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83. Jahrgang

Mittwoch, 13. Februar 1935

Nr. 43

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Fernfprecher-Sammel-Nr. 59631. Berliner Büro: Berlin-WUmersdors.

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Revanche für Adua!

Krieg zwischen Italien und Abessinien?

Geschäftszeit: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, außer Sonn- und Feiertags.

Schon allein die Erinnerung an Adua wird Italiener niemals ruhig bei dem Gedanken Abessinien schlafen lassen. Um wieviel mehr das erwachte Geltungsbedürfnis und den Ehrbegriff eines Mussolini! Seit geraumer Zeit verfolgen wir die systematischen Ansätze zur Einkreisung Abes­siniens. 1928 ist es zu einem Freundschaftsvertrag gekommen, der den Bau von gewissen Automobilstratzeri, von der italienischen Küste in das abessinische Innere vorsah. Seit 1923 haben die Italiener sich auch eine relativ tüchtige Eingeborenen-Truppe, die sogenannten Dabuts, aus den Leibwachen der kleinen Stammes-

Jn getrennten Kolonnen marschierten 1896 die italienischen Truppen gegen Kaiser Mendlik von Abessinien durch Las schwierige Gebirgsgelände bei Adua vor. ^Mit jener eigentümlichen Schnellig­keit und Tollkühnheit, die auch im Mahdisten- krieg den Ägyptern so schwere Verluste beigebracht hatte, überfielen die Abessinier die ersten beiden Kolonnen, ehe sie Zeit hatten,, sich zu entwickeln. Hintereinander wurden die italienischen Abteilungen niedergemacht. Es war eine der furchtbarsten und verlust­reichsten Niederlagen, die jemals eine europäische Macht in Afrika ^erlitten hat. Es wird immer dabei eine Ironie des Schicksals bleiben, daß die Abessinier mit jenen Flinten ausgerüstet waren, die die Italiener der päpstlichen Armee bei der Besetzung von Rom 1871 abgenommen hatten und die später Abessinien verkauft worden waren . . .

Häuptlinge zu schaffen gewußt. Es ist nicht verwunder­lich, Laß Liese irregulären Formationen bei dem stark ausgeprägten Stammeshaß der abessinischen Stämme untereinander in Reibungen mit abessinischen Grenz­völkern geraten. Daraus erklären sich wohl zum größten Teil die immer wieder gemeldeten Zusammenstöße von Grenzposten. Sicherlich vermag auch der Kaiser von Abessinien nicht, rebellierende wilde Erenzstämme in den Steppen von Somaliland im Zaum zu halten, zu­mal die Grenzbegriffe in diesen zum Teil noch gar nicht kartographisch durchforschten Gegenden noch nicht end­gültig festgelegt sind.

Wenn also eine Regierung gewillt ist, kleine, fast unvermeidliche Reibungen so tragisch zu nehmen, wie man sie an Len genau festgelegten europäischen Gren­zen nimmt, so wird sie in Abessinien keinen Mangel haben, diplomatische Verwicklungen hervorzurufen. Wie außerdem sich alle diese Zusammenstöße in Wirk­lichkeit abspielen, kann man in Europa nicht genau fest­stellen, denn die Berichterstattung darüber liegt fast ausschließlich in italienischen Händen. Der letzte Zusammenstoß bei llalual wird von abessinischer Seite, die dazu noch von Schweden und Engländern unterstützt wird, genau umgekehrt dargestellt wie von italienischer Seite. Nun hat aber Italien zwei Divi­sionen durch Einberufung der Jahrgänge von 1911 auf Kriegsstärke gebracht und ihre sofortige Verschickung nach Len Häfen von Erythräa und Somaliland vorbe­reitet. Das sind Alarmzeichen, die über die üblichen diplomatischen Proteste hinausgehen. Die italienischen Kolonialtruppen zählen 34 000 Mann. Davon dürfte allerdings der größte Teil in dem immer noch nicht ganz befriedeten Libyen konzentriert sein. Es handelt sich dabei um Formationen, die sicherlich sehr gut ge­übt und auch sehr tapfer sind. Die Italiener haben un­zweifelhaft in den langen Kriegen in Nordafrika zehn Jahre hindurch eine bemerkenswerte Erfahrung im Wüsten- und Steppenkrieg gegen Eingeborenenstämme sammeln können. Sie vermochten diesen Krieg nur

I Zer Söltetonh soll nidjt beucht werben!

Der italienisch-abessinische Konflikt. — England drängt in Rom auf direkte Verhandlungen, Frankreichs Haltung.

Laval Mussolini in den römischen Kolonialabmachun­gen weitgehend freie Hand gelassen habe. Das ist schwer nachzuprüfen. Zn diesem Falle aber dürften die Franzosen fein großes Interesse daran haben, daß die Italiener durch Besetzung eines Streifens abessinischen Gebietes eine Landbrücke zwischen ihren Besitzungen Somaliland und Erythräa herstellen, weil dann die kleine französische Besitzung in Somaliland von italieni­schem Besitz umschlossen wäre und weil auch die Italiener jederzeit in der Lage wären, die Eisenbahnlinie von dem französischen Hafen Dschibuti nach Addis Abeba — übrigens die einzige Eisenbahnlinie, die Abessinien und seine Hauptstadt mit der übrigen Welt verbindet — zu kontrollieren und notfalls zu unterbrechen. _

Was die Haltung Italiens anbelangt, so lehnt man direkte Verhandlungen mit Abessinien nicht ab, äußert aber zugleich Zweifel, ob die abessinische Regierung überhaupt in der Lage sei, die Nomadenstämme an der Landesgrenze zu überwachen. Im übrigen fordert Rom, wenn auch offenbar nicht in ultimativer Form, eine Barentschädigung, eine Entschuldi­gung, die offizielle Ehrenbezeigung vor der italienischen Fahne und die F e st s e tz u n g der Grenze. Italienische Truppen sind auch bisher,noch nicht verschifft worden. Man erklärt aber Vorsichts­maßnahmen für erforderlich, da die abessinischen Truppen an der Grenze zusammengezogen seien. Das wird von abessinischer Seite durchaus bestritten. Hier lehnt man ebenfalls Verhandlungen nicht ab, betont aber zugleich, daß Abessinien zur Verteidi­gung bereit wäre. Der abessinische Gesandte , in London beziffert dabei die abessinische Streit­macht auf 8 0 0 0 0 0 M a n n, die aber leicht auf eine Million Krieger gebracht werden könnte und verweist darauf, daß auch Abessinien über moderne Waffen ver­füge, wenn auch nicht über Flugzeuge und Tanks. Von anderer Seite wird die Zahl der abessinischen Geschütze auf 136 und die der Maschinen­gewehre auf 205 angegeben.

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frühen Morgen des Mittwoch fehlten noch genauere Einzel­heiten. Die Katastrophe hat in ganz Amerika tiefen Eindruck gemacht. Das Marineamt in Washington blieb die ganze Nacht über hell erleuchtet. Auch Präsident Roose­velt blieb die Nacht über auf, um sofort genauere Mel­dungen über den Hergang der Katastrophe in Empfang zu nehmen.

Nach der letzten amtlichen Feststellung betrug die gesamte Besatzung des Luftschiffes 8 3 Mann, 81 wurden von den Kreuzern „Richmond", „Eoncord" und „Cincinnati" an Bord genommen. Über das Schicksal der beiden Vermißten — bei dem einen handelt es sich offenbar um den Funker — ist noch nichts bekannt. Von den Geretteten ist niemand ernst­licher verletzt worden.

Über die Ursache des Absturzes ist man sich noch v ö l l i g im unklaren. Nach einem Funkspruch des Kapitäns der „Macon" Wiley erfolgte der Absturz, nachdem das H i n t e r - schiff auseinandergebrochen war. Die Mann­schaft habe jedoch Zeit gehabt, Rettungsgürtel anzulegen und die Gummiboote zu besteigen. Nach einem anderen Bericht ist die ..Macon" aus etwa 600 Meter Höhe 13 Meilen süd­östlich von Point Sur, aufs Meer gestürzt und anscheinend auf eine Felsklippe aufgeschlagen.

Sn weiteren Berichten aus San Franzisko heißt es: Eine Anzahl Schlachtschiffe und Kreuzer hatten in der Nähe von Point Sui zwei Stunden lang vergebliche Nachforschungen angestellt, bevor die Mannschaft gesichtet wurde. Die See ist glatt; doch ist die Dünung stark, und es fällt dichter Regen bei schlechten Sichtverhältnissen. Das Luftschiff war zur Zeit des Unfalles von Manöoern mit der Flotte zurllckgekehrt. Das Schlachtschiff „Pennsylvania", das mit anderen Schiffen suchte, erblickte plötzlich eine Rakete. Schließlich drangen die Scheinwerfer des Schiffes durch den dicken Regen und die Finsternis und zeigten die undeutlichen Umrisse der „amerika­nischen Himmelskönigin". In den sieben Rettungsbooten des Luftschiffes brannten mehrere Kalziumslammen. An dem Rettungswerk hatten sich auch der Kreuzer „Richmond" und das Kriegsschiff „Memphis" beteiligt.

Die Besatzung bis auf zwei Mann gerettet.

San Franzisko, 13. Febr. Die Besatzung des amerika­nischen Luftschiffes „Macon", die aus insgesamt 90 Mitglie­dern besteht, ist nach den letzten Meldungen bis aus zwei Mann gerettet worden. Die rasche Bergung der Mannschaft wurde durch den Umstand erleichtert, daß sich eine größere Anzahl amerikanischer Kriegsschiffe in der Nähe befand. Die „Pennsylvania" war nur vier Seemeilen von der llnglücks- stelle entfernt, wo die „Macon" ihr Raketensignal in die Luft sandte.

Über die Ursache der Katastrophe herrscht noch keine Klarheit. Es scheint jedoch, als ob die „Macon" unter ähn­lichen Umständen zugrunde gegangen ist, wie seinerzeit das Luftschiff „Acron" im Jahre 1933. Mehrere Beobachter an der Küste des Stillen Ozeans in der Nähe von Point Sur sahen, wie die „Macon" mit einem heftigen Sturm kämpfte, der am Dienstag auch in Los Angeles großen Schaden ange­richtet hat. Es wurde beobachtet, wie die „Macon" rasch auf die See niederging. Das Luftschiff hob sich jedoch wieder und verschwand in den Wolken. Als Ursache des späteren Nieder­ganges nimmt man eine Explosion an Bord des Luft­schiffes an.

Rätselraten um die Ursache.

Washington, 13. Febr. (Eig. Drahtbericht.) Das Un­glück des Marineluftschiffes „Macon" ist in Washington erst in Len späten Abendstunden bekannt geworden. Auch am

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Die abessinischen Streitkräfte.

as. Berlin, 13. Febr. (Drahtbericht unserer Berliner । Abteilung.) Der italienisch-abessinische Streitfall U drängt zur Zeit alle anderen Fragen der großen f Politik in den Hintergrund. Es wird dabei sehr deut- I lich erkennbar, wie ungern man es in London und auch | in Paris sehen würde, wenn sich der Völkerbund [ mit diesem Konflikt befassen müßte. Dabei ist eigent- i lich der Völkerbund dazu da, den Frieden zwischen seinen Mitgliedern — und Abessinien gehört bekannt- [ lich ebenso wie Italien der Genfer Institution an — aulfrecht zu erhalten, resp. wieder herzustellen. Offen­bar befürchtet man aber, daß man sich in Rom auf : die früher von Italien am Völkerbund geübte Kritik besinnen könnte und man fürchtet weiter, daß Genf :;ein ähnliches Fiasko erleben könnte wie ; bei dem Versuch, das Feuer im Gran- Ehaco zu löschen oder wie bei der Erledigung des Konfliktes um die Mandschurei. So wird denn die Parole ausgegeben, daß die Genfer Feuerwehr : im Falle der Gefahr nicht zu alarmieren ist. Es ent- f Lehrt dabei nicht einer gewissen Ironie, daß der Mann, ; der sich als englischer Botschafter in Rom darum be­mühen mutz — und der deshalb gestern auch einen ent­sprechenden Schritt unternahm, — daß der Streifall in ^direkten Verhandlungen beigelegt wird, niemand : anders ist als der frühere Generalsekretär des Völker­bundes, Sir Eric D r u m m o n d.

Die französische Regierung schließt sich den englischen E Bemühungen an, wenn auch ohne große Begeisterung. Ein Alarm der Genfer Feuerwehr möchte man natür­lich auch in Paris vermeiden, aber zugleich will man auch die neue Freundschaft mit Italien K^nur höchst ungern einer Belastung aus- s e tze n. Aus diesem Grunde ist man in Paris mit allen Äußerungen sehr vorsichtig. Kein Wunder, daß wieder Gerüchte auftauchen, die davon sprechen, daß

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Das Hinterschiff auseinandergebrochen — ins Meer gestürzt.

Die SOS.-Rufe der „Macon".

London, 13. Febr. Nach den bisher aus San Franzisko ' vorliegenden Meldungen ist das Luftschiff „M a c o n" \ nach einem schweren Unfall, dessen Ursachen und Aus- : Wirkungen noch nicht genau bekannt sind, zum Nieder- gehen auf das Wasser gezwungen worden. Einer ; der vom Luftschiff ausgesandten Funksprüche besagt: „Wir haben einen schweren Verlust gehabt und das Luftschiff fällt. v Wir werden es beim Berühren der Wasseroberfläche ver- s lassen."

Das Luftschiff „Macon" ist das größte Luftschiff der Welt, ein Schwesterfahrzeug der „Acron", die im Jahre 1933 ' verunglückte. Die „Macon" war zum erstenmal am 21. April I 1933 aufgestiegen, einige Monate vor der Katastrophe der k „Acron". Das Luftschiff ist 235 Meter lang Sein Aktions- p radius beträgt etwa 9500 Kilometer. Zur Füllung wird un- l brennbares Heliumgas verwendet.

Einer der drei Überlebenden der Luftschiftkatastrophe der - „Akron" war der jetzige Kommandant der „Macon", Kapitän- i leutnant Herbert Wiley. — Die „Macon" war vor zwei ■ Tagen in ihrem Heimathafen Sunney Vale zu einer drei- D tägigen Übungsfahrt aufgestiegen.

I Rettungsversuche amerikanischer Kriegsschiffe.

London, 13. Febr. Den letzten Nachrichten zufolge haben B amerikanische Schlachtschiff«, Kreuzer und Zerstörer die Stelle : erreicht, an der das Riesenlustschiff „Macon" auf See nieder­gegangen ist und haben sofort mit der Rettung der Mann- | schäft begonnen. Eine Meldung besagt, die „Mannschaft" sei gerettet worden, während es in einer anderen heißt, daß die S „Überlebenden" von Kriegsschiffen an Bord genommen wor­den seien.

Reutermeldungen geben folgende Einzelheiten: Der Oberbefehlshaber der amerikanischen Flotte, Admiral . Joseph Re euer, hat dem Marinedepartement gemeldet: Die überlebenden des „Macon" in sieben Rettungsbooten sind 13 Meilen südöstlich von Point Sur gesichtet worden. Ich berge sie und setze die Suche nach anderen überlebenden fort. Äh werde Ihnen alle weiteren Ereignisse mitteilen. Eine weitere Meldung besagt: Der Zerstörer „Eoncord" hat - den Kommandanten des Luftschiffes, Commander Wiley, einen weiteren Offizier und neun Mann gerettet.