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Nr. 60.
Samstag, 2. Marz 1935.
83. Jahrgang.
„Endlich, endlich seid ihr wieder bei uns."
Eine Freudenfeier des Saarlandes — ein Festtag der Nation.
Die riesige Hitlerkundgebung in Saarbrücken.
Saarbrücken, 1. März. Der Höhepunkt des Saarbefreiungstages war unzweifelhaft jene große Massenkund- gebimg, die in dem schönen Rahmen des Rathaus-Vorplatzes im Dämmern des Abends ftattfand. Als um 18 Uhr der Stellvertreter des Führers Rudolf Hetz auf den Rathaus- balkon heraustrat, um als erster den Saarländern feine Grüße zu bringen, da waren nicht nur der Rathausplatz und feine Umgebung, sondern auch die angrenzenden Straßen weithin so beängstigend gefüllt, daß die Polizei alle Mühe hatte, Luft zu schaffen, um schweren Unfällen vorzubeugen. Die Begeisterung der Menschen kannte keine Grenzen, und wenn sie auch noch so dicht gedrängt standen und alle Unbequemlichkeiten in Kauf nehmen mußten, ihre Augen hingen gebannt am Rathausbalkon, wo sie — wie sie wußten, nun bald den Führer von Angesicht zu Angesicht sehen würden. Selbst der strömende Regen konnte dieses Menschenmeer an keiner Stelle auch nur im geringsten lichten.
Der Stellvertreter des Führers Rudolf Hetz
führte u. a. aus:
Meine Volksgenossen! Ich bin glücklich, hier im Saarlande den friedlichen deutschen Sieg feiern zu dürfen. Und ich bin stolz daraus, Euch Saarlandern den Dank Deutschlands erneut sagen zu dürfen für den 15jährigen Kampf um Euer Deutschsein, denDanksagen zudürfen fürdie aejchichtlich vorbildliche Haltung, in der Ihr das Leid der vergangenen anderthalb Jahrzehnte getragen habt, getragen habt für Eure engere Heimat und für unser aller Heimat, für Deutschland. Welch eine Wandlung, seit ich dieses Land und diese Stadt zum letzten Male sah! Welch eine verzweifelte Stimmung damals in den ersten Novembertagen 1918, in diesen schwärzesten Tagen deutscher Geschichte! Und Ihr kehrt zu uns zurück in einer Zeit, da Deutschland seine Ehre wieder erreicht. Ihr kehrt zurück, da das deutsche Volk wieder zu sich selbst gefunden habt. Ihr kehrt zurück, da Deutschland wieder zu einer Macht aufsteigt und geachtet wird von der übrigen Welt. Ihr kehrt zurück kraft Eures eigenen Willens durch ein Bekenntnis zu Deutschland, wie es eindrucksvoller nicht gedacht werden kann. So wie in bezug auf die Saar der Vertrag von Versailles auf falschen Voraussetzungen aufqebaut war, so ist er es auch auf anderen Gebieten. Und wie die Welt eines Tages die Wahrheit über die Saar erfuhr, so wird sie auch mit der Zeit die übrige Wahrheit erfahren. Vor kurzem noch hieß es, die Saar wolle zu Deutschland zurück,
nicht aber zum Deutschland Adolf Hitlers. Und wir sind daher denen dankbar, die neben der Frage, ob die Saar zu Deutschland oder zu Frankreich wolle, bei der Abstimmung auch die Frage aufgeworfen haben, ob das Saarland vorerst den Status quo beibehalten und einen neuen Entscheid über sein Schicksal zu einem späteren Zeitpunkt treffen wolle. Denn für den Status quo konnte stimmen, wer zwar nicht nach Frankreich wollte, aber auch nicht zum heutigen Deutschland, und der erst für Deutschland wählen wollte, wenn das nationalsozialistische Regiment, wie er hoffte, verschwunden wäre. Und wie war das Ergebnis trotz dieser Möglichkeit der Stimmabgabe weder für Frankreich noch für das neue Deutschland? Wer 90 v. H. haben sich zum Deutschland Adolf Hitlers bekannt! (Lebhafter Beifall.) Die Welt hat die geschichtliche Bedeutung dieser Abstimmung begriffen, die geschichtliche Bedeutung nicht nur für Deutschland, sondern gerade auch für d en Nationalsozialismus. Teils schwieg die Welt betreten, teils konnte sie nicht mehr umhin, sich vor der Macht der unbestreitbaren Tatsachen anerkennend zu beugen. Denn auch der letzte Ausweg war ihr genommen: der Ausweg, wie bei den Wahlen im übrigen Reich zu behaupten, Terror der Nazis habe das Wahlergebnis erzwungen, ja gefälscht. Diese Wahl fand doch statt unter der Kontrolle der Welt, selbst unter der Kontrolle fremder Kommissare und in der Machtsphäre fremder Truppen!
So war cs gut, daß die Gegenseite das großzügige und hochherzige Angebot des Führers, die selbstverständliche Rückkehr der Saar zu-Deutschland ohne Abstimmung durch einen kurzen Vertragsakt zu vollziehen, nicht annahm. Der Welt wäre andernfalls nicht in so klarer und eindrucksvoller Weise der wirkliche Wille des Saarvolkes und die unbestreitbare Tatsache, daß die Deutschen nationalsozialistisch regiert sein wollen, vor Augen geführt worden. Seit der Saarabstim- nrung bleibt der Welt nichts anderes übrig, als diese Tatsache anzuerkennen, sich mit ihr abzufinden und die praktischen Folgerungen daraus zu ziehen. Die praktischen Folgerungen aber sind: Wege zu finden, um zu diesem großen Volk in Mitteleuropa das Verhältnis vertrauensvoller Zusammenarbeit herzustellen, welches dieses Volk und sein Führer im Interesse des Friedens wünschen. Der Führer hat den anderen großen Nationen Wege zu diesem Ziele gewiesen, und es scheint, als ob seit der Saarabstimmung die Bereitschaft bei ihnen zugenommen hat, solche Wege zu gehen, um in gemeinsamer Anstrengung die Befriedung Europas herbeizuführen.
Zwischen den einzelnen Reden Lieder der Nation, immer wieder das Saarlied. Reichsminister Dr. Goebbels rönrde mit einem besonderen Applaus begrüßt. Er rüttelte die Hunderttausende auf und bereitete den Boden für die Rede des Führers.
Reichsminister Dr. Goebbels
sagte u. a.: Eine Schlammflut von Lüge und Verleumdung ergoß sich in diesen letzten zwei Jahren über das saarländische Volk und die deutsche Regierung hatte kaum ein Mittel, Lüge und Verleumdung wirksam Einhalt zu gebieten. Wie hoch ist die Treue und die Beständigkeit eines Volkes einzuschätzen, das sich trotz Lüge und Verleumdung unter schwersten seelischen Belastungen zum onge- stammten Mutter- und Heimatlande bekannte und vor aller Welt bekundete, daß die Heimkehr zum Reich für dieses Volk nicht eine materielle, sondern eine seelische und charakterliche Angelegenheit war. (Beifall.)
Es war die Absicht jenes Versailler sogen. Friedensvertrages, (Pfuirufe) das Saargebie't als ewigen Zankapfel zwischen Deutschland und Frankreich zu legen. (Erneute Pfuirufe.) Ihr Brüder und Schwestern von der Saar habt durch euer einmütiges Bekenntnis zum Reich diese Absicht zuschanden gemacht.'
Ihr habt dem Führer die Möglichkeit gegeben, dieses Bekenntnis zur Basis einer neuen europäischen Verständigung und einer besseren Ordnung Europas auszugestalten. (Bravorufe.) Damit seid ihr Soldaten des Friedens geworden. Ihr habt dem Reich und dem ganzen Erdteil einen Dienst getan, und jene vielen Millionen, die in dieser denkwürdigen Stunde mit euch Zehntausenden hier auf dem Marktplatz in Saarbrücken draußen im Reich, über den Wellen des Äthers verbunden sind, jene vielen Millionen danken euch dafür, und die ganze Nation breitet weit ihre Arme aus, um euch wieder zum ■ Reich zurückzunehmen. eo aber wie mir stolz sind auf euch, so Männer und Frauen, könnt ihr stolz sein auf das Reich, zu dem ihr zurückkehrt. (Beifall.)
Es ist eine neue Zeit angebrochen, und wir werden diese neue Zeit meistern. Einer stand auf und h a t die Nation vom Abgrund zurückgerissen, einer stand auf und hat ihr wieder Machtbewüßtsein eingepflanzt. Er gab ihr die Ehre zurück und gab ihr zurück eine neue Wertung der Arbeit. Zu ihm habt ihr euch bekannt, indem ihr ein Bekenntnis zum unsterblichen Deutschtum ablegtet, und wenn der Führer zu euch kam, so um euch seinen Dank auszusprechen für dieses Bekenntnis. (Beifall.) Und wenn er euch dankt, dann dankt euch damit die deutsche Nation, denn er tritt nicht vor euch hin als Vertreter eines parlamentarischen Jnteressenhaufens oder einer demokratisch- marxistischen Partei. Er steht vor euch als der Repräsentant eines ganzen Volkes. Wenn er euch die Hand entgsgenhälr, so ist es die Hand der ganzen Nation, und wenn er euch in den Bestand des Reiches zurücknimmt, so drückt damit das ganze deutsche Volk euch an sein Herz.
Nach den Saarfeiern.
Starker Eindruck im Ausland.—Hitlers Appell zum Frieden. — Tendenzen zur Verständigung.
Das Auslandsecho.
as. Berlin, 2. März. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Deutschland und nicht nur Deutschland, sondern die ganze Welt steht noch völlig unter dem starken Eindruck der gestrigen Saarfeiern, die von dänischen Blättern als großes Familienfest ohne jeden Mission gekennzeichnet werden. Ausführlich hat fast die gesamte Presse des Auslandes über diese Kundgebung berichtet und den ungeheueren Jubel geschildert, der in Saarbrücken bei der Ankunft des Führers herrschte. Dem marxistischen Londoner „Daily Herold" passierte das Mißgeschick, daß er just noch in der Stunde, zu der Hitler seine Siegesfahrt durch das Saarland antrat, feinen Lesern verkündete, Hitler werde nicht in das Saargebiet kommen, ehe nicht die Deutsche Geheimpolizei" errichtet sei und das Saargebiet gesichert haben werde. Auch die franö- fische P r e ss e kommt nicht daran vorbei, ihren Lesern von dem Jubel im Saarland zu berichten, und es scheint fast, als ob einige ihrer Berichterstatter im Saargebiet von dieser Begeisterung selbst mitge- rißen wurden, während man in den Redaktionsstuben des „Temps" einen Artikel schrieb, der dem nunmehr glücklich beseitigten Saarregime Dank und Anerkennung zollt und von der sMstlosen Saarpolitik Frankreichs spricht. Alles in allem muß man feststellen, daß der Eindruck der Feiern auch im Ausland außerordentlich groß ist, wobei man freilich nicht an der Tatsache Vorbeigehen kann, daß im deutschen Öslerreich die Behörden gegen jede Demonstration für Deutschland vorgingen und daß auch der österreichische Rundfunk auf
eine Übertragung der Saarfeiern und Ansprachen verzichtete. Umsomehr schalteten sich die österreichischen Rundfunkhörer auf die deutschen Sender ein, um auf diese Weise teilzuhaben an dem Fest der Deutschen und die große Rede des Kanzlers mitanzuhören.
Nun hat der Führer gestern in seiner großen Rede in Saarbrücken nicht nur die (Saarländer begrüßt und ihnen die Bedeutung des Tages vor Augen geführt und damit ihnen zugleich das Tor zu einer neuen Welt geöffnet, sondern der Kanzler hat auch auf die außenpolitische Bedeutung dieses Tages verwiesen. Hi t l e r h a t unter dem Saar kam pf, der uns von Frankreich aufgezwungen wurde, den Schluß strich gezogen, indem er sich abermals feierlich bereit erklärte, dem Gegner von gestern die Hand zu reichen. An diesen neuen Friedensappell des Kanzlers und Führers wird die Welt nicht achtlos vorübergehen können, am wenigsten in einem Augenblick, in dem aus dem Londoner Protokoll praktische Schlußfolgerungen gezogen werden sollen. Auch Baron Alois i hat sich über die außenpolitische Bedeutung des gestrigen Tages geäußert. Er erklärte einem Journalisten u. a.: „Es bestehen heute starke Tendenzen zur Verständigung unter den Völkern. Diese Tendenzen sind mit hervor- gerufen worden durch das erfreuliche Ergebnis der Abstimmung und der jetzt erfolgten Rückgliederung des Saargebietes in das Reich." Auch damit wird nochmals die außenpolitische Bedeutung des gestrigen Tages gekennzeichnet. Es wird sich bald erweisen müssen, wie stark die Verständigungstendenzen sind. Daß Deutschland zu einer Verständigung bereit ist, ist in der gestrigen Rede des Führers erneut der Welt bekundet worden.
Inzwischen waren eine Reihe von Saarländern und Saarländerinnen in Trachten auf Umwegen ins Rathaus gebracht worden. Sie nahmen dann auf der Rat- Haustreppe Aufstellung. Ebenso hatte man unmittelbar an der Treppe einen besonderen Platz für Kriegsbeschädigte eingeräumt, von dem aus sie dem Führer besonders nahe waren und von ihm einen besonderen Gruß empfangen konnten.
Der Reichskommissar, Gauleiter B ü r ck e l, den das Saaroolk als den Befreier des Saarlandes betrachtet, richtete dann ebenfalls an die Saarländer, die er durch fein Beispiel der Tat zu Nationalsozialisten gemacht hatte, Worte des Dankes und eine Mahnung zur Treue.
Reichskommissar Bürckel.
Der Urteilsspruch von Versailles, hinter dem der Gedanke stand, man könnte aus Deutschen Nichtdeutsche machen, wurde am 13. Januar so eindeutig ab absurdum geführt, daß er als dauerndes Anschauungsmittel in den großen Weltkonferenzsälen zur Mahnung für alle Zukunft dargestellt werden müßte. Wenn man aus diesem Urteilsspruch des 13. Januar, der als ein gigantisches Bekenntnis aller Welt die deutsche Sprache so eindeutig vermittelte, jene Schlüsse ziehen wollte, die bei ihrer Verwirklichung allein Sicherheit und Frieden der Welt garantieren, fo würden diese 15 Jahre härtester Prüfung, die ihr Saarländer ertrugt, das heiligste Opfer für den Frieden der Welt. Der Friede wird erst dann gesichert sein, wenn von der politischen Welt anerkannt wird, daß die Vergewaltigung natürlicher Gesetze immer ein Verbrechen am Frieden bleibt. Die Saar müßte die letzte Beweisführung für diese Behauptung gegeben haben.
Die Deutsche Front, die ursprünglich die These aufgestellt hatte, daß es nur zwei Dinge gebe: Deutschland oder Frankreich, wurde veranlaßt, durch den maßlosen Haß der Gegner des Nationalsozialismus, die Sache Adolf Hitlers zu ihrer eigenen Sache zu machen. Sie bekannte öffentlich,, daß ihr Eintreten für Deutschland nicht zuletzt das Eintreten für Hitler und feine große Bewegung ist.
Der Kampf an der Saar hat in der letzten Phase seiner Entwicklung eine eindeutig klare Linie herausgearbeitet. Marxisten, Kommunisten und konfessionell festgelegte Separaten haben das Verdienst gehabt, die Saarfrage zu einei
