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Wirsba-em Sagblatt

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L. Schelltuberg'lche Hostachlmukrei, „Tagblatt > Hau,^

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83. Jahrgang.

Samstag, 30. März 1935.

Nr. 88.

Luftemkrersrmg Deutschlands.

Der Plan eines französischen Lustsachverständigen. — Tschechoslowakische

Flugplätze für

Was sagt London?

as. Berlin, 30. März. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Zn dem gleichen Augenblick, in dem in Paris Herr Titulescu als Vertreter der Kleinen Entente mit Laval verhandelt und in einer Zeit, in der sich der französische Außenminister auf seine Moskau- reise vorbereitet, die dem Abschluß des Ostpaktes dienen soll, tritt ein französischer Luftfahrtsachverständiger, Major Andre L a n g e r o n, mit einem Plan hervor, dessen Ziel die Lufteinkreisung Deutsch­lands ist. Allerdings ist dieser Plan nicht völlig auf die LufteinkreisHNg abgestellt. Er beschäftigt sich auch mit den Reformen, die nach Ansicht dieses sachverstän­digen in der französischen Luftfahrt erforderlich sind. So wird beispielsweise die Forderung erhoben, Frank­reich solle auf den Bau des 35 000-Tonnen-Kreuzexs verzichten und lieber die hierfür aufzuwendende ziem­lich beträchtliche Summe für neue L u f t r ü ft u n g e n ausgeben. Es wird auch weiter gefordert, daß Frank­reich einen Flugzeugtyp entwickeln soll, der „jedem be­kannten deutschen Apparat klar überlegen sein muß" und der dann in Serien gebaut werden solle. In­teressanter als dieser gewiß auch recht beachtenswerte Vorschlag aber ist, daß Major Langeron ganz klar die Bildung einer einheitlichen Luftfront Frankreich - Italien - Kleine (Entente» Sowjetrußland fordert. England soll vorerst aus dem Spiele bleiben, da es schwerlich für ein solches „Verteidigungsbündnis" zu haben ist. An sich wird in diesem Vorschlag ja nur die bekannte Linie der fran­zösischen Politik weiter geführt, zumal auch bekannt ist, daß auch seit geraumer Zeit eine enge Zusammenarbeit

Sowjetrußland.

zwischen der französischen und sowjetrussischen Luftfahrt stattfindet, eine Zusammenarbeit, die schon von Pierre Lot eingeleitet wurde. Wenn nun auch die Kleine Entente einbezogen werden soll, so wird man sich an ein Wort sowjetrussischer Flieger erinnern müssen, die die tschechoslowakischen L u f t h ä f e n südlich Prag schon vor einiger Zeit als „ideale Einsatzhäfen" füre ihre schweren Bomber gegen die schlesischen, sächsi­schen und bayerischen Industriegebiete sowie gegen Berlin bezeichnet haben. In der Tat wären für sowjet- russische Bombengeschwader nur etwa 1800 Kilom. Luft­weg von der Ukraine an der rumänisch-polnischen Grenze entlang und dann durch die Tschechoslowakei bis zu diesen Flughäfen zurückzulegen, um von hier aus zusammengefaßte Zerstörungsangriffe auf die grenznahen und ungeschützten Siedlungen Deutschlands durchzuführen. Dieser Hinweis verdient besonders Beachtung, wenn man sich vor Augen hält, welche ungeheure Anstrengungen Sowjetrußland unter­nimmt, um seine Luftflotte auszubauen. Interessant ist, daß die Franzosen zunächst nicht auf die Mitwirkung der Engländer rechnen« zu können glauben. Ganz offenbar will man aber auch durch die Veröffentlichung eines solchen Planes auf England einwirken. Wenn die Engländer sich für den Ausbau ihrer Luftwaffe einsetzen, so geschieht das ja nicht in erster Linie wegen der int Ausbau befindlichen Reichsluftwaffe, sondern vielmehr wegen der ungeheuren französischen Luft- rüstungen, die man in England mit steigender Besorg­nis verfolgt. In Paris aber hofft man offensichtlich durch die Veröffentlichung von Plänen, wie den von Major Langeron, einen Druck auf London aus­üben und England im Sinne der französischen Politik beeinflussen zu können.

Bericht des Führers über die Verhandlungen mit den englischen Ministern.

Das Kabinett erledigt den Haushalt für 1935.

Berlin, 29. März. Vor Beginn der heutigen Kabinetts­sitzung gab der Führer und Reichskanzler in einer Mi­nisterbesprechung einen eingehenden Bericht über die mit den englischen Ministern geführt en poli­tischen Verhandlungen.

Das Reichskabinett beschäftigte sich alsdann vorzugsweise mit dem Reichshaushalt für 193 5, der nach dem Vorschlag des Reichsfinanzministers nach eingehender Erörte­rung angenommen würde. Mit Rücksicht auf den noch nicht endgültig feststehenden Ausgabenansatz, z. B. für die bis­herigen auf das Reich übergegangenen Länderjustizoerwal- tungen und für das Saargebiet kann eine endgültige Gesamt­summe für den Reichshaushalt noch nicht festgestellt werden.

Ferner verabschiedete das Reichskabinett ein drittes Ee- setzzurÄnderungdesGemeindeumschuldungs- gefetzes, wodurch die noch verbliebenen ungeregelten Ver­bindlichkeiten der Gemeinden bereinigt werden, sowie ein Ge­setz über die Regelung des Landbedarfs der öffentlichenHand, durch das eine Reichsstelle für diese Zwecke errichtet wird, die dem Reichskanzler unmittelbar untersteht. Durch ein besonderes Gesetz wird die Landbe- schaffung für ZwÄe der Wehrmacht noch im einzelnen ge­regelt. 'Angenommen wurden zwei Änderungen des Besoldungsgesetzes, sowie schließlich ein Reichsgefetz über denZweckverbandReichsparteitagNürn- b e r g. _____________

Zweckverband Reichsparteitag Nürnberg.

Berlin, 29. März. Das heute von der Reichsregierung beschlossene Gesetz über den Zweckverband Reichsparteitag

Nürnberg steht als Mitglieder des Zweckverban­des die NSDAP., das Deutsche Reich, das Land Bayern und die Stadt Nürnberg vor. Er ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechtes und hat feinen Sitz in Nürnberg. Organe des Zweckoerbandes sind der Leiter des Zweckverbandes und die Verwaltungsräte. Leiter und Stell­vertreter werden vom Führer und Reichskanzler bestimmt. Der Leiter kann einen Vertreter der Reichsbahn, der Reichs- post und der Reichsautobahnen, sowie sonstige Verbände hin­zuziehen. Der Leiter des Zweckverbandes führt die Verwal­tung in voller ausschließlicher Verantwortung. Er hat vor Entscheidungen von wesentlicher Bedeutung, insbesondere zur Feststellung des Haushaltsplanes ufw. die Verwaltungsräte zu hören. Erhebt ein Verwaltungsrat Einspruch, so hat der Leiter die Entscheidung des Führers und Reichskanzlers her­beizuführen. Der Leiter des Zweckverbandes vertritt den Zweckoerband gerichtlich und außergerichtlich. Er kann mit der Führung der laufenden Geschäfte den Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg beauftragen, an dessen Stelle im Ver­hinderungsfälle del Bürgermeister der Stadt Nürnberg tritt. Die Kosten des Zweckverbandes werden durch Spenden und Beiträge aufgebracht.

In der Begründung wird u. a. gesagt, daß die Aus­stattung der Stadt Nürnberg für die Reichs­parteitage so erhebliche Aufwendungen erfordere, daß die Stadt nicht in der Loge sei, alleinige Trägerin der Bau­kosten zu sein. Es handelt sich dabei insbesondere um die großen Versammlungsplätze, Steintribünen, neue Straßen­anlagen, insbesondere Ausmarfchstraßen, die große Kongreß­halle', Lagerplätze, Kulturhalle, Umänderungen des Dutzend- Teiches und des Tiergartens. Der Zweckverband soll die Kosten der künftigen Bauausführungen tragen, während der Aufwand der Vergangenheit außer Betracht bleiben soll.

Die Auswirkung der Belga- Abwertung.

as. Berlin, 30. März. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Die in der gestrigen Regierungserklärung des neuen belgischen Kabinetts angekündigte Abwertung des Belga um 25 bis 30 Proz. kommt nicht überraschend, nach­dem durch die Spekulation und durch die Kapital­fl u ch t der Belga unterminiert war. Belgien hat sich unter solchen Umständen zur Abwertung gezwungen gesehen, von der es nun eine günstige Wirkung für seinen Außenhandel erhofft. Ob sie eintteten wird, bleibt abzuwarten. Ist doch der Verlauf joHer ÄstzwZrssgpgFexperMente nie

im voraus zu übersehen. Für die Weltwirtschaft sind die belgischen Maßnahmen äußerst beklagenswert insofern^ als sie das Währungschaos in der Welt noch stei­gern. Es ist auch noch nicht zu übersehen, welche Folgen die Maßnahme in anderen Ländern auslösen wird. In eng­lischen Finanz- und Wirtschaftskreisen hat Belgiens Vor­gehen dem Bestreben nach einer allgemeinen Stabi­lisierung der Währungen neuen Auftrieb ver­liehen, zumal man mehr ung mehr die Meinung vertritt, daß Englands Wirtschaftslage, die unverkennbare Still­standserscheinungen zeigt, nicht ohne eine allgemeine Welt- handelsbelebung gebessert werden kann. Von solchen Er­kenntnissen bis zu praktischen Schritten dürfte aber noch ein langer Weg sein.

Blick in die Wett, .Glückt die neue englische Vermittlungs- Zu aktion, gelingt es, die Fragen -der Sicherheit der und der Rüstungsbeschränkung endlich ihrer Schwebe. Lösung näher zu bringen, das ist das Pro­blem, mit dem sich, immer die internationale Presse beschäftigt. Da diese ganzen Besprechungen und Verhandlungen sich hinter verschlossenen Türen ab­spielen und die amtlichen Meldungen meist nicht sehr aufschlußreich sind, so begegnet man in den Spaltender internationalen Blätter mehr Vermutungen und Kombinationen als Tatsachen. Vor allem aber geht ein Regen guter und weniger guter Rat­schläge auf die Engländer nieder, wobei es — auch das soll nicht verschwiegen sein —, leider auch nicht an Hetzartikeln gegen das neue Deutschland fehlt. Wir fürchten, daß dieser Zustand eine Weile anhalten wird, denn zunächst hat ja Herr Eden seine Ostreise, die ihn von Moskau über Warschau nach Prag führt, eben erst begonnen. Aber erst wenn Eden nach London zurückgekehrt ist, kann sich das englische Kabi­nett, das dann die Meinungen aller großen Länder kennen wird, über seinen nächsten Schritt klar werden und seine Pläne für Stresa aufstellen, wobei dann noch immer die Frage offen bleibt, was aus diesen Plänen auf der Dreierkonferenz am Lago Maggiore werden wird.

Diese Zeit zwischen Berlin und Stresa benutzt der rmänische Außenminister Titulescu, um die Lage für die Kleine Entente zu klären. Er hat nach­einander mit dem südslawischen und dem tschecho­slowakischen Außenminister konferiert und sich dann auf den für ihn so vertrauten Weg nach Paris gemacht. Daß die Kleine Entente in dieser Situation nicht untätig bleiben würde, war vorauszusehen. Sie will verhindern, daß Österreich, Ungarn und Bulgarien dem deutschen Beispiel folgen und ihre Wehrhoheit wieder erlangen. Nun würde es Paris sicher nicht ungern sehen, -wenn Österreich, dem man ja schon einmal eine Erhöhung seines Heeresbestandes -zugebilligt hat, in dieser Hinsicht gewisse Zuge­ständnisse gemacht werden. Mussolini seiner­seits hat sehr klar erkennen lassen, daß sich die militäri­schen Bestimmungen der Friedensverträge Ungarn und Bulgarien gegenüber, selbstverständlich gilt das auch für Österreich, nicht länger aufrecht erhalten lassen. Paris gerät damit in eine gewisse Zwickmühle, denn es möchte weder der Kleinen Entente noch Italien vor den Kopf stoßen Man darf also gespannt sein, was Titulescu in Paris zu hören bekommen wird.

Die belglische Regierungskrise ist nach einigem Hin und Her beendet. Der bisherige stellvertretende Gouverneur der Nationalbank, v a n Z e e l a n d, hat ein Konzentrationskabinett gebildet, in

dem 6 Katholiken, 4 Liberale und 5 Sozialisten sitzen. Der neue Ministerpräsident, der auch das Außen­ministerium übernahm, ist 42 Jahre alt und besitzt das volle Vertrauen des Königs. Er gilt als ein Mann von Entschlossenheit und kühner, aber nicht revolutio­närer Auffassung. Sein Kabinett tritt bestimmt keine leichte Erbschaft an, denn der Kurs des Belga ist seit dem Rücktritt des Kabinetts Theunis sehr beträcht­lich weiter gesunken, sodaß man sich am Donnerstag in Brüssel veranlaßt sah, die Börsen zu schließen. Die Maßnahme mußte getroffen werden, um die über­hand nehmende Spekulation und vor allem die Flucht in die Anlagewerte z u verhindern. Immer­hin kennzeichnet diese Maßnahme die Situation klar und eindeutig. Den mannigfachen Verlockungen, den Belga abzuwerten, hatte sich das Kabinett Theunis bis zuletzt widersetzt. Es hatte gehofft, hierbei die Unter- ftützüng Frankreichs zu erlangen, aber diese Hoffnun­gen erwiesen sich bekanntlich als trügerisch. Das Ka­binett Theunis war also den Weg der Deflation ge­gangen, es hatte versucht, durch eine Politik der Lohn-- und Preissenkung die belgische Wirtschaft auf, dem Weltmarkt konkurrenzfähig zu erhalten. Daß ein solcher Weg nicht leicht ist, wissen wir aus den Erfahrungen der Ära Brüning. In Belgien drohten wiederholt schwere Wirtschaftskämpfe und nur in letzter Minute gelang es, solche Kämpfe zu verhindern, um den Preis gewisser Zugeständnisse. Das Ende des Kabinetts Theunis bedeutet damit zugleich aber auch mehr als einen der üblichen KaAnettswechfel, denn tatsächlich steht Belgien jetzt am Wendepunkt seiner Wirtschaftsgeschichte. Aber darüber hinaus gewinnt die belgische Frage eine sehr erhebliche Bedeu­tung, denn es ist auch für den sogen. Eoldblock — zu diesem Block schlossen sich während -der Londoner Wirtschaftskonferenz die 7 Staaten Frankreich. Holland, Belgien, Luxemburg, Schweiz, Italien und Polen zu­sammen — ein schwerer Schlag, wenn aus diesem

Belgien am Wendepunkt.