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Wöchentlich

7 Ausgaben

8. Schkllenberg'Iche tzostuchdruckerel, „T-gbl-tt. Hau,».

Weriläglich nachmittags, Samstags »ar- ll. nachmittag»

Unterhaltungsbeilage,

mit einer täglichen

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Nr. 72.

Donnerstag, 14. März 1935.

83. Jahrgang.

Sie RemWisM Her heutWn WM.

Simon kommt am 25. März nach Berlin. — Eden begleitet ihn. Die alten Berhandlungsprobleme.

Die Moskauer Reise des Lordsiegel­bewahrers.

ns. Berlin, 14. März. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Die Besprechungen des englischen Außen« Ministers Simon in Berlin werden, wie nunmehr amtlich bestätigt wird, am Montag, 25. und Dienstag, 26. März, stattfinden. Simon wird von dem Lordsiogelbewahrer Eden begleitet. Ob Eden von Berlin nach Moskau weiterfährt oder zunächst mit Simon, nach London zurückkehrt, steht noch nicht fest, da die Fühlungnahme zwischen London und Moskau über den Besuchstermin noch im Gange ist. Was das Verhandlungsthema für Berlin anbelangt, so hat sich nichts geändert. Es wird nicht nur über die Rüstungs­frage gesprochen werden, sondern auch über alle Fragen, die das Londoner Kommunique vom 3. Februar an- schnerdet. Das heißt also auch über den Richt- e i n m i s ch u n g s p a k t und über den O st p a k t. Die englische Regierung ist auch in letzter Zeit bemüht ge­wesen, sich eingehender über den französischen und italienischen Standpunkt zum Nichteinmischungspakt zu unterrichten, wie London auch naturgemäß von beiden Ländern unterrichtet worden ist über die Antworten, die Rom und Paris der Reichsregierung auf ihre Rück­fragen zu diesem Pakte unlängst erteilt haben. Soweit bisher durchgesickert ist, plant die englische Regierung zum O st p a k t V c r m i t t l u n g s v o r s ch l ü g e zu machen, die aber offenbar in Paris auf wenig Gegenliebe gestoßen sind. Der Berliner Besuch Simons wird Gelegenheit bieten, die deutsche Auf- faffung klar zu legen.

Angesichts der bevorstehenden Berliner Verhand­lungen hat nun die französische Presse einen Feldzug gegen die deutsche Militär­fl i e g e r e i begonnen, und auch der der französischen Regierung nahestehende „Temps" ist in diese Front eingeschwenkt. Die französische Presse hinkt mit diesem Artikel etwas sehr hinter der Entwicklung her, wenn sie sich noch immer an die Militärbestimmungen des Ver­sailler Diktats klammert. Schon der sogenannte Macdonald - Plan, der gerade jetzt vor zwei Jahren in Genf zur Erörterung gestellt wurde, sah den Fortfall dieser Bestimmungen vor. Im Mai 1933 hat dann der Führer das damals geforderte 300 000-Mann- Heer und die entsprechende Anzahl von Verteidigungs- flugzsugen unter Verzicht auf Bombenflugzeuge in An­

spruch genommen. Dem Grundsatz der deutschen Ver- teidigungsluftflotte haben England und Italien vor anderthalb Jahren zugestimint. „Daß die damaligen Voraussetzungen des deutschen Verzichts auf Bombenflugzeuge", so schreibt hierzu die „Deutsche diplomatische Korrespondenz", die bekanntlich in enger Fühlung zur Wilhelmstraße steht, „h e u t e nicht mehr bestehen, liegt ganz an den anderen Mächten. Dieser Verzicht sollte zwei Jahre gelten, mit der aus dem Macdonald-Plan stammenden Maß­gabe, daß die Bombenflugzeuge inzwischen allgemein abgeschafft würden. Statt dessen Haben England und Frankreich und übrigens auch die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten Programme aufgestellt, in denen die systematische Modernisierung und Leistungssteige­rung der Bombenflugzeuge eine maßgebende Rolle spielen. Das englische Weißbuch hat zu guter Letzt jede etwa noch mögliche Hoffnung auf eine Luftabrüstung vernichtet, oder, wenn man will, die endgültige Be­stätigung dafür gebracht, daß diese Hoffnung schon seit langer Zeit eine Utopie war. Damit sind für Deuts ch- land auch die Voraussetzungen seines zeitlich begrenzten Verzichtes weggefallen, und es sah sich genötigt, seine für alle Fälle getroffenen Vor­beugungsmaßnahmen nunmehr den endgültigen Cha­rakter zu geben, den die in der ganzen Welt bestehenden Umstände erfordern." Daß es ganz unsinnig ist, wenn die ausländische Presse die . bekannte Erklärung Görings Kommentare über deutsche Kriegsabsichten an­knüpft, braucht für den deutschen Leser nicht besonders betont zu werden.

Amtliche deutsche Mitteilung über den Reisetermin.

Berlin, 13. März. Nachdem der Reichsminister des Auswärtigen letzten Samstag den englischen Botschafter Sir Eric PHipps mitgeteilt hatte, daß der Besuch des englischen Ministers in ungefähr 14 Tagen er­folgen könnte, hat der englische Botschafter der deutschen Regierung hierfür den 25. und 26. März vorgeschlagen. Der englische Botschafter wurde dahin unterrichtet, daß die englischen Gäste der Reichsregierung zu diesem Zeit­punkt willkommen sein werden.

Nach dem Muster des neuen Deutschland.

Griechenlands innenpolitisches Programm soll dem Adolf Hitlers ähnlich sein.

Kriegsminister Kondylis' Äußerungen zum Athener DNB.-Vertreter.

Athen, 14. März. Der Kriegsminister, General Kon- dylis, der nach der Niederwerfung des Aufstandes nach Athen zurückgekehrt ist, empfing am Mittwoch den Vertreter des Deutschen Nachrichtenbüros und gab folgende Erklärung ab: Dank der Hilfe und dem Vertrauen des griechischen Volkes liegt ein schweres Abenteuer siegreich hinter uns. Unsere Gegner verübten systematische Sabotage gegen das Werk der Regierung und versuchten, mit brutaler Gewalt die Regierung an sich zu reißen. Jetzt aber gehen wir einer neuen Wiedergeburt der Nation mit einer Stär­kung der autoritären Staatsgewalt entgegen.

Wie der großeFührer der,edlen befreun­deten deutschen Nation, so führte der griechische Kriegsminister weiter aus, auf den Willen des Volkes sich Send, Wunder in der Neuorganisation des deutschen Volkes brachte, so wollen auch wir versuchen, auf das Ver­trauen des griechischen Volkes gestützt, der griechischen Seele neues Leben und zeitge­mäße Ideale einzuflößen. Alle Zwistigkeit und Uneinigkeit muß in Zukunft verschwinden und unser innen­politisches Programm wird sich nicht viel unterscheiden von dem Programm des großen Formers des neuen Deutschlands, Adolf Hitler. — Dabei gebrauchte General Kondylis, der im übrigen der deutschen Sprache unkundig ist, das deutsche Wort Führer mit besonderem Nachdruck. Der Kriegsminister sprach weiter seinen Dank für die objektive deut­sche Berichter st attung über die griechischen Ereignisse aus, und schloß: Mit der gleichen Gesinnung werden auch wir versuchen, die glücklicherweise bestehenden freundschaft­lichen Beziehungen zu dem großen Deutschland noch weiter * auszubauen und dem Wirtschastsaustausch zwischen Deutsch­land und Griechenland im Interesse beider Völker einen ■euen Antrieb zu geben.

Demobilisation des Heeres.

Athen, 14. März. Bei der Stadt M o l i b o s auf der Insel Lesbos landete am Mittwoch ein von Kreta kommen­der Dampfer. An Bord befanden sich aufrührerische Offiziere und Soldaten, die von dem Siege der Regierung noch nichts erfahren hatten. Sie wurden sämtlich gefangen genommen.

Benizelos telegraphierte der Regierung, daß er die aus der Staatskasse von Kreta mitgenommenen Gelder, etwa 10 Millionen Drachmen, zurück er statten wolle. Er betrachte diese Summe als feine persönliche Schuld.

Am heutigen Donnerstag wird mit der Demobilisation der aus Anlaß des Aufruhrs eingezogenen Heeresange- hörigen begonnen. Sechs Generäle, die mit den Revolu­tionären sympathisiert haben, sind von der Regierung ent­lassen worden. _________

Heikle Lage im abessinisch-italienischen Streitfall.

Ergebnisloser Verlaus der Verhandlungen.

London, 14. März. (Eigene Drahtmeldung.) Der Korrespondent des „Daily Telegraph" in Addis Abeba meldet, im italienisch-abessinischen Streit sei eine heikle Lage entstanden. Die seit zwei Wochen geführten Ver­handlungen über die Frage einer neutralen Zone und die italienischen Schadensersatzforderungen seien ergeb­nislos geblieben. Abessinien schiebe die Schuld auf Italien. Inzwischen dauerten die militärischen Vorbe­reitungen der Italiener in Afrika an.

Es verlaute, die abessinisch« Regierung habe am Mitt­wochabend eine Note nach jRom gesandt, in der sie sich weigere, die italienischen Forderungen weiterhin zu er­örtern, wenn es nicht vorher eine unparteiische Untersuchung gebe.

Das Ohr der Welt.

Der Deutsche Kurzwellensender steht mit allen Völkern des Erdballs in einem engen Aus­tausch der Gedanken und Gefühle. Unser Berliner wl.-Mitarbviter hat daher an unterrichteter Stelle erkundet, welches Echo die Darbietungen dieses wichtigen deutschen Kulturträgers bei den einzelnen Völkern finden.

bringt die Post dem Deutschen Kurzwellensender Stoye von Briefen aus aller Welt. Dankschreiben zumeist. Ruhrende, Anerkennungen begeisterter Hörer. Größtenteils von Deutschen. Aber auch von Ausländern. Häufig ver­raten diese Briefe etwas sehr wichtiges: den Geschmack der Ausländsdeutschen. Und natürlich auch den Geschmack der Fremden. Ein unentbehrlicher Ratgeber für die Programm­gestaltung. Ein vorzüglicher Wertmesser für die Wirkungen des Dargebotenen.

Der schon an und für sich zwischen Menschen verschie­dener Art und Bildung bestehende Geschmacksunterschied wird nun noch durch die Besonderheiten der einzelnen Erdteile vergrößert. Temperaturen beeinflussen die Aufnahmefähig­keit der Hörer. Schwerarbeiter im Urwald brauchen andere Unterhaltung als wohlbestallte Kaufleute in den Vereinigten Staaten. Engländer in Afrika legen nicht den gleichen Maßstab an wie etwa ihre Landsleute in Asien.

Ausnahmslos begrüßt wird der Nachrichtendienst. Die Stärke der Zustimmungen wächst, möchte man sagen, mit der Unzuverlässigkeit der betreffenden Orts- und Landespresse. Je mehr deren Meldungen im offensichtlichen Widerspruch zu der Wahrheit stehen, desto lieber hört man die Verlaut­barungen des Kurzwellensenders. So wird der Wunsch eines Engländers aus Transvaal verständlich, der da schreibt: „Ich wünschte, ich wäre ein Deutscher und könnte in Deutsch­land leben." Und ein anderer meint sehr richtig: „Unsere Blätter werden sich bald überlegen müssen, wie lange sie noch vor ihren Lesern als Lügner dastehen möchten."

Aber auch ans einem anderen Grund hört man den Nachrichtendienst gern: Er ist häufig schneller als die eigenen Zeitungen. Besonders aus Australien wird das immer behauptet. ,D>ie wichtigsten Meldungen hören wir von euch drahtlos einen Tag früher als wir sie bei uns erfahren. Unsere Blätter bringen sie immer erst am nächsten Abend." (Das zeigte sich zum Beispiel sehr deutlich beim Australien­flug.)

Vom Unterhaltungsprogramm ist am beliebtsslen di« Musik. Auf der ganzen Erde. Vorträge hört man bei weitem nicht so gern. Und dann auch nur solche von prak­tischer Bedeutung und außerdem müssen sie kurz sein. Das Gleiche gilt für Hörspiele. Zum Teil ist das im Technischen begründet. Es kommen ja doch bei den Sendungen Luft- störungen vor. Sie unterbrechen leicht. Ganze Sätze ver­schwinden Z»ann. Und damit wird das Verständnis oft un­möglich. Töne dagegen kann man eher ergänzen.

In vielen Gegenden bestaunt man natürlich nach wie vor immer noch das technische Wunder der Übertragung selbst. Mancher will es kaum fassen: Heimatklänge: so nah, als kämen sie aus dem Nebenzimmer. Muttersprache: als säße man zu Hause. Das allein ist für viele schon das große Er­lebnis. Da spielt die Art der Sendung nur eine unter­geordnete Rolle.

Doch dort, wo man schon länger empfängt, beginnt man es als selbstverständlich hinzunehmen. Dann läßt man seine Wünsche wissen. Dann „bemängelt" man vielleicht gar schon dieses oder jenes. Am meisten verlangt wird — überall — lustige Musik. Das heißt aber nun nicht, daß man ernste Musik nicht mag. Im Gegenteil: sie erhalt durchaus ihre verdiente Würdigung. Und bezeichnenderweise sogar be­sonders stark von Ausländern. Dabei wird dann immer in den Briefen bedauert, daß die eigenen Sender nicht ebenso Gutes bringen. Diese bieten nämlich in der Regel unentwegt Tanz-, will sagen: oberflächliche Musik. Und das ist einem grogen Teil der Hörer nicht immer erwünscht. Eine Zeitung m Philadelphia hatte vor kurzem unter ihren Lesern «in« Rundfrage über den Kurzwellenempfang veranstaltet. 35 Prozent gestanden, daß sie am liebsten und am häufigsten Deutschland einschalten — nur 9 Prozent weniger als die, welche England vorzogen. Dabei hat es der Engländer schon durch seine Sprache leichter, verstanden zu werden.

Nordamerika bevorzugt im allgemeinen Militär­märsche ; das geht ganz klar aus den von dort kommenden Briefen hervor. Deutsche Marsch- und Blaskonzerte sind für sie (vorwiegend für die Ausländsdeutschen) reine Labsal. „Mein Mann kann gar nicht ihre Sendung erwarten", liest man da in dem Schreiben einer Deutsch-Amerikanerin. „Er­tönt ein Marsch, dann nimmt er seinen Stock, geht im Marsch­schritt im Zimmer umher und schlägt den Takt dazu. Er­innerungen an seine Soldatenzeit tauchen auf. Wenn es nach ihm ginge, dürften diese Abende nie aufhören." — „Und", fügte sie hinzu, „wenn es nach mir ginge, würde ich sie so oft wie möglich wiederholen. Denn seine Stimmung ist dann immer unverwüstlich".

Daneben wird auch sehr gern das Volkslied empfangen. Für Heimatabende, etwa für einen bayerischen oder schwäbischen, sind vor allem die Nordamerikaner zu haben. Kein Wtrnder: das deutsche Gemüt verlangt auch in dem Land des „Geschäfts um jeden Preis" seine Rechte. Biel gil: auch der Walzer. „An der schönen blauen Donau" können sie nie genug hören. Und dann seltsamerweise das „Glüh- würmchen-Jdyll" von Paul Lincke.

In Südamerika stellen die Ausländsdeutschen wohl die höchsten Ansprüche. Die deutschen Siedlungen legen Wert darauf, -daß die durch den Rundfunk zwischen 'ihnen und dem alten Paterland geschaffene Verbindung nicht nur durch bloße Unterhaltung, sondern auch durch geistig schwere Kost gepflegt wird. Vor allem steht hier die gute deutsche klassisch«