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S I «k. 114
Samstag, 27. April 1935
83. Jahrgang
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Laval rechtfertigt seine Haltung gegenüber Moskau. — Rom wird bedenklich Der Druck Räterutzlands.
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Völkerbund und Pakt.
- as. Berlin, 27. April. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Die Paktverhandlungen zwischen Paris lind Moskau scheinen nunmehr vor dem Abschluß ZU stehen. Die Russen, denen außerordentlich viel an lies em Pakt mit Paris gelegen ist, haben den sr-anzö- i -s ch e n Einwänden Rechnung getragen. Soweit nsher bekannt geworden -ist, wird der Pakt entgegen ten ursprünglichen Moskauer Wünschen nicht sofort md automatisch wirksam, sondern es wird z u n ä ch st der V ö l k e r b u n d s r a t eingeschaltet, der festzustellen ttt, ob ein Angriff vorliegt, das heißt der Bündnisfall gegeben ist. Ob das für die Praxis von großer Be- butung ist, ist freilich fraglich. Bei dem starken Einlaß der Großmächte in Genf wird es diesen immer
dann die Frage aus, ob denn Sowjetrußland zu den Ordnungsinächten gerechnet werden könne. Die französische Politik gegenüber Moskau -führe nur dazu, so meint das Blatt, den s o w j e -t r u s s i f ch e n E i n f l -u ß auf Kosten Frankreichs und Italiens in Ost- und Mitteleuropa zu stärken. Der Artikel des italienischen Blattes erinnert dann weiter daran, daß Frankreich bei seinen Bündnissen mit Sowjetrußland immer der Leidtragende gewesen sei. Diese Pressestimme gibt naturgemäß -den Gerüchten neuen Austrieb, die versichern, daß Italien sich Polen zu nähern bemühe, um so ein Gegengewicht gegen die französtsch-sawjetrussische Politik herzustellen und daß in dieser Hinsicht schon in der Unterhaltung, die zwischen -de-m polnischen Außenminister Beck und dem -italienischen Staatssekretär Suvich in Venedig dieser Tage stattfand, einiges erreicht worden sei. Ganz offensichtlich fürchtet man in Rom auch ein Anwachsen des so w j e tru-fs isch en Einflusses auf dem Balkan. Man ist der Ansicht, daß die Versteifung der Lage, die hier in der letzten Zeit eingetreten ist, nicht zuletzt auf russische Einflüsse zurückzuführen -ist. So sei Titulescu, der sich während der Stresaer Konferenz mit der Revision des Militärstatuts von Ungarn und Bulgarien -unter bestim-mten Voraussetzungen einserstanden erklärt habe, wieder unter russischer Einwirkung unnachgiebig geworden. Ja, man kann in Rom sogar hören, es bestehe die Gefahr, daß sich wieder eine Lage wie in der Vorkriegszeit cherausbilde, in der Rußland die Valka-nländer als Vorspann für seine eigenen politischen Ziele gebrauchte -und die Balkanländer sich des russischen Gönners bedienten, um ihr eigenes Gewicht gegenüber den westlichen Großmächten zu verstärken. Man ist also ganz offenbar -in Rom nach den Erfahrungen der letzten Zeit heute nicht -mehr so moskau freundlich wie in jenen Tagen, da -man eifrig half, -den Sowjets den Weg nach Genf frei zu machen.
möglich fein, einen ihren Wünschen entgegengesetzten bun-sch des Völ-kerbundsrates zu verhindern. Jmmer- »n versichert der französische Außenminister der Welt, aß der Vertrag nicht dazu bestimmt sei, einen Krieg hervorzurufen, sondern ihn zu verhindern. Laval, der zu den Gomeindewa-hlen wieder in einem Pariser Vor- srt kandidiert, hat nämlich in einem Aufruf an sei ne Wähler auch zur Paktfrage Stellung genommen, da er gerade wegen seiner Haltung in dieser Frage Ion den Kommunisten stark angegriffen -wurde. Er hat dazu nun erklärt, daß ein fran-zösisch-sowjetr-ussisch-er Vertrag in der Form wie ihn die französischen Ko-mmu- msten wünschten (und man wird hinzusetzen können, mi-e -ihn auch Moskau wünschte) zum Krieg führen könnte. Unter einen solchen Vertrag würde er, -so betont Laval, niemals seine Unterschrift setzen. Diese Versicherungen des französischen Außenministers kli-n- E gewiß sehr schön, -aber man wird doch gut tun, den
Maut des Paktes abzuwarten.
Es ist nicht uninteressant, daß jetzt auch in Italien
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Ein Aufruf Dr. Goebbels.
I Berlin, 26. April. Reichspropagandaminister Dr. Eoebbels hat zum 1. Mai folgenden Aufruf erlasse«:
An das ganze deutsche Volk!
, Zum dritten Male feiern wir im Zeichen des Nationalsozialismus den Tag der deutschen Arbeit. Bahrend der 1. Mai 1933 noch im Schatten der innenpolitischen Auseinandersetzung stand, konnten wir den 1. Mai 1934 bereits zu einer großen, alle Stände und Berufe vereinigenden Demonstration des nationalen Aufbauwerks machen. Der 1. Mai soll nunmehr Symbol und Ausdruck der wiedererungenen deutschen Freiheit und nationalen Sou- »eränität sein.
An ihm schließt sich tos ganze deutsche Volk zu einer Einzigartigen Manifestation seines nationalen Lebenswillens zusammen und stattet in nie dagewesene» Millionen Kundgebungen dem Führer seinen große» aitb tiefgefühlten Dank ab für die Proklamation des Deutschen Wehrgesetzes vom 16. März, durch die Deutschland seine nationale Gleichstellung unter den andern Wachten sestgelegt hat. Die Welt soll sehen, daß dieser Entschluß des Führers der Entschluß des Volkes ist: Urbeiter, Bauern und Soldaten wollen an tiefem Tag das einmütige Gelöbnis ablegen, sich wie £1« Mann hinter die Politik Adolf Hitlers Ja stellen, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Ehre und die Sicherheit der deutschen Ration zur festen und uner- Witterlichen Grundlage des gesamten deutschen Auf- Mnwerks zu machen.
Gerade der deutsche Arbeiter hat alle» Grund, dem Führer für seinen mutigen Entschluß zu danken; denn, was nutzt der großzügige Versuch der Wiederaufrichtung unserer Wirtschaft, dem das ganze deutsche Volk mit all ki»CR Kräften dient, wenn dahinter nicht die wahr- Jktite Kraft der Ration steht, die entschlossen ist, die und Befriedung der deutschen Arbeit zu ver- Der Pflug, der durch die Ackerschollen geht
und die Maschine, die das Lied der Arbeit singt, sind wieder geschützt durch den nationalen Verteidigungswillen des ganzen Volkes. Damit erhält der 1. Mai des Jahres 1935 seine symbolhafte Bedeutung.
Eben deshalb auch feiert ihn das deutsche Volk diesmal mit besonderer Hingabe. Er soll der Gruß der Ration an den Führer sein, er soll einen spontane» Akt des Dankes für seine auf die Sicherheit und Ehre der Ration, aber auch aus den Frieden Europas gerichtete Politik darstellen. Er soll der Welt zeigen, daß das ganze deutsche Volk seine nationale Einigkeit wiedergefunden hat und keine Hoffnung mehr besteht, in Deutschland Bundesgenosien gegen Deutschland selbst zu finden. Adolf Hitler repräsentiert dieses neue Volk. In seiner Stimme sprechen die Stimmen von 66 Millionen Deutschen mit. E r i st d e r beglaubigte Wortführer einer Ration, die wie jedes andere Volk ihre Ehre und gleiche Berechtigung sichert, darüber hinaus aber gewillt ist, mit allen Kräften am Wiederaufbau Europas tat- und opferbereit mitzuarbeiten.
Diese Ration steht heute wieder lebensentschlossen, aber auch sriedensgewillt vor den Augen der Welt. Über ihr ist aufs neue die Fahne der Ehre hochgegangen. Arbeiter, Bauern und Soldaten tragen auf ihren Schultern das Reich. Es liegt in sicherer Hut in Adolf Hitlers Hand.
Dem Lebenswillen des Volkes, Millionen- und millionenfach Ausdruck zu geben und ihn dadurch zu verbiuden mit dem nationalen Aufbauwerk, dem die schaffenden deutschen Menschen aus allen Ständen und Berufen sich mit tiefster, sittlicher Begeisterung hingegeben haben, ist Sinn und Parole des nationalen Feiertags, den wir am 1. Mai festlich begehen wollen.
Darum ergeht aufs neue an die ganze deutsche Ration zum Feiertag des Volkes der Ruf:
Ehret die Arbeit und achtet den Arbeiter!
Die nationale Ehre und die Freiheit unseres Volke» ist die Grundlage aller Wohlfahrt und jeden sozialen
Blick in die Welt.
Rach Stresa und nach -der Genfer Stillstand. Ratsentschließung, gegen die sich die Reichs- regierung in einer kurzen und würdigen Protestnote wandte, ist in der großen Politik ein gewisser Stillstand eingetreten. Daran ändert auch nichts die Tatsache, daß die internationale Presse weiterhin fast täglich lange Artikel der „Lage" widmet, ja, daß sich selbst der englische Ministerpräsident Macdonald darum bemühte, zu den Zeitungslesern zu sprechen. Alle diese Artikel lassen immer nur wieder erkennen, daß sowohl in England als auch in Frankreich die Meinungen darüber, was weiter geschehen -soll, sehr erheblich auseinander gehen. In England regen sich die Kräfte, die ein 'bedingungsloses Zusammengehen mit Frankreich fordern, aber es fehlt auch nicht an Stimmen, die sich für eine Zusammenarbeit -mit Deutschland eins-etzen und die auch volles Verständnis für die Haltung der Reichsregierung -aufbringen. Die amtliche englische Politik hat sich bisher noch in keiner Weife entschieden, so sehr man sich auch immer wieder um Paris bemüht, so wird doch auch uns -gegenüber immer wieder betont, daß die Tür nicht zu-geschlagen sei. Aber auch in Frankreich fehlt es nicht an kritischen Äußerungen gegenüber der eigenen Außenpolitik. Besonders freilich war Laval das Ziel -der Angriffe, als es vorübergehend den Anschein hatte, als ob Mein-ungsverschiedenheiten den Abschluß des franzöfi-sch-sowjetrussischen Bündnisvertrages sehr erheblich verzögern würden. Inzwischen sind diese Mei- nungsverschiedenheiten beseitigt und die kommunistische „Humanitck", die schwerstes Geschütz gegen Laval aufgefahren hatte, wiegelt bereits ab, indem sie ein Bild veröffentlicht, das den französischen Außenminister im Gespräch mit dem sowjetrussischen Botschafter in Paris zeigt. Herr Laval, der sich bei den Gemeindewahlen Anfang des kommenden Monats in einem Pariser Vorort stellt, wird danach kaum noch mit einer besonders starken kommunistischen Opposition zu rechnen brauchen.
Die gewiß nicht ganz einfache Lage Die Zukunft im Süd osten Europas wird nicht der gerade leichter und durchsichtiger da-
Dardanellen. durch, daß nunmehr die Türkei mit der Forderung nach Befestigung der D a r d a n e I -I e -n wieder hervortritt. Damit wird eine alte Frage wieder aufgerollt, eine Frage, die in der Vorkriegszeit schon eine sehr erhebliche Rolle gespielt hat, ja, die damals gerade zum Symbol des englisch- russischen Gegensatzes wurde. Mit allen Mitteln versuchte die englische Politik immer wieder das Ziel zu erreichen, die Russen im Schwarzen Meer einzusperren -und ihnen den Zutritt zum Mittelmeer unmöglich zu machen. Der Krieg brachte vorübergehend eine Verschiebung der Fronten, aber nach dem Kriege wurde die Sorge Englands vor der -sowjetruss-ischen Schwärze-
Glückes. Ihrer sollen in gleicher Weise Arbeiter, Bauern und Soldaten teilhaftig werden.
Wieder stehen für einen Tag die Räder still und ruhen die Maschinen. Wieder ehrt Deutschland die Arbeit, von deren Segen das Volk ein ganzes Jahr leben soll.
Der 1. Mai ist der Feiertag für arm und reich, für hoch und niedrig.
Bekränzt eure Häuser und die Straßen der Städte und Dörfer mit frischem Grün und den Fahnen des Reichs!
Von allen Last- und Personenautos, aus allen Fenstern sollen die Wimpel und Fahnen der nationalsozialistischen Erhebung flattern. Züge und Straßenbahnen sind mit Blumen und Grün geschmückt.
Auf den Fabriktürmen und Bürohäusern werde» feierlich die Fahnen des Reichs gehißt.
Kein Kind ohne Hakenkreuzwimpel.
Die öffentlichen Gebäude, Bahnhöfe, Post- und Telegraphenämter sollen in frischem Grün erstehen.
Die Verkehrsmittel tragen Fahnenschmuck:
Zn der Ehre der Arbeit liegt die Ehre des Volkes! Die Ehre des Volkes aber ist die Bürgschaft für den Frieden und die Sicherung der Ration!
Deutsche aller Stände, Stämme, Berufe und Konfessionen, reicht euch die Hände!
Für Arbeit, Frieden, nationale Ehre und Sicherheit!
Es lebe der Führer!
Es lebe Deutschland, sein Volk und sein Reich!
Berlin, den 27. April 1935.
Der Reichsminister für VolksauMirung und Propaganda;
. gez. Dr. Eoebbel*.
