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8. Schellenberg Ich« Hostnchdruckerei, „lag blatt. Sans-

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Nr. 74

83. Jahrgang

Samstag, 16. März 1935

Woher WWMgeorhoete ihr Material über VeaWaird haben

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Ameigenpreile: Ein Millimeter Höhe der 22 Millimeter breiten Spalte im Anzeigenteils Ernnd- prAs 6 Rpf., der 85 Millimeter breiten Spalte im Terttell 45 Rpf., sonst laut Tarif Nr. S, Machlahftaffel C. — Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen und Plätzen wird keine Gewähr übernommen. — Schlich der Anzeigen-Annahme 10 Uhr vormittags. Größere Anzeigen inüsien spätestens einen Tag vor dem Erschelnungstage aufgegeben werden.

Freund geworden ist, bedeutet die englische Flotte genau dasselbe für uns wie für die Engländer; denn die Freiheit meines Volkes und meines Landes sind genau so davon ab­hängig wie England selbst.

Werktäglich nachmittags,Samstags -«.«.nachmittag»

Fernsprecher-Sannnel-Nr. 69631. Berliner Büro: Berlin-Wilmersdorf.

Das Spiel mit falschen Zahlen.

as. Berlin, 16. März. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) In der Nacht vom Freitag zum Samstag hat die französische Kammer mit 354 gegen 210 Stimmen die Politik der Negierung gebilligt, die auf die Einführung der zweijährigen Dienst- z e i t und auf eine weitere Aufrüstung Frank­reichs hinausläuft. Das Ergebnis dieser Kammer- fitzung kann nicht überraschen, denn seit langem stand fest, Latz Frankreich zu diesen Matznahmen entschlossen war. Niemand wird aber behaupten können, Latz diese Rüstungsmatznahme Frankreichs, die gerade. jetzt rund eine Woche vor der Berliner Besprechung Sir John Simons endgültig sanktioniert wurde, ein besonders er­freulicher Auftakt zu den neuen internationalen Ver­handlungen ist, die mit dem Besuch des englischen Äutzenministers in Berlin eingeleitet werden sollen. Zwar hat Herr Flandin unter Berufung auf das An­denken der Gefallenen des Weltkrieges der Hoffnung Ausdruck gegeben, dah der Geist Les Friedens die Re­gierung und die Politiker beherrschen müsse, er har aber in der gleichen Rede erklärt, datz et die Hoffnung auf eine Politik der Friedenssicherheit Lurch Abrüstung aufgegeben habe. Tatsächlich bedeuten ja auch die neuen französischen Matznahmen eine absolute Abkehr von der zwar niemals in der Praxis, wohl aber in der

Theorie von Frankreich vertretenen Abrüstungspolitik. „Frankreich versetzt der Abrüftungspolitik den Todes- stotz", so überschreibt denn auch mit Recht die „Deutsche Allgemeine Zeitung" ihre Ausgabe, und der „Lokal- Anzeiger" charakterisiert Frankreich als den Toten­gräber der Abrüstung. Die Begründung, die Flandin den Regierungsmahnahmen mit auf den Weg gab, richten sich ganz einseitig gegen Deutsch­land. Gewitz mag diese Begründung genau wie das englische Weitzbuch für den innenpolitischen Gebrauch bestimmt gewesen fein, aber auch Flandin mutz sich Kar darüber sein, Latz sie auf das außenpolitische Gebiet übergreift. Hier aber beginnt die Verantwor­tung, die schlietzlich jeder Staatsmann dem Frieden gegenüber hat. Im einzelnen erkennt jeder ohne weiteres, Latz der französische Ministerpräsident, was ihm auch Leon Blum nachwies, mit falschen Zahlen operiert hat. Niemand kann auch über­sehen, datz Flandin immer nur die französischen Heeres- zahlen den angeblichen deutschen Zahlen gegenüber stellte und völlig oergatz, den französischen Zahlen die­jenigen seiner Verbündeten zuzuzählen, wobei nur an die Riesenrüstungen Sowjetrutzlands erinnert sei. Man mutz schon dem französischen Sozialistenführer Leon Blum recht geben, wenn er bei dieser ganzen Lage der Dinge davon spricht, datz Frankreich eine Angriff s- strategie vorbereite.

einseitiger Auslegung der Ab-

Pariser Angriffsstrategie.

Weitere Aufrüstung. — Deutschlands Berteidigungsmatznahmen als Vorwand

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rüsiungsbestimmungen des Versailler Ver­trages fuhr der Ministerpräsident dann fort:

Als nach dem Abgang Deutschlands von Genf die Auf­rüstung dieser großen benachbarten Macht in verschie­dener Form und in weitem Ausmaße trotz der Bestim­mungen des Teiles V des Vertrages von Versailles fort­gesetzt wurde (pourfuioie), in dem Augenblick, wo die Effektiven der deutschen Armee erheblich erhöht sind durch einseitigen Beschluß, dem die französische Regierung ihre Zustimmung ebensowenig gibt wie die englische, kann Frankreich es ohne Gefahr für die Landesverteidi­gung nicht zulasien, dah die Effektiven seiner Armee ge­ringer werden, als durch das Gesetz vom 31. März 1928 vorgesehen war zu einer Zeit, als die deutsche Aufrüstung offiziell in den von dem Friedensvertrag bestimmten

Grenzen geblieben war.

Den kasernierten und sofort verfügbaren 480 000 Mann in Deutschland, zu denen zahlreich- vormilitärische oder militärähuliche Abteilungen hinzutreten* die von dem Effektivkomitee in Genf als unvereinbar mit einer gerechten Beschränkung der Rüstungen erklärt worden sind, können wir zu Beginn des Jahres 1935 nur 278 090 Mann entgegenstellen, die jederzeit aus dem Gebiete des Mutterlandes verfügbar sind. Nach^den allen bekannten Plänen wird Deutschland im Jahre 19 3 6 min­destens über 600 000 Mann verfügen und wir werden gleichzeitig infolge des Beginnes des rekrutenarmen Zeitabschnittes und unter der Voraussetzung, datz unsere yoffnungen auf die Einstellungen von Kapitulanten zum Teil in Erfüllung gehen und unter Berücksichtigung der durch die Ausgleichsmaßnahmen erzielten jährlichen Erhöhung auf

Frieden,

„das größte der britischen Interessen".

London, 15. März. Der britische Staatssekretär des Autzeren, Sir John Simon, hielt am Freitagabend aus einer Kundgebung für die nationale Regierung in Swansea eine große außenpolitische Rede. Nachdem er den Frieden als „das größte der britischen Interessen" bezeichnet und einen Rückblick auf die Mächtegruppierungen vor dem Kriege gegeben hatte, erklärte er: „Die Wahrheit begann durchzudringen, daß es nach dem Kriege keinen Sieg gibt. Jeder ist der Verlierer." Simon entwickelte sodann im einzelnen die Aufstellung der Völkerbundssatzung und wandte sich entschieden gegen die Annahme, daß Großbritan­nien sich nicht als treuer Anhänger des Völkerbundes er­wiesen habe. In dreifacher Hinsicht seien die Hoffnungen der Gründer des Völkerbundes noch nicht erfüllt worden: 1. sei der Völkerbund noch nicht allumfassend, wie er geplant war; 2. hätten sich Fälle ereignet, bei denen die tatsächlichen Leistungen des Völkerbundes dem Erstrebten nicht voll ent­sprochen haben. Als dritten Punkt bezeichnete Simon das Abrüstungsproblem. Er erklärte wörtlich: „Es besteht kein Zweifel, daß in Aussicht genommen war, daß auf Deutschlands erzwungene Abrüstung vereinbarte Herabsetzungen in den Rüstungen anderer großer Staaten folgen würden." Simon wiederholte, daß Großbritannien große Verminderungen in seinen Rüstungen vorgenommen habe und betonte, daß, wie das Weißbuch hervorhebe, in der letzten Zeit nicht Abrüstung, sondern Rüstungserhöhungen von Seiten einer Anzahl anderer Nationen, z. B. Japans, Sowjetrußlands und den Vereinigten Staaten, stattgesunden hätten. Unter den Nationen, die wieder aufrüsten, befinde sich auch Deutschland. „Wir haben", so bemerkte er weiter, „einen Punkt erreicht, wo einseitige Abrüstung nicht weiter geführt werden kann." Simon unterstrich, daß die einzige Abrüstung, die Dauer haben werde, eine Abrüstung sei, die frei vereinbart ist, und daß es zur Herbeiführung einer Rüstungsvereinbarung unbedingt notwendig sei, das Gefühl der Sicherheit zu erhöhen.

„Der Lordsiegelbewahrer", so erklärte Simon, „und ich unternehmen in wenigen Tagen Besuche in Berlin, Moskau und Warschau in dem Bemühen, ein besieres Einvernehmen zwischen den europäischen Nationen zu fördern und in der Hoffnung, zu der Regelung der ausstehenden Fragen beizu­tragen, die augenblicklich das internationale Vertrauen beeinträchtigen. Ich gebe mich über die Schwierigkeiten unserer Aufgabe keiner Täuschung hin, aber jedes Maß von Erfolg würde nicht nur ein Beitrag zur Befriedung Europa« fein, sondern die Eröffnung erneuter Möglichkeiten für das Abrüstungsablommen bedeuten, nach dem wir so lange ge­strebt haben. Dies wird seinerseits den Völkerbund und das kollektive Friedenssystem stärken.

Der Besuch, den ich Berlin abstatten werde, bei dem der Lordsiegelbewahrer mich begleiten wird, ist natürlich im Ursprung ganz unabhängig von dem Besuch, den mein Kollege darauf Rußland und Polen abstatten wird. Lassen Sie mich es jedoch klarstellen, daß die britische Regierung den letzteren nicht weniger Beachtung beimißt, als dem ersteren. Sie sieht jeden der Besuche als ausnahmsweise wichtig an und begrüßt aufrichtig die Gelegenheit, die so in drei großen Hauptstädten Europas geboten wird, um das internationale Einvernehmen zu fördern, das die Hauptsorge der Regierung ist."

Interessante Enthüllungen.

Paris, 15. März. „Petit Parisien" gibt eine interessante Aufklärung darüber, wie sich die Berichterstatter der großen Karnmeraüsschüsse die Unterlagen für ihre Berichte ver­schaffen, die die Grundlagen für die großen Aussprachen darstellen und die Kammer in ihren Beschlüssen beeinflusien.

Man erinnert sich noch an die Ausführungen des Berichterstatters des Heeresausschusies der Kammer Archimbaud, der mit den unglaublichsten Be­hauptungen über ein ausgerüstetes Deutsch­land gespickt war und der seinerzeit überall großes Auf­sehen erregte und viel besprochen worden ist.

In der Donnersiagssitznng des Heeresausschusies der Kammer kam es zu einer Auseinandersetzung der rechtsge­richteten Abgeordneten Fabry, dem Berichterstatter des Heeresausschusies Archimbaud und dem sozialistischen Ab­geordneten Dormey.

2m Verlauf dieser Auseinandersetzungen gab Archim­baud die sensationelle Erklärung ab, daß er seine Berichte zumindest zu einem Teil auf Grund der Angaben an- gefertigt habe, die ihm die Sowjetbotschast in Paris gemacht hätte. Der sozialistische Abgeordnete Dormey zeigte sich über die Mitteilung sehr erstaunt und zog daraus die Schlußfolgerung, daß die Verlängerung der französischen Militärdienstzeit letzten Endes auf die Initia­tive Sowjetrußlands zurückzuführen sei. Als Oberst Fabry ihm darauf erklärte, er müsse das doch schließlich am besten wissen, berief sich Dormey auf seinen anwesenden kommunisti­schen Kollegen Devöze, der sich aber weigerte, irgendwelche Angaben zu machen. Archimbaud vervollständigte seine erste Erklärung schließlich noch dahin, daß die Informationen, die et für seine Berichte verwandt habe, von ausländischen Mächten herrührten. -

Englischer Admiral — Vertreter einer ausländischen Macht.

Ein bemerkenswerter Zwischenfall im südafrikanischen Parlament.

London, 15. März. Wie aus Kapstadt gemeldet wird, ereignete sich am Donnerstag im südafrikanischen Parlament ein bemerkenswerter Zwischenfall. Der nationale Abgeord­nete Sauer protestierte dagegen, daß dem britischen Admiral bei der Eröffnung des Parlaments der Vortritt vor den südafrikanischen Ver­tretern gegeben wurde. Diese Bevorzugung eines Flottenvertreters einer „ausländischen Macht" verstoße gegen den souveränen Status von Südafrika. Der Ministerpräsident General Hertzog wies die Äußerungen des Abgeordneten scharf zurück und erklärte: „Der Admiral der Afrika-Station ist der höchste Vertreter unseres größten, wichtigsten und mächtigsten Freundes, nämlich Groß­britanniens. Als ich mich noch in der Opposition befand, habe ich kein Geheimnis daraus gemacht, daß ich England als meinen Feind betrachte, und daß ich mir keine Sorgen darüber gemacht hätte, wenn die englische Flotte auf den Grund des Meeres gesunken wäre. Nachdem aber jetzt un- j»re Freiheit wiederyergejtellt und der frühere Feind unser

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Die Verlängerung der Dienstzeit von der Kammer gebilligt.

Wie Flandin die Vorlage begründete.

Paris, 15. März. In der französischen Kammer herrschte am Freitagnachmittag schon vor Beginn der großen Sitzung eine sehr lebhafte Stimmung. Die Tribünen und die Diplomatenlogen waren bis auf den letzten Platz gefüllt. Auch die Abgeordneten waren fast voll­zählig erschienen.

Flandin bestieg, auf einen Stock gestützt, die Redner­tribüne und verlas die Erklärung der Regierung über die Frage der Militärdienstzeiterhöhung. Das Problem der rekrutenarmen Jahrgän g'e, so heißt es in der Er­klärung, hat die Regierung seit langem beschäftigt. Die Zahl der Einberufenen, die gewöhnlich 230 000 Mann beträgt, wird von 1936 bis 1940 auf einen Durchschnitt von 118 000 Mann fallen. Es handelt sich in keiner Weise für Frankreich darum, zu einer Erhöhung der unter den Fahnen befindlichen Effektivstärken zu schreiten, sondern die Verringerung des Kontingents durch eine vorübergehende Verlängerung der Dienstzeit auszugleichen. Als das Gesetz vom 31. März 1928 verkündet wurde, das die Grundlage unserer Militärorganisation darstellt und weiter­hin darstellen wird, war die Hoffnung gestattet, daß vor dem Abschnitt der rekrutenarmen Jahrgänge die internationale Organisation der Sicherheit die Beschränkung und Herab­setzung der Rüstungen, deren Gewicht so schwer auf den durch den Krieg verarmten Völkern lastet, möglich machen würde. Diese Hoffnung hat sich nicht nur nicht verwirklicht, sondern die Lage Frankreichs hat sich vollständig geändert.

Ratifizierung des deutsch-polnischen Berständigungsvertrages

vom Außenausschuß des Sejm genehmigt.

Warschau, 16. März. Der Auswärtige Ausschuß des Sejm unter dem Vorsitz des Abgeordneten R a d z i w i l l nahm am Freitag eine Reihe von Gesetzentwürfen über die Ratifizierung von Verträgen mit anderen Staaten an. U. a. wurde der Gesetzentwurf über die Ratifizierung des deutsch­polnischen Verständigungsvertrages sowie über den deutsch­polnischen Warenaustausch vorn Jahre 1934 angenommen.