinauszu- z-iehen, bis im Herbst nach dem^Ende der Regen­zeit in Abessinien „vollendete Tatsachen" ge­schaffen sind. Die Forderung nach einer Ein­stellung der kriegerischen Vorbereitungen würde Italien nach -seiner umfassenden Mobilisierung nicht mehr wehe tun, wohl aber Abessinien an der Ergreifung von Eegen- Maßnahmen hindern und bei alledem -wäre -das von Herrn Eden so heftig verteidigte Genf wieder einmal gerettet.

Massaua (Eritrea), 17. 'JJlai. (Eig. Drahtmeldung.) Massaua gleicht einem Heerlager. Der kleine Hafen ist den Ansprüchen, die auf ibn einstürmen, nicht ge­wachsen. Er ist überfüllt von Truppentrans­porten -und Frachtschiffen, die Kriegsmaterial aller Art in ungeheuren Mengen löschen. Oft liegen aus Italien ein­treffende Schiffe tagelang außerhalb -des Hafens auf Reede, da keine Möglichkeit -besteht, im Hafen vor Anker dezw. an den Kai zu gehen, um Ladung zu löschen. _

Trotz alledem lausen täglich neue Truppen­transporte «in. Fast immer dringen sie 2000 bis 3000 Mann von Italien nach Eritrea, leider darunter auch viele Soldaten aus Südtirol, in« dem hiesigen Klima absolut nicht standhalten können. Von Tripolis wur­den 10 000_3Istaris hier gelanget, von denen die letzten 2000 der Dampfer „Barbarigo" brachte.

Die Straßen und Plätze von Massaua gleichen Pionier­parks. Stacheldraht, Drahtoerhauschrauben, Stollenhölzer, Wellbleche, Zement, Teerfäsier, Wasserrohren und Klein­bahnmaterial find in großen Massen aufgestapelt. Tage- und nächtelang rollen Autokolonnen und bringen das Material ins Oberland. Die Autos werden vorzugsweise von Amerika geliefert, es sind in der Regel neueste Typen »int Ford und Chevrolet. Italienische Fabrikate sind kaum darunter. Wagen, die mit dem Dampfer eintreffen, werden gleich nachdem Ausladen am Kai mit Material bepackt und auf den Weg nach Asmara geschickt, wo sich der Sitz des Gouverneurs befindet.

Die Sorge um den Völkerbund.

London, 17. Mai. (Eig. Drahtmeldung). Der diplo­matische Mitarbeiter der „Morni-ng Post" erklärt, das Kabinett werde sich heute auf einer Sondersitzung mit der abessinischen Angelegenheit beschäftigen. Der britische Botschafter in Rom, D r u m m o n d, trifft vormittags mit dem Flugzeug aus London ein.

„Mornina Post" widmet aus diesem Anlaß den Leit­artikel der abessinischen Frage. Das Blatt tritt da­bei sehr nachdr ücklich gegen Italien auf. Es vertritt die Ansicht, daß infolge der Haltung Italiens die Regierung vor einer sehr ernsten Frage stehe. Mnffolini habe an England und Frankreich in ihrer Eigenschaft als Untetteichnermächte des Abessinien-Vertrages von 1906 wie an alle Mitglieder des Völkerbundsrates eine Art Her­ausforderung gerichtet. In dem Dreimächteoertraz von 1906 verbürgten Italien, Frankreich und England die Unverletzlichkeit und Unabhängigkeit Abessiniens. Diese Bürgschaft werde in der Wl-kerbundssatzung bestätigt. Musio- linis Rckde scheine beide Tatsachen unbeachtet zu taffen.

Unter diesen Umständen ist nach Auffassung der „Mor- ning Post" di« britische Regierung gezwungen, sich zu fragen, wie sie sich im Falle eines endgültigen Bruches zwischen den beiden Parteien verhalten soll, ob sie zu dem Vertrag und der Völkerbundssatzung stehe oder den Dingen ihren Lauf lassen solle.

Der erste Weg würde einen Zusammenstoß mit Italien in Genf und seinen wahrscheinlichen Austritt aus dem

dringend wünschenswert mache, weitere Verwicklungen zu vermeiden. Die Tatsache, daß Italien wegen der Lage in Österreich mehr durch Uneinigkeit unter den Völkerbunds- machten zu verlieren habe, als irgendein anderes Land, er­mutige zu der Hoffnung, daß eine Kris« vermieden werden könne.

Das Heerlager in Massaua.

Paris—Prag—Moskau.

Geht man von dem aus, was in Verträgen und Ab­kommen n-ieder-gelegt -wird, so wird Laval diesen zwei­ten Abschnitt -seiner Außenpolitik und seiner Reisen, gerade auch, wenn man seine jüngste Reise nach Moskau ansieht, wohl als ergebnisreicher -betrachten, als die Tätigkeit vor fünf Fahren. Es sind in Moskau viele feierliche Begrüßungsansprachen gehalten worden, die unter dem Schlagwort eines bewaffneten Friedens standen. Aber solche Reden sind ja schließlich nur Be­gleiterscheinungen, sind äußere Zeichen der Ereignisse, die sich in Wirklichkeit abspielen. Was -ist, so muß man bei dem Abschluß des Moskauer Besuchs fragen, das tatsächliche Ergebnis, was ist der a u g -e n b l i ck l -i ch e Stand der franzö-f-isch - sowjetr-uss-i-schen Verhandlungen? Schon vor dem Besuch in Mos­kau war ein Bündnisvertrag zwischen den beiden Re­gierungen abgeschlossen worden, der, wenn auch unter formeller Abstellung auf den Völkerbundsvertrag, den deutlichen Charakter eines militärischen Hilfsoertrages gegen Deutschland trug. Die Lücke in dieser Verein­barung fand sich freilich darin, daß Polen nicht m-it- m-achte, daß Sowjetrußland keine Greiize mit Deutsch­land hat, und daß deshalb der praktische Wert eines solchen Hilfsvertrages zweifelhaft erschien, ja, umso zweifelhafter, als Polen auf das bestimmteste er­klärte, unter keinen Umständen russischen Truppen den Durchmarsch durch sein Gebiet möglich zu machen. In Moskau hat nun Laval, vielleicht auch um Polen zu beruhigen, einiges über die tieferen Absichten des Bündnisses mit den Sowjets gesagt. Er -hat (so klang es wenigstens aus der französischen Presse wider) erklärt, daß es im Ernstfall völlig genügen würde, wenn Rußland seinen Rohstoffmarkt für Deutsch­land schließt, wenn verhindert würde, daß -in irgend einer fernen Zukunft wieder eine deutsch-russische Zu­sammenarbeit eintreten könnte, wie sie einmal der Ver­trag von Rapallo zur Überraschung der damals noch im Siegesrausch lebenden Westmächte gebracht^-hatte. Also: ein Bündnis, das eine Saniere gegen eine bestimmte Richtung der deutschen Außenpolitik aufbauen soll. Aber das -ist wohl nur einer der Zwecke, denn gleich­zeitig haben sich einige Vorgänge abgespielt, die auf weitergehende Pläne schließen lasten. Offiziere der Roten Armee haben in Litauen Untersuchungen dar­über angestellt, wo man Flugplätze anlegen kann, ob­gleich dieser kleine Staat schon jetzt rund 30, das heißt für Verkehrszwecke, viel zu viele Flugplätze besitzt. Vor einigen Wochen schon ist ein sowjetrussisch-tschecho- slowak-isches Luftabkommen geschlosten worden, das Sowjetflugzeugen -die Überfliegung tschechoslowakischen Gebiets und die Benutzung tschechoslowakischer Flug­plätze gestattet, sodaß die Rote Luftflotte in der Tschechoslowakei über eine wichtige Zwischenstation ver­fügt, auch wenn die Erreichung dieser Zwischenftation nur durch Überstiegen fremder Staatsgebiete (Polens oder Rumäniens) möglich wäre. Am letzten Tag des Moskauer Aufenthalts Lavals aber ist außerdem zwi­schen Prag und Moskau ein militärisches Bündnis ab­geschlossen worden, das in genauer Übereinstimmung mit dem französisch-sowjetrussischen Militärbündnis steht, sodaß sich also auf der Basis dieser Bündnisform schon -drei Staaten zusammengefunden haben

Der Weg nach Süden.

Aber außer dem Weg noch Osten hat Pierre Laval auch den Weg nach Süden beschritten. Er hat in dem Januar-Abkommen von Rom eine italienisch«

London und die abessinische Frage.

. a®; Steel»«, 17. Mai. (Drahtbericht unserer Berliner O Abtetlung.) Der englische Lordsiegelbewahrer Eden, der sich seit wenigen Tagen wieder im Amt befindet hielt gestern seine erste große Rede nach seiner Genesung. Der Inhalt läßt sich ganz kurz auf die -Formel bringen, daß England sich weiterhin mit allem Nachdruck für den Völkerbund ein setzt, und daß es an dem Gedanken des Kollektivs' ystems festhält. Es will uns scheinen, als ob diese Rede ein inentg hinter den Ereignissen herhinke, nachdem die franzostsch - sowjetrussische Allianz abge- schlosten ist und nachdem gerade jetzt die Verträge fertig geworden sind, die die T s ch e chs l o w a k e i in

* dieses Militärbündnis einglieder n. Auch -1 ber, Wortlaut des _ tschechoslowakisch-sowjetrussischen Hilfeleistnngspaltes besagt ja im wesentlichen dasselbe wie der „Beistandspakt" zwischen Paris und Moskau, nämlich, daß sich diese Vereinbarungen lediglich gegen Deutschland richten. Die Hilfeleistung soll gewährt werden, wenn die im Vertrag vorgesehenen Bedingungen erfaßt sind und wenn „dem Opfer des Angriffs von Seiten Frankreichs Hilfe geleistet wird." f Hiermit wird das Zusammenwirken der drei Mächte sichergestellt und es wird überdies Frankreich zum obersten Richter in Ost­euro pafrage.n gemacht. Wenn Eden demgegen­über den Begriff kollektive Sicherheit sehr nichtig da­hingehend auslegt, daß dies nicht bedeutet, ein ausge­wähltes Bündnis gegen irgend eine, einzelne Nation, sondern, daß kollektive Sicherheit vielmehr besage, daß jede Nation ihre Machtmittel zur Verfügung stelle, um allen Nationen Sicherheit zu geben, so sind gerade die jetzt abgeschlossenen Beistandspakte der beste Beweis da­für, daß das System der kollektiven Sicher­heit von Frankreich längst aufgegeben ist zugunsten von Militärbündnissen, die sich einseitig gegen Deutschland richten.

Auch in anderer Hinsicht verkennt Eden leider voll­kommen die Lage. Er möchte uns nämlich gern glau­ben machen, daß ein Angriff der Sowjetunion gegen Deutschland eine ganz unmögliche Sache sei, denn die Entfernungen, die den größten Teil der deutschen Grenze von Sowjetrußland trennten, seien riesig. Es scheint, als ob -der englische Lordsiegelbe-

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Freitag, 17. Mai 1935

83. Jahrgang

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