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Nr. 57

Mittwoch, 27. Februar 1935

83. Jahrgang

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Der Sinn der Fanfare.

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fische und die englische Regierung darin einig seien, Grundsatz der Gleichzeitigkeit der Londe

Um Don SAH Der britischen Übersee-Niete.

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Die europäischen Verhandlungen.

Paris betont den Grundsatz der Gleichzeitigkeit der Londoner Vorschläge.

Frankreich betreibt vor allem den Ostpakt.

Paris, 26. Febr. In gewöhnlich gut unterrichteten poli­tischen Kreisen wird bekannt, daß sich der außenpoli- tische Bericht Lavals vor dem Mini st errat auch ; auf die kommenden deutsch-englischen Verhandlungen be- M zogen hat.

Lavals Bericht über die Besprechungen mit Schuschnigg.

Paris, 26. Febr. Im heutigen Ministerrat hat Augen­minister Laval dem Präsidenten der Republik den Gesetz­entwurf zur Ratifizierung der in Rom zustande gekommenen Abmachungen über die kolonialen Zugeständnisse an Ialien und des Status der Italiener in Tunesien zur Unterschrift vorgslegt.

In gut unterrichteten Kreisen verlautet, daß Augen­minister Laval in diesem Zusammenhang über seine Be­sprechungen mit den österreichischen Ministern berichtet habe, die sich größtenteils auf den Plan eines Donaupak- t e s bezogen. Laval habe seinen Ministerkollegen mitgeteilt, dag er aus der Fühlungnahme mit den österreichischen Ministern einen befriedigenden Eindruck mitgenommen habe. Es sei zwar kein Text aufgesetzt worden; denn der Donau-

| Italien stellt zwei neue Divisionen aus

Die nach Afrika verschifften Truppen werden ersetzt. — Scharfe Sprache in Rom.

Italien kann 7 bis 8 Millionen Mann mobilisieren.

sprechen, Italien wolle unter allen Um­ständen den Eindruck vermeiden, als ob durch sein Engagement in Abessinien seine Schlagkraft in Europa geschwächt würde. Rom will sich also keineswegs an die Wand quetschen lassen, und eine solche offene Bekundung scheint dem Duce umso erforderlicher, als die Klein e Entente mit Unterstützung Rußlands sich, wie gestern schon betont wurde, sehr aktiv um eine Gestaltung der Do naur aumpol i t i k in ihrem Sinne bemüht, sodaß hier eine Verschie­bung im politischen Kräfteverhältnis droht. Die ge­reizte Sprache der amtlichen italienischen Mitteilung zeigt aber, daß Italien seine europäische Machtposition unter allen Umständen halten will, auch wenn es um­fassende kriegerische Vorbereitungen gegen Abessinien trifft. Man wird in den Kreisen der Kleinen Entente aber auch in Paris diese italienische Kundgebung nicht übersehen können. Gleichzeitig aber wendet sich Italien damit auch gegen alle Be st r e b u n g e n Lon­dons u n d Pari s', sich in den italienisch- abessinischen Konflikt stärker einzu­schalten als es Rom lieb ist, denn der Hinweis auf die eigene militärische Kraft und die wirtschaftliche Unabhängigkeit soll zweifellos zeigen, daß Italien auch in seiner Kolonialpolitik Herr seiner Entschließungen zu bleiben wünscht. Im übrigen aber sind ja kriegerische Töne in Rom nichts Neues. Der Hinweis auf den Krieg gehört vielmehr zu den üblichen Methoden der italienischen Politik.

Sir John A. Simon.

Seit Macdonald Sir John Simon, Mitglied des Parlaments und Angehöriger der Liberalen Partei, im Jahre 1931 an die Spitze des Foreign Office berief, ist i>er Name des einstigen angesehenen Londoner Anwalts bei fast allen internationalen Auseinandersetzungen mit in der vordersten Reihe genannt worden. In England, wo an sich die Burgfriedensparole der nationalen Re­gierung die innenpolitischen Auseinandersetzungen ab­bremst, hat es trotzdem in letzter Zeit nicht an einer ge­wissen Opposition der extrem konservativen Kreise gegen den liberalen Außenminister gefehlt, und es ist noch in der Erinnerung der europäischen Öffentlichkeit, daß Barthou.im Jahre 1934 in Genf einen recht bissigen, scharfen Vorstoß gegen den seiner Politik widerstreben­den Simon zu unternehmen wagte, weil er offenbar über gewisse Londoner Stimmungen gut unterrichtet war. Damals und auch später ist wiederholt der LorÄ- siegelbewahrer Eden als Nachfolger Sir John Simons im Amte des Außenministers genannt worden. Und doch hat dieser sich zähe behauptet, genau wie er sich schon im Frühjahr 1934, als er aus dem Kabinett Mac­donald ausgeschifft werden sollte, weigerte, zurückzu­treten. Unabhängig von der gelegentlichen Gegner­schaft, die ihm seine Haltung in dieser oder jener Frage einträgt, ist man sich übrigens in England ziemlich einig darüber, daß er das Geschäft der internationalen Politik besser versteht, als zurzeit irgendein anderer britischer Staatsmann.

Man hat gesagt, die britische Demokratie sei im Grunde eine sehr scharf ausgeprägte Aristokratie. Das Land würde, wenn man genau hinsähe, von ein paar hundert Männern regiert, die es sich dank ihrer wirt­schaftlichen und sozialen Stellung leisten könnten, die Politik zu ihrem ausschließlichen Beruf zu machen. Und nicht nur sie, sondern seit Generationen übten ihre Familien diesen Beruf aus. Man wird nicht sagen können, daß der derzeitige Leiter des britischen Außen­amtes an dieser politischen Erbweisheit teil hat. Er stammt aus einfachsten, gänzlich unaristokratischen Ver­hältnissen. Sein Großvater war Steinmetz, sein Vater und mehrere von dessen Brüdern Geistliche. Seine He- mat, Wales, teilt er mit Lloyd George. Mütterlicher­seits fließt allerdings aristokratisches, sogar königliches Blut in den Adern Simons. Der Vater seiner Mutter, war William Pole, und er hat als Vorfahrin jene Gräfin Margaret von Salisbury, eine Tochter des Her­zogs Georg von Clarence, der ein Bruder König Eduards IV. war.

Daß Simon die akademische Laufbahn des Juristen einschlagen konnte, verdankt er lediglich seinen ausge­zeichnete Leistungen als Schüler, die ihm Stipendien und persönliche Förderung eintrugen. Er bezog die Universität Oxford, jene klassische Stätte englischer Bil­dung, eröffnete nach Beendigung seiner Studien in London ein Anwaltsbüro, das ihm zunächst allerdings so wenig eintrug, daß er daneben für Zeitungen Leit­artikel schrieb, um deren Unterbringung er sich übrigens sehr eifrig und mit geschäftlicher Gewandtheit bemühte. Aber Simon hat nicht lange in dieser Stellung des kleinen unbekannten Anwalts verharrt. Seine juristische Begabung lenkte die Aufmerksamkeit auf ihn.. Er wurde ein gesuchter Anwalt, konnte sich bald in der City ein Büro mieten und ist in dem bekannten Alaska- Erenzfall sogar mit der juristischen Beratung und Ver­tretung der britischen Regierung betraut worden, die ihn in den, zur N^elung der Angelegenheiten einge­setzten Ausschuß berief. Im Jahre 1905 wurde Simon ms Parlament gewählt, 1910, 37jährig, zum Solicitor General ernannt. Dieses Amt trug ihm gleichzeitig die Ritterwüvde und feinem Name den Zusatz „Sir" ein.

1915 trat er zum ersten Male in die Regierung ein. Asquith nahm ihn als Innenminister in sein Kabinett

Sangspreife: Nur eine Bezugszeü von 2 Wochen 94 Rpf., für einen Monat RM. 2.—, ein. schließlich Traglohn. Durch die Post bezogen RM. 2.35, zuzüglich 42 Rpf. Bestellgeld, Einzel, nummern 10 Rpf. - Bezugsbestellungen nehmen an: der Verlag, die Ausgabestellen, die Trager und alle Postanstalten. — In Fällen höherer Gewalt oder Betriebsstörungen haben die Bezieher fernen Anspruch auf Lieferung des Blattes oder auf Rückzahlung des Bezugspreises.

. Wie man sieht, wird in Rom wieder einmal kräftig ■ mit dem Säbel gerasselt. Fragt man sich, warum Musso­lini gerade jetzt nach London eine solche kriegerische i Sprache für erforderlich erachtet, so findet man die Ant­wort in einigen italienischen Blättern, die klar aus-

nach England zurücklchren. Inzwischen ist Generalmajor B a r r o n auf einer ähnlichen Besichtigungsreise am Mon­tag in Singapore eingetroffen. Generalmajor Barron ist Inspekteur der festen Verteidigungsstützpunkte. Dieser Posten ist im Oktober vorigen Jahres neu geschaffen worden. Barron wird zwei Wochen in Singapore bleiben und die Befestigungen, das Kriegsmaterial und die Garnisonen gründlich besichtigen. Dann wird er nach Hongkong reifen und auf der Heimreise in Colombo und Aden Halt machen. Im Lichte der Ergebnisse dieser verschiedenen Unter. suchungen dürften dem Reichsgeneralstab Vorschläge für die Verbesserung und Verstärkung der „Außenposten des briti- sckren Reiches" unterbreitet werden.

Das Mitglied der Arbeiterpartei. West, hat am Mon­tagabend im Unterhaus eine kurze Anfrage an den Staats­sekretär für den Krieg angemeldet, in der um Auskunft über den Zweck der Reisen der beiden Generäle ersucht wird.

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Besichtigungsreisen hoher Offiziere.

London, 26. Febr. Die Frage des militärischen Schutzes der überseeischen britischen Gebiete beschäftigt die britischen Behörden in zunehmendem Maße. Nachdem der Sekretär des Reichsverteidigungsausschusses, Sir Hankey, im vorigen Jahre eine große Rundreise nach Südafrika, Australien, Neuseeland und Kanada unter­nommen hatte, ist nunmehr eine gründliche Besich­tigung aller überseeischen Garnisonen, Be­festigungen und Flottenstützpunkte im Gange. Malta und Gibraltar find bereits von Mitgliedern des Armeerates be­sucht roorben. Jetzt wird der Chef des Reichsgeneralstabes, General Sir Archibald Montgomery-Mass ing- berd, persönlich Ägypten, den Sudan, Palästina und Transjordanien besuchen. Er wird von seinem Mitarbeiter Oberstleutnant Lund begleitet sein und nicht vor April

öruno।c5 oer wieiqzeitigieit der Londoner Vorschläge vom 3. Februar entschieden aufrecht zu erhalten. Diese grundsätzliche Übereinstimmung lasse je« : doch den britischen Unterhändlern bei ihren Verhandlungen f mit Deutschland volle Bewegungsfreiheit, da die Pariser Re­gierung den Verfahrensfragen nur nebensächliche Bedeutung beimesse und im übrigen -der Londoner Regierung vorschlage, die Stellungnahme vom 3. Februar zu wahren. Gleichzeitig- ' leit bedeute, daß alle Verhandlungen über die Londoner Vor­schläge zum Abschluß gekommen sein müßten. Eine besondere i Reihenfolge für die Verhandlungen sei dagegen nicht vorge- f sehen. Angesichts der Einstellung der deutschen Regierung 'sei - vorauszusehen, daß bei den Berliner Verhandlungen Sir k Lohn Simon wahrscheinlich den geplanten Luftpakt an : er st er Stelle erörtern werde. In Paris halte man I aber auch an dem Ostpakt und an der Mehrseitigkeit des I gegenseitigen Beistandes fest. Daher werde sich die franzö­sische Regierung vor allem mit der Verwirklichung dieses Paktes beschäftigen, der sie mehr unmittelbar angehe als das [ englische Kabinett, da England an ihm auf alle Fälle nicht teilnehmen werde.

Man unterstreicht, daß England zwar in eine Zwie­sprache mit Deutschland eingewilligt habe, daß vorher aber der englische Außenminister die Gelegenheit seiner Anwesen­heit in Paris zu einer Begegnung mit dem französischen Außenminister benutzen werde. Die beiden Außenminister werden sich bei einem Frühstück in der britischen Botschaft treffen. Ihre Begegnung soll mehr den Charakter eines freundschaftlichen Meinungsaustausches als den einer rich­tigen Besprechung haben.

Man glaubt in Paris sagen zu können, daß die franzö­sische und -die englische Regierung darin einig seien, den

„ as. Berlin, 27. Febr. (Drahtbericht unserer Berliner | Abteilung.) Mussolini überrascht die Welt wieder ein­mal mit einer kriegerischen Kundgebung. Sie bringt v zunächst die Mitteilung, daß als Ersatz für die beiden gegen Abessinien mobilisierten Divi­sionen, von denen eine bereits abtransportiert, die s andere noch in der Verschiffung begriffen ist, zwei neue Divisionen aufgestellt worden sind. Auch das für die afrikanische Expedition benötigte Kriegsmaterial werde sofort ersetzt. Etwas beruhigend heißt es dann weiter, daß zu den - zwei Divisionen nur Leute bis zu einem Alter von | 24 Jahren einberufen werden sollen, wenn sich in Europa politische Komplikationen nicht ergeben sollten. Ein Grund zu dieser . $ Annahme scheine aber nach den in London und Rom 5 erzielten Vereinbarungen nicht zu bestehen. Dann aber ist die amtliche italienische Kundgebung des sanften Tones satt und erinnert daran, daß Italien 37, Jahresklässen, das heißt etwa 7 bis 8 Millionen Mann mobilisieren könne, nachdem auf Grund der neuen faschistischen Gesetze die Militärpflicht vom 18. bis zum 55. Lebensjahre ausge­dehnt worden fei.

pakt könne nur in Zusammenarbeit mit den übrigen daran interessierten Ländern aufgesetzt werden. Aber der französische Außenminister und die beiden österreichischen Minister hätten ü6er Formeln einigen können, die ihre gleiche Auffassung feststellen und die gegenwärtigen Verhandlungen in beträcht­lichem Maße vorwärtsbringen können.

Der französische Botschafter in Rom ist gestern durch einen ausführlichen telegraphischen Bericht vom Quai d'Orsay unterrichtet worden, damit er die italienische Regie­rung über die in Paris geleistete Arbeit aufklären kann.

Abreise des österreichischen Minister­präsidenten ans London.

London, 26. Febr. Der österreichische Bundeskanzler Sch u s ch n i g g und der Außenminister von Berger- Waldenegg haben Dienstagnachmittag London wieder verlassen. Auf dem Bahnhof und im Zuge waren ausgedehnte polizeiliche Vorkehrungen zu ihrem Schutze getroffen. Mit­tags hatte der Bundeskanzler in der österreichischen Gesandt­schaft die Vertreter sämtlicher in London vertretenen Blätter empfangen. Über den eigentlichen Zweck seines Londoner Be­suches verbreitete sich der Bundeskanzler nicht. Er begnügte sich mit der Feststellung, daß er in allen schwierigen Fragen, wie z. B. in der Frage der Konversion der Völkerbunds­anleihe, in London Verständnis gesunden habe. Der Rest seiner ziemlich umfangreichen Darlegungen beschäftigte sich ausschließlich mit den wirtschaftlichen und politischen Ver­hältnissen in Österreich, wobei der Optimismus auffiel, mit dem er die wirtschaftlichen Zukunftsaussichten eines selbständigen Österreichs schilderte.

Kurz vor seiner Abreise empfing der Bundeskanzler noch in seinem Hotel den italienischen Botschafter.