Wsba-em Sanblatt
SteUenbergW Hofbuchdruckerei, ^-gblatt.Hmw». Wöchentlich 7 Ausgaben .....
Wöchentlich
Ausgaben
t. ScheUenL«rg1che Hofbuchdmckerei, »Tagblatt. Hau,».
Werktäglich nachmittags, Samstags vor- u. nachmittags
Unterhaltungsbeilage.
mit einer täglichen
Telegramiu.ALrefse: Tagblatt Wiesbaden.
Höchste Abonnentenzahl aller Tageszeitungen Wiesbadens und Nassaus.
Postscheckkoitto: Frankfurt a. M. Nr. 7405.
Nr. 113
Freitag, 26. April 1935
83. Jahrgang.
Jubel in
Frankreich
»
Q
G)
P
Über
o
P
Stollens mililälWe Mbemlringen in Alhllin
s
Fernsprecher-Sammel'Nr. 59631. Berliner Büro: Berlin-Wilmersdorf.
ö*- p
•
rr
r
s
s
fd 3
er o
V P
Bundesstaat Indien.
Die indischen Fürsten geben nach.
Geschäftszeit: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, außer Sonn, und Feiertags.
Die offene Tür.
[ as. Berlin, 26. April. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Das englische Parlamentsmitglied Ramsan kMa cdo nald hat einen Aeitschriftenartikel veröffentlicht, der von Anklagen gegen Deutschland strotzt. Aus diesem Grunde hat es der Verfasser auch fwohl vorgezogen, schlicht als Parlamentsmitglied und nicht als englischer Ministerpräsident in die .Erscheinung zu treten. Das ist aber für die Veurtei- ■ lung des Artikels selbst und für die Beurteilung der englischen Einstellung belanglos. Abgesehen *von einigen Feststellungen wie der, daß einige Nationen mit ihren Beiträgen zur Abrüstung im Rückstand ge- - bli eb en seien und abgesehen von dem Eingeständnis, der Verfasser wisse, „daß, wenn die unruhige Geschichte dieser Zeit im kalten und gerechten Licht der Wahrheit studiert und ausgezeichnet werden wird, nicht die ganze -Schuld vor Deutschlands Tür abgeladen werden wird." 1 Abgesehen also von solchen Worten hätte dieser Artikel jedem französischen Blatt Ehre gemacht. Er bringt die alten unwahren Behauptungen, denen wir so oft in den französischen Zeitungen begegnen, daß ; s Deutschlands Rüstungsmaßnahmen allein die Welt beunruhigten, daß Deutschlands Haltung Mißtrauen geschaffen habe ujw. Offenbar hat Macdonald gänzlich vergessen, daß die deutschen Rüstungsmaßnahmen, die kein anderes Ziel verfolgen, als Deutschland die Sicherheit zu gewähren, auf die es wie jedes andere j -Land Anspruch hat, erst die Folge der Rüstungen an Deutschlands Grenze waren. Der englische Ministerpräsident Macdonald selbst hat einmal in Genf einen eigenen Abrüstungsplan vertreten, den Deutschland annahm, der aber von Paris aus torpediert wurde. ; Das ist offenbar dem Parlamentsmitglied Macdonald nicht mehr ganz gegenwärtig, wie denn dieser Parlamentarier auch der Ansicht zu sein scheint, daß zwar die deutschen Waffen äußerst gefährlich, die Waffen der ; anderen aber offenbar nur harmlose und zum Verrosten bestimmte Geräte sind. Sehr leicht wären auch weitere „Feststellungen" Macdonalds zu widerlegen.
Simla, 26. April. (Eig. Drahtmeldung.)
50 v. H. aller indischen Fürsten, vor allem die Herrscher der größeren Fürstenhäuser, sollen bereit sein, dem dem Bundesstaat Indien beizutreten. Diese Meldung, die angeblich aus zuverlässiger Quelle stammen soll, wird von der in englischem Besitz befindlichen Zeitung „Statesman" veröffentlicht. ‘ Dieser
Macdonald als Ankläger.
Ein erstaunlicher Artikel des englischen Ministerpräsidenten. — Vorwürfe gegen Deutschland
überraschende Beschluß der indischen Fürsten soll unter dem Einfluß der ihnen beigegebenen politischen Berater erfolgt sein. Damit wäre tatsächlich das Zustande- kommen des Bundesstaates sichergestellt und schon im Herbst 1936 könnte die Provinzial autnomie verwirklicht werden. Früher, als zunächst erwartet, würde dann wahrscheinlich im Herbst 1937 der Bundesstaat Indien gegründet werden. Die englische Zeitung rechnet allerdings damit, daß die Minderheit der kleineren Fürstentümer nur sehr zögernd dem Entschluß der übrigen Fürsten folgen werden..
Die französische Jugend soll auf die s militärische Erziehung vorbereitet werden.
Forderungen General Weygands.
Paris, 26. April. (Eig. Drahtmeldung.) Der frühere : französische Generallisimus, General Weygand, setzt sich in keinem Artikel im „Excelsior" mit der Notwendigkeit einer Erneuerung der moralischen und körperlichen Erziehung der französischen Jugend auseinander. Er |teilt in diesem Zusammenhang s fest, daß es traurig sei, wenn 20jährige junge Menschen ohne Disziplin mit den 'Händen in den Taschen ohne jegliche innere und äußere Haltung dahinschlenderten. Eine Erziehung im weitesten Sinne des Wortes sei notwendig. So vorbereitet, wäre dem jungen Menschen die spätere militärische Erziehung sehr schnell beizubringen. Dies sei vor allem im Hinblick lauf d i« e in ; ä h ri ge Dienstzeit sehr notwendig, denn : man könne unmöglich in dieser kurzen Frist Rekruten erziehen und ausbildcn. 'Wenn man nach Auffüllung der Jahres- : klassen wieder zu einer kurzen Dienstzeit zurückkehre, werde man sich notwendiger Weise mit der Erziehung der sjun gen Franzosen auch während ihrer Kinder - r und Schulzeit befassen müßen.
Zeitgewinn bis nach der Regenzeit.
I London, 26. April. Der Korrespondent des „Daily tlelegrapb“ in Addis Abeba meldet: Zuverlässige Nach- : richten, die hier aus der italienischen Kolonie Erythräa ein- ! getroffen sind, geben Aufklärung über das Ausmaß der dort - im Gange befindlichen militärischen Vorbereitungen. Bis - ber sind mehr als 60 000 Soldaten und 1000 k8 l ugzeuge aus Italien in Erythräa gelandet worden.
tierzu kommen noch umfangreiche Menge.» von Material und ransportinitteln verschiedener Art, von Automobilkolonnen bis zu Maultieren. In vielen Bezirken der Kolonie werden t Unter der Leitung von Sachverständigen mit großer
Sityigenpteile: Ein Millimeter Höhe der 22 Millimeter breiten Spalte im Anzeigenteil Ernnd- preis 6 Rpf-, der 85 Millimeter breiten Spalts im Tertteil 45 Rpf., sonst laut Tarif Nr. 3, Nachlatzstaffel C. — Für die Aufnahme von Anzeigen an befttnnnten Tagen und Plätzen wird keine Gewähr übernommen. — Schluß der Anzeigen - Annahme 10 Uhr vormittags. Größere Anzeigen müssen spätestens einen Tag vor dem Erscheinungstage aufgegeben werden.
Rüstungen.
Dichtung und Wahrheit.
Der Festungsgürtel des Sowjetdramatikers.
Englische Zeitungen haben in diesen Tagen in reichlich großer Aufmachung wiedergegeben, was der sowjetruss-ische Dramatiker Kirchon üjer einen russischen Be- f eftt-gungsgürtel von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer zu berichten weiß. Nach Herrn Kirchon ist nämlich in aller Stille längs der ganzen russischen Ost- grcnze, das sind immerhin rund 2000 Kilometer Luftlinie, also zweimal die Entfernung Königsberg—Köln, ein Festungsgürtel entstanden. Forts aus Stahl und Zement mit Schnellfeuerkanonen und schweren Geschützen sperren jedem Eindringling den Weg, wobei diese Festungen natürlich einfach prächtig ausgestattet sind, dreistöckige Kasematten mit Zentralheizung und Dampfbädern, unter dem macht es Herr Kirchon nicht, wen das noch nicht schreckt, dem erzählt der russische Dichter noch von großen Manövern, die bereits an diesem Festungsgürtel durchgeführt wurden, wobei die angreifenden Tankattrappen durch die Explosion unterirdisch angelegter Petroleumtanks verschlungen wurden und alles, was sich in dem Festungsgürtel befand, das Opfer der plötzlich aufschießenden Flammen wurde. Der Bericht macht der Phantasie des Dichters Kirchon alle Ehre, aber nur so, nämlich als ein Erzeugnis der dichterischen Phantasie ist er auch zu würdigen. So realistisch, wir Kirchon meint, pflegt mag Manöver nicht anzulegen, nicht einmal in der Sowjetunion. Und so verschwiegen sind die Russen auch nicht, daß sie nicht den Bau solcher Festungen längst der staunenden Welt verkündet hätten. Im Gegenteil, man ist in Moskau meist sehr redselig und kündigt meist mehr an, als man nachher halten 'kann. Aber ganz abgesehen davon, so ganz unbemerkt pflegen Fortsgürtel auch nicht zu entstehen und die Polen, die den östlichen Nachbarn sicher gut beobachten, hätten wohl immerhin schon einiges von diesen Forts gewußt, wenn eben diese Forts nicht nur in der Phantasie des Herrn Kirchon existierten. Olein, die Sowjetrüstungen liegen auf einem ganz andern Gebiet. Die Russen selbst haben Welt voller Stolz verkündet, wie sehr sie ihre Luftflotte ausgebaut haben und wenn sich gerade erst jetzt wieder sowjetrussische Militärflieger so sehr für die Flugplätze in der Tschechoslowakei interessiert haben — die idealen Einsatzhäfen für sow- jetrusiische Bomber, wie sie von Moskau einmal bezeichnet wurden — so ist das wichtiger und bedeutungsvoller als die Phantasien des sowjetrussischen Dichters Kirchon. Gerade weil man die sowjetrussischen Rüstungen durchaus ernst nehm'- t muß — verfügt doch das russische Heer allein über 100 Fliedcnedivisionen — grade darum kann und soll man die Erzählungen des Herrn Kirchon auf sich beruhen lasten.
Französischer „Grenzschutz".
Die Nachrichten aus Frankreich lassen erkennen, daß die T r u p p e n v e r s ch i e b u n g e n zur O st g r e n z e noch immer andauern. Fast täglich kommen Nachrichten daß aus Südfrankreich einzelne Truppenteile an die deutsche Grenze abgegangen sind. Offenbar hat das französische Kriegsministerium das Bedürfnis, damit den Nachweis zu erbringen, daß die Dienstzeitverlängerung unumgänglich notwendig war. Interessant ist nun dabei, daß nicht nur die starken Befestigungen an der deutschen Grenze besetzt werden und die angeblich vorhandenen Lücken ausgefüllt werden, sondern daß neuerdings auch Truppen an die belgische Grenze gebracht werden. Es scheint fast, als ob man den Belgiern, die ihrerseits alle Nachrichten über eigene Grenz Verstärkungen dementiert haben, nicht recht traut, wie denn ja auch hinter der belgischen Befestigungslinie auf französischem Boden eine weitere französische Befestigungslinie entsteht. Nicht minder beachtenswert ist, daß die Franzosen auch an der Grenze gegen die Schweiz Truppen zusammenziehen und auch hier mit Schanzarbeiten beginnen. Seltsamerweise hat man in der Schweiz diese französischen Maßnahmen mit einem gewissen Wohlgefallen zur Kenntnis genommen. Man argumentiert nämlich so. daß durch diese französischen Befestigungen ein deutscher Vorstoß durch die Schweiz hindurch in den Rücken des französischen Befestigungssystems keine große Aussicht mehr bietet. Es ist befremdend, daß solche Ideen in der Schweiz noch heute erörtert werden, ist doch von höchster deutscher Stelle, vom Führer selbst, wiederholt betont worden, daß es nach der Regelung der Saarfrage irgendwelche territorialen Streitfragen zwischen Deutschland und Frankreich nicht mehr gibt und ist doch nicht minder häufig betont worden, daß die deutschen militärischen Maßnahmen nur der Verteidigung dienen. Wenn also die schweizerischen Betrachtungen davon ausgehen, daß die französischen Befestigungsarbeiten in der Gegend von Kembs eher einen" Schutz als eine Bedrohung von Basel darstellen, so gehen diese Betrachtungen von einer unehrlichen Einstellung gegenüber Deutschlands aus. Sollte man in bet Schweiz im übrigen nie die französischen Stimmen vernommen haben, die davon sprechen, daß der französische Festungsgürtel keineswegs nur der Verteidigung dienen soll, sondern daß es nötig sei, aus diesem Befestigungsgürtel möglichst weit in das Gebiet des Feindes vorzustoßen! Erinnert man sich in der Schweiz auch garnicht mehr, daß schon vor 1914 ein französischer Plan zum Durchmarsch durch die Schweiz beftanb! Vielleicht bekommt auch für die Schweiz diese Sache ein anderes Gesicht, wenn man sich diese Vorgänge einmal in das Gedächtnis zurückruft und wenn man dann weiter getreulich die Nachrichten von den französischen Truppenverichiebungen registriert.
Das englische Heer.
Durch die englischen R ü st u n g s m a ß n a h m e n ist neuerdings das englische Heer wieder stärker in den Vordergrund gerückt. Es soll nach der jetzt beschlossenen Per»
Schnelligkeit Wege gebaut. In Addis Abeba glaubt man allgemein, daß die Italiener beabsichtigen, die jetztigen Verhandlungen bis Ende Mai, d. h. bis zum Anfang der Regenzeit, in die Länge zu ziehen. Während dieses Zeitraumes von ungefähr 4 Monaten würden Bewegungen der Aethiopier auf Ser abessinischen Hochebene beinahe unmöglich fein. Erythräa dagegen wird davon nicht in Mitleidenschaft gezogen und bei Aufhören der Regengüsse im Oktober würde ein italienischer Angriff dic Abessinier unvorbereitet treffen. — Der Korrespondent bemerkt zum Schluß, daß der abeisinischen Regierung über die aus Rom gemeldeten Angriffe von Räubern auf italienische Karawanen in der Nähe der Grenze nichts deka n n t sei.
Nichts aber charakterisiert diesen Artikel besser als die Ausnahme, die ihm in Frankreich zuteil wurde. Man ist überglücklich über diese Veröffentlichung, denn der Satz Macdonalds, daß Deutschland den Weg des Friedens zerstört habe, ist natürlich Wasser auf die Pariser Mühlen. Man ist vollauf befriedigt, daß „England endlich genau wie Frankreich die Gefährlichkeit der politischen Absichten Deutschlands erkannt" hat und daß es endlich aus dem Lager „Sicherheit" in das Lager „Aufrüstung" hinüberge- wechselt sei. Selbstverständlich, daß die Hoffnungen auf ein französisch - englisches Militär- dündnis wieder -aufleben. Schreibt doch der „Jntransigeant" u. a.: „Wenn Macdonald will, daß feine moralische Verurteilung Deutschlands Erfolg hat, dann muß er erklären, daß England in dem Falle, in dem Deutschland Frankreich angreift, sich sofort und automatisch an die französische Seite stellt."
Man ist in Paris nach diesem Artikel Macdonalds der Ansicht, daß England seine Vermittlerrolle aufgegeben hat und nun völlig int französischen Lager steht. Wenn also Macdonald mit seinem Artikel dem Frieden -dienen wollte, um den sich der englische Ministerpräsident, wie zugestanden werden muß, immer bemüht hat, so wird ihn das Echo der -französischen Presse wohl -belehrt haben, -daß die Wirkung des Artikels wesentlich anders aussieht. • Unter diesen Umständen können wir auch das einzige Aktivum des Macdonäldschen Artikels nicht all,zu hoch werten, nämlich die Feststellung, daß -die T ü r nicht z u g e f ch l a g e n fei und daß Deutschland allein sie schließen könne. Das wird nicht geschehen, denn das widerspräche der ganzen deutschen Politik. Aber Genf und jetzt wieder der Artikel des englischen Parlamentsmitgliedes Macdonald macht es jedenfalls außerordentlich schwer, sich dieser Tür zu bedienen. Deutschland hat, wie allgemein bekannt -ist, und wie der „Völkische Beobachter" heute nochmals unterstreicht, nicht die mindeste Absicht, sich von dem Friedens- system Europas zu isolieren. Es hat oft genug gangbare Wege für ei ne n europäischen Ausgleich gezeigt.
Für eine Bezugszeit von 2 Wochen 94 Rpf.. für einen Monat RM. 2.—. ein- schlletzlich Traglohn. Durch die Post bezogen RM. 2.35, zuzüglich 42 Rpf. Bestellgeld, Einzel, nummern 10 Rpf. — Bezugsbestellungen nehmen an: der Verlag, die Ausgabestellen, die ~röger und alle Postanstalten. — 2n Fällen höherer Gewalt oder Betriebsstörungen haben die Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung des Blattes oder auf Rückzahlung des Bezugspreises.
