Einzelbild herunterladen
 

Seite 4. Nr. 125.

Wiesbadener Tagblatt

Donnerstag, 9. Mai 1935.

Preise auch eingehalten werden. Die Preise sind alljährlich drei Monate von Saisonbeginn and bei Jahresbetrieben bis zmn Jahresbeginn der örtlichen Organisation der Witt- ichaftsgruppe zu melden, die die Einhaltung des Preisan­gebotes zu überwachen hat. Das Preisangebot erfolgt nach einem Mindest- und Höchstpreis pro Übernachtung, sowie nach Haupt- und Außersaisonpreisen. Die angekündigten Minimalpreise müssen so berechnet sein, daß mindestens 10 % der vorhandenen Zimmer, wenigstens aber zwei, zu diesem Preise vorhanden sind. Zuschläge sind nur für die B e Ä i e - nungsgeldabtösung, die eine einheitliche Reichs­regelung erfahren soll, und für besondere Leistungen wie Gepäcktransport, Botengänge usw. zulässig. 2m Wettbewerb sind alle Methoden zu vermeiden, die mit dem Grundsatz von Treu und Glauben unvereinbar sind. Das sind unter anderem jede Propaganda, die der Wahrhastigkeit entbehrt, oder die den Konkurrenten schädigt und heräbsetzt, des ferneren alle Verstöße durch Zugabewesen, durch das Anreiß er tum oder sonstige illoyale Mittel der Bestechung zwecks Zuführung und Empfehlung von Gästen.

Zunahme des Fremdenverkehrs.

Der Fremdenverkehr im Deutschen Reich hat sich weiter günstig entwickelt. 2m März d. 2. wurden nach Mit­teilung des Statistischen Reichsamtes in 441 wichtigen Fremdenverkehrsorten 8,7 % mehr Meldungen und 11,3 % mehr Übernachtungen als im März 1934 gezählt. Der Fremdenverkehr aus dem Ausland ist gegenüber dem März v. I. bei den Meldungen um 8,8 % und bei den Übernach­tungen um 17,7 % gestiegen. 2m ganzen Winterhalbjahr 1934/35 (Oktober bis März) waren in 400 wichtigen Frem­denverkehrsorten die Fremdenmeldungen um 15,4 % und die Fre mden über na ch tung e n um 18,8 % größer als im Winter- halbfahr 1933/34. Der in diesen Zahlen mit enthaltene Fremdenverkehr aus dem Ausland hat sich noch stärker erhöht, und zwar sind die Meldungen der Auslandsfremden um 24,3 % und ihre Übernachtungen um 28,8 % gestiegen.

An dieser allgemeinen Zunahme des Fremdenverkehrs ist auch Wiesbaden beteiligt. So belief sich die Zahl der vom 1. Januar bis 2. Mai 1935 gemeldeten Kurgäste und Passanten auf 29 556 gegen 25 846 in der gleichen Zeit 1934. Der Zugang beträgt damit 3710 Personen gleich 14,3 %.

Verkehrsunfallstatistik in Wiesbaden.

Eine traurige Bilanz. Auf 100 Unfälle kamen

61 Verletzte.

Der moderne Verkehr bringt es mit sich, daß der Mensch ständig von Gefahren umlauert ist. Wer über die Fahrbahn geht, ohne nach rechts und links zu schauen, wer betrunken am Steuer sitzt und das Fahrzeug fährt, wer im dichten Verkehr mit seinem Fahrrad freihändig fährt, der ist nicht nur ein Verkehrssünder erster Klasse, sondern er macht sich auch noch strafbar dazu. Unverzeihlich ist es aber, wenn durch die Fahrlässigkeit eines Verkehrssünders ein Unfall entsteht und dadurch Menschen verletzt oder gar getötet werden.

, Der Deutsche Gemeindetaa hat soeben einen Jahres­bericht über die Verkehrsunfälle in den deutschen Städten mit mehr als 50 000 Einwohnern veröffentlicht. Von 91 Städten wurden fast 61 900 Personenschädigungen gemeldet. Rund 1600 Personen wurden in diesen Städten innerhalb Jahresfrist durch einen Verkehrsunfall getötet. Unter den Getöteten und Verletzten befanden sich sehr viele Kinder bis zu 15 Jahren. Die Ursache bei den Unfällen lag in 3 % am Fahrzeug, in 51,2 % beim Fahrer, in 11,6 % beim Fuß­gänger, in 9,9 % lag eine andere Ursache zu Grunde und in 24,3 % konnte die Ursache nicht ermittelt werden. Die Hauptursache der Verkehrsunfälle hat also in der Fahr- lässigkeit des Fahrers seinen Grund, die darin liegt, daß immer wieder zu schnell und rücksichtslos gefahren wird. Überholungen an Kreuzungen oder in Kurven, vorschrifts­widriges Cinbiegen, oder Fahren auf der falschen Straßen­seite sind weitere Ursachen der Unfälle. Bei den Fußgängern ist es durchweg di« Unaufmerksamkeit, die zu Verkehrsun­fällen führt.

Die Verkehrsunfälle nach Art des Unfalls in Wiesbaden umfaßen nach dem vorliegenden Jahresbericht nur die poli­zeilich gemeldeten Unfälle. Die Gesamtzahl der Straßen­verkehrsunfälle dürfte jedoch erheblich höher sein, da viele Unfälle aus Zusammenstößen mit Laternen, Bäumen, Mauern, Schranken usw. nicht erfaßt wurden, weil sie nicht bekannt wurden. 2m Berichtsjahr 1933 wurden in Wies­baden insgesamt 606 Straßenverkehrsunfälle gemeldet. Hier­von waren 421 Zusammenstöße mit Fahrzeugen unterein-

* Das staatliche Institut für deutsche Musikforschung. Reichsminister Rust hatte im Februar d. 2. auf einer Tagung der führenden Musikwissenschastler Deutschlands, von der die Preße seinerzeit berichtet hat, den Plan be­kanntgegeben, in Berlin ein staatliches Institut für deutsche Musikforschung zu errichten. Dieses Institut hat nunmehr, wiewohl es sich erst im Aufbau be­findet, in dem Hause Klosterstraße 36 (Palais Creutz) seine Tätigkeit ausgenommen. Die feierliche Eröffnung ist für einen späteren Zeitpunkt in Aussicht genommen, wenn der noch längere Zeit erfordernde vollständige Ausbau des In­stituts beendet sein wird. Reichsminister Rust hat dem In­stitut neben seinen allgemeinen Forschungsarbeiten vor allem auch die Ausgabe gestellt, die Herausgabe desErbes deutscher Musik" in die Wege zu leiten, das in Fortsetzung srüherer Denkmalsverösfentlichungen das musikalische Vermächtnis der deutschen Vergangenheit zur Darstellung bringen und dem deutschen Volke erschließen >oll. Mit der Leitung der Arbeiten des 2nstituts ist Prof. Dr. Max Seiffert bestellt worden, der schon das bisherige Bückeburger 2nstitut für musikwissenschaftliche Forschung geleitet hatte und der als besonderer Kenner der alten Musik einen Namen besitzt.

* Ausruf für eine Robert-Koch-Stiftung. Der Reichs- tuberkuloseausschuß, dessen Leiter der Ministerialdirektor im Reichsministerium des 2nnern, Dr. Frey, ist, erläßt aus Anlaß des 25. Todestages Robert Kochs folgenden Aufruf: Am 27. Mai 1935 jährt sich zum 25. Male der Todestag Robert Kochs. Sein Name ist in der Weltgeschichte der Ge- fundheitswissenschaft mit goldenen Lettern eingetragen. Uns Deutschen, deren Stolz und Ruhm er war, liegt es ob, sein Andenken in ganz besonderer Weise zu ehren. Das neue Reich, daß die deutschen Tugenden wieder überall wachge­rufen hat, mahnt uns auch an die Pflicht der Dankbarkeit gegen einen der größten Wohltäter der Mensch­heit aus deutschem Blute. Diese Dankbarkeit soll uns zu einer Wiederaufrichtung der Robert-Koch- Stistung veranlaßen, die ein Opfer der Inflation wurde. Unser Rus ergeht daher an jeden deutschen Volksgenosien, vor allem an dimenigen, die mit dem Werk Robert Kochs in irgendeiner Weise verbunden sind, an alle, für deren wissenichaftliche Leistungen die Großtaten Robert Kochs grundlegend waren, und an alle behördlichen und privaten Stellen, denen Robert Koch auf dem Gebiete der Seuchen­bekämpfung die Wege gewiesen hat. Helft uns, die Stif-

ander, und in 33 Fällen mit feststehenden Objekten. Durch Schleudern, Brand, Achsbruch, Gabelbruch usw. entstanden 26 Einzelverkehrsunfälle von Fahrzeugen. Bei den 126 son­stigen Unfällen sind die Fälle von An- und Überfahren von .Personen und Tieren, Unfälle beim Besteigen und Verlaßen, oder Sturz vom Fahrzeug, in der Hauptsache also alle Per- sonenbeschärig.ungen durch Fahrzeuge, erfaßt worden.

Die Kraftfahrzeuge verursachten die meisten Unfälle in unserer Stadt, zusammen mit den Fahrrädern. Die Erhebung verzeichnete in der Stadt Wies­baden an den Verkehrsunfällen eine Beteiligung von 668 Kraftfahrzeugen insgesamt, davon waren 378' Personen- kraftwagen, 99 Lastkraftwagen und 121 Motorräder. Die große Zahl der Fahrräder mit einer Beteiligung von 249 an den Straßenverkehrsunfällen bringt wieder mit aller Deutlichkeit zum Ausdruck, welches Gefahrenmoment die Radfahrer im Straßenverkehr bilden. Durch bespannte Fahr­zeuge entstanden 29 Unfälle. Die Gesamtzahl der an den Unfällen beteiligten Fahrzeuge betrug in unserer Stadt 1168.

Wenn auch die Zahl der Getöteten gegenüber dem Vor­jahre etwas abgenommen hat, so haben dafür die Verletzten leider eine Zunahme erfahren. 2m Jahre 1933 kamen in der Stadt Wiesbaden durch einen Verkehrsunfall 15 Per­sonen ums Leben und 367 Personen wurden verletzt. Aus je 100 Verkehrsunfälle kamen demnach 2,5 Getötete und 60,6 Verletzte. Von den Getöteten waren im Städtedurchschnitt etwa die Hälfte Fußgänger, 2,5 Fahrzeugführer und etwa 1,10 Fahrgäste.

Wz

unserer Volker

Aus der Arbeit der Kriminalpolizei.

Diebstahlschronik.

Am 27. April wurde in der Riehlstraße eine kleine, goldene Damenremontoiruhr mit goldenem Deckel gestohlen, auf dessen Rückseite sich eine einziselierte Schleife befindet. 2n der Nacht zum 29. April wurden aus einer Baubude der Neubaustelle, Hindenburgallee 82, sieben Sack Schwarz­kalk, ferner in der Schiersteiner Straße ein gußeiserqer Kanaldeckel, Durchmesser 26% Zentimeter und eine Haken- kreuzsahne, 50:75 Zentimeter groß, gestohlen. Etwaige An­gaben über'den Verbleib der gestohlenen Gegenstände er­bittet die Kriminalpolizei, Zimmer 91. Ein 16jähriges Mädchen fand hier Stellung bei einer Familie. Bei passender Gelegenheit stahl sie aus einer Handtasche eine wertvolle goldene Damenarmbanduhr. Die Uhr wurde wieder herbei- geichafft und der Eigentümerin zurückgegeben. Die Täterin war nach längerem Leugnen geständig.

Internationaler Dieb gesucht.

Gesucht wird der internationale Autodieb und Betrüger Alois K u m b a, Kaufmann, 30 Jahre alt, 1.72 Meter groß, schlank, Haare und Augen braun, spricht englisch und holländisch. Trägt rotbraunen Anzug mit dunklen Drei­streisen. gelbliches Hemd mit weichem Kragen, braunen Hut mit runder Einbuchtung, dunkelbraune Schuhe. Mel­dungen erbittet die Kriminalpolizei, Zimmer 83/84.

Achtung! Photogeschäfte! Gerissener Betrüger!

Ein reisender Betrüger ist der Mechaniker und Monteur Wilhelm Josef Künstle, geb. 17. 3. 1901 zu Freiburg i. B. Er nennt sich auch Kern öder Schindler. Untier der Angabe, von seinem Chef, dem Baurat Rentz von der Reichs­autobahn (RÄB.), beauftragt zu sein, erschwindelt er sich optische Instrumente. Er legt zur Glaubhaftmachung seiner Angaben Formulare mit dein StempelReichs-Auto-Bahn (RAB), Verrechnungsstelle Ost, Koblenz,, Bismarckplatz 5 und einen weiteren aufgedrückten StempelGenehmigt" vor. So hat er in Den letzten Tagen in Kreuznach 'mehrere Geschäftsleute geschädigt und eineLeica-Kamera", Gehäuse Nr. 146 692, 211163, Objektiv Nr. 227 051 und zwei Stopp­uhren mit Chronographen Nr. 206 991, erschwiiidelt. Falls der Täter auch in hiesigen Geschäften erscheint, bzw. die Apparate zum Kauf angeboren werden sollten, wird gebeten, Den nächsten Polizeibeamten öder die Kriminalpolizei, Zimmer 79, zu benachrichtigen.

Warnung vor einer Trickschwindlerin.

Vor einigen Tagen erschien bei einer Frau, die gerade einen Zivilprozeß führt, eine Frauensperson, Die sich Sander nannte und erklärte, daß Der Prozeßgegner irgendwo eine größere Geldsumme deponiert habe. Sie sei von einem Rechtsanwalt beauftragt, sich 20 RM. geben zu lasten, damit Der Rechtsanwalt Schritte unternehmen könne, um den Anspruch der Prozetzbeteiligten zu sichern. Die an­gebliche Sander bekam auch 20 RM. ausgehändigt. Die Sander wird beschrieben: zirka 4045 Jahre alt, zirka 1,60

Gedenkt ihrer zum Muttertag m» gebt eine Spende am 10. und 11. Mai. Kauft die Plakette des Reichs» mütterdienstes im Deutschen Frauen» werk aus den Notstandsgebiete« der Bayrischen Ostmark und Thüringen.

Meter groß, blaß, dunkelbraune Haare, sie trug braunen Mantel und dunkelblaue Mütze. Ist diese Person auch an anderen Stellen ausgetreten? Zweckdienliche Mitteilungen über Die angebliche Sander erbittet die Kriminalpolizei, Zimmer 77.

Die Kennziffer der Großhandelspreise stellt sich int Monatsdurchschnitt April auf 100,8 (1913 100); sie ist gegenüber dem Vormonat (100,7) wenig verändert. Die Kennziffern der Hauptgruppen lauten: Agrarstoffe 100,0 (plus 0,7 %), Kolonialwaren 84,0 (plus 1,6 %), industrielle Rohstoffe und Halbwaren 90,9 (minus 0,4 %) und industrielle Fertigwaren 119,5 (minus 0,2%).

tung, die seinen Namen trägt, zu altem Glanz erstehen zu lassen, gebt uns die Mittel zu den Forschungen, die durch diese Stiftung ermöglicht werden sollen, damit die deutsche Wissenschaft den Platz in der Welt behaupten kann, den einst Robert Koch errungen hat. Spenden werden erbeten auf das KontoRobert-Koch- Stiftung" bei der Reichskreditgesellschaft AG., Berlin W 8, Behrenstraße 2122.

* Pfalz- und Saar-Freilichtspiele 1935. Das Programm der saarländischen und pfälzischen Freilichtaufführungen er­fährt in diesem Jahre eine beträchtliche Erweiterung. Die reichswichtige Bühne in Queidersbach und das saarländische Freilichttheater in Gräfintal wurden zu einer Spielgemeinschaft vereinigt. Queidersbach beginnt mit GoethesGoetz". Freilichtausführungen finden weiterhin statt in Breitfurt, Obermoschel und Otterberg. Wahrschein­lich wird auch die bei Bad Dürkheim gelegene Limburg in die Reihe der westmärkischen Aufführungsstätten mit einbe­zogen werden.

Bildende Kunst und Musik. Die Stadt Mexiko beging die Feier von Bachs 2 5 0. Geburtstag durch zahl­reiche Veranstaltungen der öffentlichen und priva­ten kulturellen Körperschaften in den Schulen und im Rund­funk. Nach derAllg. Musikztg." wurden die wichtigsten Konzertwerke Bachs in stark besuchten Konzerten vermittelt. Um die Organisation machten sich der Unterrichtsminister Tellez, der Direktor des Konservatoriums und die deutschen Vereinigungen und Chöre verdient. Anläßlich einer internationalen Volksliederwoche in Antwerpen, auf der Lieder von zehn Nationen zu Gehör gebracht wurden, hatte der dem deutschen Volkslied gewidmete Abend weitaus den größten Erfolg. Die Münchener Lautensänger Helga Thorn und Oskar Besemfelder sangen altdeutsche und roman­tische Volkslieder zu zwei Lauten und die Vauernsänger Burda-Sontheim-Vögele oberbayerische Lieder und Jodler zur Zither. Das diesjährige zweitägige Jenaer Musikfest war 2oh. Seb. Bach gewidmet. Den Höhe­punkt bildete Die Aufführung der Mathäuspastion durch die vereinigten Jenaer Chöre, die Weimarer Staatskapepe und die Gesangssolisten Karl Erb, Hermann Achenbach, Hans Jürgen Walter, Anny Quistorp und Lore Fischer. Dirigent war Universitätsmusikdirektor Prosestor Volkmann. Das Festprogramm wies weiterhin zwei Konzerte von Prosestor Edwin Fischer und seinem Kammerorchester und ein Orgel­konzert von Pros. Günther Ramin in der Stadtkirche auf.

Ein idealer Flurnachbar. Kennen Sie Herrn Gregor Karbatschke? Ach, das ist der Herr, der mit Ihnen den Flur teilt. Ich kann Ihnen sagen, den hat Gott in seinem Zorn erschaffen. Aber er ist nicht allein; nein, es ist eine Familie, und einen Rattenkönig von Verwandten hat er obendrein. Ach ja, jetzt entsinne ich mich, das ist ja der Herr, der neulich in einem Lesesaal Ruhe brüllte, dabei war doch eigentlich gar nichts da, was ihn stören konnte. Alle sahen, ihn an, und er schaute aus, als sei er aus den Wolken gefallen. Also ausgerechnet Herr Karbatschke bat um Ruhe. Er brüllte es heraus. Ja, das ändert die Sache, er ist einer von den Menschen, die annehmen, alle um ihn herum seien schwerhörig. Hören Sie, eben schimpft er mit feinem Sprößling. Gleich wird der Kalk von den Wänden fallen. Durch die Rabitzwand war Herr Karbatschke mühelos zu vernehmen; erst als Frau Karbatschke den Runkfunk- apparat anstellte, weil nun derFröhliche Nachmittag" seinen Anfang nehmen sollte, ging die Auseinandersetzung im schmelzenden" Sopran einer Sängerin unter. Die letzten Worte, dir wir vernahmen, aber waren diese:Warum hast Du deinen Aufsatz über die Lärmoerhütungswoche noch nicht gemacht, du Schlingel? Vater, entgegnete ein im Stimm­wechsel sich mauserndes Organ, ich hatte Angst ... Angst, warum Angst: schrie Karbatschke. Ich hatte Angst, dich zu beleidigen . . . Eine Ohrfeige klatschte. Doch dann sang die Sängerin.

30 Lahre Schiller-Denkmal. Am 9. Mai 1905 anläß­lich des 100. Todestages von Friedrich von Schiller fand die feierliche Enthüllung feines Denkmals am Staatstheater statt. Das Denkmal, das ganz aus karrarischem Marmor be­steht, wurde von Prosestor Josef Uphues gefertigt. Der Dichter (Ganzfigur) führt den ©riffel in der rechten Hand und schreibt in die Literaturgeschichte, die er in der Linken hält, unsterbliche Gedanken ein. Zu seinen Füßen sitzt die ^dealgestalt Der ernften Dichtkunstdie Tragödie" mit dem Dornenkranz, in der rechten Hand, den linken Fuß auf die Erdkugel gesetzt. An den Sockelseiten des Denkmals finden sich noch die Masken des Lustspiels und Schauspiels, auf der Rückseite steht folgende Inschrift:Dem Dichterfürsten Fr. von Schiller in Liebe und Verehrung MDCCLIXMDCCCV. Doch schon vor 1905 besaß Wiesbaden ein Schillerdenkmal, wenn auch nur in Gestalt einer Überlebensgroßen Büste (Bronze) von Joh. Baptist S ch o l l dem 2üngeren (1818 in Mainz geboren, 1881 in Limburg gestorben), die 1866 auf dem damaligen Theaterplatz (jetzt Kaiser-Friedrich-Platz) aufgestellt worden war. Als jedoch das Kaiser-Friedrich- Denkmal am 18. Oktober 1897 dort enthüllt wurde, stellte man die Schillerbüste auf dem Platz vor der südlichen Rampe des Staatstheaters auf, wo sie bis 1905 als das neue Denkmal eingeweiht wurde stand. Später fand die Büste im Hof der Zietenfchule Platz.

Die Wilhelmstraße, der Mittelpunkt des Fremden­verkehrs unserer Stadt, hat durch die Umgestaltung des Reit­weges in einen Parkplatz eine int Interesse des Verkehrs begrüßenswerte Neuerung erfahren. Auch die Gaststätten haben dem Zuge der Zeit Rechnung getragen urtä Erneue- rungs- und Umbauarbeiten in Angriff genommen. So hat zum Beispiel das Cast Europa den ersten Teil eines größeren Umbauprogramms durchgefühtt und einen neuen Ein­gang geschaffen, der der gesamten Front des Unternehmens ein neues Gesicht gegeben hat. Die Anordnung des Ein- ginges ist glücklich gewählt und schafft auch im Innern des Cafes, in dem zur Zett das bekannte deutsch-russische Orchester Lutschinuschka mit dem Meistergeiger und Dirigenten Peter Ronacher konzerttett, bessere Platz- und llbersichts- möalichkeiten. Auch das Cafs Neu-Wien hat einen völligen Umbau durchgefühtt. Auch hier ist durch die Hmzu- nahme von Nebenräumen ein angenehmer Aufenthalt ge- sichett. Im Interesse der Arbettsbefchaffung und des Frem­denverkehrs ist es zu begrüßen, wenn sich unsere Gaifftälten dem Charakter Wiesbadens als Weltkurstadt mehr und mehr anpaffen.

Weinprobc. Am 19. Juni 1935 findet.im Paulinen- fchlößchen eine Versteigerung von 1934er Naturweinen statt. Es kommen zum Ausgebot: 15 Halbstück und 7 Viertelstück Neroberger aus dem Besitz der Stadt Wiesbaden; 19 Halbstück Groroder Herrnberg, 15 Halbstück Schiersteiner Hölle aus dem Besitz von Frau Josef Reich le Wwe., Hos- gut Erorod; 2 Halbstück Dachsberg, je ein Hälbstück Hölle,