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83. Jahrgang.

Dienstag, 19. Marz 1935

Nr. 77.

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Der Ausbau der Wehrmacht

Simon am Sonntag in Berlin

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Rüstungen zu unte r zei ch n en. Er sei aui datz Deutschland in den Völkerbund zur^

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datz Deutschland in den Völkerbundzurückkehren würde Aber dies könne nur durch Gleichheit bei den Verhandlungen erreicht werden. Man müh- nach Berlin gehen im Namen des Friedens und nicht im Namen des Versailler Vertrages. Teil V dieses Vertrages sei tot, und damit müsse man sich absinden, wenn man nicht zu einem Präventivkrieg bereit sei. ™ .<

Sein vernünftiger Meiych habe einen lolajen Wunsch. Somit brauche man eine neue Vereinbarung, über die auf einer Grundlage der Gleichheit verhandelt werde, und eine derartige Vereinbarung sei möglich.

t. Schramberg Ich« Kafbmhdruck««, .Zagblatt. Sau*. Geschäftszeit: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, nutzer Sonn- und Feiertags.

Geheimrat Duisberg f.

Berlin, 19. März. (Eig. Drahtmeldung.) Der Bor- sitzende des Ausfichtsrates und Berwaltnngsrates der 28. Farben, Geheimrat Duisberg, ist in der Rächt zum Dienstag i« Leverkusen gestorben.

in Deutschland sei ihm klargeworden, daß Deutschland bereit sei, ein Abkommen zur Begrenzung der R ü ft u n a e n z u u n t e r z e i ch n e n. Er sei auch überzeugt,

Lord Allen glaubt an eine Rüstungs­vereinbarung.

London, 19. März. (Eig. Drahtmeldung.) Lord Allen of Hurtwooü sagte am Montagabend in einer Rede, die europäische Lage habe ein drohendes Aussehen Aber sie könne in Ordnung gebracht werden, wenn Großbritannien sich nicht von Leidenschaften beherrschen laste. Dre Friedens­bewegung sollte aufhören, ihren Angriff gegen die Regierung zu richten, weil ste die Leistungsfähigkeit der nationalen Rüstungen aufrechterhalten wolle. Das Hauptp r.ob lem sei nicht die Rüstungsfrage, sondern di e O tfl a n 1iia tio n kollektiver Sicherheit. Während seines Besuches

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Werktäglich nachmittags, Samstags »or-«. nachmittags F«rnIprecherÄammeI-Nr. 59631. Berliner Büro: Berlin-Wilmersdorf.

Englische Note an Neurath überreicht. — Es Verhandlungen auf dem

Stimmen der Vernunft.

bleibt bei der deutsch-englischen Aussprache.

Boden gleichen Rechtes.

worden. Das hat Reichswehrminister v. Blomberg am Montag nochmals unterstrichen, und das hat nicht zuletzt der Führer in einer Unterredung mit dem Ver­treter der „Daily Mail" der Welt dargelegt, übrigen kann man aber auch darauf verweisen, daß es nicht an Stimmen der Vernunft in der ausländischen Presse fehlt, daß einige englische Blätter der Sachlage durchaus gerecht zu werden ver­suchen, und daß vor allem der vertraute Freund Macdo­nalds, Lord Allen ofHurtwood, es als selbstver­ständlich bezeichnet, daß Teil 5 des Versailler Ver­trages sterben mutzte.

Dem damit zum Ausdruck kommenden S i n n su r Realitäten entspricht es, wenn die englische Re­gierung nicht den Einflüsterungen gewisser französischer Kreise folgt und die Verbindung zu Deutschland nicht abreißen wird. So steht zu hoffen, daß der Berliner Besuch Sir John Simons geeignet sein wird, die Be­mühung um den Frieden Europas ein Stück vorwärts zu bringen.

Die amtliche Mitteilung über die britische Note.

Berlin, 18. März. Der englische Botschafter Sir Eric Phipps hat heute nachmittag den Reichs­minister des Auswärtigen aufgesucht und ihm die Note überreicht, in der die Einwendungen der englischen Regierung gegenüber dem Reichsgesetz über den Aufbau der Wehrmacht vom 16. März enthalten sind. . ~ ,

Am Schluss dieser Note i,t die Frage wiederholt, ob die Reichsregierung bereit sei, anläßlich des Besuches von Sir John Simon in Berlin die im Londoner Kommunique vom 3. Februar enthaltenen Punkte zu erörtern. Der Reichsminister hat diese Anfrage tn bejahendem Sinne beantwortet.

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„Der Dienst in der Wehrmacht erfolgt auf der Grundlage der allgemeinen Wehrpflicht" — „die allge­meine Wehrpflicht ist im Reich und in den Ländern abgeschafft", welche Welt von Ereignissen liegt zwischen dem entscheidenden Grundsatz des Gesetzes vom 16. März 1935 und jenem anderen Gesetz vom 30. Juli ' 920. Das war der Zeitpunkt, in dem damals der Reichstag, den Bestimmungen von Versailles folgend, ein Wöhrgesetz beschließen mutzte, das die Wehrpflicht aufhob, die 12jährige Dienstzeit der Freiwilligen eines 100 000-Mann-Heepes festsetzte. Fast 15, Jahre sind vergangen seit jenes erste deutsche Wehrgesetz der Nach­kriegszeit beschlossen wurde. 15 Jahre lang hat es ge­dauert, ehe diese Fessel >des Versailler Vertrages abge- treift wurde. Die Tatsache, daß dies geschah, datz die allgemeine Wehrpflicht wieder zur Grundlage der deutschen Armee geworden ist, hat da und dort jenseits der deutschen Grenzen Aufregung und Beschuldigungen gegen das Reich hervorgerufen. Aber untersucht man einmal die Entwicklung zum 100 000-Mann- Heer, und die E ntw i ck l u n g der m i l i tä r i s ch e n Auffassungen in den letzten Jahren, so ergibt sich die klare Auffassung, datz die allgemeine Wehrpflicht für Deutschland auch den leitenden Staatsmännern der fremden Staaten garnicht etwas so Unge­wöhnliches fein kann.

Stationen zum Berufsheer.

Als die Urheber des Friedens von Versailles sich Anfang 1919 versammelten, beschäftigten sich ihre ersten Beratungen mit der künftigen militärischen Starke Deutschlands. Eine Spezialkommission erstattete am 7. Februar 1919 einen Bericht, :der vorschlug: Deuftch- land sollte in Zukunft eine Armee von 300 000 Mann Haben, weil diese Ziffer „absolut notwendig für die Besetzung seiner Grenzen und die Aufrechterhaltung der inneren Ordnung" sei. Diese Armee sollte auf der Grundlage der allgemeinen Wehrpflicht ausgehoben werden. Am 1. März erstattete dann Marschall Fvch einen neuen Bericht. Er setzte zwar die Zahl der Deutschland zugebilligten Soldaten aus 200 000 Mann und 9000 Offiziere herab, aber ausdrücklich war vorge­sehen, datz die Mannschaften dieses künftigen Heeres aus der Grundlage der allgemeinen Wehrpflicht ausgehoben werden und eine einjährige Dienstzeit durchmachen sollten. Erst im letzten Stadium warf man in sei Friedenskonferenz diese Grundsätze um. Der englstche Vertreter fand die allgemeine Wehrpflicht unzweck­mäßig und zum ersten Male tauchte der Gedanke an eine 12jährige Dienstzeit auf, allerdings noch unter der Voraussetzung, daß das Heer 200 000 Mann stark sein sollte Diese Gelegenheit des englischen Einwandes be­nutzte dann freilich der ^französische Vertreter zu dem Einwand, daß ein langfristiger Freiwilligendlenst ge­fährlicher sein könne, als ein kurzfristiger Zwangs­dienst. Und schließlich einigte man sich tn der ober­flächlichen Art, wie die meisten Beschlüsse der Friedens­konferenz zustande kamen, -ruf Kosten der deutichen Wehrfähigkeit, indem man zur Abschaffung der Wehr­pflicht und zur Einführung der 12jährigen Dienstzeit die Herabsetzung der deutschen Heeresstärke zuerst aus 150 000 Mann vorschlug, dann auf 100 000 endgültig beschloß. Von jenem Bericht der ersten Militar- kommisiion, die 300000 Mann als das Mindestmaß für die Besetzung der deutschen Grenzen und die Auf- rechterhaltung der inneren Ordnung bezeichnet hatte, war nicht mehr die Rede. Schon damals aber schrieb der englische Eeneralstabschef Henry Wilson in sein Tagebuch: „Meiner Ansicht nach sind diese Militarve- stimmungen alle viel zu drastisch, aber die Franzosen bestanden auf ihnen, und die Fräcke (so nennt er die ..Großen Vier" der Friedenskonferenz) stimmten ihnen zu."

Der Weg zur Wehrpflicht.

Als man nach Jahr und Tag dann mit der Beratung des angeblichen Zieles der deutschen Entwaffnung be­gann — daß diese deutsche Entwaffnung nämlich nur der Auftakt für eine allgemeine Abrüstung sein sollte — ergab sich sehr bald, daß die Gegenseite Deutschlands Berufsheer nicht mehr als so „zweckmäßig empfand, wie es in Versailles der Fall gewesen war. Die fran- zösischen Sachverständigen in Genf erklärten gerade eine langdienende Berufsarmee als besonders gefährlich, Jahre 1932 brachte deshalb der französische Minister­präsident nach Genf einen Plan mit, der einheitlich für alle europäischen Staaten das System von Armeen auf der Grundlage der allgemeinen Wehrpflicht mit kurz­fristiger Dienstzeit vorsah. Von da ab stand der Ge­danke der kurzfristigen Dienstzeit und der allgemeinen Wehrpflicht im Vordergrund aller Abrüstungsbestrebnn- : gen. Im Verlauf dieser Diskussionen war auch Deustch- 1 land bereit, das von ihm ausgebildete, ursprünglich

China und Japan

erheben gegenseitig ihre Gesandtschaften zu Botschaften.

Schanghai, 18. März. Die japanische Gesandtschaft teilte laut Ctzina Central News" mit datz China und Japan die aeaenseitige Erhebung ihrer Gesandtschaften zu Botschaften beschloßen hätten. Die Dorbereitungen der Durchführung feien im Gange. .

„Simons Besuch eine Erkundungsfahrt."

London, 19. März. Die Londoner Morgenpresse be­faßt sich eingehend mit der englischen Note und der deutschen Antwort. Äußerungen der Zufriedenheit über die Haltung Deutschlands werden dabei allerdings meist von Vorbehalten begleitet.

„Times" unterstreicht den englischen Einspruch gegen eine einseitige Änderung eines vielseitigen Vertrages aus grundsätzlichen Erwägungen heraus, gibt aber zu, datz „mildernde Umstände" im Falle eines Ver­trages vorhanden seien, der einer der Parteien aufge­zwungen wurde. Was die deutsche Heeresstärke be­treffe, so sei es klar, datz Frankreich und nicht nur Frank­reich sich mit einer starken militärischen Überlegenheit Deutschlands nicht einverstanden erklären könne. Simons Besuch in Berlin werde somit den Charak­ter einer Erkundung sfahrt im Namen Großbritanniens haben. Dennoch feien Ergebnisse mög­lich, die schließlich wertvoll sein könnten.

: A8. Berlin, 18. März. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Die internationale Debatte dreht sich Vchaturgemäß nach wie vor um die Einführung der

Wehrpflicht in Deutschland. Wenn auch die Rustungs- presie in den verschiedenen Ländern sich noch immer sehr ■ aufgeregt gebärdet, so wird man im großen und ganzen doch feststellen können, datz die neue Lage etwas ruhiger beurteilt wird. Wohl hat die englische I Regierung gestern in Berlin eine Note mit Einwen- l düngen gegen das deutsche Reichsgesetz überreichen lassen, | zugleich aber festgestellt, datz es bei dem Besuch Srr - John Simons in Berlin bleibt, und datz das,Ver­handlungsprogramm keine Änderung " erfährt. Das ist für gewisse Kreise in Frankreich eine I Enttäuschung, denn dort hatte man gehofft, daß nun ; die Berliner Reise Sir John Simons unterbleiben unh l daß England sich zu einer gemeinsamen Aktion mit - Frankreich und Italien bereit finden würde. Das ist nicht der Fall. Die in Aussicht genommenen inter­nationalen Verhandlungen werden vielmehr durchge- :: führt, und wir glauben jetzt schon feststellen zu können, I daß ihre Aussichten sich gebessert haben dadurch, daß diese Verhandlungen n u n m e h r a u f dem Boden gleichen Rechtes stattfinden, sodaß ■ der Ausgangspunkt für alle Teilnehmer Fer gleiche ist. i Die deutsche Gleichberechtigung steht nicht mehr zur

Debatte. Durch die Einführung der Wehrpflicht ist diese deutsche Gleichberechtigung geschaffen worden. Die politischen Fragen, die das Londoner Kom- ; muniqu6 vom 3. Februar aufgeworfen hat, können nunmehr in voller Sachlichkeit behandelt werden.

Die Aufregung eines großen Teiles der auslandi- - schen Presse rührt denn auch zweifellos daher, datz man ; gehofft hatte, sich die Gewährung der Gleichberechtigung ' und die Aufhebung des Teiles 5 des Versailler Ver- ' träges von Deutschland teuer bezahlen lassen zu können. ■ Weil solche Hoffnungen durch die deutichen Maß­nahmen zerstört wurden, stellt man sich überrascht ob- g wohl dieser deutsche Schritt, wie in einem Artikel des Reichsministers Dr. Goebbels (an anderer Stelle : dieser Tagblatt-Ausgabe wiedergegeben. Schriftltg.) mit Deutlichkeit nachgewiesen wird, das Ausland nicht • im mindesten in Erstaunen setzen konnte. Churchill, Baldwin, Pstain und Flandin lagt Dr. Goebbels als Kronzeugen für die .Tatsache ,aus- marschieren, daß die deutschen Rüstungen seit langem den maßgebenden Stellen des Auslandes bekannt und zu verschiedenen Malen Gegenstand von Ministerreden und Parlamentsdebatten war. Zu irgend einer Aufregung lag für das Ausland umso weniger Veranlassung vor, als von deutscher Seite immer und auch sofort nach dem Erlaß des Reichsgesetzes über die Einführung der Wehrpflicht be­tont worden ist, daß Deutschland an seinem Friedenswillen festhält. Das ist ausdrücklich in dem deutschen Aufruf zu dem neuen Gesetz gesagt