Seite 6. Nr. 82.
Wiesbadener Tagblatt
Sonntag, 24. Marz 1935.
Sonntag, 24. März, 16.30 Uhr, die neuesten Schöpfungen der Frühjahrsmode.
24. und 25. März: Tagung der Deutschen Gesellschaft für Kreislaufforschuna.
25. bis 28. Marz: Tagung der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin.
28. und 29. März: Tagung der Deutschen Gesellschaft für Bäder- und Klimakunde und der Deutschen Gesellschaft für Rheumabekämpfung.
mitbringen. Willi Domgraf-Fatzbaender ist ein verträumter, doch von innerer Flamme glühender Weber, Elisa Jlliard eine temperamentvolle, rassige Primadonna, fielt- setzten zugleich ihr prächtiges Stimmaterial nicht vergebens ein. Hinzu kommt die schönstimmige, durch seelenvolle Schlichtheit des Spiels gewinnende Margot K o e ch l i n, ausgezeichnete Charaktertypen geben Pointner und Eugen Rex. 2m Vorprogramm bringt neben einem Kinderfilm und einem sehr vielseitigen Variete die Wochenschau imposante Bilder vom Heldengedenktag in Berlin. Auf der Bühne bewährt sich die „italienische Nachtigall" Desiderati als Sängerin von reichen stimmlichen Mitteln, von frischer Urwüchsigkeit sind die Gebrüder Serenas in ihren mannigfachen Darbietungen als Instrumentalkünstler und Erotesktänzer. 1s.
Der Spielplan der Woche.
Preußisches
Großes Haus
Staatstheater
Kleines Haus
Kurhaus
Sonntag, M. Mirz
14 30 Uhr: „UnOtne.“ Außer Stammtet!)*. Volkspreile.
19 30 Uhr: „Polenblut'. Stammt. F. 24. Dlt.
-0 Ui)t:
Zum ersten Male: 2X2 — 5 Satyr Ipte! tn3 litten von Gustav Wied. Stammt. 11. 24. Bst.
11.30 Uhr: Früh-Konzert am Kochbtunnen.
16 Uhr: Konzert.
21 Uhr im Weinsaal: Gesellschafts-Abend.
Montag
25. MLrz
19.30 Uhr:
„Set DogelhLndler" Stammt. G. 24. Dst.
20 Uhr: »Ehatleys Tante". Autzer Stammreihe.
11 Uhr: 6(Bauplatten. Konzert am Kochbrunn. 20 Uhr tm gr. Saale: Fest. Konzert.
Ltg.: Carl Schuricht.
Solistin: Erna Sack, Koloratursopran Dresdn. Staatsoperi.
Dienstag, 25. MLrz
19.30 Uhr «nistzltch des 41. Kongresses der deutschen Gesellschaft für innere Medizin: .Slt)-. Stammt. B. 14. JBft
20 Uhr: »Wenn der Hahn IrLht". Stammt. 1 25. Vst.
IlUht: Früh-Konzert am Kochbrunnen.
16 Uhr im IL Saale: Kaffee-Konzert.
Mittwoch.
27. MLrz
18 Uhr: »Wilhelm Dell". Außer Stammreihe
20 Uhr:
»Die Pilger von Metta".
Starnmr. IIL24. Vst.
11 Uhr: Frühionzeri am Kochbrunnen.
16 Uhr: Konzert.
20 Uhr tm gr. Saals: Tfchatkowsly - Abend. Ltg. Dr.H. Thierfelder Solist:
Anton Hoigt, Vtoloncello.
Donnerstag 28. März
19.30 Uht „Polenblut". Starnmr. C. 26. Dst.
20 Utn: „Schneider Wtbbel". Starnmr. IV. 25. Du.
11 Uhr Schallplatten. Konzert am Kochbrun.
16 Uhr: Konzert.
Freitag,
29. ML>z
Beschlossen.
20 Uhr:
2X2 — 5 Stammt. V, 24. Dst.
11 Uhr: Früh-Konzert am Kochdtunnen.
16 Uhr im tl. Saale : Kaffee-Konzert.
20.30 Uhr: Fest-Konzert.
8. Zyklus Konzert.
9. Symphonie von Ludwig v. Beethoven. Ltg.: Carl Schuricht.
Samolag, 10. MLrz
19.80 Uhr- »Boccaccio". Nutzet Stammreihe.
20 Uhr: »Wenn der Hahn krLht". Stammt. II, 25. Vst.
11 Uhr: Früh-Konzert am Kochbrunnen.
16 Uhr: Konzert
20 Uhr im gr. Saale: Turnen — Gymnastik Tanz.
Sonntag, 81. MLrz
19.30 Uhr: Uraufführung »Der abtrünnige Zar". Musitai. Legende
15 Uhf. »Charleys Tante". Doltst. Vorstellung. Nutzer Stammreihe.
11.30 Uhr: Früh-Konzert am Kochbrunnen.
16 Uhr: Konzert.
20 Uhr tm gr. Saale: Symphonie - Konzert. (Beethoyen Zyklus 8.) Ltg. Dr. H.Thierfelder
in 3 Akten rjon Carl Hauptmann. Mufft von Eugen Sobart. Stammt. G, 25. Bst.
20 Uhr:
2X2 — 5
Starnmr. I, 26. Dst.
Während der Pause tn der Wandelhalle: Franz-Abt-
Gedächmtsfeter.
Thor: Gesangverein „Germania" Wtesbao.
Drei Millionen Tagewerke
für de« Aufschluß des Rheiugauer Hiuterlandswaldes.
Frankfurt a. M., 22. März. Im Hinterlandswald der Rheingaugemeinden — zwischen Wispertal, Gladbach- tal und Ernstbachtal liegend — wurde im Januar 1933 unter Leitung der Preußischen Landesforstverwaltung mit einem großen Wegebau begonnen, der einen Teil dieses Waldgebietes erschließen wird und zugleich den Anfang eines umfangreichen Arbeitsprogrammes darstellt, das nach der derzeitigen Lage vorzugsweise mit Hilfe des Arbeitsdienstes verwirklicht werden soll. Dieses Arbeitsprogramm geht über den Rahmen des Hinterlandswaldes noch weit hinaus und umfaßt etwa das Gebiet, das begrenzt wird von einer gedachten Linie Kaub—Strüth—Gladbachtal—Straße Hausen v. d. H.—Kiedrich und den Weinbergsgemarkungen des Rheingaues.
Um überwiogenden Teil ist dieses Gebiet mit einem ausgedehnten und fast zusammenhängenden Wald bestand bestockt, der hinsichtlich seiner Größe, Abgeschlossenheit und Urwüchsigkeit im Westen des Reiches als eine Ausnahmi:- ekscheinung angesehen werden kann. In der großen Öffentlichkeit wegen seiner einsamen Lage nur wenig bekannt, und von der Natur mit einer fast verschwenderisch anmutenden Fülle landschaftlicher Schönheiten bedacht, haben dort heute noch manch selten gewordene Vertreter der Tiere — und Pflanzenwelt ihre Zufluchtstätte gefunden.
Eigentümer dieses Waldgebietes, das zu den Forstämtern Schwalbach (Hinterlandswald), Eltville (Borde r- waw), Rüdesheim (Kammerforst) und Kaub gehört, sind vorwiegend die Gemeinden des Rheingaukreises, ferner der preußische Staat und einzelne Privatpersonen.
Erst durch dir Möglichkeit, forstwirtschaftliche Wege- fittuiten als Notsrandsarbeit auszufüllen, konnte der Aufschluß dieses großen und wertvollen Waldgebietes in Angriff genommen werden. Neben der Durchführung der Wegebauten harren in dem großen Gebiet noch viele andere Aufgaben der Landeskultur ihrer Lösung. Die geplanten Arbeiten erfordern vorläufig etwa dr ei M il lton en Tagewerke, die sich auf mindestens zehn Jahre verteilen.
Deutscher Arbeiter!
Keuuft du das Zeichen deiner Organisation?
Trage da» Abzeichen der Deutschen Arbeitsfront.
Aus Provinz und Nachbarschaft.
Zum Beginn der dritten Arbeitsschlacht.
= Frankfurt a. M., 22. März. Am Donnerstag, dem Tag des Beginns der dritten Arfieitsschlacht, waren im Frankfurter Volksbildungsheim aus allen Teilen des Gaues die Amtswalter der DAF. zusammengeströmt, um neue Richtlinien für ihre verantwortungsvolle Tätigkeit zu erhalten. Auch die rhein-mainischen Betriebsführer waren in großer ZaM der Einladung zur Teilnahme gefolgt, so daß Kreiswalter Pg. Wagner dem Landesobmann und Bezirks- walter Pg. Becker die stattliche Zahl von 450 Amtswaltern und Betriebsführern melden konnte. Der Tagungsort war der Bedeutung der Stunde entsprechend in würdiger Form mit Fahnen und Blumen ausgestattet, und das Landes-Sinfonieorchester umrahmte die Referate mit flotter Marschmusik. Ansprachen hielten der Treuhänder der Arbeit, SS.- Standartenführer Schwarz und Landesobmann Pg. Becker.
Frankfurter Chronik.
— Frankfurt a. M., 22. März. Auf der großen Deutschen Lustschutzausstellung, die einen ständig steigenden Besuch zu verzeichnen hat, war am Freitag der 100 0 0 0. Besucher zu verzeichnen. Die Ausstellung ist noch bis Sonntag, 24. März, abends 8 Uhr, geöffnet. Sie siedelt am Montag nach Saarbrücken über, um dort als erste deutsche Ausstellung nach der Rückgliederung gezeigt zu werden. — Auf dem Reuterweg lief eine 78jährige, etwas schwerhörige Dame gegen einen Straßenbahnzug der Linie 6. Die alte Dame erlitt einen Schädelbruch, dem sie nach wenigen Minuten erlag. — In Bornheim wurde eine fünfköpfigen Einbrech erfi an de, zu der auch mehrere Jugendliche gehörten, fe st genommen. Die Burschen haben zahlreiche Einbrüche in Wasserhäuschen, Wohnungen und Geschäfte begangenen. Einer alten Rentnerin nahmen sie die gesamten Ersparnisse mit. Den Bestohlenen konnte ein Teil des Diebesgutes wieder zurückgegeben werden.
Die ersten Waldbrände.
— Limburg, 22. März. Donnerstagnachmittag brach auf bisher unaufgeklärte Weise im Walde bei Niedertiefenbach ein Brand aus, der, begünstigt durch den starken Wind, sich sehr rasch ausbreitete und sich bald über das ganze Gelände erstreckte. Nur dem tatkräftigen Eingreifen von in der Nähe auf dem Felde und im Walde arbeitenden Ortseinwohnern ist es zu verdanken, daß kein größerer Schaden für die Gemeinde entstand.
— Miltenberg, 22. März. Ein Waldbrand, der aber zum Glück rechtzeitig bemerkt und bekämpft werden konnte, entstand Donnerstagnachmittag im Miltenberger Stadtwald. Der Brand konnte durch das tatkräftige Eingreifen von Waldarbeitern bald gelöscht werden. Allem Anschein nach ist das Feuer durch die Unvorsichtigkeit eines Spaziergängers hervorgerufen worden, der eine firennende Zigarette weggeworfen hat.
*
Die Bevölkerung wird dringend ermahnt, gerade Bei der jetzt noch großen Trockenheit des Bodens doppelt vorsichtig zu sein, damit nicht durch Leichtfertigkeit wertvolles Volksoermögen vernichtet wird.
Ehrengabe des Führers für eine Neunzigjährige.
— Biedenkopf, 22. März. Im Kreisort Dernbach feierte die Witwe Seipp ihren 90. Geburtstag. Eine besondere Ehrung wurde der Jubilarin dadurch zuteil, daß ihr vom Führer und Reichskanzler ein Geldgeschenk in Höhe von 50 RM. zuging.
General von Lettow-Vorbeck verlebte seinen 65. Geburtstag in Dillenburg.
— Dillenburg, 22. März. General von Lettow-Vorbeck, der Held von Deutschostafrika, verlebte den Tag seines 65. Geburtstages großenteils in Dillenburg, wo er am Vor
abend der Dillenburger Bevölkerung von seinen Erlebnisse^ erzählt hatte. Kreisleiter Bürgermeister Schimmel gratulierte dem General in einer Ansprache. Ein BdM.-Mädel überreichte dem General einen Blumenstrauß. Im Anschluß daran weilte der General noch eine Stunde im Kreise seiner Stahlhelmkameraden. Der Eauführer des NSDFB. (Stahlhelm), Bayer-Rennerod, ein ostafrikanischer Kriegskamerad Lettow-Vorbecks, ernannte den ruhmreichen Heerführer zum Ehrenmitglied des Gaues Lahn-Dill des NSDFB., eine Ehrung, die der General, der feit vielen Jahren dem Stahlhelm angehört, mit aufrichtiger Freude entg^ennahm. Eine freudige Überraschung für ihn war auch . ein Eesangsständchen, das die in Dillenburg stationierte Arbeitsdienstabteilung ihm vor seinem Quartier im Kurhaus darbrachte.
Tödlich verunglückt.
= Gießen, 22. März. Auf der Heimfahrt nach seinem Wohnort Friedelhausen verunglückte in der letzten Nacht her Kreisbauernführer der Kreisbauernschaft Ober- Hessen-West, Dörrschuck, mit seinem Auto schwer. Er blieb bewußtlos mit einem schweren Schädelbruch und einem Kieferbruch auf bei Landstraße liegen, wo er erst am Freitagmorgen von Arbeitern, die nach Lollar zur Arbeit fahren wollten, aufgefunden wurde. Die Gießener Sani- tätskolonne brachte den Verunglückten nach Gießen in die Chirurgische Klinik. Hier ist der um die nationalsozialistische Bewegung und die hessische Bauernschaft hochverdiente Mann leider bald nach seiner Einlieferung gestörten.
Aprikosenbäume im Blütenschmuck.
!! Camp a. Rh., 22. März. Die warme, sonnige Wetterlage hat der Natur einen raschen Auftrieb gegeben. Die; Aprikosenbäume stehen teilweise in vollem Blütenschmuck; auch die Kirschbäume haben zahlreiche Knospen getrieben, und gar bald werden sich die ersten Blüten der Frühkirschen zeigen. ______________
---- Auringen, 22. März. Am Sonntag findet die Vorstellung der hiesigen Konfirmanden (drei Knaben und sechs ; Mädchen) durch Herrn Pfarrer Schulz-Naurod statt.
= Nordenstadt, 22. März. Am Freitag, 22. März, feierte der Landwirt Fr. Vorn seinen 77. Geburtstag, am gleichen Tage wurde der Invalide Karl Wöhler 73 Jahre alt.
— Massenheim, 22. März. Bei Gartenarbeiten fiel ein Arbeiter so unglücklich in die Mistbeetfenster, daß er mit verschiedenen Verletzungen ins Krankenhaus verbracht werden mußte. — 3m festlich geschmückten Saalbau „Zur Rose" hielt die Evang. Frauenhilse am Mittwoch ein wohlgelungenes Kaffeekränzchen ab, dem u. a. auch die Gründerin Frau Dekan Wolf beiwohnte. Bei Gesangs- und Musikvorträgen, Kaffee und Kuchen, sowie sonstiger Unterhaltung nahm der Abend einen recht gemütlichen Verlauf.
= Limburg a. d. L., 22. März. Am Donnerstagfrüh wurde auf dem Bahndamm der vor Limburg nach Eschhofen führenden Strecke die Leiche einer von* Zug überfahrenen Frau gefunden. Die Ermittlungen ergaben, daß es sich bei der Toten um eine 31 Lahre alte Haushälterin aus Altendorf bei Holzminden handelt, die zuletzt in Westerburg in Stellung var. Allem Anschein nach liegt Selbstmord vor. Die Beweggründe zur Tat sind noch unbekannt.
X Nassau a. d. L., 22. März. Die Ortsgruppe des Nas- *, säuischen Vereins für Geschichtsforschung und Altertums- । künde hielt einen gut besuchten Vortragsabend ab. Professor Dr. Bach-Bonn sprach über „Deutsche Volksmärchen".
= Koblenz, 22. März. Am Sonntag, 24. März, wird die vor dem Schloß in Koblenz errichtete Gau-Thing- > stätte feierlich eingeweiht werden.
japuhingen
bestätigt. Tode 53 i
Die Sühne für die Bluttat im Biebricher Schlosspark.
Schmidt war seinerzeit auf Grund falscher eidlicher Zeugenaussagen verurteilt worden. Der Jagdpächter Mellin war im Walde von Thale erschossen aufgefunden worden. Da man glaubte, daß die Tat von Wilderern Hegangen worden, wurden zwei Bewohner von Thals, Schmidt und Baumgarten verhaftet, weil sie schon seit längerer Zeit im Verdacht der Wilddieberei standen. Sie vermochten ihr Alibi nachzuweisen, so daß sie wieder freigelassen werden mußten. Da sie aber am nächsten Tage aus Thale verschwanden, wurde ein Steckbrief erlassen, auf Grund dessen sie einen Monat später in Süddeutschland verhaftet wurden. Ein Fritz Wesche und sein Bruder aus Gernrode erklärten vor Gericht, daß sie die beiden zur Zeit der Erschießung Mellins im Walde gesehen hätten. Auf Grund dieser eidlichen Aussage wurde Schmidt zu der oben erwähnten Strafe verurteilt, während Baumgarten mit fünf Monaten Ee-
Wie wir in der Tagbiatt-Ausgabe vom Samstag bereits mitteilten, hat das Reichsgericht das vom Schwurgericht Wiesbaden am 12. Februar 1935 wegen Raubmordes gegen den 28 Jahre alten Angeklagten Heinrich Rost verhängte TodesurteiI unter Verwerfung der Revision des Angeklagten als endgültig rechtskräftig ' ...... t. In der Rcichsgerichtsverhandlung machte der zum
verurteilte geltend, er hätte sein Opfer nur b e- tauben, keinesfalls aber töten wollen. Durch den ersten Bsilfchlag wäre die Elisabeth Peischl tatsächlich auch nur schwer verletzt worden. Das Stöhnen der Verwundeten 'hätte ihm dann die klare Überlegung geraubt und er hätte blindlings darauf losgeschlagen, um der Sache ein Ende zu machen. Diesem in leßter Minute vorge bracht en Vertoi- digungsvorbringen des Angeklagten vermochte das ^Reichsgericht jedoch nicht zu folgen. Es stellte vielmehr fest, daß der Mörder sein Opfer vorsätzlich und mit kalter Überlegung tötete, so daß der Mordtatbestand des § 211, St.GB., zweifellos gegeben, und das Wiesbadener Todesurteil als rechtskräftig zu bestätigen war. „Reichsgerichtshriefe." (4 D. 308/35. — Urteil des RG. vorn 22. März 1935.)
^lus den <$eudjt$fäten
Neun Jahre unschuldig im Zuchthaus.
Auf Grund falscher eidesstattlicher Aussagen.
* Thale (Harz), 23. März, iviefsr Tage ist der 50 Jahre alte Karl Schmidt in seine Heimatstadt Thale aus dem Zuchthaus wieder zurückgekehrt, in dem er unschuldig neun Jahre gesessen hat. Die ganze Stadt bereitete ihm einen überaus herzlichen Empfang und geleitete ihn, zu seiner Wohnung, die mit Girlanden und Willkommenswünschen geschmückt war. Schmidt ist das Opfer eines Justizirrtums geworden, der inzwischen aufgeklärt worden ist. In einer amtlichen Bekanntmachung ist der Fehlspruch des Schwurgerichts Halberstadt mitgeteilt worden, das Schmidt Ende Dezember 1924 wegen Totschlags, gemeinschaftlichen Jagdvergehens und erschwerten unbefugten Waffen- besttzes zu einer Zuchthausstrafe von zehn Jahren und einem Monat und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von zehn Jahren verurteilt hatte. Gleichzeitig ist die Wiederaufnahme des Verfahrens zu feinen Gunsten veranlaßt worden, damit feine Unschuld und seine Ehre aller Welt verkündet werde.
* Todesurteil. In dem Prozeß gegen den Schwags- torfer Mädchenmörder Adolf Loefe verkündete das Gericht in Osnabrück am Freitagnachmittag folgendes Urteil: „Der Angeklagte ist des Mordes in Tateinheit mit vollendetem Notzuchtsverbrechen schuldig und wird deshalb zum Tode und zum dauernden Ehrenrechtsverlust verurteilt. Der Angeklagte wird ferner wegen eines Mordversuches und wegen fortgesetzten Sittlichkeitsverbrechens im Sinne von § 176 StGB, zu einer Eesamtzuchthausstrafe von 10 Jahren verurteilt. Die Entmannung des Angeklagten wird ungeordnet. Die Kosten des Verfahrens werden dem Angeklagten auferlegt." Loose hatte am 4. Februar die 9jährige Tochter Elfriede des Bauern Beckmann in Schwagstorf, feines früheren Brotherrn, nach Ausübung eiges Sittlichkeitsverbrechens, erwürgt.
fängnis davonkam.
Der Meineid hat schwer auf dem Gewissen des Bruders Wefches gelastet. 1930 t)at er sich erschossen. Die Frau Fritz Wesches die schwer krank daniederliegt, hat vor kurzem den sie pflegenden Personen mitgeteilt, daß ihr Mann und ! ihr Schwager die Mörder Mellins gewesen i seien. Fritz Wesche wurde daraufhin verhaftet, der auch i sofort ein Geständnis ablegte. Daraufhin wurde die sofortige Entlassung Schmidts aus dem Zuchthaus verfügt.
