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88. Jahrgang.

Nr. 67

Samstag, 9. März 1935

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dieses Prozesses. Es kommt den Litauern darauf an,

= eine nachträgliche Begründung für ihre Gewaltpolitik im Memelgebiet zu sichern, und deshalb sollen nun un-

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Eefchäfiszeit: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, außer Sonn, und Feiertags.

Werktäglich nachmittag«, Samstags oor- u. nachmittags Fernsprech er.Sammel-Nr. 69631. Berliner Büro: Berlin-Wilmersborf.

Die Drangsale des Grenzdeutschtums

Haussuchungen bei der Heimattreuen Bevölkerung Eupen-Malmedys.

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Snieigenpreife: Ein Millimeter Höbe der 22 Millimeter breiten Spalte im Anzeigenteil Gründ- preis 6 Rpf-, der 85 Millimeter breiten Spalte im Tertteil 45 Stof., sonst laut Tarif Nr. 3, Nachlatzstaffel C. — Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen und Plötzen wird keine Gewähr übernommen. — Schluß der Anze^en-Annahme 10 Uhr vormittags. Größere Anzeigen muffen spätestens einen Tag vor dem Erschemungstage aufgegeoen werden.

an jeder Arbeit hinderte, hofft inan damit in der Ver­senkung verschwinden lassen zu können. Das Meme l- deutschtum sollte darum in diesen Verhandlungen als eine Gefahr für iden litauischen Staat, aber auch als eine Gefahr für den Frieden Europas hingestellt wer­den, wobei man der litauischen Regierung noch Dank für ihr Vorgehen gegen diese „Friedensstörer" wissen soll. Durch einen solchen Prozeß hofft man offenbar, auch den Garantie-Mächten des Memel­statuts Sand in die Augen streuen zu können. Das ist der eigentliche Sinn des Prozesses. Es muß sich nun erweisen, ob Las litauische Gericht dem Staatsanwalt auf seinem Wege folgt oder ob es jo viel Objektivität aufbringt, diesen Anträgen nicht beizu­treten, sondern seinem Urteil das wirkliche Ergebnis der Beweiserhebung zu Grunde zu legen.

Die Strafanträge.

Mm Dach und bis in die letzten Winkel durchsucht. ---Mülleimer wurden durchwühlt. In verschiedenen Fällen hat man auch allerhand Materral mitgenommen, so ß deutsche und belgische Tageszeitungen und Zeitschriften, zahl- |. «iche Bücher und sogar bei einem Mitglied des Eupener r Stadtrates Material, das der Stadt Eupen gehört. Außer- " dem wurden 55 Rucksäcke und 85 Brotbeutel — in E der belgischen Presse als „Patronentaschen" bezeichnet! — beschlagnahmt. Gewisse belgische & Blätter wissen also nichts Besseres zu tun, als von der Be- Wegnahme solcher Rucksäcke und Brotbeutel als von der - »Beschlagnahme von militärischen Ausrüstungsgegenständen"

-u reden, obwohl jedes Kind in Eupen weiß, daß diese Sachen mit zum Reisen und Wandern in den Ferien benutzt werden. Auch verfielen an einige Snellen eine Reihe von Windjacken und ein paar Stiefel der Besihlag- - Achme. Jraenh etwas Belastendes ist aber nirgendwo zutage

Unbewiesene Anschuldigungen.

as. Berlin, 9, März. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Im sogenannten Memellandprozeß g hat der litauische Generalstaatsanwalt geradezu un­geheuerliche Strafanträge gestellt. Er be- | antragte nämlich fünf Todesurteile und insge- x samt nicht weniger als 1400 Jahre Zuchthaus gegen die migeklagten Memelländer. Wenn man auch nach der Methode, mit der dieser Prozeß von der litauischen Staatsanwaltschaft durchgeführt wurde, auf einiges gefaßt war, so übertreffen diese Anträge freilich weit die schlimmsten Befürchtungen der wildesten Pessimisten. . Sie beweisen erneut, daß es sich hier um einen politi- s schen Schauprozeß handelt, der, wenn» es nach dem | litauischen Staatsanwalt geht, mit Recht und Ge­rechtigkeit nicht das mindeste zu tun Hai. L Der Prozeß begann, wie noch erinnerlich sein dürste, be- i reits Mitte Dezember. 126 Memelländer wurden vor die Schranken des Gerichts zitiert, und die Anklage, Seren Verlesung allein 4 Tage in Anspruch nahm, warf 8 ihnen vor allem vor, Laß sie einen bewaffneten Auf- Astand gegen den litauischen Staat geplant hätteir. Hier- für ist auch nicht der leiseste Schatten eines Beweises erbracht worden, wie auch nicht im mindesten nachge- wiosen werden konnte, daß zwischen Len Angeklagten und i>er nationalsozialistischen Organisation im Reich --irgendwelche Verbindungen bestanden, was ebenfalls in der Anklage behauptet wurde. Vielmehr stellte sich | heraus, Laß solche organisatorischen Verbindungen in ü keiner Weise bestehen. Der Staatsanwalt hat e sich herzlich wenig nm das Ergebnis der Verhandlungen »gekümmert, sondern er hat einfach die Punkte der An- 7 klage als erwiesen unterstellt. Seine Anklagerede war --.vor allem ein politisches Plädoyer für die Gewalt m et Hoden Litauens im Memel- E gebiet. Damit kennzeichnet sich aber der ganze Sinn

Englisch-französische Luftfahrt­verhandlungen.

Luftsahrtmimfter Lou-onderry in Paris eingetrosseu.

Paris, 8. März. Der englische Luftmhrtminister Lord Londonderry ist am Fr eit abnachmittag auf dem Luft­wege aus London in Paris eingetroffen. Der Dize- marschall des englischen Lufifahrwesens, Sir John Sa l m an, weilt schon seit einigen Tagen in Paris, um angeblich mit den zuständigen französischen Stellen über Fragen der Zivilluftfahrt zu verhandeln. Wie gerüchtweise verlautet, sollen diese Besprechungen aber ausgedehnt worden sein, und im gewissen Sinne ein« Fortsetzung der Fühlungnahme gebildet haben, die Morst General Weyaand und später Flandin gelegentlich ihres Londoner Besuches englischen Lustfahrtkreisen genommen haben.

Ms »«urteile, 1400 Mre Mihms

Litauische Ungeheuerlichkeit im Memel-Prozeh. — Der Staatsanwalt macht sich die Arbeit leicht. — Ein politischer Schau-Prozeh.

Kowno, 8. März. Im Mernelländer-Prozetz stellten General Wiemer und Generalstaatsanwalt Monsta- vicius am Freitag die Strafanträge. Es wurden bean­tragt gegen die Hauptangeklagten aus der sogenannten Jesuttis-Gruppe (ein Fall, der bekanntlich durch die Verhandlung nicht geklärt ist, in dem aber die Anklage einen sogenannten Femenmord erblickt hat), Prieß, Wan na - gät, Boll, Gottschalk, Lepa die Todesstrafe durch Erschießen.

I Rucksäcke und Brotbeutel als militärische Ausrüstungsstücke.

Aachen, 8. März. Am Donnerstag gegen 9 Uhr setzte in Eupen-Malmedy ganz plötzlich und unerwartet eine Haussuchungsaktion ein, und zwar sowohl in den drei | Städten Eupen, Malmedy und St. Vith, wie auch in verschie- U denen Ortschaften innerhalb der neubelgischen Kreise. Diese U Haussuchungen stützten sich auf eine Anordnung der Brüsseler Behörde, die die Aktion mit dem Gesetz über die Betäti­gung der Parteimilizen begründet. Den Personen E gegenüber, bei denen die Haussuchungen vorgenommen wur- - den, rechtfertigte man das Vorgehen damit, daß sie unter dem Verdacht stünden, gegen dieses Gesetz verstoßen zu haben. Dieses Gesetz über die Parteimiliz besagt, daß das Tragen von Uniformen verboten ist. Die Organisationen und Par- leien als solche werden von dem Gesetz nicht berührt.

1" Die Haussuchungen erfolgten unter der Leitung des I Generalstaatsanwalts von Lüttich in Derbindung mit einer Anzahl von Gendarmen. Die Wohnungen wurden vom

Saugsureife: Mr eine Bezugszeit non 2 Wochen M Rpf., für einen Monat RM. 2.—, ein. schließlich Traglohn. Durch die Post bezogen RM. 2.35, zuzüglich 42 Rpf. Bestellgeld, Einzel- nummern 10 Rpf. — Bezugsbestellungen nehmen an: der Verlag, die Ausgabestellen, die Träger und alle Postanstalten. — In Fällen höherer Gewalt oder Betriebsstörungen haben die Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung des Blattes oder auf Rüthahlung des Bezugspreises.

Gegen die Mitangeklagten dieser Gruppe, Jakschtat, wurde lebenslängliches Zuchthaus beantragt.

Lebenslängliches Zuchthaus wurde ferner beantragt gegen die beiden Angeklagten der sogenannten Wa -llat - Gruppe, wobei es sich um einen Bauernstreit handelt, der aber von der Anklage als ein politischer Anschlag hin- gestellt wurde.

Gegen die Hauptangeklagten aus der sogenannten Neumann-Gruppe, d. h. di« Mitglieder der Sowog, Neumann, Vertu leit, Rademacher und sechs weitere Hauptführer dieser Partei wurde je 15 Jahre Zuchthaus beantragt, gegen die sogenannten Gruppen­führer je 12 Jahre und gegen alle übrigen Mitglieder der Neumann-Partei einschließlich des litauischen Spitzels Molinnus je 8 Jahre Zuchthaus.

Gegen die Mitglieder der sogenannten Saß-Gruppe, d. h. die Christlich-sozialistische Arbeitsgemeinschaft (CSA.) wurden folgende Anträge gestellt: Gegen die Hauptange­klagten Satz und von der R o p p c je 12 Jahre Zuchthaus, gegen die Kreisleiter je 10 Jahre, gegen die Führer der soge­nannten Stammeskreise je 10 Jahre Zuchthaus, gegen die an­deren 6 bis 9 Jahre Zuchthaus.

gefördert worden. In Eupen ist auch eine Verhaftung vor­genommen worden, und zwar handelt es sich um den Diplom- Ingenieur N e u h a u s, der dem Gefängnis zugeführt wurde. Es verlautet, daß bei ihm eine Schreibmaschine beschlag­nahmt wurde.

Man kann annehmen, daß die Begründung „Verstotz gegen das Gesetz über die Parteimiliz" nur einVorwand war, um erneut gegen die Heimattreue Be­völkerung vorzugehen. Als Veranlasser dieser Aktion kommen wohl bestimmte Personenkreise von Neu- Belgien in Betracht, die es immer wieder für nötig erachten, übergeordnete Stellen in Brüssel und Lüttich zu Maßnahmen zu veranlassen, die vollkommen überflüssig und unbegründet find. Die Aktion richtete sich fast ausnahmslos gegen Per­sonen, die in der Heimattreuen Bewegung tätig sind, deren Ziel es ist, innerhalb des belgischen Staates, dem Eupen- Malmedy zugeteilt wurde, für die Erhaltung der deutschen Sprache und Kultur und für die sonstigen Rechte der Be­völkerung im Rahmen des Gesetzes einzutreten.

Der Rückgang Les Pfundftrrses hat in den _ _ letzten Tagen in Wirtschaftskreisen eine ziem- Psund liche Unruhe hervorgerufen. Es tauchte zu­nächst Lie Vermutung auf, daß wieder einmal in einem politisch bedeutsamen Augenblick von Frankreich aus in England vorübergehend ange­legte Kapitalien aus London zurückgezogen worden seien, um auf diese Weife einen Druck auf Eng- I a nL ausüben zu können. Die Vermutung liegt immerhin einigermaßen nahe, zu beweisen ist sie aller­dings nicht. Zudem scheint die Lage im Augenblick ja auch kaum so zu sein, daß es eines solchen Druckes, be­dürfte. Andererseits fchlt es aber auch an einer anderen völlig überzeugenden Erklärung für den Kurs­rückgang, den das Pfund erlitt, es sei denn, daß man zunächst einmal die englische Pfefferkrise und andere Vorgänge auf dem Londoner Warenmarkt für die Zurückziehung ausländischer Kapitalien aus Eng­land verantwortlich mache. Sicher ist ja, daß das vagabundierende freie Kapital, das infolge der Welt­wirtschaftskrise ohne Beschäftigung ist, und Zuflucht immer dort sucht, wo es sich am sichersten wähnt, ganz außerordentlich nervös ist und schon Durch an sich ge­ringfügige Vorgänge aufgescheucht werden kann. Die Engländer haben nun im wesentlichen — und das hat die Unruhe in den internationalen Wirtschaftskreisen noch verstärkt — das Pfund sich selbst überlassen, d. h., der seiner Zeit geschaffene Ausgleichsfonds hat nicht oder nur in ganz geringem Maße eingegriffen. Damit ist die Frage entstanden, ob hier ein neuer Kampf der Währungen beginnen soll und ob England sich durch eine weitere Abwertung 'des Pfundes einen Vorteil auch gegenüber Amerika zu verschaffen gedenkt. Da ia der Dollar zwar auch etwas gesunken ist, aber doch nicht in gleichem Maße wie das Pfund weiter abgewertet wurde. Nimmt man hinzu, daß auch die j a p a n t s ch e

| schuldige Angehörige des Deutschtums in den Tod und § in den Kerker gebracht werden. Zugleich hofft man Uwohl, durch diesen Prozeß sich die Möglichkeit zu schaffen, die Autonomie des Memelgebietes, die über­haupt nur noch auf dem Papier steht, gänzlich beseitigen 2 zu können. Auch den Me m e l l and tag, den man

»Nck in die Wett.

In diesen ersten Märztagen mußten, Ein als die rauhen Ostwinde über Deutsch­gestörtes land hinwegfegten und Temperaturen mit Programm, sich brachten, deren sich die bekannten ältesten Leute nicht erinnern können, in den Zeitungsredaktionen nicht nur die schönen Gedichte zurückgestellt werden, die den kommenden Frühling be­sangen, sondern auch die Degrüßungsartikel, die dem englischen Außenminister Sir John Simon und dem Lordsiegelbewahrer Eden gewidmet waren, mußten wieder in den Schreibtischschubläden verschwinden. So begreiflich es an sich auch ist, daß die englische Regie­rung den Wunsch hat, ihre Rüstungen zu verstärken, wobei ganz offensichtlich auf den Ausbau der Luftwaffe das größte Gewicht gelegt wird, und so begreiflich es auch ist, daß die Debatten darüber jetzt stattfinden müssen, da immer zu dieser Zeit die Wehrhaushalte in England vorgelegt werden, so unbegreiflich ist es, daß man in London glaubte, für solche Mehraufwendungen auf dem Rüstungsgebiet einzig und allein Deutsch >l a n Ä verantwortlich machen zu müssen. Deutschland hat mit feinen Maß­nahmen auf militärischem Gebiet lediglich die Folge­rungen aus seiner Entwicklung gezogen, die England nicht aufzuhalten vermochte und es hat mit diesen Maß­nahmen nur in sehr bescheidenem Maße für seine Sicherheit gesorgt, Die durch die ungeheuer­lichen Rüstungen in Frankreich, in Sowjetrußland und anderen Ländern auf das ärgste bedroht wird. Die gesamte deutsche Presse hat denn ja auch einmütig das englische Weißbuch abgelehnt und Alfred Rosen­berg hat im „Völkischen Beobachter" die englische Me­thode geradezu als einen Rückfall in di« Versailler Methoden bezeichnet. Gewisse Anzeichen sprechen da­für, daß diese Kritik, auf die das englische Weißbuch in Deutschland stieß, in London nicht ganz ohne Wirkung geblieben ist. Wenn auch die am Montag beginnende Wehrdebatte im englischen Unterhaus in erster Linie naturgemäß eine innenpolitische Ange­legenheit Englands ist uni) für uns gar keine Veran­lassung besteht, uns in die Auseinandersetzungen der englischen Regierung mit ihrer Opposition einzumischen, so Lars man andererseits doch auch wohl erwarten, daß die englischen Minister sich im Rahmen dieser Debatte auch über die außenpolitische Bedeutung der Frage äußern werden. Es wird sich dabei auch die Möglichkeit ergeben, in irgendeiner Form auf die deutsche Gleich­berechtigung einzugehen, ohne deren Anerkennung ja jedes Gespräch zwecklos wäre. Wenn man sich da­bei jetzt in London für einen neuen Verhandlungs­termin interessiert, so kann uns das jedenfalls nur recht fein, denn nichts ist falscher als der von der Havas- Agentur gegen Deutschland erhobene Vorwurf, daß es eine Verzögerungstaktik betreibe. Wir sind zu Ver­handlungen nach wie vor bereit, wenn diese Verhand­lungen auf der Grundlage der Gleichberechtigung ge­führt werden.