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83. Jahrgang.
Freitag, 1. März 1935.
Nr. 59.
Die Saar wieder im Reich!
Die Nacht der Märsche und Lieder
Es bleibt uns noch übrig, nach dem Sinn der Saar» besetzung zu fragen. Wir können am heutigen Freuden- tage diese Frage nicht unterdrücken. Wir können es schon deshalb nicht, weil die Beantwortung dieser Frage wichtig ist für die Neugestaltung der Dinge in Europa, um die augenblicklich gerungen wird. Die Saarbesetzung hatte nur den einen Sinn, auf kaltem Wege die Saar den Franzosen zuzuschanzen. Das war das Ziel, das war die Absicht. Diese Absicht ist vereitelt worden, weil man nicht mit der Treue der Saarbewohner gerechnet hat. Alle Hoffnungen sind durch die Volksabstim- mung zunichte geworden. Heute wissen wir und weiß die Welt: Die Saarbesetzung ist völlig unsinnig gewesen. Sie hätte nur den einen Sinn haben können, das Saaroolk zur Treue gegenüber der Heimat zu erziehen. Aber eine solche Erziehung war weder an der Saar nötig, noch ist sie beim deutschen Volke überhaupt nötig. Hier an der Saar ist die Unsinnigkeit des Versailler Vertrages aller Welt deutlich vor Augen geführt worden, und nun bedenke man, baß aus dieser Unsinnigkeit unter Umständen noch in den letzten Wochen vor der Abstimmung hätte ein Konflikt entstehen können, wenn nicht der neue französische Außenminister endlich die wahre Sachlage erkannt hätte.
Die Saar ist wieder int Reich und ihre Bewohner sind wieder daheim in Deutschland. Deutsch ist die Saar — deutsch immerdar.
Die feierliche Übergabe
Das Freiheitsprotokoll. — Reden Aloisis und Dr. Fricks
Saarbrücken. Reichsminister Dr. Frick und Reichsminister Dr. Goebbels werden stürmisch von der Bevölkerung gefeiert und begrüßt, die diesen Augenblick wahrhaft als historisch empfinden. Hinter ihnen sieht man Reichsminister Seihte, Reichsarbeitssührer Hierl, Staatssekretär Trauert, den Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn, Dorpmüller, den Führer der NSKK., Korpsführer Hühnlein und zahlreiche andere Mitglieder der Partei. In langen Wagenkolonnen treffen am Vormittag dann aus Neustadt a. d. H. die Reichsstatthalter, die Ministerpräsidenten und Minister der Länder, die hohen Führer der Partei, SA.- und SS.-Führer usw. mit Gauleiter V ü r ck e l in Saarbrücken ein.
Die Führung des neuen Deutschland ist nun an Ort und Stelle versammelt, und nun ist das Saargebiet wahrhaft heimgekehrt.
Der Tag der Heimkehr.
Wir haben wenig Freudentage gehabt in all den Jahren nach dem verlorenen Krieg. Dieser Tag der Saarheimkehr ist einer der wenigen Tage, an dem kein deutsches Herz ungerührt sein wird. Nach 16 Zähren des Leidens kehrt das Saarland endlich heim. Wir haben an das Saarland geglaubt, sowie das Saarland stets unbeirrt an Deutschland geglaubt hat. Heute ist nun der Glaube Erfüllung geworden. Darum läuteten die Glocken, darum wehen die Fahnen, darum grüßen wir die Männer und Frauen aus heißem, vollem Herzen: Willkommen, ihr Brüder und Schwestern alle, willkommen in der deutschen Heimat!
Unnatürliche Landesgrenzen sind nun gefallen, so als ob sie nie bestanden hätten. Man hat damals in Versailles auf großen Karten rote Striche gezogen. Man hat Schicksal gespielt mit deutschem Land und deutschen Menschen, Schicksal, das Leid, Härte und Bitternis war. Man möchte an diesem Tag der Freude nicht an alles denken, was war, aber es geht nicht anders. Die Gedanken lassen sich nicht hemmen, sie gehen zurück: Deutschlands Truppen marschierten, lehmverkrustet aus den Gräben heimwärts über den Rhein. Ihnen folgten mit Miene und Ton des Siegers die Franzosen. In großen Anschlägen verhießen sie Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Zn Wirklichkeit übten sie gnt hartes und brutales Militärregiment. Dann kämoer Tag, an dem der Versailler Vertrag unterzeichnet wurde. 15 Jahre Besetzung hieß das Urteil für das Saargebiet. Ein hartes Urteil, aber es galt durchzuhalten bis zum Tage der Befreiung. Zäh war der Wille, und die Aufgabe keineswegs immer leicht. Separatisten und Franzosen verschworen sich zu Putschen. Arbeiter und Beamte mutzten um ihre Lebensrechte kämpfen. In den französischen Schulen sollten die Kinder den Eltern und der Heimat entfremdet werden. Jedermann wußte, daß das französische Ziel die endgültige Trennung des Saargebietes von Deutschland war. Nichts half, nichts nutzte. Alles Bittere stärkte nur den Widerstand des trotzigen Saarvolkes. Diese Männer und Frauen an der Saar wur-
Die Minister in Saarbrücken.
Saarbrücken, 1. März. (Eigene Drahtmeldung.) Die NachtvorderHeimkehr des Saargebietes ins Deutsche Reich war eine Nacht der Märsche und Lieder. An Schlaf war in Saarbrücken in diesen Nachtstunden nicht zu denken. Alle Straßen hallten wider vom Tritt der Kolonnen, von frischen und frohen Liedern, denn überall marschierten die Verbände um 12 llhr, um 1 Uhr, um 2 Uhr, um 3 Uhr. Um 5 llhr morgens marschierten sie noch, und auch um 7 llhr morgens hatte ihr Marsch noch kein Ende gefunden.
Wir fuhren in der Nacht durch Saardörfer und Städte, hinüber zur Pfalz, und mußten erleben, datz die Bevölkerung alles, aber auch alles, hergeben wird, um diesen Tag der Heimkehr würdig zu gestalten. Die Straßen der Städte und Dörfer sind eine einzige dichte Kette von Tannenbäumen. In den engen Strotzen der Städte hängen die Fahnen so dicht, datz sie jede Sicht nehmen.
Überall hat man die Anbringung der Hoheitszeichen des neuen Deutschland vorbereitet und in dieser Nacht erstrahlte an Hunderten von Gebäuden zum ersten Male das Hoheitszeichen und das Hakenkreuz. Trotze Freude herrschte überall, als bekannt wurde, daß die Regierungskommission das Saargebiet endgültig verlassen hat. Hinter Homburg, in der Gegend der bisherigen Saargrenze bei Bruchdorf spannen sich dort, wo ehemals das französische Zollhäuschen stand, von dem nur noch ein heller Fleck auf dem Erdboden kündet, und an der ehemaligen deutschen Zollschranke, große Lichterbogen über die Straßen, an denen zu lesen steht: „Die Saar i st f r e i“. Nur im deutschen Zollhäuschen fitzen noch Zollbeamte, die die Überwachung des Warenverkehrs noch dem Saargebiet zu versehen haben.
In Saarbrücken quellen aus dem Bahnhof immer neue Menschenmassen, SA., SS., Arbeitsdienst, Hitlerjugend, llm 2 llhr nachts hallte der feste Tritt der Leibstandarte Adolf Hitlers durch die Straßen, dann mit herrlichen Liedern und geschultertem, blinkendem Spaten der Arbeitsdienst, der sich rm Saargebiet ganz besonderer Sympathie der Bevölkerung erfreut. Inzwischen sind große Kolonnen des Bahnschutzes aus depi Reiche eingetroffen. die überall die Sicherung der Bahngebäude und der Bahnhöfe übernommen, haben.
. llm 7.40 Uhr trifft der Sonderzug der Reichsregierung auf dem Hauptbahnhof ein. Nachdem "schon am Vortage die Polizeigewalt in deutsche Hände übergegangen ist, schreiten nun zum ersten Mole — und es ist fast/ ein Symbol — deutsche Minister über den Bahnhofsvorplatz von
den beherrscht durch eine vokksfremde Negierung, die nur blutleere Theorien des Völkerbundes anwendete.
Nun flattern nicht mehr die volksfremden Saarfahnen auf dem Gebäude der Eisenbahndirektion in Saarbrücken. Nun ist nicht mehr Frankreichs Trikolore auf dem Hause der einstmals französischen Bergwerksdirektion zu sehen. Wie ein Spuk ist das alles verschwunden — und hat doch 16 Jahre gedauert.
Landesgrenzen, Schlagbäume, Zollschranken sind gefallen. Das Saargebiet ist wieder deutsch, deutsch in der Verwaltung und Wirtschaft. Es ist nicht so einfach, dieses Saarland, das bis vor Tagen dem französischen Zollgebiet einverleibt war, nun einfach aus diesem Zustand der deutschen Wirtschaft einzugliedern. Wir kennen diese Schwierigkeiten, und unsere^ Freunde kennen diese Schwierigkeiten auch, aber die Schwierigkeiten sind noch immer dazu dagewesen, um überwunden zu werden. Wenn wir alle mithelfen, so wird es ohne weiteres gehen.
Eine besondere Freude ist es, daß das Saarland dasjenige Land ist, das zum ersten Male den Gedanken der Reichsreform und Reichseinheit, auch in der territorialen Gliederung, verwirklicht. Das Saarland hat einst zu Bayern und Preußen gehört; durch gemeinsames Schicksal ist dieses Land eins geworden und wird auch zusammen bleiben.
Triumphfahrt Fricks und Bürckels durch Saarbrücken.
Saarbrücken, 1. März. (Gig. Drahtmeldung.) Kurz noch 9 llhr bestiegen vor dem Hotel Excelsior, wo ein großer Teil der Minister untergebrocht ist, Reichsminister Dr. Frick, Gauleiter Bürckel und Staatssekretär Grauert den Wagen, um sich zum Kreisständehaus zu begeben, wo die Übergabe der Regierungsgewalt an Reichsminister Dr. Frick ftottfmdet.
Die Fahrt durch die Stadt gestaltete sich zu einem ungeheuren Triumphzug. Vom Bahnhof über das Hotel Excelsior durch die Adols-Hitler-Stroße und weiter bis zum Kreisstände- haus und bis zum Regierungsgebäude ein dichtes Spalier von Menschen auf den teils sehr breiten Bürgersteigen 20 Bis 30 Glieder tief, so daß sich ein Verkehr dahinter kaum noch abroickeln kann. Noch niemals seit dem Weltkriege ist ein deutscher Minister offiziell durch Saarbrücken gefahren, insbesondere noch niemals ein nationalsozialistischer Minister. So hatte diese Fahrt eine doppelte Bedeutung und so war der Jubel ganz besonders herzlich und spontan.
Während am Regierungsgebäude die Formationen der verschiedenen Verbände aufmarschierten, um dort bei der feierlichen Flaggenbissung zu präsentieren, marschierten vor der Bergwerksdirektion, wo während der Nacht die Trikolore eingezögen worden war, und nun ein riesiges Hoheitszeichen herableuchtet, Ehrenkompagnien der blauen Polizei, Ehrenstürme der SS. und der SA. sowie Ehrenformationen des Arbeitsdienstes auf.
gefetzt. Ein Kapitel Nachkrirgsgeschichte hat seine förmliche Erledigung gesunden.
Kurz nach 9 llhr begaben sich die Herren desDreier- aus schuss es des Völkerbundes mit ihren Begleitern in Kraftwagen vom Schloß Halberg, wo sie seit gestern nachmittag als Gäste der Reichsregierung Wohnung genommen hatten, nach Saarbrücken.
Sie hatten gestern abend nach dem Empfang durch den Hausherrn, Legationsrat Braun von Stumm und Gattin, Gelegenheit, einige saarländische Persönlichkeiten bei einem Abendessen zu treffen. Nachdem die Herren bereits gestern nachmittag nach Abfahrt des Präsidenten Knox im Kreisständehaus vom Vortragenden Legationsrat im Auswärtigen Amt Voigt als ersten Vertreter Deutschlands begrüßt worden waren, erfolgte heute früh das Zusammentreffen mit dem Reichsinnenminister Dr. Frick im Kreis- tagssaal des Kreisständehauses.
Zu der feierlichen Übergabe waren die drei Mitglieder des Saar-Dreierausschuffes, Baron Aloisi, Kabinettschef des ttalierttschen Außenministers und königlich italienische Botschafter Cantilo, argentinischer Botschafter in Rom und Lopez Ol i v a n, spanischer Gesandter in Vern, erschienen. Außerdem war der Saarreferent des Völkerbunbssekretariats, der Däne Krabbe, anwesend. In Begleitung der Herren des Dreierausschusses befanden sich der italienische Gesandte B i a n ch e r o, die italienischen Legationssekretäre Marquis d' A i e t a, als Dolmetscher Secco $ m a i b o und der argentinische Botschaftsrat Oneto Asteggo. Von deutscher Seite nahmen neben Reichsmnenminister Dr. Frick, Staatssekretär Grauert, Staatssekretär Vollert und die Logationsräte Braun, von Stumm und S t r o h m teil.
Außerdem nahmen (»autoter Bürckel und seitens der Regierungskommission Minister K o ß m a n n, sowie Minister Ehr n r-öth teil.
Das Protokoll.
Nach kurzer Vorstellung und Begrüßung wurde von den Mitgliedern ires Dreierausschusses, Reichsinnenminister Dr. Frick und Herrn Krabbe ein Protokoll über die Rück- glisdernng des Saargebietes unterzeichnet, das folgenden Wortlaut hat:
„Durch Beschluß vom 17. Januar 1935 hat der Rat des Völkerbundes den Zeitpunkt der Wiedereinsetzung Deutschlands in die Regierung des Saarbecken-Eebietes gemäß dem am 28. Juni 1919 in Versailles unterzeichneten Friedensvertrag ans den 1. März 1935 festgesetzt. I« Ausführung dieses Beschlusses hat der mit den Fragen des Saargebietes beanstragte Rechtsausschuß, bestehend ans den Vertretern Italiens, Argentiniens und Spaniens, Seiner Exzellenz Baron Nloisi, Botschafter S. M. des Königs von Italien, Kabinettschef des italienischen Ministers der Auswärtigen Angelegenheiten, Seine Exzellenz Herr Canttlo, Botschastrr der argentinischen Republik in Rom, und Seine Exzellenz Herr Lopez Olioan, spanischer Gesandter in Bern, mit dem heutigen Tage im Rainen des Völkerbundes die Regierung dieses Gebietes scierlich an Deutschland, das hierbei durch den Reichsminister des Innern, Herrn Dr. Frick, vertreten war, übertragen. Zu llrkund dessen habe» die vorerwähnten Vertreter des Völkerbundes u»d
Saarbrücken, 1. März. (Gig. Drahtmeldung.) 3m Kreis st iindehaus zu Saarbrücken wurde Freitagvormittag um >.£10 llhr der feierliche Akt der Übergabe des Saargebietes an Deutschland durch den Dreieraus- schuß des Völkerbundes an Reichsminister Dr. Frick vollzogen. Die Rückgliederung des Saargehietes an Deutschland ist nunmehr offiziell erfolgt. Das deutsche Saarland ist nach der 15jährigen Treuhiinderschast des Völkerbundes wieder dem Baterlande einoerleibt worden. Heute wurde der Schlußstrich unter die Völkerbundspolitik in einem deutschen Gebiet
