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Die Außenminister der drei balti­schen Staaten, Estlands, Lettlands und Litauens, haben dieser Tage in Kowno eine gemeinsame Besprechung abge- halien, aus der die Frage der Pakte

Derweilen bemühen sich die Italiener Nicht- sehr nachdrücklich um die Vorbereitung einmischung? der in Stresa vorgesehenen Donauraum­konserenz, die am 3. Juni in Rom zusammentreten soll. Aber auch hier zeigt sich, daß die Gegensätze nicht von heute auf morgen überbrückt werden können und daß sich jeder etwas anderes unter Nichteinmischung vorstellt. In Rom betrachtet man jedes Anzeichen des geringsten Interesses, das Deutsch­land an den Vorgängen in Österreich nimmt, als Ein­mischung, aber betrachtet es offenbar als Nicht­einmischung,. wenn man selbst von den Österreichern verlangt, daß sie ihr Heer nach italienischem Muster organisieren. Ebenso betrachtet es die Kleine Entente als Nichteinmischung, wenn sie den Österreichern vor- schreiöt, daß sie unter keinen Umständen die Rückkehr der Habsburger dulden dürfen. So hat denn auch bis­her die Vorkonferenz von Venedig, das heißt die Be­sprechungen Suvichs mit den Außenministern Öster­reichs und Ungarns nur gezeigt, daß die Meinungen noch erheblich auseinandergehen. Die Reise Schuschniggs nach Italien, die Konferenz des Balkanbundes, die Konferenz der Kleinen Entente und die immer wieder auftauchenden Nachrichten über den Besuch von Staatsmännern der Kleinen Entente zeigen, daß hier noch alles im Fluß ist. Die Italiener müssen dabei die Erfahrung machen, daß man nicht gleichzeitig die Wünsche der Kleinen Entente nach der Sicherung des gegenwärtigen Zustandes nnd die un­garischen Revisions- und Rüstungswünsche zu erfüllen vermag. Kein Wunder, daß bei diesen stark wider­strebenden Interessen Zweifel geäußert werden, ob die Donaukonferenz überhaupt am 3. Juni in Rom zu­sammentreten wird.

Die Londoner Weltrerchskonferenz. — Man blickt auf Deutschland. — Ehrliche Erwartung oder neues Presse-Manöver?

naturgemäß eine sehr wesentliche Rolle gespielt hat, umsomehr als ja diesen Staaten ein sowjetrussisches Paktangebot vorliegt. In einem Augenblick aber, in dem noch alles im Fluß ist, haben es die baltischen Außenminister vorgezogen, sich nicht in -irgendeiner Form festzulegen, sondern die weitere Entwicklung ab­zuwarten Sie haben sich demgemäß darauf beschränkt, zu erklären, daß die baltischen Staaten weiterhin be­reit sind, an jeder Aktion mitzuarbeiten, die auf die Festigung der Sicherheit in Osteuropa hinzielt. Man hat es also vermieden, das Angebot Moskaus anz»nehmen, aber man hat sich auch keineswegs zugunsien der polnischen Bemühungen entschieden. Man hält es eben auch hier für das Beste, abzuwarten, zumal man auch erst einmal Klarheit darüber zu haben wünscht, was Herr Laval bei seinem Aufenthalt in Warschau und Moskau erreicht. Im wesentlichen hat man sich in Kowno darauf beschränkt. Richtlinien für die Ausgestaltung der Zusammenarbeit zwischen den baltischen Staaten aufzustellen.

Bom Buchstaben und Geist der Verträge

Interessante polnische Fragestellung.

Grund des italienisch-akessinischen Vertrages als auch als Bölkerbundsmitglied hinsichtlich der politischen Unabhängig­keit und der territorialen Unversehrtheit Abessiniens ob­liegen, seien von Staatssekretär Lessona mißachtet worden.

Vermittlungsaklion Englands und Frankreichs?

as. Berlin, 11. Mai. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Nach einer Londoner Meldung der „DAZ." sollen angesichts der neuesten Entwicklung im abessinischen Konflikt England und Frankreich die Absicht haben, zwischen Italien und Abessinien zu vermitteln. Vor allem scheint die letzte i t a l i e n i s ch e M o b i l i s i e r u n g in Eng­land einen ungünstigen Eindruck gemacht zu haben und es kommt wohl auch hinzu, daß man in Paris und London gern vermeiden möchte, daß der Völker­bundsrat am 20. d. M. mit dem abessinisch-italienischen Konflikt belastet und in ein neues Fiasko getrieben wird. Ob das sich umgehen lassen wird und ob die Ver­mittlung überhaupt Aussicht auf Erfolg hat, bleibt zunächst abzuwarten.

Die baltische» Staaten legen sich nichD fest.

Deutschland erwartet. Alles, was zu den Fragen der großen Politik zu sagen ist, ist von deutscher Seite oft genug gesagt worden. Immer wieder hat Deutschland seinen Friedenswillen bekundet, immer wieder hat auch Deutschland betont, baß es bereit ist, über alle Fragen zu verhandeln, die im Londoner Kommunique angeschnitten wurden. Deutschland hat durch seine be­kannte Erklärung zur Ostpaktfrage während oer Konferenz von Stresa einen weiteren Beweis für seinen guten Willen gegeben. Es steht in Fühlung­nahme mit den beteiligten Mächten wegen des geplan­ten Nichteinmischungspaktes ufw. Es ist also keines­wegs die Schuld Deutschlands, wenn die internationa­len Verhandlungen nicht von der Stelle kommen, wo­bei auch noch daran erinnert fei, daß Deutschland mit seinem auf den Abschluß von N ich l ang r iffs- vertrügen hinzielenden Vorschlag sehr klar gezeigt hat, wie man am schnellsten zu einer Befriedigung kommen kann. Das alles sollte auch eigentlich in den Londoner Redaktionsstuben nicht vergessen werden. Es ist ja aber möglich, daß einige Leute in England wirk­lich ein so kurzes Gedächtnis haben und nun in ehr­lichem Glauben Deutschland wieder die Initiative zu­schieben möchten. Es ist aber auch die Vermutung nicht von der Hand zu weisen, daß zum mindesten ein Teil der englischen Presse nicht unabsichtlich Hoffnungen weckt, die sich gar nicht erfüllen lassen. Wenn dann am 22. dieses Monats die Rüstungsdebatte im Unterhaus stattfinder — ein Tag vorher beschäftigt sich das Oberhaus mit diesem Thema — so will man offenbar wieder mit dem alten Deutschenschreck arbeiten und der öffentlichen Meinung einzureden versuchen, daß man eben mit diesem Deutschland nichts beginnen kann und daß man aus diesem Grunde eben weiter aufrüsten müsse. Sollten wirklich bestimmte englische Kreise zu einem solchen Manöver neigen, so wird man sie auf die letzte außenpolitische Aussprache der Lords ver­weisen können, die ja bereits die Heuchelei in der Abrüstungsfrage klar kennzeichneten.

Blick in die Welt.

Die weltpolitische Lage hat nach der Kein Unterzeichnung des französisch-sowjet- Fortschrttt. russischen Paktes keine wesentliche Ver­änderung mehr erfahren. So tätig auch die Diplomaten überall sind, einen neuen Weg haben sie bisher nicht gewiesen. Wieder einmal möchte man Deutschland einreden, daß es an ihm sei, neue Vor­schläge zu machen, dem gleichen Deutschland, das für die Befriedung Europas schon so viel getan hat, daß ihm zu tun fast nichts mehr übrig bleibt. Jedenfalls fand auch der Vertreter der englischen Regierung im Ober­haus, Lord Stanhope, keinen besseren Abschluß für die außenpolitische Aussprache der Lords, in der man sich bemühte, Deutschland gerecht zu werden, als eine Auf­forderung an die Reichsregierung, Vorschläge zu machen. Wie ein Notruf klang dabei Stanhopes Hoff­nung auf ein allgemeines Abrüstungabkommen. Es liegt aber nicht an Deutschland, ob dieser Notruf gehört werden wird, oder nicht. Deutschland war seinerzeit be­reit, dem Macdouald-Plan, der eine Rüstungsbegren­zung vorsah, zuzustimmen. Daß aus diesem Plane nichts wurde, das ist nicht Deutschlands Schuld, sondern, was man offenbar in London immer wieder vergißt, Schuld Frankreichs. Die Reden im Oberhaus waren gewiß für uns zum größten Teil recht erfreulich, vor allem, wenn auch hier auf die Verlogenheit der Abrüstungspolitik der letzten Jahre verwiesen wurde, aber solche Reden sind nicht genug, wenn f' praktischen Schlußfolgerungen ausbleiben.

Pressestimmen zum Besuch Lavals.

Warschau, 10. Mai. Minister Laval, der während seines Warschauer Aufenthalts im Hotel Europa wohnt, stattete nach der Ankunft einige offizielle Besuche ab. Abends gab Außenminister Beck einen Tee und anschließend einen Empfang zu Ehren Lavals.

Das Abendblatt des Regierungslagers „K u r j e r Ezerwonny" schreibt zum Eintreffen Lavals, der fran- zösisch-sowjetrusiijche Vertrag bedeute für Polen keine neuen Verpflichtungen und stelle es vor keine neue Lage. Neben dem Text gebe es jedoch eine politische Absicht und neben dem Buchstaben ben (Seift, der das Wichtigere sei. Laval könne als Mitschöpfer des Pariser Vertrages am besten das wirkliche Ziel des Vertrages erläutern und aufklären, ob er wirklich nichts an dem bisherigen polnisch­französischen Verhältnis ändere. Es sei überflüssig, daran zu erinnern, wie die französisch-polnischen Beziehungen gegenwärtig seien und wieviel Schuld daran die französischen Freunde trügen. Man dürfe er­warten, daß die Erläuterung des sowjetrussisch-franzäsischen Paktes in Moskau die gleiche sein werde wie in Warschau. Wenn die Grundsätze der polnischen Politik, nämlich der

Abessinischer Protest in Rom.

Gegen die Rede des Äolonialstaatssekretärs Lessona.

Rom, 10. Mai. Der abesiinische Außenminister hat den abessinischen Geschäftsträger in Rom telegraphisch gebeten, beim italienischen Außenministerium gegen die „beleidi­genden" Ausführungen des Kolonial ftaats- sekretärs in der italienischen Kammer Verwahrung c i n z u l e g e n.

In dem Protest wird gesagt, Abessinien, dem von Lessona vorgeworfen werde, den Vertrag von 1928 nicht eingehalten zu haben, habe diesen Vertrag nicht nur eingehalten, sondern es habe sich sogar an den Völkerbund wenden müssen, um die Einleitung des in diesem Vertrage vorgesehenen Schlich­tungsverfahrens durchzusetzen. Abessinien habe trotz der kriegerischen Vorbereitungen Italiens in dem Streitfall eine friedliche und korrekte Haltung eingenommen, dabei habe es mehrmals, aber erfolglos, das Schlichtungs­verfahren verlangt. Auch könne es nicht dafür verantwort­lich gemacht werden, daß der Bau der Straße Dessie—Assab noch nicht begonnen worden sei. Der Protest schließt mit der Erklärung, die Verpflichtungen, die Italien sowohl auf

llnterhausdebatte am 22. Mai.

L_, Berlin, 11. Mai. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Von den Mini sterpräs identen der rngkischen Gliedstaaten, die zu den Jubiläuins- feierllchkeiten nach London gekommen sind, hat der erste angesichts der in seinem Lande bevorstehenden Wahl, der kanadische Ministerpräsident kennet, die englische Hauptstadt wieder verlassen. Die Besprechungen der übrigen Ministerpräsidenten mit Macdonald wer­den fortgeführt, wobei es sich in erster Linie um zwei Themen handelt, nämlich einmal um die Verteidi­gung des britischen Weltreiches und zum zweiten um die englische Fest land s po l i t i k. Auch diese Politik ist für die britischen Gliedstaaten von größter Bedeutung, kann doch eine kriegerische Entwick­lung in Europa, in die England einbezogen wird, die Gliedstaaten vor die Notwendigkeit stellen, dem Mutter­land beispringen zu müssen. Das aber wünscht man in den Gliedstaaten unter allen Umständen zu vermeiden. Und so ist denn auch von den Ministerpräsidenten noch­mals g egen jede Er Weiterung der englischen Verpflichtungen auf dem Festlande Stellung genommen. Südafrika und Australien sollen darüber hinaus daraus bestanden haben, daß die englische Regierung jede Möglichkeit ausnutzt, um eine europäische Ver - ständigung unter Teilnahme Deutsch­lands herbeizuführen. Wenn Macdonald schon in der letzten Unterhausdebatte gemäßigtere Töne gegen Deutschland anschlug als in seinem bekannten, um nicht zu sagen berüchtigten, Artikel, so ist dies vielfach auf eine Einwirkung der Ministerpräsidenten der Glied­staaten zurückgeführt worden.

Diese Entwicklung begleitet nun die englische Presse mit einer etwas seltsamen Musik. Sie weist nämlich immer wieder Darauf hin, daß eine Erklärung des Führers bevorfteht, die bekanntlich von englischer Seite für Mitte dieses Monats angekündigt wurde. Es ist nicht recht erkenntlich, was man eigentlich von

Aufbau der eigenen staatlichen Macht und guter Beziehungen mit den Nachbarstaaten, bei Laval das gehörige Verständnis fänden, werde man seinen Warschauer Besuch als fruchtbar ansehen können. Das Abendblatt der nationalistischen Opposition „W i e c z o r - W a r s z a w s k i" begrüßt Laval unter Hinweis auf die herzlichen Freundschaftsgefühle des polnischen Volkes für Frankreich. Er hofft, daß der fran­zösische Besuch den Beginn eines neuen Frühlings in den polnisch-französischen Beziehungen be­deute. Da die Ziele Frankreichs und Polens die gleichen seien, müßten sie auch gemeinsame Wege gehen und Freund­schaft, Offenheit und Vertrauen finden. Der gemäßigte oppositionelle „Kurjer Warszawski" sagt, Laval besuche sicher Warschau, um sowohl für die polnisch-französischen Beziehun­gen wie für die Außenwelt zu betonen, daß er das pol­nisch-französische Bündnis unabhängig von dem letzten französischen Vertrag für einen wichtigen Faktor der internationalen Politik halte. Zweifellos werde Laval von der polnischen Öffentlichkeit mit ernster Sympathie begrüßt, da Polens Liebe für Frankreicb im Gefühl begründet und ein kulturelles Merkmal fei. Die Unfehlbarkeit des polnischen politischen Instinkts liege dem polnisch-französischen Verhältnis zugrunde.

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