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Nr. 33

Sonntag, 3. Februar 1935

83. Jahrgang

HerzHe IWM aber fein gleisbarss Ergebnis

Fernsprech er-Sammel-Nr. 69631. Berliner Büro: Berlin-Wilmersdorf.

Das Pariser Echo der Londoner Besprechungen.

- Paris, 2.

Londoner Verl

Geschäftszeit: 8 Uhr morgen, dts 7 m>r abends außer Sonn, und Feiertags.

Von amtlicher französischer Seite ist die Bil­dung des Obersten W e h r m a ch t s a u s - schuss es mitgeteilt worden. Ihm obliegt, um Ein­heitlichkeit zwischen den drei Wehrmachtteilen herzu­stellen, Prüfung aller Fragen, die gleichmäßig die Or­ganisation und Verwendung der Land-, See- und Luft- ftreitkräfte betreffen, dann der Rüstungsprogramme und die Verteilung der Haushaltsmittel auf die drei Wehrmachtteile. Also einerseits neuer Versuch, Neben- und Gegeneinanderarbsiten zu verhindern, andererseits Vorbereitung für Absicht, künftig dem Ministerpräsi­denten, der kein Portefeuille mehr übernehmen soll, oberste Aufsicht über Wehrmacht mittels ständiger, ihm zugeteilter Behörde zu überweisen. Reibungen mit Oberstem Landesverteidigungsrat, dem strategisches und taktisches Gebiet vorbehalten bleibt, sollen wohl durch Personengleichheit in beiden Organisationen ver­hindert werden. Denn zum neuen Ausschuß gehören unter Vorsitz des Ministerpräsidenten die drei Wehr­minister, Marschall Pätain, der Generalissimus, die Chefs der drei Wehrmachtteile und der General­inspekteur des Luftschutzes.

*

Lloyd George Regierungsmrtglied?

Ein Wiedererstandener. — Die Aufnahme des „Neuen Plans". — Ein Triumvirat Macdonald—Baldwin—Lloyd George?

Einen etwas optimistischeren Ton schlägt der „Ex­cel s i o r" in feinem Londoner Bericht an. Er führt eine Reihe von Punkten an, in denen, wie das Blatt verzeichnen zu können glaube, die englische Politik für Frankreich be­ruhigend sein kann.

Im Fahre 1935 sind sehr interessante englische Militärversuche mit Windmühlenslug­zeugen vorgesehen, denen man in England erhebliche Bedeutung beimißt.

Ende August 1934 sind 6 dieser Windmühlenflugzeuge von ihrer Herstellerfirma, dem Aoro-Werk in Manchester, an die Fliegerschule in Old Sarum abge­liefert worden. Es handelt sich um die erste Serie von 100 Flugzeugen, deren Bau im Frühjahr 1934 in jenem Werk begonnen wurde.

Diese Windmühlenflugzeuge vom Typ C. 30 P. Autogiro haben den amtlichen Namen „Rota" erhalten. Es handelt sich um Flugzeuge, die neben ihrem gewöhn­lichen Propeller auch gewissermaßen „Windmühlen- jliigel“ haben. Steht das Flugzeug auf der Erde und soll starrten, wird der Propeller angeworfen, so daß der Luftstrom die etwas dahinter liegenden Windmühlen- stügel trifft und sie in Umdrehung versetzt, wodurch ein hebendes Moment entsteht. Zum Abflug braucht das Flugzeug also einen Anlauf, der aber wesentlich kleiner ein kann als bei einem Flugzeug ohne Windmühlen- lügei. Da es lange dauern würde, bis der Luftstrom des Propellers die Windmühlenflügel auf genügend hohe Umdrehungszahl bringen würde, können die Flügel durch eine Kuppelung mit 10 v. H. der Pferde­kräfte des Motors angetrieben und dadurch schneller auf die nötigen Umdrehungen gebracht werden. Ist das Flugzeug in der Luft, so drehen sich die Windmühlen- lügel durch den Luftstrom von selbst mit. Stellt man den Motor — und damit den Propeller — ab, so wirken die Wirrdmü'hlenflügel wie ein Fallschirm. Das Flug«

Siqeigeitpreife: Ein Millimeter Höhe der 22 Millimeter breiten Spalte int Anzeigenteil Gründ, prets 6 Rpf. der 85 Millimeter breiten Spalte im Textteil 45 Rpf., sonst laut Tarif Nr. s, Nachlatzstaffel c. — Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen und Plötzen wird keine Gewähr übernommen. — Schluß der Anzeigen-Annahme 10 Uhr vormittags. Größere Anzeigen müssen spätestens einen Tag vor dem Erscheinungsiage aufgegeben werden.

?reßr. (6tg. Drahtmeldung.) Aus dem ersten andlungstag haben die Sonderberichterstatter der französischen Presie den Eindruck gewonnen, daß trotz der herzlichen Atmosphäre ein greifbares Ergebnis nicht erzielt worden ist, und daß man noch nicht sagen könne, ob die Verhandlungen überhaupt zu einem praktischen Ergebnis führen werden, da die englische und die französische Auffassung von ganz verschiedenen Voraussetzungen aus« Singen, Voraussetzungen, die übrigens zum Teil bereits hin­fällig feien.

t „In ihrem Wunsche, zwischen Frankreich und Deutsch­land zu vermitteln, um ihre Abrüstungsthese weiter verfolgen »u können, schlagen die Engländer uns nichts Greifbares B»r“, schreibt der Sonderberichterstatter des „Matin". . Ent­gegen allen von der englischen Presse verbreiteten Meldun- S» ist kein endgültiges Abkommen und keine sen- iionelle Erklärung beim Abschluß der Verhandlungen zu erwarten. Eine Verlautbarung wird selbstverständlich das herzliche Einvernehmen der Verhandlungen feststellen, das ticr ist auch alles.

Aus den Berichten der Blätter über den Verlauf der gestrigen Verhandlung scheint hervorzugehen, daß Flandin und Laval „mit unbeugsamer Festigkeit" die Forderung ver­beten haben, daß Deutschland dem Ost- und Mitteleuropa- Pakt beitretcn und auch in den Völkerbund zurückkehren §ußte, bevor Frankreich sich auf eine Verhandlung über die Abschaffung von Teil V des Versailler Vertrages einlassen könne, während die englischen Minister die Nichtigkeits- Erklärung von Teil V als Voraussetzung für eine versöhn- «chere Haltung Deutschlands bezeichnet hätten. Laval soll pch dabei auf das Sowjetrußland und der Kleinen Entente gegebene, durch den sowjetrussischen Botschafter erst noch vor öer Abreise nach London bestätigte Versprechen berufen haben, nicht über die deutsche Aufrüstung zu verhandeln, so »ange Deutschland nicht dem Ostpakt beigetreten sei. Laval lall ferner den Engländern bedeutet haben, daß der Plan rrn eingehende Besprechungen notwendig mache, da auf ^tnen Fall über den Kopf der kleinen Mächte hinweg ein ?s!chtuß gefaßt werden dürfe, so daß alle weiteren Verhand- «lgeu über die englischen Anregungen nach Genf zu ver-

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Englische Vermutungen.

London, 2. Febr. (Eig. Drahtmeldung.) Angesichts der strengen Geheimhaltung des bisherigen Verlaufes der Lon­doner Besprechungen beschränkt sich die Morgenpresse vom Samstag in der Hauptsache auf Andeutungen und teilweise weitgehende Vermutungen über das zu erwartende Schluß- ergobnis der Verhandlungen. Die Blätter glauben, daß einer Annäherung des englischen Angebots an die fran­zösischen Forderungen noch eine ganze Reihe von Schwierigkeiten im Wege steht und die Aussichten werden keineswegs allzu optimistisch gewertet.

Nach der „Times" erwartet man in politischen Kreisen Englands „zuversichtlich", daß am Samstagnachmittag in den englisch-französischen Verhandlungen Beschlüsse zustande gebracht werden, die zwar nur allgemeiner Art seien aber doch als befriedigend gelten könnten. Die französischen Minister sollen bei der Erörterung der Sicherheitsfrage so­zusagen im Namen der Kleinen Entente und Sowjetruß- lands zum Ausdruck gebracht haben, daß irgend eine Er­örterung über die Legalisierung der deutschen Aufrüstung zunächst die Unterzeichnung des Ostpaktes durch Deutschland vorausgehen müsse.

Ein anderer Punkt, Wer den noch keine Einigung er­zielt wurde, sei di« Frage des Verfahrens, durch das bei Anerkennung der deutschen Wiederaufrüstung der Teil V des Versailler Vertrages beseitigt werden solle.

dre Regierung eintreten werde, Gerüchte, die auch von der „Morningpost" aufgegriffen wurden. Nun ist aller­dings das Verhältnis zwischen Lloyd George und dem Ministerpräsidenten Macdonald alles andere als gut, aber hat nicht bereits der eng mit MaÄonald befreun- dede Journalist Garwin Lloyd George nahe gelegt, „feinen muffigen Groll gegen Mr. Ramsay Mcdonald Hinwegzuräumen?" Andererseits ist auch zu bedenken, daß Lloyd George ein Führer ohne eine Armee ist, ein Politiker ohne großen Anhang. Aber er besitzt in hohem Grade, im Gegensatz zu Macdonald, das, was der Engländer „brioing Power" nennt, nämlich eine mitreißend« Kraft. Wäre es ihm nicht möglich, das politische Treibholz, das schließlich bei jeder Wahl den Ausschlag gibt, zu binden? Das sind Gedanken, die heute in England nicht fern liegen, denn die Neuwahlen stehen ja vor der Tür, wenn es auch fraglich ist, ob sie, wie mehrfach angekündigt wurde, schon im Herbst statt- finden werden. Kein Wunder also, wenn unter solchen Umständen immer wieder Gerüchte austauchen, die da­von sprechen, daß über kurz oder lang Lloyd George in die nationale Regierung ein­treten werde und daß es durchaus ernsthafte Politiker gibt, die schon von einem Triumvirat Macdonal — Baldwin — Lloyd George, einer bisher durchaus phantastisch klingenden Zusammenstellung, glauben sprechen zu können. Im Augenblick sind di« Dinge so­weit jedenfalls noch nicht gediehen, auch die „Morning- post" spricht ja nur davon, daß Sondierungen beginnen würden, aber unter dem Druck bevorstehender Wahlen haben sich ja schon manchmal seltsame Wandlungen vollzogen.

Erwähnt sei in diesem Zusammenhang, daß sich Lloyd George erst vor ganz kurzer Zeit über das neue Deutschland recht freundlich äußerte. So erklärte er u. a.: „Ich verehre das neue Deutschland, das mich heute mehr interessiert als irgend ein anderes Land auf der Welt. Vielleicht bietet nur noch Amerika so viele Beispiele einer ehrlichen Anstrengung, die Krise zu meistern und die schwersten Probleme unserer Zeit mit energischer Hand anzufassen wie Deutschland seit zwei Jahren." Dies« Erkenntnis hat denn auch, wie ge­sagt, dazu geführt, daß Lloyd George in seinem neuen Plan deutsche Eödankengänge verarbeitete.

legen wären. In den Kreisen der französischen Abordnung scheint man aber weder mit der Bereitschaft Deutschlands, nach Genf zurückzukehren, noch mit seiner Bereitschaft, dem Ostpakt beizutreten, mehr zu rechnen.

Andere Berichterstatter ziehen die Rede des polni­schen Außenmini st ers Beck vor dem Auswärtigen Ausschuß des Sejms heran, um daraus zu folgern, daß weder Polen noch Deutschland jemals sich für einen mehrseitigen Beistandspakt und noch weniger für irgendein Rüstungsab­kommen, das der Verteidigung der Verträge gelten würde, zu gewinnen seien.

Einen etwas optimistischeren Ton schlägt celsior" in feinem Londoner Bericht an. Ei

Wahlnähe.

‘ as. Berlin, 2. Febr. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Der Ruf nach der jungen Generation hat in England eine seltsame Antwort gefunden. Es erhob sich nämlich Lloyd G e o r g e, der schon einmal versichert k hatte, daß er sich nur noch der Landwirtschaft widmen wolle, und der nun in voller Rüstigkeit an seinem 72. Geburtstag mit feinem neuen Plan her- nortrat An sich ist dieser neue Plan nicht ganz so neu, wie die Ankündigungen glauben machen wollten, es wurden einige Anleihen hierzu in Amerika und einige Anleihen in Deutschland gemacht. Vor allem will auch Lloyd George der Arbeitslosigkeit zu Leibe gehen.. Der Staat soll, soweit überhaupt feine Mittel und sein Kredit reichen, Arbeiten von dauern­der wirtschaftlicher Bedeutung finan­zieren. Häuserbau, Straßen, Eisenbahnen, Kanäle, Telephon, Elektrizität, vor allem aber das flache Land, dessen Bevölkerung Lloyd George durch intensive Besiedlung zu verdoppeln hofft, sind di« Gebiet«, auf welche sich diese Betätigung vor allem erstrecken soll. Der Plan, der dies« Dinge naturgemäß im einzelnen weiter ausfiihrt, hat die englische Öffentlichkeit stark be­schäftigt. Seine Aufnahme ist dabei sehr bemerkens­wert. Di« Arbeiterpartei lehnt di« Gedankengänge Lloyd Georges schroff ab, obwohl Lloyd George auch bei dem Programm der Arbeiterpartei einig« Anleihen ge­macht hat. Wenn also früher einmal di« Rede davon war, daß Lloyd Georg« zur Arbeiterpartei übergehen könnte, so ist das eine erledigte Angelegenheit. Da­gegen ist der Plan Lloyd Georges sehr freundlich im Regierungslager aufgenommen worden. Die konserva­tiven Blätter brachten dem Vorstoß des alten Liberalen zum mindesten Achtung entgegen, aber es waren auch Stimmen zu vernehmen, die über eine achtungsvolle Anerkennung sehr erheblich hinausgingen. Selbst die „Times" sprach die Hoffnung aus, daß aus den Rat- schlägen und Appellen Lloyd Georges eine aktive Zu­sammenarbeit bei der Behandlung der schwierigen nationalen Aufgaben werden könnte. Es ist kein Wunder, wenn angesichts solcher und ähnlicher Presse­stimmen die Gerüchte nicht verstummen wollen, die da­von sprechen, daß Lloyd George über kurz oder lang in

„Organisation des europäischen Friedens."

Einige Beispiele.

In London sind die französischen und englischen Staatsmänner zusammengetroffen, um ,>en europäischen or9rn^er^nJ'.- SBie diese Organisation in ■us irttichkelt ausfieht, dafür nur ein paar Beispiel« aus der letzten Zett:

Der Chef des englischen Generalstabes ist von ?er_ Notwendigkeit einer engeren Zusammen- LV ? r J a Uer Machtmittel durchdrungen. Das zeitigt sich auch in seiner Fürsorge für die Territorial- arme«. Er ist eifrig bemüht, di« starken gefühlsmäßi­gen Gegensätze derseloen zur regulären Armee zu 6efei= itgen. ^n einer von ihm in Camberley abgehaltenen Besprechung wurden die Möglichkeiten zur Hebung des Ausblldungsstandes eingehend besprochen. Das Kriegs- amt hat den Einsatz der nunmehr zum Überseedienst verpflichteten Territorialarmee planmäßig vorbereitet und man erwartet daraus im Ernstfälle in kurzer Frist Verstärkung der regulären Arme« erzielen zu können Zahlenmäßig befriedigt allerdings die Stärke der Territorialarmee nicht. Es fehlen ihr rund 1000 Offi- 3iere, und im Süden des Landes, ganz besonders auch in London, sind die Divisionen weit unter dem Soll­end. Zu einer Änderung des Freiwilligensystems kann England im Frieden sich nicht verstehen. Das Kriegsamt hat die Hilfe der Gemeindebehörden ange- rufen, um insbesondere auf die Arbeitgeber einzu- wirken, baß sie ihrer Gefolgschaft den Dienst in der Territorialarmee erleichtern. Außerdem wird erwogen, den zu Übungen einrückenden Leuten die bisher nur teilweise aus privaten Mitteln gewährten Fahrkosten von Staats wegen zu erstatten und Verheirateten Zu­lagen für getrennten Haushalt zu bewilligen. Inwie­weit auch die Bezüge der Offiziere bei Übungen erhöht werden, ist noch nicht klar.

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