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L. Schelle,»«,'sch, Hasduchdrnckerei, „Tagblatt, San,'.

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Pastschechkant»: Frankfurt a. vi. Nr. 7405.

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83. Jahrgang

Nr. 73

Freitag, 15. März 1935

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EeschLftszeit: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends außer Sonn- und Feiertags.

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Französische Quertreibereien.

Die Sowjetpresse ist mit London unzufrieden. — Edens Moskauer Reise. Paris spielt Englands Bormund.

Alter Plunder.

as. Berlin, 15. März. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Obwohl die bevorstehenden Berliner Be­sprechungen das Ziel verfolgen, den Frieden zu sichern, zeigt sich doch ein Teil der ausländischen Presse außer­ordentlich beunruhigt und nervös. Vor allem gilt das für M o s k a u und Paris. Aus Baldwins llnterhausrede zieht nämlich die Sowjetpresse den Schluß, daß England die deutsche Aufrüstung billige und ermuntere. Man glaubt von einer englischen „Er­mutigung der deutschen Aggressivität" sprechen zu müssen und fügt hinzu, wenn England meine, es könne Deutschland den Weg nach dem Osten öffnen, um sich so selbst vor einem Angriff zu schützen, so irre es sich. Diese Pressestimmen sind allerdings nicht in Übereinstimmung zu bringen mit der Haltung des amtlichen Moskau. Stalin hat nämlich durch den Botschafter in London im englischen Außenministerium ein Handschreiben übergeben lassen, in dem er seine Befriedigung über den bevorstehenden Besuch des Lordsiogelbewahrers Eden in Moskau zum Ausdruck bringt. Dieser Be- s u ch wird, wie nunmehr feststeht,, u n m i t t e l b a r im Anschluß an die Berliner Besprechungen folgen. Eden wird am Wend des 26. März von Berlin nach Moskau Weiterreisen und dann über Warschau nach London zurückkehren.

Noch aufgeregter als die Sowjetblätter gebärdet sich die französische Presse. Sie zeigt ganz deut­lich die Tendenz, und auch die Nachrichtenagentur Havas beteiligt sich an diesen Bestrebungen, den eng­lischen Außenminister auf ganz bestimmte Forderungen für Berlin fest zulegen. Man spielt in Paris den Vormund Englands, das nach diesem Pariser Diktat in Berlin zu erklären hat, daß das Sicherheitsproblem im Westen und Osten Deutsch­lands voneinander unlösbar sei und daß die Sicherheit

nur durch Verträge mit der Klausel des gegenseitigen Beistandes erreicht werden könne. Mit Recht sagt zu dem Versuch, gewissermaßen ein Diktat für Ber­lin aufzustellen, die „Deutsche diplom.-politische Korre­spondenz", die damit ganz zweifellos die Ansicht der Berliner Wilhelmstraße wiedergibt: „Man könne nicht Deutschland, wie das im Londoner Kommunique ge­schehen ist, zu freien Verhandlungen einladen, um ihm gleichzeitig zu sagen, was es unbedingt annehmen müsse. Gewiß haben sich andere Mächte schon im vor­aus auf gewisse Richtlinien geeinigt, aber auch diese Richtlinien können Deutschland nicht diskus­sionslos aufoktruiert werden, sondern müssen gleichfalls den Gegenstand freier Verhandlun­gen bilden. Es ist nicht so, wie Baldwin es in seiner Unterhausrede zum Ausdruck brachte, daß Deutschland Vorschläge machen könne, die dann von den anderen Mächten geprüft und beschieden würden. Das wären keine Verhandlungen unter Gleichberechtigten, das würde an die Methoden von S p a a und V er­sailles erinnern." So wie die französische Presse sich die Dinge vorstellt, geht es eben nicht, wenn den Ber­liner Verhandlungen ein Erfolg beschieden sein soll. Die Haltung einiger französischer Blätter läßt freilich fast die Vermutung aufkommen, als ob ihnen an einem solchen Erfolge garnichts gelegen sei.

Wenn darüber hinaus die französische Presse ihren Feldzug gegen die deutsche Militär­fl i eg e r e i fortfetzt und von einer Verletzung des Ver­sailler Diktates spricht, so muß inan ihr vor Augen führen, daß mau in England diese Dinge doch wesent­lich besser erkennt, wenn beispielsweise im Unterhaus Lord P o n s o n b y auf die Verpflichtung der ehemaligen Verbündeten zur Abrüstung hinwies, oder wenn die „Daily Mail" diese ganzen Bestimmungen, an die sich die französischen Blätter immer wieder klammern, kurzerhand als veralteten Plunder bezeichnet.

Sonbon gegen weitere abeWW Witte in Senf.

Das Scheitern der Einigungsverhandlungen wird bedauert.

Loudon, 15. März. Der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" schreibt, die Nachricht von Addis Abeba, daß di« italienisch - abesiinischen Verhandlungen stockten, haben in London tiefes Bedauern ausgelöst. Großbritannien habe, wie verlautet, bei beiden Re - fierungen einen weiteren Einigungsver- uch angeregt. Abesiinien scheine aber entschlossen, sich endgültig auf den Völkerbund zu verlaßen.

Wie demgegenüber mit größter Deutlichkeit gesagt wer­den müsse, seien weder Großbritannien noch Frankreich, die beiden anderen Großmächte, die an diesem Teile Afrikas interesiiert seien der Ansicht, daß der Völkerbund nochmals fähig sein werde, eine so günstige Lage für Abessinien zu schaffen, wie vor sechs Wochen in Gens.

treten werden. Auf dem Dampfer „Biancamano" wird der bisherige Gouverneur von Somaliland, R a v a , dem Musso­lini unlängst seine Anerkennung für seine Arbeit in Somali- land ausgesprochen hat, nach Italien zurückkehren.

Ein deutscher Korrespondent aus Italien ausgewiesen.

Dortmund, 14. März. Die „W e st f ä l i s ch e Landes- zeitung" berichtet, daß ihr Vertreter in Rom, Arnim Richard, aus Anweisung des italienischen Innenmini­steriums aus Italien ausgewiesen worden sei mit der Be­gründung, er habe über den italienisch- abessinischen Konflikt in subjektiver und einseitiger Weise berichtet. Richard sei inner­halb 36 Stunden nach 32stündiger Sistierung abgeschoben worden.

Was dem einen recht ist...

Nur eine Frage der Zeit war es eigentlich, Lis die mittleren und kleineren Staaten der Welt Stellung nehmen würden zu den Problemen, um die sich die Großmächte streiten, also auch zu Begriffen und Themen wie Abrüstung und Aufrüstung des Heeres, der Flotte und der Luftstreitkräfte.

Wir haben dafür ein Musterbeispiel in den Be­mühungen Mexikos, sich eine Flotte zu schaffen. Nun liegen gerade für diesen mittelamerikanischen Staat diese Dinge besonders eigenartig. Rein geo­politisch betrachtet, kann es nicht weiter in Erstaunen versetzen, daß dieses Land mit feinen langen östlichen und westlichen Grenzen am Karibischen Meer und Pazifischen Ozean das Bedürfnis hat, diese Küsten auch vom Meere her durch Seestreitkräfte zu schützen, beson­ders da der Panama-Kanal diese Gewässer verbindet und der nördliche Nachbar, die Vereinigten Staaten von Nordamerika, seine Flotten in diesen Gewässern statio­niert hat. Bisher war von einer mexikanischen Flotte so gut wie gar nichts bekannt; wie sollte das auch der Fall gewesen sein, da im Grunde genommen der mexikanische Staat nur über einen einzigen Panzer­kreuzer von 3200 Tonnen Rauminhalt verfügte, der noch dazu aus dem Jahre 1898 stammt und somit zu den Einheiten gehört, die aus den Flotten anderer Staaten längst ausgeschieden worden wären. Und die zwei Kanonenboote von je 1600 Tonnen und die weni­gen Küstenwachboote von durchschnittlich etwa 200 Tonnen Rauminhalt wird niemand als kampfkräftige Einheiten ansprechen wollen.

Erstaunen könnte man eher darüber, daß Mexiko nicht schon längst an die Anschaffung einer Kriegsflotte gegangen ist. Das aber hatte seine besondere Begrün­dung. Wenige Länder auf der Erde nur haben so viele Revolutionen über sich ergehen lassen müssen wie ge­rade der mexikanische Staat. Die Regierungen, die zahlreich aufeinander folgten, hatten alle Hände voll mit inneren Angelegenheiten zu tun, es war eben keine Zeit für die Anschaffung einer Flotte vorhanden. Und wenn wirklich einmal, wie das des öfteren geschah, entsprechende Anträge gestellt wurden, so fanden sie mehr Gegner als Anhänger. Das wurde erst vor drei Jahren anders, und dann ging die mexikanische Regie­rung auch mit aller Energie ans Werk. Als die Ab­sicht Mexikos, eine Kriegsflotte zu schaffen, in der Welt bekannt wurde, hagelte es verständlicherweise sofort Angebote auf Angebote aus den Vereinigten Staaten, aus England, aus Japan und vielen anderen Ländern. Aber die Preise waren zu hoch, und so erhielt im Jahre 1932 die spanische Schiffbauindustrie den Zuschlag. 15 Kriegsschiffe wurden bestellt, die auch zum Teil schon abgeliefert worden sind und deren anderer Teil im kommenden Herbst übernommen werden wird. Damit hatte der Staat Mexiko seine Kriegsflotte, die zwar nur über kleinere Einheiten verfügt, die aber doch ein ganz beachtliches Polizeiaufgebot zur See darstellt und somit den Ansprüchen ihres Eigentümers genügen dürste.

Wenn in letzter Zeit von einer Verschlechterung der Beziehungen zwischen Washington und Mexiko ge­sprochen wurde, so ist dabei vielleicht viel übertrieben worden, aber es ist auch als gewiß anzunehmen, daß man von Washington aus nicht gerade mit Begeiste­rung auf die Rüstung zur See des Nachbarstaates ge­blickt hat. Aber schließlich: Was dem einen recht ist . . -

Wenn die Angelegenheit vom Völkerbundsrat untersucht werde, dann werde sozusagen zwangsläufig festgestellt wer­den daß die abessinischen Eskorten, die man dem englisch-abessinischen Erenzausschutz unvermutet beigeaeben habe sehr herausfordernd gehandelt haben. Durch mehr als 160 Kilometer äußerst gefährlichen Gebietes habe der Ausschuß ohne jede Eskorte reifen müßen. Erft als die Grenzbereinigung fast zu Ende und nur noch 50 Kilometer zurückzulegen gewesen seien, seien plötzlich 650 abessinische Soldaten eingetroffen, um für den Schutz der Kommission W'irgen. Bei der Ankunft vor Ual-llal hätten sich die intet in einer Entfernung von 30 Meter von den italienischen Posten eingegraben. In dieser Stellung seien sie noch mehr als eine Woche nach der Abreise des Aus­schusses geblieben In London sei man der Ansicht, daß die Abessinier mit ihren Bemühungen zur Herbeiführung einer schiedsgerichtlichen Entscheidung keinen Erfolg haben würden.

Die italienischen Truppenverschiffungen dauern an.

Ro«, 14. März. Nach den Truppentransporten der letz­ten Tage aus Tascana ist nunmehr nach Zeitungsberichten die ganze Florentiner Division in Neapel und Umgebung zur Ausreise bereit. Die ersten Truppeneinschiffungen sind bereits im Gange. Der Dampfer „Colombo" geht Donnerstag in See. Aus Mogadiscio wird gemeldet, daß die beiden großen Dämpfer „Vulcania" und „Biancamano", die am 5. bezw. 7. März dort einge­troffen waren, am Freitag die Rückreise nach Italien an­

Mandschukuo breitet sich aus.

Ihn den Anschluß der inneren Mongolei.

Freischärler überwältigen mandschurische Garnison.

Hfinking, 14. März. Die Regierung von Mandschukuo veröffentlicht eine halbamtliche Mitteilung über die B e - ziehungenzur inneren Mongolei die Beachtung verdient. Zeigt sie doch, daß die der neuen Staatsgründung innewohnende Ausbreitungstendenz noch nicht zur Ruhe ge­kommen ist.

Es wird darin erklärt, in der letzten Zeit habe die mand­schurische Regierung verschiedene Petitionen von der Be­völkerung der inneren Mongolei erhalten, in denen die mandschurische Regierung ersucht werde, sämtliche Schritte zu unternehmen, die den Anschluß der inneren Mongolei an Mandschukuo herbeiführen können. Ferner Ifabe eine Gruppe mongolischer Fürsten in Dolonnor bei den mandschurischen Behörden um die Erlaubnis nachge- sucht, dem mandschurischen Kaiser in Hsinking eine Petition zu überreichen, die die Vereinigung der inneren Mongolei mit Mandschukuo verlangt. Von den mandschurischen Be­hörden sei die Einreise der mongolischen Fürsten nach Hsinking gestattet worden.

Zwischen der Regierung der inneren Mongolei und der von Mandschukuo schwebt noch eine Streitsache wegen des Grenzkonslikts am Boinor-See, bei dem es auch zu militä­rischen Reibungen kam.

Schanghai, 14. März. Wie erst jetzt bekannt wird, haben am 9. März 800 Freischärler den 150 Kilometer östlich von Chardin gelegenen Ort Fangeben überfallen und die dort untergebrachte mandschurische Garnison überwältigt. Sie erbeuteten ein Feldgeschütz, sechs schwere und 17 leichte Maschinengewehre.

Japan gegen die Einrichtung eines amerikanischen Luftverkehrs über den Stillen Ozean.

Tokio, 14. März. Die Marineleitung veröffentlicht eine Erklärung, die sich gegen die geplante Einrichtung des amerikanischen Luftverkehrs über die pazifischen Inseln nach Manila und weiter mit Anschluß nach Asien richtet. Wenn die Einrichtung auch nicht gegen die Verträge verstoße, so sei doch nicht zu übersehen, daß die zivile Einrichtung militärischen Wert besitzen und daß sie in kurzer Zeit für Militärzwecke verwendet werden könne. Die Marine­leitung hält den Zeitpunkt für unglücklich, da der Flotten­vertrag und die Abrüstungsfragen im Zusammenhang mit den ungeklärten Fragen des Stillen Ozeans noch nicht er­ledigt seien.