Wiesbadener TsMt
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Nr. 95,
83. Jahrgang
Samstag, 6. April 1935
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Ferniprecher^sammel-Nr. 59631. Berliner Büro: Berkin-Wilmersdorf.
Die europäischen Schwierigkeiten.
Eden über das Ergebnis seiner Rundreise.
Das Deutschtum im Osten.
bewußt bleiben stärken.
Parlaments- Wahlen in der Tschechoslowakei.
Am Herbst dieses Jahres werben roir^in der Tschechoslowakei die Parlaments-Wahlen erleben, die für das Deutschtum von schicksalshafter Be-
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Geschäftszeit: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, außer Sonn» und Feiertags.
Blick in die Welt.
Wohin wir auch immer blicken. In allen vier Himmelsrichtungen mutz das Deutschtum in diesen Jahren einen heftigen Kampf um feine Art und Sitte, um
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rung der Dienstzeitumvier Monate für den jetzt zur Entlastung kommenden halben Jahrgang beschlossene Sache sei. Diese gegenwärtig in Frankreich herrschende R ü stu n g s p s y ch o s e scheinen die Anhänger des Generals Weygand ausnutzen zu wollen, um Weygand in den aktiven Dienst "zurückzuholen. Jedenfalls werden Gerüchte von einer bevorstehenden Reaktivierung immer wieder von ihm nahestehenden Kreisen verbreitet.
In dieses ganze Bild patzt recht gut eine Prager Meldung ,nach der dort eine Abordnung sowjet- russischer F l i e g e r o f f i z i e r e, geführt von einem Fliegergeneral, zum Besuch eingetroffen ist. Sie folgen einer Einladung tschechischer Flugzeug- fabriken, haben aber naturgemäß den militärischen Stellen Höflichkeitsbesuche abgestattet. Sollten diese sowjetrussischen Flieger nicht auch die tschechischen Flugplätze besichtigen, die ihre Kameraden als ideale Einsatzhäfen für s o w j e t r u s s i s ch e Bombenflugzeuge bezeichnet haben? Auf jeden Fall ist die Tatsache dieses Besuches nicht uninteressant, in einein Augenblick, in dem immer wieder von französisch- sowjetrussisch - tschechischen Vereinbarungen gesprochen wird.
Italienische Anfrage in Paris.
Französische Denkschrift und Entschlietzungsentwurf für den Völkerbund
Der Chef der schwedischen Marine fordert Verstärkung der Flotte.
Stockholm, 5. April. Nachdem der Chef des schwedischen Ceneralstabes in einer Eingabe an die Regierung Sofort- inatznahmen zur Vervollständigung der Heeresausrüstung gefordert hat, hat nunmehr auch der Chef der schwedischen Marine ein Schreiben an die Regierung gerichtet, in dem er unter Hinweis auf die gegenwärtige internationale Lage ebenfalls Sofortmatznähmen zur Verstärkung der schwedischen Marine fordert.
Eine Stellungnahme der Regierung hinsichtlich einer Verstärkung der Landesverteidigung dürfte in Kürze gelegentlich einer diesbezüglichen Anfrage des Senators Wohlin erfolgen.
Das Schwert hinter -er Feder.
7)ie militärischen Maßnahmen Frankreichs. — Dienstzeitverlängerung um 4 Monate Die Besetzung des Festungswalles.
Sowjetbesuch in Prag.
as. Berlin, 6. April. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Die Konferenz von Stresa wird in der Presse der an dieser Konferenz beteiligten Länder durch Artikel und Nachrichten aller Art gründlich vorbereitet. Im wesentlichen handelt es sich dabei um die vor solchen Konferenzen übliche Stimmungsmache, die vor allem darauf hinzielt, die eigenen Pläne und Ideen den Konferenzteilnehmern und der Welt als vorbildlich und als die eleganteste Lösung der zu behandelnden Fragen hinzustellen. Zn Frankreich gehen Hand in Hand mit diesen Vorbereitungen militärische Maßnahmen. Begründet werden sie damit, daß Frankreich ebenso wie Italien fein Schwert hinter der Feder stecken haben mäste. Es fei nötig, daß die Armee für ihre „Modernisierung" sorge, während die französischen Diplomaten in Stresa eine feste und entschlossene Politik durchzuführen hätten. An sich überraschen diese militärischen Maßnahmen nicht, da sie von Flandin in seiner letzten Kammerrede angekündigt wurden. So bestätigt es sich, daß Truppen an die Grenze gegen Deutschland befördert worden sind. Nach französischen Meldungen handelt es sich dabei um ein Bataillon Marokkaner, das bisher in Südfrankreich in Garnison stand und nun nach 6ent Oberelsaß entsandt wurde, sowie um zwei Bataillone weißer Franzosen, die ebenfalls in Südfrankreich standen, und zur Verstärkung der Garnison nach Metz s- verlegt worden sind. Private Meldungen sprechen davon, daß weitere farbige Truppenformationen im Elsaß eingesetzt seien zum Bau von U n t e r st ä n d e n. Außerdem wird berichtet, daß das 6., 7. und 20. Armeekorps, die gegenwärtig in der zweiten Verteidigungszone liegen, Deckungspositionen längs der französischen Ostgrenze beziehen sollen. Hinzugefügt sei, daß auch Belgien eine Verstärkung seiner Erenzbesatzungstruppen plant. Soweit diese Maßnahmen noch nicht zur Beruhigung der | nervösen Gemüter in Frankreich ausreichen, will man auch noch den halben Jahrgang, der Mitte April zur Entlassung kommen müßte, länger unter den Fahnen behalten. Begründet wird diese Maßnahme damit, daß durch die Entlassung ein ausgebildeter halber Jahrgang fehle, da ja die jetzt eingezogenen Leute noch nicht gleich verwendungsfähig sein würden. DieMaßnahme, die naturgemäß eine Verstärkung des französischen Heeres bedeutet, soll allerdings erst von dem heutigen Mimsterrat beschlossen werden. Es hat sich aber gestern «damit schon "der kürzlich geschaffene „Hohe militärische Rat" befaßt und ein Gutachten hierzu abgegeben. Über dieses Gutachten wird noch Stillschweigen bewahrt, doch glaubten bereits schon vor Tagen einige int allgemeinen gut unterrichtete Pariser Blätter mitteilen zu können, daß die V er länge -
deutung sind. Die drei rechtsradikalen tschechischen Opposttions- parteien drängen nach Auflösung und neuen Wahlen, sie drängen auch nach Zusammenschluß. Dagegen ist das Bild, das die deutschen Parteien bieten, ein Bild der Zersplitterung. Dazu kommt aber noch eine andere Gefahr: Das tschechische Parlament wird noch vor Ostern über ein Gesetz zur Registrierung der politischen Parteien Beschluß saßen. Die Parteien, die nicht registriert sind, werden einfach zu «den Wahle« K
London, 6. April. Lordsiegelbewahrer Eden Freitag am späten Abend auf dem Viktoria-Bahnhof angekommen, wo er von Staatssekretär Sir John Simon, dem Geschäftsträger der Sowjetunion und Frau Eden empfangen wurde. Eden erklärte, er sei davon überzeugt, daß die letzten Reisen englischer Minister wirklich von Nutzen gewesen seien. Niemand, der an einer solchen Reise teilgenommen habe, könne sich darüber im Zweifel sein, daß die gegenwärtige europäische Lage furchtbar schwierig sei. Diese Schwierigkeiten seien jedoch nicht unüberwindbar Allerdings mäste zu ihrer Bewältigung jede Nation ihren Teil beitragen. Unser Anteil, so schloß der Lordsiegelbewahrer, muß gewiß darin bestehen, eine auswärtige Politik weiter zu betreiben, die aufrichtig, fest und standhaft ist in der Unterstützung des Völkerbundes und eines kollektiven Friedensjystems.
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tretung fein.
Wenn wir an die Kämpfe um die Bedrohtes Erhaltung tos Deutschtums in Polen Deutschtum denken, sind unsere Blicke zuerst auf in Kongreß- Posen, Pommerellen und Oberschlesien Polen. gerichtet. Wir dürfen aber nicht vergessen, daß es in Kongreß-Polen noch ein Deutschtum gibt, das unsere Aufmerksamkeit dringend notwendig hat. Wenn das Deutschtum heute in Posen, Pommerellen und Ostoberschldsien noch etwa 600 000 Menschen beträgt, so dürfen wir nicht vergessen, daß etwa ebensoviele Deutsche in Galizien, in Wolhynien, im Teschener Schlesien und in Kongreß-Polen «siedeln. Vor dem Kriege wurden die Deutschen in Kongreß-Polen auf 700 000 beziffert, die in 15000 Siedlungen wohnten. Auch heute gibt es in Lodz z. B. noch etwa 40 000 Deutsche. Leider zeigt sich die deutsche Tragödie, die wir in der deutschen Geschichte so ost erlebt haben, auch hier. Das Deutschtum ist durch eine Zersplitterung bedroht. Von nationaler Geschlossenheit ist keine Rede. Das Schulwesen ist ernsthaften Gefahren ausgesetzt. Es ist Zeit, daß die Deutschen in Kongretz-Polen selbst zur Besinnung kommen, daß sie selbstlosen Führern folgen und zurückfinden in die grotze völkische Gemeinschaft, daß sie auch als loyale Staatsbürger Polens sich ihres Deutschtums und ihre eigene Art erhalten und
Anzeigenpreise: Ein Millimeter Höhe der 22 Millimeter breiten Spalte im Anzeigenteil Grund« preis 6 Rpf., der 85 Millimeter breiten Spalte im Tertteil 45 Rpf., sonst laut Tarif Nr. 3, Nachlatzstaffel C. — Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen und Plätzen wirb keine Gewähr übernommen. — Schluß der Anzeigen <Annahme 10 Uhr vormittags. Größere Anzeigen müssen spätestens einen Tag vor dem Erscheinungstage aufgegeben werden.
Neuer Vertrag der rumänischen Regierung mit den Skoda-Werken.
Bukarest, 5. April. Die rumänische Regierung brachte in der Kammer einen Gesetzentwurf ein, durch den sie zum Abschluß eines neuen Vertrages mit den Skodawerken ermächtigt werden soll. Der Vertrag sieht die Lieferung von Geschützen und Munition bis zum Betrag von 600 Millionen tschechoslowakischen Kronen (etwa 60 Millionen RM.) für den Bedarf des Heeres vor. Die Zahlungen sollen sich auf 10 Jahre verteilen. Der neue Vertrag ersetzt den bisherigen Vertrag aus dem Jahre 1930, gegen den er eine Preisermäßigung von 15 v. H. vorsieht.
sein völkisches Dasein ausfechten. Die Tragödie der Memeldeutschen in Kowno ist ja aller Welt sichtbar geworden. Über diesem Urteil «des litauischen Gerichtes darf man aber nicht vergessen, daß im Memelland der Ansturm der Litauer, gegen alles was deutsch ist, mit unverminderter Schärfe fortgesetzt wird, in den Schulen, in den Rathäusern, in den Gemeindeverwaltungen, überall wird mit «den «brutalsten Mitteln vorgegangen, um den deutschen Einfluß zu beseitigen.
Der Kampf gegen das Deutschtum ist auf der ganzen Front im Osten eröffnet worden. In Lettland haben die Deutschen erneut Erklärungen über ihre loyale Einstellun«g zum Staate abgegeben, und diese loyale Einstellung auch durch die Tat und durch praktische Mitarbeit bewiesen. Wenn hier auch nicht mit litauischen Methoden gearbeitet wird, so ist es Loch bedauerlich zu «sehen, Latz es auch das Bestreben in Lettland ist, den deutschen Einfluß, dem «dieses Land viel zu verdan^n hat, fortgesetzt herabzumindern. Was für Lettland gilt, gilt auch für Estland. Hier wird das Deutsch als Fremdsprache in den Schulen abgeschafft, und die französische Kulturpropaganda, die ja überaus rührig ist, hat sich «diesen Zustand zunutze gemacht und wirkt nun dort für ihre Interessen. Das Spiel ist ja bekannt: Erst tritt man auf als Kültur- bringer und daran schließt sich dann der politische Einfluß.
Der Kampf gegen das Deutschtum in Estland fällt zusammen mit der Beseitigung «der Parteien. Die Lage in Estland hat zweifellos eine Änderung des Parteiensystems notwendig gemacht, aber es ist außerordentlich bedauerlich, daß die nach außen «hin einzige und das ganze Deutschtum umfassende politische Organisation, die deutsch-baltische Partei, ihre Tätigkeit ebenso wie die estnischen Parteien einstellen mußte. Der Unterschied zwischen ihr und den estnischen Parteien bestand darin, daß die deutsch-baltische Partei in ihrem Wesen keine durch besondere Standes-, Berufs- oder sonstigen Interessen entstandene politische Organisation war, die ihrem innersten Kern nach mit den übrigen politischen Parteien des Landes verwechselt werden konnte, sondern daß sie die politischen Organisationsformen des ganzen baltischen Deutschtums schlechthin vorstellte und daher keine „Partei" im gewöhnlichen Sinne, sondern mehr eine national- politische Vertretung war. In Zukunft wird das Deutschtum in Estland also ohne eine politische Ver-
11m Stores, St. Germain und Trianon.
Paris, 6. April. In hiesigen politischen Kreisen verlautet, daß die italienische Regierung in Paris ungefragt habe, welche Absichten die französische Regierung hinsichtlich der Völkerbundsratstagung, der kollektiven Sicherheiten und der Aufrechterhaltung der Unabhängigkeit Österreichshcge. Die französische Antwort hierauf sei ziemlich allgemein gehalten und besage, daß noch zahlreiche für eine Urteilsbildung notwendige Einzelheiten fehlten.
Der Quai d'Orsay habe, so verlautet weiter, eine Denkschrift vorbereitet, die am heutigen Samstag dem Ministerrat unterbreitet werden solle und die Außenminister Laval bereits am Freitag dem Ministerpräsidenten und den für die Landesverteidigung zuständigen Ministern vorgelegt habe. Der französischen Denkschrift werde ein Entschließungsent- wurf beigefügt, der gegebenenfalls vom Völkerbundsrat angenommen werden müsse. Die beiden französischen Schriftstücke würden in Stresa veröffentlicht werden. In Pariser Kreisen schein« man zu hoffen, daß der Entschließungsentwurf in Genf von Frankreich. Italien und England eingebracht werden könne. Angesichts der unnachgiebigen Haltung Deutschlands, schlage die französische Regierung für den Ostpakt eine europäische Formel vor. Hinsichtlich der Aufrechterhaltung der Unabhängigkeit C|t erreich? bleibe Frankreich der französisch-italienischen Vereinbarung vom 7. Januar treu, wünsche einen konsultativen Pakt und ebenso auch einen Donaupakt der Nichteinmychung. Hinsichtlich der Möglichkeiten einer Revision der mili
tärischen Klauseln der Friedensvorträge von Genies, St. Germain und Trianon halte man sich dagegen in Paris sehr zurück und vertrete den Standpunkt, daß ohne Zustimmung der unmittelbaren Nachbarn Österreichs, Ungarns und Vulgariens, also der Kleinen Entente, in dieser Richtung nichts unternommen werden könnte. __________
