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Nr. 101

Freitag, 12. April 1935

83. Jahrgang.

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London, 12. April.

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Unterirdische Munitionslager in England.

Die englischen Militärbehörden haben es eilig mit dem Bau.

Geschäftszeit: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, außer Sonn- und Feiertags.

Werktäglich nachmittags, Samstag» vor- u. nachmittags Fernfprecher-Sammel-Nr. 69631.

Französische Auszeichnung für Mussolini.

Paris, 12. April, Wie „Jour" erfährt, soll Marschall Petain nächste Woche gelegentlich des Besuches von 1700 ehe­maligen französischen Frontkämpfern in Rom Mussolini mit der französischen Militärmedaille aus­zeichn en. Mussolini habe, als man ihm diesen Vorschlag unterbreitete, in Paris wissen lassen, daß er diese französische Ehrung mit lebhaftester Genugtuung annchme.

Kommunismus gezähmt werden." Das ist, so setzt das Blatt des Vatikans hinzu, die unerläßliche Voraussetzung für eine Verbindung Russlands mit dem Abendlande.

,Daily Herald" meldet, dag in de: "" ’ von Salisbury

Anzeigenpreis: Ein Millimeter Höhe der 22 Millimeter breiten Spalte im Anzeigenteil Grund­preis 6 Rpf-, der 85 Millimeter breiten Spalte im Tertteil 45 Rpf., sonst laut Tarif Nr. 3 Nachlaßstaffel C. — Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen und Plätzen wird keine Gewähr übernommen. — Schluß der Anzeigen-Annahme 10 Uhr vormittags. Größere Anzeigen müßen spätestens einen Tag vor deni Erscheinungstage aufgegeben werden.

„Der große pazifistische Humbug."

Nur zur Erheiterung des Publikum!,, so hat ein amerikanischer Diplomat einmal behauptet, dient das diplomatische Spiel um die Abrüstung. Und die ameri­kanische Militärzeitschrift „Army Ordnance", die diese Behauptung zitiert, überschreibt einen Artikel über die Frage Abrüstung oder Aufrüstung mit den bezeichnen­den Worten: „Der große pazifistische Humbug." Nichts kann vielleicht deutlicher die weltpolitische Wandlung kennzeichnen, als die Tatsache, daß eine solche Stimme gerade aus den Vereinigten Staaten von Nordamerika kommt, die ja vor einigen Jahren unter jenen Mächten, die in ihren Rüstungen frei waren, als Hauptvor- kämpfer einer allgemeinen Abrüstung auftraten. Noch beraten diplomatische Vertreter immer wieder unter der Parole Rüstungsbeschränkung, wenn schon nicht mehr Rüstungsverminderung. Aber während solche Worte auch bei der Vorbereitung aus die Konferenz von Stresa immer wieder erklangen, waren doch die Regie­rungschefs der meisten Länder schon vor Monaten da­zu übergegangen, au die Stelle der Abrüstungstheorien die Aufrüstungspraxis zu fetzen. Ein Blick in die maß­gebenden Militärzeitschriften des Auslandes ist gerade jetzt, wo die Verkündung der deutschen Wehrhoheit in der Welt rundum so viel künstliche Aufregung hervor- gerufen hat, recht lehrreich, denn er zeigt, wie überall die Ideologie der Abrüstung verworfen wird.

Wie wird der Frieden gesichert?

Jene Ideologie der Abrüstung besagte, daß man den Frieden dadurch am besten erhalten könnte, daß man die Waffen, die zur Kriegsführung nötig sind, abschafft, oder doch vermindert, daß man die Herstellung beson­ders gefährlicher oder wirksamer Waffen verbietet, daß man kontrolliert und beaufsichtigt, wie die Rüstung» jedes einzelnen Landes beschaffen ist. Wie sieht diese Ideologie der Abrüstungsbestrebungen nun heute vom Standpunkt eines Landes aus, das, wie die Vereinigten Staaten von Nordamerika, besonders stark die Ab­rüstung befürwortet hat. Die Biilitär-zeitschrift „Army Ornance" schreibt: „Der Friede hat wie andere Be­strebungen durch seine Freunde mehr gelitten als durch -seine Feinde. Das schlimmste ist, daß die Pazifisten den Gedanken verbreiten, es gebe keinen Frieden solange

die Rüstungen weiter bestehen. Freundschaft zwischen -den Völkern ist die erste Vorbedingung für den Frieden. Waren die Abrüstungsbestrebungen ein Mittel um die Freundschaft zu fördern? Im Gegenteil, die Presse­nachrichten klangen wie Kriegsberichte. Auf jeder Ab­rüstungskonferenz gibt es ein -schwarzes Schaf. Am Ende jeder Konferenz ist jedes Volk überzeugt, daß alle andern schwarze Schafe sind. Wenn die Völker ein­ander vertrauen, kann der Frieden inmitten der größten Rüstungen gedeihen. Ohne Vertrauen ist der Friede unmöglich. Die pazifistische Propaganda hat das Vertrauen untergraben und alle Welt in Angst versetzt." Darum, so -schließt die amerikanische Zeitschrift, hat die Abrüstungspropaganda den Frieden nicht gefördert, sondern seine Erhaltung schwieriger ge­macht, weil jeder von jedem das Schlimmste erwartet. Daraus ergibt sich eine so scharfe Kritik wie: „Die Ab­rüstung ist an und für sich der größte Betrug, den man einer vertrauensseligen Menschheit vorgemacht hat . . . Die Abschaffung der Waffen ist ein Schwindel so lange die Möglichkeit weiterbesteht, sie neu zu schaffen." An die Stelle der Lehre von der Abrüstung als Friedens-

Die Insel-Konferenz.

Der erste Verhandlungstag. — Simon im Kreuzverhör. — Meinungsverschiedenheiten über die „Verurteilung Deutschlands".

Der Marsch Moskaus nach Genf.

„Osservatore Romano" über die verhängnisvollen Rückwirkungen der französischen Politika

Bezugspreise: Für eins 8-zugszeit von 2 Wochen 94 Rpf., für einen Monat RM. 2.—, ein. schließlich Traglohn. Durch die Post bezogen RM. 2.35, zuzüglich 42 Rpf. Bestellgeld, Einzel, nummern 10 Rpf. — Bezugsbestellungen nehmen an: der Verlag, die Ausgabestellen, die Träger und alle Postanstalten. — 2n Fällen höherer Gewalt oder Betriebsstörungen haben die Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung des Blattes oder auf Rückzahlung des Bezugspreises.

___Truppenübungsplatz benutzten Ebene _... gegenwärtig ein Netzwerk von unterirdischen, bombensicheren Unter st änden gebaut würden, die als M u n i t i 0 n s 1 a g e r verwandt werden sollen. Kasernen würden errichtet und vorhandene Gebäude erneuert und ver­stärkt. Die Militärbehörden hätten es so eilig, daß die Bau­unternehmer ersucht worden seien, auch am Hamsiagnachmit- tag und Sonntag arbeiten zu lassen.

Italien beschleunigt das Tempo der Modernisierung seiner Luftflotte. Rom, 11. April. Nach einem Dekret, das im italienischen Reichsgesetzblatt am Donnerstag veröffentlicht ist, werden für die v ö l l st ä n d i g e Erneuerung und Moderni­sierung der italienischen Luftflotte 1200 Mil­lionen Lire angesetzt. Die Summe zerfällt auf drei Iahres- raten derart, daß für den laufenden Haushalt 600 Millionen Lire und für die nächsten Haushaltsjahre je 300 Millionen Lire zur Verfügung stehen. Damit soll erreicht werden, daß die im vorigen Jahre bereits beschloßene, aber auf sechs Iah« vorgesehene Erneuerung der italienischen Luftflotte schonbis Mitte 1937 abgeschlossen wird. Sie war bereits Anfang dieses Monats von der italienischen Regierung int Senat mit der ausdrücklichen Be­gründung angekündigt worden, daß ein weiteres Abwarten Bei den jetzigen Verhältnissen höchst gefährlich sein könne.

der Form dementiert, daß man nicht daran denkt, zwi­schen die Konferenz von Stresa unddieVölkerbnndsrats- tagung eine neue Konferenz einzuschieben. Es wird auch hinzugefügt, daß der Gedanke einer neuen Kon­ferenz überhaupt noch nicht behandelt worden fei.

5m_ einzelnen sind die Verhandlungen gestern so verlaufen, daß zunächst Macdonald längere grund­sätzliche Ausführungen über die englische Politik machte, wobei er offenbar gegenüber gewißen französischen Be­fürchtungen die Solidarität der drei Westmächte be­tonte. Dann hat Sir John Simon die englischen Er- kundungsreisen geschildert und dabei auch naturgemäß den deutschen Standpunkt dar-gelegt. An diese Worte Sinwus knüpften sich viele Fragen, was diesen zu der Bemerkung veranlaßte, daß -er zwar in seiner juristi­schen Laufbahn schon viele Kreuzverhöre angestellt habe, hier aber-zum erstenmal selbst in ein Kreuzver­hör genommen worden sei. Am Nachmittag haben dann die Franzosen die Gründe geschildert, die sie ver­anlaßt haben, den Völkerbund anzurufen. Mit anderen Worten, man hat am Nachmittag über die Formu- lierung der vom Rat anzunehmenden Entschließung verhandelt. Hierbei lehnten die Engländer den französischen Vorschlag ab, während sich Mussolini nicht sehr stark an dieser Debatte beteiligte.

Daneben gab es die üblichen Veranstaltungen. Ein Frühstück im Palazzo Borrameo, wo die Konferenz tagt. Am Nachmittag -besuchten die Engländer und Franzosen das Mausoleum des italienischen Generals Cadorna. Hoffentlich ist es dabei den Engländern nicht entgangen, daß ihnen eine Abteilung IS—12jähriger Faschisten mit aufgepflanztem Seitengewehr ihre Ehrenbezeigung machten, was immerhin einige Rück- schlüsse auf die militärische Ausbildung der italienischen Jugend zuläßt. Das englische Weißbuch, das sich über die tatsächlich gar nicht vorhandene militärische Er­ziehung der deutschen Jugend beschwert, wußte bekannt­lich von diesen Dingen nichts.

Gestörtes Gleichgewicht.

RUM, 11. April. In einem Überblick zur internationalen Lage wr Stresa unterstreicht das Blatt des Vatikans „Offer- vatore Romano" mit besonderem Nachdruck den verhängnis­vollen Vormarsch der russischen Politik in Europa. Der Marsch Moskaus auf Genf und die sogenannte „Be­kehrung" der sowjetrussischen Außenpolitik, so führt das Blatt aus, hätten in den letzten Monaten größte Gleichgewichts­störungen verursacht. Die Zeiten seien vorüber, wo die Bilder von Poincare, Briand und Chamberlain auf dem Roten Platz in Moskau verbrannt worden seien. Litwinow rede heute in Genf die aalglatte Diplomaten« sprach e, und während die Moskauer Diplomatie neue Wege gehe, sei der Wehretat in den letzten Jahren vervierfacht wor- i den, so daß die Sowjetheere neben der Sowjet­diplomatie zu einer Macht gekommen wären, der man in Berlin, Warschau und Paris hervorragend Rechnung tragen muffe. Was auch das offene oder versteckte Ziel der neuen Methoden des Kommunismus fein möge, es sei eine positive Tatsache, daß der diplomatisch-militärische Vormarsch Moskaus eine doppelte und unmittelbare Wirkung gehabt habe. Einmal habe er in Berlin die grundlegende, wenn nicht einzige Rechtfertigung für die deutsche Aufrüstung gegeben, und dann habe er die französisch-russische Wieder­annäherung und damit die Wiederannäherung Rußlands an die Kleine Entente gefördert und zugleich eine neue Linie in die Beziehungen zwischen Paris und Warschau gebracht. Auf diese Weise ist, so sagt das Blatt, das bisherige Gleich­gewicht verlorengegangen. Ein neuer Protagonist ist auf der europäischen Bühne erschienen, wo er jene hinterhäl­tige Politik entfaltet, die von dem Mitglied der franzö­sischen Akademie Bert raub als die größte Gefahr Europas bezeichnet wurde. Während der Quai d'Orsay den Pakt- abjchlutz mit Moskau plant, ruft „Echo de Paris" warnend । aus: „Vor dem Gang nach Moskau muß der

Konferenz-Gerüchte.

as. Berlin, 12. April. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Die aus Stresa vorliegenden Nachrichten .lassen erkennen, baß der erste Tag der Jnselkonferenz, die bis Samstag dauern wird, eine Annäherung der Standpunkte nicht gebracht hat. Offenbar um zu weitgehende Schlüsse aus dieser Feststellung zu verhindern, betonen die Engländer sehr -stark, daß sie alles tun werden, um die Solidarität ü e -r d r e i W e st m ä ch t e zu beweisen und zu stärken. Die drei Mächte arbeiteten gemeinsam an der Stärkung des europäischen Friedens und es fei klar, daß England, Frankreich und Italien nicht getrennt werden könnten. Damit ist nichts Neues gejagt. Und die englische Mitteilung ändert auch nichts an der Tatsache, daß man sich über die Methode keineswegs einig ist. Die Gegensätze sind in Stresa besonders- s stark zutage getreten, als die Franzosen den Ent- Mließungsentwurs uorlegten, den sie in Genf ange- t noatmen wissen wollen und der die „Verurteilung Deutschlands" bringen soll. Aber abgesehen hiervon sind die Engländer nach wie vor gegen alle Beschlüsse, die nicht revidiert werden können. So wird auch in einer Erklärung, die das englische Reuter- büro verbreitet, betont, daß in London keine Neigung L herrscht, sich von der seiner Zeit in den Besprechungen mit Frankreich eingenommenen Haltung zu entfernen, das heißt also, daß England zu dem Londoner K o m m u n i q u 4 v o m 3. Februar st e h t. Es wird aber auch hinzugefügt: „Andererseits scheint man der Auffassung zu sein, baß die genauen Ziele und Ab­sichten der deutschen Politik sehr wohl weiter untersucht werden könnten, bevor England Verpflichtungen erwägt, die weit über bas Ge­plante hinausgehen könnten." Mit anderen Worten wird hier nochmals bas gleiche gesagt, was in den letzten Tagen aus London schon zu -vernehmen -war, baß England die Erkundigungsaktion noch nicht als ab­geschlossen betrachtet und in diesem Augenblick endgül­tige Beschlüsse zu vermeiden wünscht.

Diese Haltung Englands, wie -auch der ziemlich pessimistische Begrüßungsarti-kel. den Mussolini im „Popolo d'Jtalia" veröffentlicht, und der im wesentlichen besagt, daß die Konferenz von Stresa kaum mehr ergeben würde als ein Kommunique, hat das Gerücht entstehen lassen, daß bereits eine neue Konferenz, an der auch Deutschland und Sowjetrußland teilnehmen sollen, ge= > plant werde. Diese Gerüchte werden zum mindesten in

mittel setzt also diese amerikanische Stimme wieder den uralten Grundsatz: Wenn du den Frieden willst, bereite dich auf den Krieg vor. An die Stelle des Grundsatzes, daß die Waffen abgeschafft werden sollten, tritt aufs neue der andere alte Grundsatz, baß nur Waffenbesitz jedes einzelne Volk schützen kann.

Ausrüstung als Friedensmittel?

Aber nicht nur von der anderen Seite des Ozeans kommen solche Stimmen. „Man muß dchn Gedanken, das Wettrüsten führe zum Krieg, entschieden wider­sprechen. Das Gegenteil ist der Fall. Was zum Kriege führt, ist, einem eroberungslustigen Volk zu erlauben, sich starker als andere zu bewaffnen. Dann wird es eines Tages feine Überlegenheit zur, Unterjochung seines Nachbarn mißbrauchen." Das schreibt ausge­rechnet der — französische General de Cugnac in der Zeitschrift „France Militaire". Er, der Vertreter einer Macht, die stets Wert darauf -legte, den größten militä­rischen Apparat zu besitzen, und die Deutschland die Herstellung seiner Wehrhoheit verweigern wollte, findet noch deutlichere Worte. General de Cugnac schreibt: „Wer Festungen, Material, und starke Truppen hat, zeigt damit seinen Entschluß. Herr im eigenen Hause zu bleiben, und jeden Angriff abzuweisen. Es ist die beste und einzig mögliche Art, anderen Leuten begreif­lich zu machen, daß die Rolle des Angreifers- eine un­dankbare sein wird . . , Uign kann nicht ail aeuua