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83. Jahrgang

Dienstag, 2. April 1935

Nr. 91

die

Wicklung der Flak-Mime in die BiWsWe

Deschäftszett: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abend», außer Sonn- und Feiertags.

Die Rede des Stellvertreters des Führers.

München, 2. April. (Eig. Drahtmeldung.) Bon dem Reichsbahn-Ausbesserungswerk Frei mann (bei München) aus hielt der Stellvertreter des Führers, Reichsminister Rudolf Heß, die angekündigte Rede zu den Vertrauensratswahlen, die von allen deutschen Be­triebsgemeinschaften an ihren Arbeitsstätten entgegen­genommen wurde. Über die von vielen Beifallskund­gebungen unterbrochene Rede berichten wir in der nächsten Ausgabe.

Bettigm nachmittag,, Samstags vor. e. nachmM-g, Fernsprecher-Sammel'Nr. 59631. ^berliner Büro: Berlin-Wilmersdorf.

Memel als warnendes Beispiel.

Simon nochmals über die Memelfrage. — Welche Folgerungen zieht England? Keine Propaganda für die Kollektivpakte.

Das Luftamt Darmstadt aufgelöst.

Berlin, 1. April. Die Durchführung der Reichsluft- fahrtverwaltung, die feit Juni 1934 den Luftämtern als Nachgeordnete Behörden des Reichsministers der Luftfahrt obliegt, hat eine teilweise Änderung der bis­herigen Grenzen der Luftamtsbezirke notwendig ge­macht. Im Zuge dieser Neuabgrenzung, die durch die „zweite Verordnung über den Aufbau der Reichsluft- fahrtoerwaltung" vom 28. März 1935 stattgefunden hat, ist das Luftamt Darmstadt aufgelöst worden, sodaß in Zukunft nur noch 15 Luftämter bestehen. Der bisherige Bezirk des Luftamts Darmstadt ist teilweise dem Luftamt Frankfurt a. M. (Provinz Rheinhessen und Starkenburg) teilweise dem Luftamt Stuttgart (Rheinpfalz und Saarland) zugeteilt worden.

Europäische Stationen.

Der englische Lordsiegelbewahrer hat nach den Mos­kauer Tagen die dritte Station seiner europäischen In­formationsreisen erreicht. In Warschau'^ verhandelt Sir Anthony Eden vor allem mit dem Außenminister Oberst Beck. Die Zurückhaltung der Warschauer Re­gierung gegenüber allen Versuchen, Mißtrauen gegen Deutschland gu säen, ist auf die europäische Öffentlichkeit nicht ohne Eindruck geblieben. Natürlich war das Echo dieser polnischen Haltung sehr verschiedenartig. Wäh­rend man sich in Frankreich bemüht, Polen als den

die man uns jetzt immer wieder so stark ans Herz legt. Aber dieser Kollektivvertrag hat sich bisher als gänzlich unwirksam erwiesen, wenn es galt, die Rechte und den Schutz der Memelländer zu gewährleisten. Wer will uns unter solchen Umständen die Garantie geben, daß ein Ost-Kollektivpakt wirksam werden würde, wenn es sich einmal darum handeln sollte, deutsche Interessen wahrzunehmen. Gerade der Fall Memel zeigt nur all­zu deutlich, was von derartigen Kollektivverträgen zu halten ist.

Es ist wohl anzunehmen, daß man auch in Warlschau die starken polnischen Bedenken gegen derartige Kollektiv vertrüge jetzt Herrn Eden darlegen wird, vertritt doch auch die polnische Re­gierung die Ansicht, daß der Frieden am b esten d u r ch zweiseitige Verträge, wie beispiels­weise das deutsch-polnische Verständigungsabkommen, gesichert wird. Allerdings bemüht man sich in Paris — und in diesem Sinne arbeitet auch die Oppo­sitionspresse in Warschau — mit großem Eifer, Polen für den Kollektiv-Ostpakt zu gewinnen, d. h. in das französisch-sowjetrussische Lager hineinzuführen, über­haupt zeigt sich die internationale Presse äußerst rege. Man kann dabei freilich nicht sagen, daß durch die Pressekommentare die Lage klarer und durchsichtiger ge­worden wäre. Es bleibt eben dabei, daß man zunächst die Warschauer und dann noch die Prager Gespräche Edens abwarten muß und daß sich dann erst die eng­lische Regierung über ihre weitere Haltung klar werden kann. Alle derartigen Pressekombinationen sind des­halb mit einiger Vorsicht aufzunehmen. Zum Teil handelt es sich um Versuchsballons, z. T. aber auch um ausgesprochene Störungsfeuer.

Eden in Warschau.

as. Berlin, 2. April. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Der englische Außenminister Simon ist gestern int Unterhaus nochmals gefragt worden, welche Schritte die Unterzeichnermächte des Memelstatuts in Kowno unternommen haben. Simon hat darauf kurz festgestellt, man habe die litauische Regierung darauf aufmerksam gemacht, daß die g e g e n w ä r t i g e L a g e im Memel geb ist, in dem sich kein Direktorium be­findet, das das Vertrauen des Landtags besitzt, u n - vereinbar sei mit der durch das Memelstatut geschaffenen Autonomie. So erfreulich es gewiß auch ist, daß sich die Verantwortlichen einmal auf ihre Pflicht besonnen und die Litauer aufgefordert haben, ,den gegenwärtigen Zustand ohne Verzögerung zu be­enden", so hören wir leider nichts darüber, was die litauische Regierung auf diesen Schritt geantwortet hat. Aus einer früheren Antwort Simons konnte man ent­nehmen, daß der Schritt der Signatarmächte bereits am 13. März erfolgte. Bisher ist aber noch kein Resultat erkennbar. Wir hören auch nichts darüber, welche Folgerungen nun nicht zuletzt im Hinblick auf das Schandurteil von Kowno durch die llnterzeichner- mächte geplant sind zur Wiederherstellung des Rechts- zustandes im Memelgebiet.

Wir müssen diese Dinge umso genauer verfolgen, weil es sich einmal um unsere Stammesbrüder im Memelgebiet handelt, zum anderen aber auch, weil hier ein bezeichnendes Beispiel der Aus­wirkung eines Kollektiv Paktes vorliegt. Das Memelstatut trägt bekanntlich die Unterschrift von vier Großmächten. Es ist also einer jener Köllektivverträge,

Partner Deutschlands im Widerstand gegen französisch-sowjetrussischen Paktpläne sozusagen auf die Anklagebank zu setzen, hat man- in London für die

General Göring Oberbefehlshaber.

Berlin, 1. April. Mit dem 1. April hat der Reichs­minister der Luftfahrt, General der Flieger, Göring, den Oberbefehl über die Flakartillerie übernommen. Aus diesem Anlaß fand Montagvor- mittag auf dem Truppenübungsplatz Düberitz in feier­licher Form die Übernahme der beiden Flak- Abteilungen Döberitz und Lankwitz statt. Auf dem Gelände des Hasenheidener Berges standen die Abteilungen in Paradeaufstellung. Um 11 Uhr traf Reichsminister General Göring mit seinem Stab ein. Der Befehlshaber des Luftkreises Berlin meldete die angetretene Truppe, die im Anschluß an die nunmehr folgende Besichtigung von General Göring mit einer Ansprache begrüßt wurde. In dieser gab General Göring seiner Freude über die ausgezeichnete Verfassung der Truppe Ausdruck. Er dankte dem Heer für die bis­herige Betreuung der Flakartillerie, die am heutigen Tage mit den Luftstreitkräften der der Reichs­luftwaffe zu einem einheitlichen Ganzen z u - fam men geschlossen werde, jederzeit bereit, in der Verteidigung des deutschen Luftraumes für die Sicherheit der deutschen Nation mit leidenschaftlicher Hingabe Leib. und Leben einzusetzen. Die Ansprache schloß mit einem Sieg-Heil auf Führer, Vaterland und Volk. Im Anschluß an die Ansprache erfolgte der Vor­beimarsch der beiden Flakabteilungen an ihrem neuen Oberbefehlshaber General der Flieger Göring.

Siueiaeitoreife- Ein Millimeter Höhe der 22 Millimeter breiten Spalte im Anzeigenteil Srnnd- P«i596q9ipf., der 85 Millimeter breiten Spalte im Terttcll ^Rpf sonstlaur -lartf Nr. 8, Nachlatzstaffel C. — Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen und Plätzen wird keine Gewähr übernommen. — Schluß der Anzeigen-Annahme 10 Uhr vormittags. Größere Anzeigen müssen spätestens einen Tag vor dem Erschemungstage aufgegeben werden.

ruhige und fachliche Art Polens großes Verständnis fest- )teilen können. Die Verhandlungen in Warschau halten sich in dem Rahmen sachlicher Besprechungen; sie werden nicht durch ostentative und repräsentative Schaustellun­gen wie in Moskau — denen sich der Gast naturgemäß nicht entziehen konnte — unterbrochen und propagan­distisch ausgebeutet.

Inzwischen rüstet Prag zum Empfang des eng­lischen Staatsmannes. Die Ausdehnung der Reise­route des Großsiegelbewahrers auf die tschechoslowakische Hauptstadt ist zuletzt erfolgt. Ursprünglich sollte die Informationsreise in Warschau beendet sein. Aber, es dürfte wohl keines allzugroßen Drucks von Paris aus bedurft haben, um die englische Regierung davon zu überzeugen, daß man die Prager Regierung, vor allem den Außenminister Benesch, nicht abseits liegen lassen könne, zumal die Prager Einladung das Gewicht der „Kleinen Entente" trug.

Die Informationsreise der englischen Minister hat Europas Diplomatie mobilisiert. Es war nur ttahir« lich, daß die „Kleine Entente" keinerlei Anregung — weder von Rom noch von Paris — nötig hatte, um den Anspruch auf Beteiligung an den Besprechungen geltend zu machen. Schon mit Rücksicht auf die bevorstehende Konferenz von Stresa. Zwar wird hier noch keine Ge­legenheit für die Herren Titulescu und Benesch sein, sich „europäisch" zu betätigen und die Wünsche und Sorgen der „Kleinen Entente“ vorzutragen und geltend zu machen. Aber, man hält es in Prag und Bukarest (Belgrad bleibt zunächst im Hintergrund, zu­mal Herr Jeftitsch mit den Wahlen vollauf beschäftigt ist) doch für zweckmäßig, sich zeitig genug einzuschalten, falls auf Stresa weitere Besprechungen folgen, schon da­mit niemand auf den Gedanken kommt, etwa auf der Grundlage des Viererpaktes eine Besprechung der in Stresa vertretenen Mächte mit Deutschland anzuregen.

So hat denn auch Herr Titulescu, der den Ruhm, Europas reisefreudigster Außenminister zu sein, mit Recht für sich in Anspruch nehmen kann, den Weg nach Paris eingeschlagen; bald werden wir ihn auf der Reise nach Moskau sehen. In Preßburg hat Titulescu eine Aussprache mit Benesch gehabt, über deren Sinn und Zweck die öffentliche Meinung Europas ein Rätsel­raten veranstaltet, ohne daß klar geworden ist, ob darin mehr zu sehen ist als eine Demonstration der Untrenn­barkeit der „Kleinen Entente".

Die Bedeutung des Prager Besuches von Sir Anthony Eden erhält eine gewisse Steigerung durch die Mitteilungen über ein französisch-sowjetrussisch-tschecho- slowakisches Bündnis. Der Sonderberichterstatter der „Times", der zusammen mit Eden nach Moskau gereist ist, hat seinem Blatt berichtet, daß in der Besprechung zwischen dem Lordsiegelbewahrer und Litwinow von einem russischen Vorschlag „eines Paktes Moskau-Prag- Paris zur gegenseitigen Unterstützung" die Rede ge­wesen sei. Nun ist in der Zeit diplomatischen Verhand­lungs-Hochbetriebes nicht naheliegender, als daß alle möglichen und unmöglichen Gerüchte von den Draht­ziehern und Interessenten aus Zweckmäßigkeitsgründen in die Welt gesetzt werden. Zn diesem Zusammenhang ist auf die Behauptung hinzuweisen, daß Mufsolini^ein „Militärabkommen" mit der Tschechoslowakei und SüÄ- slawien anstrebe, um die österreichische „Unabhängig­keit" zu schützen.

Die Engländer haben sich bisher trotz aller Bemü­hungen von den verschiedensten Seiten nicht davon ab­bringen lassen, den Charakter der Besuche in Berlin, Moskau, Warschau und Prag als I n f o r m a t i o n s - reisen zu betrachten. Die Essamtheit des Ergebnisses der Edenschen Informationsreise, die objektive Durch­arbeitung der in den einzelnen Hauptstädten gewonne­nen Erkenntnisse kann erst ergeben, ob ein Start neuer europäischer Friedenspolitik möglich ist. Die Hoffnung darauf ist umsomehr berechtigt, als die englischen Minister in dem deutsch-englischen Kommunique auch ihrerseits festgestellt haben, ,haß beide Regierungen mit ihrer Politik verfolgen, den Frieden Europas 1 durch. Förderung der internationalen Zusammenarbeit zu sichern und zu festigen". An dieser Auffassung Eng­lands hat sich nach der Rückkehr Sir John Simons

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Feldjägerkorps in der Schutzpolizei.

Berlin, 1. April. Nach Durchführung des Berufs- beamtengesetzes und nach organisatorischen Änderungen in der Polizei werden Fehlstellen in der Schutzpolizei durch das Feldjägerkorps ausgefüllt. Zu diesem Zwecke hat der Reichs- und preußische Minister des Innern im Einvernehmen mit dem Ministerpräsidenten, mit dem Stellvertreter des Führers und dem Chef des Stabes der SA. das bisherige Feldjägerkorps unter dem 1. April 1935 in die preußische Schutzpolizei eingegliedert. Dadurch wird die Schutzpolizei weiterhin durch alte Kämpfer der nationalsozialistischen Be­wegung aufgefüllt.

Mit der Eingliederung des Feldjägerkorps in die Schutzpolizei entfallen die besonderen Aufgaben, Ein­schreiten gegen Angehörige der Bewegung usw., die das Feldjägerkorps im Rahmen beri NSDAP, und ihrer Gliederungen zu erfüllen hatte. Vielmehr werden diese Aufgaben nunmehr von der gesamten Polizei wahrgenommen.

Das Feldjägerkorps ist jetzt ein Bestandteil der Schutzpolizei und hat auch ihre Aufgaben zu erfüllen. Die Feldjägerbereitschaften werden im besonderen nach Art der Schutzpolizeibereitschaften bei Dezirkswachen, Überfallkommandos usw. verwendet. Weiter ist in der Hauptsache der Einsatz der Feldjägerbereitschaften in der motorisierten Straßenpolizei vorge­sehen. Das Feldjägerkorps hat seit seiner Aufstellung der Partei und dem Staat große Dienste geleistet. In Anerkennung dieser Verdienste bleiben die Feldjäger­bereitschaften auch im Rahmen der Schutzpolizei be­stehen. Sie behalten ihre bisherige bekannte, bewährte und schmucke Uniform und tragen als Angehörige der Polizei nunmehr die Dienstgradabzeichen der Schutz- POl^)Te Führerstellen des Feldjägerkorps werden in Offiziersstellen überführt.