Wiesbadener Sagblatt
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83. Jahrgang
Sonntag, 24. Februar 1935
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Sowjetrutzlands Aufrüstung
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Erste Fühlungnahme auf Grund der deutschen Antwort.
t Berlin, 23. Febr. (Eig. Drahtmeldung.) Auf
Erund der deutschen Stellungnahme vom 13. Februar zu dem Londoner Kommunique hat gestern die erste
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Der russische Bauer wehrt sich.
Zwei Hinrichtungen aus der Krim.
Moskau, 22. Febr. In Simferopol auf der Krim verurteilte der Oberste Gerichtshof zwei Bauern wegen Ermordung eines Mitgliedes des Bundeskongresses der Kollektiv- bauernwittschaften in der Nähe von Simferopol zum Tode durch Erschießen. Ein anderer Angeklagter wurde zu zehn Jahren Konzentrationslager verurteilt. Eine Begnadigung wurde von den Vollzugsorganen abgelehnt. Die Todesurteile wurden vollstreckt.
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gefunden, indem der englische Botschafter Sir Eric Phipps den Reichsmiaister des Auswärtigen. Frhrn. ' o. Neurath am Nachmittag zu einer Aussprache ausgesucht hat.
Chamberlain über den besten Weg zur Erreichung einer allgemeinen Abrüstung.
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«nterzogen sich einer militärischen Leistungsprüfung im Fehrsport.
Bei dieser Gelegenheit sei daran erinnert. Lag neben "dieser Organisation weitere Wehrorganisationen bestehen, die vor allem für die Automobilisierung und den Wegebau l rintreten.
Ganz abgesehen hiervon besteht für alle Jugendlichen b; -derlei Geschlechts in Sowjetruhland ein gesetzlicher Zwang zur Teilnahme an der militärischen Jugendaus- bilLung, die teilweise an den Schulen, im wesentlichen aber in den großen Juqendverbänden stattfindet. I m Alter von 8 —11 Jahren gehören die Kinder zum „Bund der Oktober-Kinder“, in dem ihnen in spielerischer Weise die erste militärische Unterweisung zuteil wird. Im Alter von 10—16 Jahren find sie Mitglieder des „Bundes der jungen Pio-
Was die Wehrorganisationen leisten.
i es. Berlin, 22. Febr. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Nachdem in der letzten Zeit wiederholt recht Machtenswerte Mitteilungen über die Aufrüstung Sowjet- Wßlands gemacht werden konnten, zeigen neuere Berichte, Mtz sich diese Rüstungsmaßnahmen nicht nur auf das Heer, We Luftflotte und die Marine erstrecken, sondern daß auch -die freiwilligen Wehrorganisationen «ine außerordentlich Aege Tätigkeit entfalten. In erster Linie ist hier der frei- willige Wehrverband „Osoaviachim" zu nennen, der in Mentlichen Reden und Schriften immer den Beinamen „Stützpfeiler der friedlichen Arbeit und der Verteidigung der Sowjetunion" erhält. Diese Organisation, die sich vor allem zur Hauptaufgabe die vormilitärische Schulung, die Ausbildung außerhalb der Truppenverbände und schließlich die Fortbildung der Reservekommandeure gemacht hat, hat nach ihrem ätzten Bericht im abgelaufenen Jahre 140 0 0 0 Personen im Segelflug ausgebildet, 5300 Personen sind mit dem Fallschirm vom Flugzeug abge- 'Mungcn, eine Übung, auf die man in Sowjetrußland großen Wett legt, und eine halbe Million hat Fallschirmabsprünge von Sprungtürmen ausgeführt. Annähernd 700 000 Personen
nier e", in dem durch sportliche Übungen in erster Linie eine körperliche Ertüchtigung angestrebt wird und wo den Kindern die Anfangsgründe im Schießen beigebracht werden. Endlich umfaßt der „K o m s o m o l" genannte „Kommunistische Jugendverband" die Jugendlichen vom 16. bis zum 23. Lebensjahr.
Alle diese Dinge müßen bei der Betrachtung der russischen Rüstungen und ebenso bei der Betrachtung der Litwinowschen „Friedensreden" in Betracht gezogen werden.
Ausführungen des Kriegskommissars.
Moskau, 22. Febr. Kriegskommissar Woroschilow hatte am Donnerstag eine mehrstündige Besprechung mit den Funktionären der Gesellschaft O s s o a v i a ch i m. Er befaßt sich dabei mit der außenpolitischen Lage, besonders mit der Lage im Fernen Osten. Die letzten Jahre seien für die Sowjetunion mit ernster Kriegsgefahr verbunden gewesen. Sowjetrußland könne den Frieden nur aufrecht erhalten, wenn seine Wehrmacht und seine Luftmacht weiter ausgebaut würden. Die Militarisierung der Bevölkerung durch die Gesellschaft Offoaviachim dürfe nicht einschlafen. Sie müsse die gesunde Grundlage für die Militarisierung der Sowjetunion schaffen.
Der Vorsitzende des Vollzugsausschusses der Sowjetunion, Kalinin, empfing eine Gruppe Wissenschaftler, die sich mit den Fragen der militärischen, chemischen und Lustfahrtverteidigung beschäftigen. Dieser Gruppe gehören etwa 5000 Gelehrte an, die im Dienste der Roten Wehrmacht stehen. Sie bilden 19 besondere Ausschüsse, die die Aufgabe haben, die Mechanisierung und Modernisierung der Wehrmacht zu fördern. Kalinin betonte hierbei ebenfalls die Notwendigkeit des weiteren Ausbaues der Wehrmacht.
Aus Anlaß des 17jähttgey Bestehens der Roten Armee und Marine veröffentlicht Via Ossoaviachim zahlreiche Angaben, die an Hand von Ziffern gemacht sind, über ihre Tätigkeit. Danach zählt die Ossoaoiachim 13 238 000 Personen als Mitglieder. Sie besitzt 113 Flugklubs, 2000 Segelfliegerschulen und andere Einrichtungen. Ferner besitzt sie eine motorisierte Abteilung, die 20 000 Zellen aufweist sowie über 1500 Lehrschulen mit etwa 450 000 Personen, die das Studium der Flugkunst betreiben. In einer besonderen Organisation ist die Jugend vereinigt, wo etwa 250 000 Knaben im Alter von 10 bis 15 Jahren zu Schützen ausgebildet werden. > '
In der Ossoaviachim bestehen ferner u. a. neun besondere Frauenfliegerschulen, die für den Nachwuchs der Frauen in der fliegerischen Ausbildung Sorge tragen.
Zwei Gedenktage der NSDAP.
Bor 15 Jahren Verkündung des Parteiprogramms. — Bor 10 Jahren Neugründuug der Partei.
Am 24. Februar begeht die NSDAP, die 15. Wiederkehr des Tages, an dem einst das nationalsozialistische Programm aus der Taufe gehoben wurde. Wenn auch nicht mit großen Feiern, so doch aber im engeren Kreis werden die Parteigenossen dieses Tages gedenken, an dem der Grundstein gelegt wurde zu der heutigen Größe der Bewegung, di« ein ganzes Volk umfaßt.
Die ersten Zeiten des Kämpfens und Ringens sind uns heute aus den Darstellungen «der Mitkämpfer jener Tage bekannt und geläufig. Niemand hat sie übrigens so anschaulich geschildert wie der Führer selbst. In seinem Merk „Mein Kampf" hat er die einzelnen Phasen des Suchens und Tastens der ersten Zeit, dann des Stärkerwerdens, in der Folge und schließlich des Durchbruchs zur Massenbewegung überaus plastisch dargestellt. Die NSDAP, war in München allmählich so stark geworden, daß sie sich neben der organisatorischen Verfassung auch ein ideelles Grundgesetz geben konnte. In einer grogen Versammlung sollte das Programm der neuen Pattei verkündet werden.
Am Morgen des 24. Februar 1920 klebten knallrote Plakate an den Anschlagsäulen in München. Die Arbeiter, die in grauer Morgenfrühe zur Fabrik eilten, blieben stehen, arm noch kurz zu lesen, wo die nächste Versammlung der Sozialdemokratie stattfaiid; denn «s war selbstverständlich, daß rote Plakate nur von der Sozialdemokratie angeschlagen werden tonnten. Rot war die Farbe des Marxismus.
Sie waren an diesem Morgen nicht wenig erstaunt, als sie lasen, daß es sich garnicht um eine sozialdemokratische Versammlung handelte, sondern um eine Kundgebung der „Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei!" Wie? Im großen Hofbräuswal wollte dieser reaktionäre Klüngel seine Kundgebung abhalten! Na, da würde das „arbeitende München" auch noch ein Wort mitzureden haben! Diesem Hitler mußte einmal.die Faust gezeigt werden!
Adolf Hitler war es klar, daß er mit dieser Versammlung die ganze Partei auf das Spiel setzte. Wurde die, Kundgebung gesprengt, dann war alles verloren. Denn niemand hätte es mehr gewagt, eine Versammlung der „Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei" zu besuchen.
Zweitaufend Mann faßte der große Saal int Hofbräu- haus. Daß er voll werden würde, war selbstverständlich, dafür sollten und wollten ja die Sozialdemokraten sorgen. Aber gelang es wohl, sich mit den paar Anhängern — man durfte höchstens auf dreißig bis vierzig rechnen — gegen die Übermacht zu behaupten'?
Adolf Hitler schildert in seinem Werk „Mein Kampf" diese denkwürdige erste Massenversammlung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei:
„Um 7.30 Uhr sollte die Eröffnung stattfinden, 7.15 Uhr betrat ich den Festsaal des Hofbräuhauses am Platz! in München, und das Herz wollte mir fast vor Freude zerspringen. Der gewaltige Raum, denn gewaltig kam er mir damals vor, war mit Menschen überfüllt, Kopf an Kopf, eine fast zweitausend zählende Menge. Und vor allem — es waren die gekommen, an die wir uns wenden wollten. Weit über die Hälfte des Saales schien von Kommunisten und Unabhängigen besetzt. Unsere erste große Kundgebung war von ihnen zu einem schnellen Ende bestimmt worden. Allein es kam anders. Nachdem der erste Redner geendet, ergriff ich das Wort. Wenige Minuten später hagelte es Zwischenrufe, im Saal kam es zu heftigen Zusammenstößen, „eine Handvoll treuester Kriegskameraden und sonstige Anhänger schlugen sich mit den Störenfrieden und vermochten erst nach und nach einige Ruhe herzustellen. Ich konnte wieder Weitersprechen. Nach einer halben Stunde begann der Beifall das Schreien und Brüllen langsam zu übertönen. Und nun ergriff ich das Programm und begann es zum ersten Male zu erläutern. Bon Viertelstunde zu Viertelstunde wurden die Zwischenrufe mehr und mehr zurückgedrängt von beifälligen Zurufen. Und als ich endlich die fünfundzwanzig Thesen Punkt für Punkt der Masse vorlegte, und sie bat, selber das Urteil über sie zu sprechen, da wurden sie nun eine nach der anderen unter immer mehr sich erhebendem Jubel angenommen, einstimmig und immer wieder einstimmig, und als die letzte These so den Weg zum „Herzen gefunden hatte, stand ein Saal voll Menschen vor mir, .zu-
der Aufrechterhaltung des Friedens. England ist heute durch die Entwicklung der Luftfahrt viel verwundbarer als früher. Es ist der Angelpunkt der Politik der englischen Regierung, den Völkerbund mit allen in ihren Kräften stehenden Mitteln zu stärken und zu entwickeln, da er das einzige Mittel ist, um den Frieden und die internationale Zusammenarbeit zu erzielen.
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Das Programm der 15-Jahresfeier in München.
München, 23. Febr. (Eig. Drahtmeldung.) Der Traditionsgau München-Oberbayern der' NSDAP, gibt nachfolgend das en d gül t i ge P rog r amm für die Gedenkfeier des Parteigründungstages München bekannt. .
Samstag, den 23. Februar: Kranzniederlegung anläßlich der fünfjährigen Wiederkehr des Todestages Horst Wessels am Mahnmal vor der Feldherrnhalle. Um 15,30 Uhr haben die Formationen der SA., SS., des Arbeitsdienstes, der HI. in der Marstallstratze Aufstellung genommen und marschieren um 15,45 Uhr durch den Hofgarten zum Mahnmal der Feldherrnhalle. Nach dem Schubertlied „Du bist die Ruh'" legt der stellvertretende Gauleiter Otto N i p p o l d am Mahnmal- einen Kranz zum Gedenken Horst Wessels nieder. Nach dem Deutschland- und Horst-Wessel-Lied ist die Feierstunde beendet, und die Formationen marschieren ab.
Sonntag, den 24. Februar: Nationalsozialistische Weihe stunde in der Tonhalle vormittags 11 Uhr.
London, 23. Febr. Der Schatzkanzler Neville Ch amtier« Iain sprach am Freitagabend auf einer Kundgebung der Nationalregierung in Bradford. Zur außenpolitischen Lage E jagte Chamberlain u. a. folgendes: Deutschland hat den Gei't, E in dem die Londoner Vorschläge vorgebracht wurden, be- : grüßt, und ohne Zweifel werden sofort weitere . Perhandlungen mit Deutschland stattfinden, die. _'.z hoffen, letzten Endes zur Rückkehr Deutschlands 'n _ den Völkerbund führen werden. Unsere Politik geht nicht -t dahin, in ein Bündnissystem einzutreten, in dem versucht j (:tg wird, die Kräfte der einen Bündnispartei gegen die Kräfte chilss- M €:r‘cr anderen Bündnispartei auszuwägen, vielmehr ist es ScSH unsere Politik, zu versuchen, den Geist des guten pen«tM Willens und der gegenseitigen Garantie ;t || unter den Nationen zu fördern. Das ist die aus- zftlgsM sichtsreichste Methode und diejenige, die am wahrscheinlichsten M W einer allgemeinen Abrüstung führt. Die Nationen rüsten >ie)-''M heute nicht, weil sie Vergnügen daran haben, sondern weil sie sich vor Angriffen fürchten. Wenn man einmal diese zerstören konnte, dann zerstörte man auch die Haupt- DlhM lächlichsten Gründe für die Rüstungen. Das ist die Politik, i die England in seinen Beziehungen zu den anderen Mächten - »erfolgt, und meiner Ansicht nach können mir annehmen, daß WMr gute Fortschritte machen. Unsere Hauptsorge liegt :n
Die Weihestunde wird um 11 Uhr eingeleitet mit einem Orgelspiel von Bach. Nach dem Einmarsch der Fahnen und dem Festmarsch von Richard Wagner, gespielt vom NS.- Reichssinfonieorchester unter Leitung von Kapellmeister Adam, spricht der Gauleiter des Traditionsgaues München- Oberbayern, Adolf Wagner. Es folgt, zum Schluß der vierte Satz aus der ersten Brahms-Sinzonie. Mit dem Aus- rnarfch der Fahnen und dem Deutfchland- und Horst-Wessel- Lied schließt die Weihestunde.
Parteigründunasfeier, abends 8 Uhr, im Hof- bräuhaus-Festsaal. Die Patteigründungsfeier beginnt mit dem Festmarsch „Einzug der Gäste aus der Wartburg" von Richard Wagner. Nach dem Einmarsch der Blutfabne mit den Fahnenatiordnungen spttcht der Stellvertreter des Führers, Parteigenosse Rudolf Heß, und nimmt die Vereidigung der politischen Leiter ganz Deutschlands, Führer der HI. des VdM. und des Arbeitsdienstes, die nach dem 24. Februar 1934 ernannt worden sind, vor.
Rach der Vereidigung eröffnet Gauleiter Adolf Wagner die Parteigründungsfeier. Es spttcht der Führer. Nach der Rede des Führers folgt das Deutschlandlied.
Abends 8 Uhr findet gleichzeitig im Bürgerbraukeller die Vereidigung der 2500 politischen Leiter Münchens statt
. ung als „Woroschilow- e n“ im Gewehr schießen abgelegt, eine Million junger Leute haben das Sportabzeichen ? erworben, das bezeichnenderweise die Worte trägt „Bereit ' zur Arbeit und Verteidigung". Außerdem erwarb ‘eine halbe Million weiblicher Jungkommunisten durch Ablegung der Prüfung in der Krankenpflege pnd Gasabwehr das Abzeichen „Bereit zur Sowjetvetteidigung". Uber eine D-ettelmillion Menschen wurden als militätische Pferdepfleger ausgebildet unti etwa 900 000 Autofahrer
