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Nr. 66
Freitag, 8. März 1935
83. Jahrgang
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M EiltseOmg Edens nach Warschau und Moskau
Fernsprecher-Sammel-Slr. 59631. Berliner Büro: Berlin-Wilmersdorf.
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gleichen Art von Achtung behandele. Das Blatt sagt ferner, der Schlüssel zur ganzen Lage liege jetzt in Berlin. Hoffentlich werde die britische Regierung keine Mühe sparen, um das durch die Veröffentlichung des Weißbuches verlorene Gelände w i e d e r z u g e w i n - n e n und einen möglichst frühen Tag für die aufgeschobenen Besprechungen festzusetzen. Die llnterhausdebatte am nächsten Montag sollte von der Regierung dazu benutzt werden, mit einer Geste den bedauerlichen Eindruck zu beseitigen, den das Weißbuch hervorgerufen habe. Hoffentlich werde sie diese Möglichkeit nicht ungenutzt lassen.
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sammenziehe, sodaß hier eine „gefährliche Situation" entstehe. Die Mitteilung ist zunächst dein Generalsekretär des Völkerbundes gemacht worden, aber es heißt, daß Bulgaren entschlossen sei, die Angelegenheit vor die Vollversammlung des Völkerbundes zu bringen, wenn der Schritt beim Generalsekretär des Bundes ergebnislos bleiben sollte. Nun muß man sich aber erinnern, daß Mitte des vorigen Monats der griechische Kriegsminister sehr lebhaft darüber Klage führte, daß die Bulgaren ihrerseits Truppen an der Grenze gegen Griechenland zusammenzögen. Dabei ist zu berücksichtigen, daß hier noch ein altes Konto offen steht, da Griechenland den Bulgaren den ihnen vertraglich zustehenÄen Eingang zum Ägäischen Meer bisher verweigert hat. Sollten die Vulgaren etwa die Absicht haben, die gegenwärtigen Wirren in Griechenland auszunützen, um diese alte Forderung durchzusetzen, so scheint die türkische Regierung entschlossen zu sein, Griechenland beizustehen. Das sind zunächst freilich Kombinationen, die aber sehr nahe liegen. Auf jeden Fall lenkt wieder einmal der alte Unruheherd Balkan die Augen auf sich, uni) man wird gut tun, die Entwicklung dort aufmerksam zu verfolgen.
Einberufung bulgarischer Reservisten.
Sofia, 8. März. Wie erst jetzt mit Bestimmtheit bekannt wird, sind im Laufe des Donnerstags die Reservisten, die im Oktober vorigen Jahres aus dem aktiven Militärdienst entlassen worden waren, wieder unter die Waffen gerufen worden. Wie es heißt, verfolgt diese Maßnahme den Zweck, die durch die Entsendung verschiedener Einheiten an die griechische Grenze entstandenen Lücken' aufzufüllen.
Türkische Freuudschaftsversicherungen für Griechenland.
Athen, 8. März. Der türkische Ministerpräsident Ismet Znönü sprach dem griechischen Gesandten in Ankara sein Bedauern über die Vorgänge in Griechenland aus und hob hervor, daß die Türkei stets ein treuer Freund Griechenlands bleibe. Er hoffe, daß die leitenden griechischen Staatsmänner die Schwierigkeiten überwinden würden. Ismet Znönü fügte hinzu, daß auch der Präsident der Republik, Kemal Atatürk, lebhaften Schmerz über die- Ereignisse in Griechenland empfinde.
Im Zusammenhang mit den Gerüchten über eine etwaige Einmischung fremder Mächte erklärte der vor einigen Tagen als Minister ohne Geschäftsbereich in das griechische Kabinett eingetretene General Metaxas, daß Griechenland ein unabhängiger Staat sei, der keine fremde Einmischung dulden werde.
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Mannesworte, nicht Winkelzüge!
Der Weg zur Verständigung führt über Berlin.
„Warum in aller Welt mußte die englische Regierung in einem im übrigen unantastbaren Dokument gerade Deutschland heraussuchen, um es als eine Quelle internationaler Unruhe zu bezeichnen?"
(„Evening News" am 6. März 1935.)
Es ist ungemein reizvoll zu beobachten, wie die britische Öffentlichkeit zu der „Weißbuchkrisis" Stellung nimmt, die dank der offenbaren Ungeschicklichkeit sehr maßgebender politischer Persönlichkeiten zu so ungelegener Stunde ausgebrochen ist. Die Briten, die "so sehr stolz sind auf ihre Routine in der Psychologie der Völker, haben an einem Musterbeispiel von seltener Eindringlichkeit demonstriert, wie man auf gar keinen Fall vorgehen darf. Nach der diplomatisch sehr geschickten Deklaration vom 3. Februar hätte man einen. Rückfall von so grundsätzlicher Bedeutung eigentlich nicht mehr erwarten sollen. Denn das Weißbuch kommt einer Schwenkung von 180 Grad gleich, sodaß es fast den Anschein hat, als habe damit die Absicht frankophiler Kreise unterstützt werden sollen, die sowohl die Verhandlungen über eine Luftkonvention als auch die eingeleiteten Besprechungen über die Bereinigung der übrigen europäischen Probleme zu torpedieren beabsichtigen.
Die neuerlichen Unterhauserklärungen Sir John Simons erwecken nicht den Anschein, als ob man regierungsseitig beabsichtige, den rückwärts gerichteten Kurs zu revidieren. Aber gerade wenn man durchblicken läßt, daß man doch mit den Anschuldigungen an die Adresse Deutschlands nichts Neues gejagt, sondern nur eine alte Walze hervorgeholt habe, ist eine endgültige Rückkehr zu denjenigen alten Methoden zu be- sürchten, die man dem Vernehmen nach in Acht und Bann tun wollte. In politischen Kreisen der Reichs- Hauptstadt hat man dafür eine treffende Formulierung gefunden: Man glaube in London anscheinend immer noch, daß man den Frack nur anzuziehen brauche, wenn es einen Besuch in Paris oder Rom gilt; nach Berlin aber gehe man wie seit 15 Jahren in Pantoffeln und Hemdsärmeln! Diese moralische Disqualifikation aber ist es gerade, die das neue Deutschland nicht zu ertragen gewillt ist. Wenn man sich fürchtet, von der gewaltigen Aufrüstung der nächsten Nachbarn offiziell Notiz zu nehmen, so soll man nicht meinen, die wohlbegründeten Gleichberechtigungsbestrebungen Deutschlands aus dem riesigen Fragenkomplex heraussuchen zu dürfen, nur weil man es seit Versailles gewohnt ist, uns als ungefährlich abzutun und auf unferrn Rücken die Meinungsverschiedenheiten mit den anderen auszutragen.
Arn kommenden Montag wird die englische Regierung int Unterhause von einer aufs höchste gereizten Opposition zur innenpolitischen Feldschlacht gestellt werden. Es kann uns gleich sein, wie Maedonald und Simon diese Streitfragen zu Hause bereinigen werden. Vielleicht wird es sich Herausstellen, daß man den Teufel der Opposition mit Beelzebub glaubte austreiben zu können. Ziemlich sicher aber wiü> die Regierung ihren Aufrüstungsetat unter Dach und Fach bekommen, denn die Konservativen verfügen ja über eine bei weitem ausreichende Mehrheit. Von manchen Kennern der Lage wird jedoch schon jetzt prophezeit, daß es sich dann um einen Pyrrhussieg handeln könne, der die in absehbarer Zeit bevorstehenden Neuwahlen in ungünstigem Sinne beeinflussen werde.
Deutschland hat an diesem Familienstreit ein nur geringes Interesse. Letzten Endes ist ja das Weißbuch nicht in der Berliner Wilhelmstraße, sondern in Downing Street oder vielleicht sogar am Quai d'Orsay geschrieben worden. Wir wissen es nicht. Was uns angeht, so warten wir mit Spannung darauf, was jetzt erfolgen wird. Man munkelt davon, die englische Ministerreise nach Moskau und Warschau werde, wenn die Erkrankung des Führers noch längere Zeit anhalten sollte, unternommen werden, ohne dabei Berlin zu berühren. Nun wohl, es ist vielleicht ganz gut, wenn die Herren des Foreign Office die tote Zeit mit interessanten Informationen ausfüllen. Sicher ist nur, daß der Weg zur Verständigung letzten Endes doch über die Reichshauptstadt führt, und daß man sich mit dem Gedanken abfinden muß, die deutschen Staatsmänner als völlig gleichberechtigte Verhandlungspartner anzusehen, die sich nicht von vornherein durch unfreundliche und tendenziöse Denkschriften festlegen lasten. Es wird nicht gelingen, das deutsche Volk durch Dokumente einzuschüchtern, bei deren Abfastung die Angst vor übermächtigen Feinden Pate gestanden hat. Eine neue Aera der Geschichte läßt sich nur dnrck das offene Wort des freien Mannes einleiten, wich durch spitzfindige Winkelzüge.
Hoffnung auf eine baldige Nachholung des aufgeschobenen Berliner Besuches.
London, 8. März. Der parlamentarische Berichterstatter der „Times" schreibt, man hoffe nach wie vor, baßes nach einer Erklärung des Standpunktes der Regierung durch Baldwin und Simon im Unterhaus am nächsten Mon- r tag möglich sein werde, eine Vereinbarung ’ über den Berliner Besuch zu erreichen. Man | sei allgemein der Ansicht, daß es die Dinge vereinfachen : würde,' wenn der Berliner Besuch stattfände, bevor Eden nach U Warschau und Moskau gehe. Andererseits wünsche man ! nicht, den Besuch in Polen und Sowjetrußland länger hin- 5 auszuschieben, als unbedingt notwendig sei.
Der Berichterstatter führt weiter aus, die Mitteilung, r daß Eden und nicht Sir John Simon nach Moskau gehen : werde, scheine bei der liberalen Opposition Erstaunen hervor- ■ gerufen zu haben. Der Korrespondent erinnert daran, daß | diese Möglichkeit schon seit mehr als einer Woche erwogen I wurde und fügt hinzu, das Kabinett habe jetzt die Entschei- 1 düng getroffen, daß die Reise nach Warschau und - Moskau in erster Linie, informatorischer Art s sein solle. Eden werde dann nach London zurückkehren und s das Kabinett werde entscheiden, ob ein persönlicher Besuch t des Staatssekretärs des Äußern folgen solle.
Der liberale „News Chronicle" äußert in einem Leitauf- r satz Bedenken gegen die Entsendung Edens anstatt Simons ■ nach Moskau und Warschau und bemerkt, die Aussichten der ° Verhandlungen würden zum mindesten nicht gebessert wer- - den, wenn die britische Regierung auch nur den Anschein er- : «ecke, als ob sie die beiden anderen Mächte nicht mit der
Unruhiger Balkan.
Der Bürgerkrieg in Griechenland geht weiter. — Das Interesse der Großmächte. Wird der Balkanbund praktisch wirksam?
Bulgarischer Alarmruf in Genf.
äs. Berlin, 8. März. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Der Bürgerkrieg in Eriechen-
, I a mb geht weiter, ohne daß sich im Augenblick s sagen läßt, wer die besseren Chancen hat.
Im Strumatal werden von der Regierungsartillerie : die Stellungen der Aufständischen sturmreif geschossen.
8 Aber es ist noch nicht sicher, ob hier die Entscheidung fällt. Denn schon liegen Nachrichten vor, die davon : sprechen, daß sich im Herzen Griechenlands ejn neuer AusstanÄsherd gebildet hat. Die ; Frage ist aber jetzt vor allem, ob die Vorgänge auf Griechenland beschränkt bleiben, oder ' ob sie weitere Kreise ziehen. Die Großmächte verfolgen ' die Ereignisse naturgemäß mit sehr großem Interesse, • und die Entsendung französischer und e n g - s lijcher Kriegsschiffe nach dem Pyräus läßt er« l kennen, daß der Aufstand weitere Interessengebiete s berührt. In dieser Hinsicht ist auch der Besuch des • englischen Gesandten bei dem griechischen - Ministerpräsidenten T s a l d a r i s beachtenswert. Der ■ Gesandte gab hier seinem Bedauern über die innem | politischen Vorgänge in Griechenland Ausdruck und L sprach zugleich die Hoffnung aus, daß die Ordnung s möglichst bald mit möglichst wenig Blutvergießen wieder hergestellt werde. Im großen und ganzen wird man wohl sagen können, daß die griechische» Regierung l Tsaldaris als Verfechterin des Balkanpaktes in Frankreich auf Sympathie rechnen kann, daß man ihr aber aus dem gleichen Grunde sowie wegen ■ ihrer ganzen Haltung gegen Italien in Rom sehr viel weniger freundlich g e g e n ü b e r st e h t.
Beachtenswert erscheint nun eine Meldung, die einige ungarische Blätter veröffentlichen und die davon spricht, daß die Mitglieder des Balkanpaktes für den Fall, daß der Bürgerkrieg in Griechenland eine 1 Störung des Balkanfriedens zur Folge haben würde, entschlossen seien, Maßnahmen zum Zwecke der Wiederherstellung der Ordnung in die griechischen Verhältnisse zu ergreifen. Zu dieser Meldung, für die von anderer Seite allerdings eine Bestätigung noch nicht vorliegt, wäre zu sagen, daß s sich dieses Eingreifen zugunsten ber Regierung Tsal- : daris auswirken würde, die die Grundsätze des Balkan- ; Paktes vertritt, während ihr Gegner Venizelos d in diesem Pakte eine für Griechenland nicht tragbare : Spitze gegen Italien erblickt und sich deshalb seiner Zeit auch dem Abschluß des Paktes widersetzte. Die Mel- s düng der ungarischen Blätter ist, wie gesagt, im Augen- p blick noch nicht bestätigt. Vielleicht liegt aber gerade » hier der Schlüssel zum Verständnis für die bulgarische Beschwerde in Genf. Dort hat nämlich der bulgarische Vertreter darüber Klage geführt, daß die Türkei : Truppen an der bulgarischen Grenze z u -
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Frankreichs neuester Dreh.
Paris, 8. März. 'Dian scheint in Regierungskreisen die Absicht zu haben, die Einführung der anderthalbjährigen und später zweijährigen Dienstzeit mit der außenpolitischen Entw icklung zu begründen. Die letzte Entscheidung über den einzubringen- den Antrag soll von der Regierung erst Anfang nächster Woche gefällt werden, wenn dar gegenwärtig in Südfrankreich zur Erholung weilende Außenminister Laval wieder in Paris ist und an den Regierungsberatungen teilnehmen kann. Laval soll dann nach der Presievorbereitung, die vor allem für das Inland gedacht ist, die diplomatischen Begründungen liefern, um die Dienst.zeiterhöhung vor der Welt zu rechtfertigen. Es scheint, daß Staatsminister Herriot im gestrigen Kabinettsrat diese Riethode heraus- gefunden hat. Denn er hat nach dem Vortrag des Kriegsministers die Frage nach dem Stande der französischen Sicherheit aufgeworfen.
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