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Nr. 71

Mittwoch, 13. März 1935

83. Jahrgang

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Deutscher Wahlsieg in Nordschleswig

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Politischer Streik aus Kuba

ständischen gesiegt hätten, das ist a'

eine andere

Die Behauptungen des nach Miami (Florida) geflüch- I leien früheren Präsidenten Larlos Hevia, Latz seit Sams- etwa 200 Neriomn in Kuba „aügeschlachier' worden

Fernsprecher-Sammel-Nr. 59631. Berliner Büro: Berlin-Wilmersdorf.

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Die Regierung verfügt Todesstrafe für Terrorakte.

Beruhigter Balkan.

Nach dem Zusammenbruch des Aufstandes in Griechenland. — Venizelos' Flucht, Das Ende eines Politikers.

»ezugspreise: Für eine Bezugszett von 2 Wochen 94 Rpf.. für einen Monat RM. 2.—, ein- schließlich Traglohn. Durch die Post bezogen RM. 2.85. zuzüglich 42 Rpf. Bestellgeld, Einzel- nummern 10 Rpf. — Bezugsbestellungen nehmen an: der Verlag, die Ausgabestellen, die Träger und alle Poftanstalten. — In Fällen höherer Gewalt oder Betriebsstörungen haben die Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung des Blattes oder auf Rüttzahlung des Bezugspreises.

Jurist P o I i t i s, der als Anhänger und Freund von Venizelos bisher galt, datz das, was Venizelos begann, Wahnsinn, war. Das.wird im übrigen auch von allen Seiten bestätigt, und kläglicher hat wohl kaum ein Politiker seine Laufbahn beendet. Sollten die Franzosen Venizelos aufnehmen, so würde er in Frank­reich Gelegenheit finden, sich mit dem verhinderten Revolutionär, dem Putschgeneral P l a st i r a s, aus- einanderznsetzen. Plastiras, der sich während des Auf­standes nach Italien begeben hat, dort aber kein Flug­zeug fand, das ihn zu den Aufrührern brachte, be­hauptet nämlich, Latz Venizelos zu früh .losgeschlagen habe, und datz er selbst diesen Aufstand habe machen wollen.

Mit der Liquidation des Aufstandes in Griechenland — dessen Finanzierung noch au f z u klären bleibt, denn es ist nicht anzunehmen, datz ihn Frau Venizelos allein bezahlte, und englische Blätter sprechen ziemlich offen von italienischem Eelde — erledigen sich nun auch alle Gelüste, die etwa irgend­wo vorhanden gewesen sein sollten, im Trüben zu fischen. Nachdem überdies die Vulgaren ihre in Genf vorgebrachten Beschwerden wegen der türkischen Truppenzusammenziehungen zurückgenommen haben, kann also davon gesprochen werden, datz auf dem Balkan wieder eine Beruhigung eingetreten ist. Die Franzosen, die aus jeder Blüte Honig zu saugen versuchen, behaupten, Latz das alles dem berühmten Paktsystem zu verdanken sei. Aber auch dieses ganze Paktsystem würde wohl auch sehr wenig zu be­deuten haben, wenn nicht die griechische Regierung und vor allem ihr Kriegsminister so energisch und tatkräftig gegen die Aufständischen vorgegangen wäre. Griechen­land selbst aber ist zu wünschen, datz es möglich bald die Folgen dieses wahnsinnigen Auf­stau d e s überwindet und datz ihm eine Zeit ruhi­gen Aufbaues beschisden ist.

Frage. Es ist angeblich in der Türkei auch nicht unbe­kannt geblieben, datz der alte Kretenser keineswegs ein Freund des Balkanpaktes ist, und datz auch ein grotzer Teil der Bevölkerung der Verknüpfung Griechenlands mit den Verhältnissen auf dem Balkan nur mit sehr ge­mischten Gefühlen gegenübersteht. Griechenland fühlt sich nicht als Balkanstaat, sondern als Mittelmeerstaat, und aus diesem Verhältnis heraus strebt es weit mehr nach einer Verständigung mit anderen Mittelmeer­staaten, u. a. mit Italien. Es gibt da gewisse Stimmen, die in Liesen Tagen laut geworden sind, die wissen wollen, datz ein Sieg der Aufständischen in Rom nicht ungern gesehen worden wäre. Das sind freilich Be­hauptungen, für die diejenigen, die sie ausgestellt hoben, wohl sehr schwer Beweise erbringen können. Jetzt, da es scheint, Latz der griechische Aufslaird ent­scheidend niedergeschlagen ist, wird wohl wieder eine Beruhigung eintreten. Die bulgarischen Grenztruppen werden wieder abmarschieren, und die türkischen

Der Aufstand zusammengebrochen.

Havanna (Kuba), 13. März. (Eig. Drahtmeldung.) In­folge der energischen Maßnahmen der Regierung M e n d i e t a. wird die Revolte als zusammengebrochen angesehen. Die Derkehrsarbeiter nehmen größtenteils die Arbeit wieder auf. Die nationalreoolutianäre Partei gab die Teilnahme am Aufstand auf, da sie die Streitbewegung als zu radikal und von Kommunisten geführt ansieht.

anjeigettpreifc: Ein Millimeter Höhe der 22 Millimeter breiten Spalte im Anzeigenteil Grund­preis 6 Rpf-, der 85 Millimeter breiten Spalte im Tertteil 45 Rpf., sonst laut Tarif Nr. 3, Nachlatzstaffel C. — Für die Ausnahme von Anzeigen an beftimmten Tagen und Plätzen wird keine Gewähr übernommen. — Schluß der Anzeigen < Annahme 10 Uhr vormittags. Größere Anzeigen müssen spätestens einen Tag vor dem Erscheinungstage aufgegeben werben.

Spannungen und Probleme.

Wenn auf dem Balkan feit Beginn dieses Jahr­hunderts die Geschütze donnerten, ist man in Europa immer hellhörig geworden. Das war vor dem Welt­kriege so und ist nach dem Weltkriege nicht anders ge­worden., Die Besorgnis, datz sich aus balkanischen Un­ruhen eine neue Weltgefahr entwickeln könnte, hat sich seitdem immer noch verstärkt. Wenn es auch nicht mög­lich erscheint, allen Ansprüchen der Balkanstaaten in einer idealen Form zu berücksichtigen, so haben doch die Pariser Vorortverträge, so weit sie die Balkan­fragen regelten, selbst den guten Willen zu einer solchen idealen Lösung vermissen lasien, und alle Spannungen sind geblieben. Diese Spannungen haben dazu geführt, Latz in diesen Tagen über Europa eine Unruhewelle hinweggegangen ist, deren letzter Grund in dem schlech­ten politischen Gewissen derjenigen Staatsmänner liegt, die verantwortlich sind für die Gestaltung der Balkandinge. Man hat dieses schlechte Gewissen Lurch Machtmittel, durch allerlei Sicherungen und nicht zu­letzt Lurch Pakte einzuschläfern gesucht — die Spannun­gen sind geblieben. Datz sie geblieben sind, zeigt die Entwicklung int Augenblick der griechischen Revolution auf das allerdeutlichste.

Pakte, die grotze Erfindung der letzten Jahre, sind ja auf dem Balkan zur Genüge ausgeprobt worden. Zwei der Balkanstaaten, Südslawien und Rumänien, gehören der Kleinen Entente an. Das revisionistische Bestreben Ungarns und seine gerechten Ansprüche sind deshalb nicht geringer geworden. Südslawien, Ru­mänien, Griechenland und die Türkei haben sich dann zu einem Valkanpakt vereinigt, Ler den Status-quo auf dem Balkan sicherstellen soll. Es hat lange Zeit gebraucht, bis die Türkei und Griechenland sich in diesem Pakt gesunden haben. Es sind lediglich real- politische Erwägungen gewesen, die die Haltung beider Staaten in ihrem Verhältnis zueinander bestimmt haben. Datz die Türkei nun Griechenland, oder Griechen­land der Türkei aus vollem Herzen ihren gegenwärti­gen Bestand wünschen, ist kaum anzunehmen. Die Tür­kei möchte schon gern ihre Vrückenkopfstellung in Europa verstärken, und es gibt in Athen großgriechische Wunschträume, die auf nicht mehr und auf nicht weni­ger als auf den Besitz Konstantinopels hinzielen.

Isoliert von allen diesen Pakten ist Bulgarien allein geblieben. Dieses Land, das am schwersten durch den Ausgang Les Weltkrieges betroffen ist, hat seine revisionistischen Ansprüche nie verschwiegen, insbeson­dere ist es als gerecht anzuerkennen, datz ihm der Zu­gang zum Ägäischen Meer, auf den es schon nach dem Friedensvertrag Anspruch hat, auch tatsächlich gegeben wird. Wie das freilich alles geschehen soll, ist eine andere Frage. Hier kommt es nur darauf an, die Spannungen zu zeigen, die trotz aller Pakta und pakt­ähnlicher Verhältnisse auf dem Balkan in unvermin­derter Schärfe fortbestehen.

Kaum waren die Unruhen in Griechenland ausge­brochen, als auch schon die Spannungen auf dem Balkan eilte gewisse Auslösung erhielten. Die Türkei sandte ihre Truppen nach Norden, und Bulgarien fürchtete in­folge dieser Truppenbewegungen einen Handstreich auf Südbulgarien, denn auch eine Besitznahme von Südbulgarien hätte eine Stärkung des Festlandes der Türkei bedeutet. Die Folge war eine bulgarische Note an den Völkerbund, die in Genf wie eine Bombe wirkte. Der türkische Vertreter beeilte sich allerdings seh- mit seiner Erklärung, datz die Truppensammlung an der Grenze nur den Zweck hätte, datz die Türkei in Er­füllung ihrer Paktpflichten bemüht sei, den Status quo auf dem Balkan aufrechtzuerhalten.

Diese türkische Erklärung wird jetzt, nachdem allem Anschein nach die Aufrührer in Ostmazedonien und Thrazien geschlagen sind, ihre Gültigkeit haben. Was aber geschehen wäre, wenn Venizelos und die Auf-

Havanna, 12. März. Ein gegen die Regierung des Präsi­denten Mendieta gerichteter politischer Streik hat sich derart ausgedehnt, datz er nahezu Las gesamte Wirtschaftsleben Kubas lahmlegt. Die ge­samte Arbeiterschaft der Tabakindustrie sowie die Zoll­beamten und die Angestellten in den grohen Geschäftshäusern halben sich dem Streik angeschlossen. Arbeitsminister Rodri­guez hat als Gegenmaßnahme die Auflösung aller am Streik beteiligten Gewerkschaften angeordnet.

Das Kabinett hat für alle Terror- und Sabo­tageakte die Todesstrafe verfügt. Bei den ver­schiedenen StratzeiWmpfen, die in Len letzten Tagen in Havanna stattfanden, wurden nach den bisherigen Mel­dungen etwa zehn Personen getötet. Am Dienstag war es in der Hauptstadt verhältnismäßig ruhig. Nur ge­legentlich waren Bombenexplosionen zu Horen. Der Stabs­chef des kubanischen Heeres, Batista, hat die Verhaftung aller streikenden Eisenbahnangestellten angeordnet.

Stimmen erhalten hat, als bei den letzten dänischen Reichstagswahlen, obgleich auch die Deutschen einen Ausfall an Wählern wegen Nichtzahlung von Steuern gehabt haben dürften.

Im Zusammenhang mit dem Erfolg der Deutschen in Nordschleswig spricht die dänische Presse von einem un­befriedigenden Ausgang der Wahlen und von einem ernsten Memento. „Berlingske Tidende" bezeichnet in einem Leit­artikel die Mandatsgewinnung der deutschen Liste als eine bedauerliche Tatsache. Die deutsche Agitation, so schreibt das Blatt, habe alle Mann mobil gemacht, während auf dänischer ' Seite niederdrückend schlapp gewählt worden sei. Das Er­gebnis der Wahlen mahne zu einer dänischen Revanche, dis durch eine tatkräftige dänische Politik vorbereitet werden müsse.

Amerika hält sich neutral.

Washington, 12. März. In amerikanischen Regierungs­kreisen ist man der Ansicht, datz es ber Regierung Mendieta gelingen wird, auf Kuba wieder geordnete Verhältnisse her- zustellen. Seitdem Kuba volle Souveränität zuerkannt wor­ben ist, befolgt man in Washington streng eine Politik der Nichteinmischung. Obwohl die spa- ni[die Regierung soeben einen Kreuzer nach Kuba in Marsch gesetzt hat, erachtet man eine solche Maßnahme in Washington noch nicht für notwendig. Sollten jedoch die Ereignisse aus Kuba zu einer ernstlichen Gefährdung der amerikanischen Bürger führen, so würde man zwar nach Havanna Kriegsschiffe schicken, um den Amerikanern eine Zuflucht zu bieten, keinesfalls würde man jedoch sich in die innenpolitischen Streitigkeiten auf Kuba in irgendeiner Weise einmischen wollen.

Was Paris sagt.

as. Berlin, 13. März. (Drahtbericht unserer Berliner ^Abteilung.) Der Aufstand >in Griechenland ist voll- \ kommen niedergeschlagen. Dank der Umsicht und - Tatkraft des Kriegsministers Kondylis, der wegen Mdieser Verdienste zum Generalissimus be - - fördert wurde, konnte die Regierung einen voll­kommenen Sieg über die Aufständischen erringen. Da­mit hat sich Kondylis wiederum als der gefürchtete Putschbezwinger erwiesen, denn es ist der vierte größere Putsch, den der jetzige griechische Kriegsminister zu be- r- kämpfen hatte und mit Erfolg bekämpft hat. Mit diesem Sieg ist die Stellung der Regierung Tsaldaris naturgemäß stark g e f e st i g t. Sie kann mit Ruhe die weitere Entwicklung abwarten, zu­mal der Verlauf des Putsches gezeigt hat, daß der von Venizelos angestrebte Wandel vom griechi­schen Volk nicht gewünscht wurde, ist es doch weder in Athen noch an anderen Stellen zu Kund­gebungen der Massen für die Umstürzler gekommen.

Die elde n" des A u f st a n d e s sind in das Ausland geflüchtet. Sie haben, wie das meist zu geschehen pflegt, die Opfer ihrer Politik im Stich gelassen und ihr kostbares Leben schleunigst in Sicherheit gebracht. Venizelos ist zunächst auf einer kleinen italienischen Zn sei gelandet. Aber es ist fraglich, ob er dort länger bleiben kann, denn die italienische Regierung will, wie verlautet, das Ersuchen an ihn richten, so bald wie möglich das Land zu verlassen. Venizelos selbst hat wohl die Absicht, sich nach Frankreich zu begeben, aber auch dort ist man für politische Flüchtlinge nicht mehr so eingenommen wie früher. Man findet vielmehr, daß man von dieser Corte nun wirklich genug habe. Es kommt hinzu, daß auch die guten Freunde von früher sich nach dem miß­glückten Aufstand von Venizelos abwenden, erklärte doch auch der griechische Gesandte in Paris, der bekannte

Bei den dänischen Kreistagswahlen.

Kopenhagen, 13. März. (Eig. Drahtmeldung.) Am Dienstag fanden in Dänemark in 22 Kreisen Wahlen zu den Kreistagen statt. Durch die Verluste der Bauernlinken und der Demokraten haben dieSozialdemokratenkluno dieKonservativenSMandategewonnen.

Sehr beachtlich ist das Abschneiden der Deutschen in Nordschleswig. Bisher hatten sie in den Kreistagen von Apenrade und Tondern je ein Mandat. In dem neuen Kreistag für Tondern werden sie jedoch über drei, in Apenrade über zwei und in Sonderburg über einen Ver­treter verfügen. Hervorzuheben ist dabei, daß zum Beispiel im Kreise Sonderburg die deutsche Liste sogar mehr

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