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Nr. 27,

Montag, 28. Januar 1935

83. Jahrgang.

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so sagt Spears, infolge der der Presse, die dem Amerikaner bisher alles galt, kommt m und Strahburg auf jeder allmählich dahinter, daß der Nationalsozialist Roosevelt us zehn Kilometer sein. 1 auf dem rechten Wege ist.

Fernsprecher-Sammel-Nr. 59631. Berliner Büro: Berlin-Wilmersdorf.

Geschäftszeit: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, außer Sonn- und Feiertags.

Vorbereitungen für London.

Kammerdebatte über die deutschen Rüstungen. — Paris und das deutsch-polnische Abkommen.

Entmilitarisierte Zone auf beiden Seiten der Grenze.

Vorschlag eines englischen Brigadegenerals.

Anzeigenpreise: Ein Millimeter Höhe der 22 Millimeter breiten Spalte im Anzeigenteil Grund­preis 6 Rpf., der 85 Millimeter breiten Spalts im Tertteil 45 Rpf., sonst laut Tarif Nr. 3, Nachlatzstaffel C. — Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen und Plätzen wird keine Gewähr übernommen. — Schluß der Anzeigen-Annahme 10 Uhr vormittags. Größere Anzeigen müssen spätestens einen Tag vor dem Erscheinungstage aufgegeben werden.

Loudon, 28. Jan. (Eig. Drahtmeldung.) „Daily Tele­graph" veröffentlicht einen Aufsatz des konservativen Unter­haus - Mitgliedes, Brigadegeneral Spears, der schon öfters im Sinne eines Ausgleiches der Gegensätze in Europa poilitisch hervorgetreten ist und von 1917 bis 1920 Leiter der britischen Militärmission in Paris war. Spears schlägt die Errichtung einer entmilitarisierten Zone auf beiden Seiten der deutsch-französischen Grenze vor. Diese Zone könnt«, so sagt Spears, infolge der strategischen Bedeutung von Met ~ Seite der Grenze nicht breiter als zehn

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nummern 10 Rpf. - Bezugsbestellungen nehmen an: der Verlags Ausaabestelien die ^^UMnQne Vostanstalten. - In Fällen höherer Gewalt oder Betriebsstömngm haben d e Bezieher keinen Anspruch aus Lieferung des Blattes oder auf Rückzahlung des Bezugspreises

f uijlung bes _ französisch-polnischen Per- haltnisses ist groß. Zugleich aber zeigt sich auch, Saß es Frankreich nicht über das Herz bringt, die fried­liche Atmosphäre anzuerkennen, die dieser zweiseitige Vertrag schuf. Andererseits hofft man nach wie vor, dag sich die Engländer für den Ostpakt einsetzen werden, weil ihnen dieser Pakt genehmer sein dürfte als die französisch-russische Allianz. Dabei lassen die Eng­länder freilich gar keinen Zweifel daran, daß sie wohl gewillt sind, die Paktidee zu unterstützen, daß ihnen aber diese Unterstützung nichts kosten dürfe, d. h., daß ste nicht gewillt sind, irgendeine Unterschrift zu leisten oder neue Garantien zu geben.

Bemerkenswert ist nun, daß gerade in diesem Augen­blick ein amerikanisches Nachrichtenbüro eine Meldung über geheime französisch - sowjetrusfische Flottenverhandlungen bringt. Die ja ohne­hin bereits vorhandenen militärischen Vereinbarungen würden sich dann auch auf die Flotte erstrecken. Zu­gleich aber sei auch ein Ausbau der Sowjet- flotte, vor allem der Ostsee-Einheiten, ge­plant. Bekanntlich hieß es früher schon einmal, daß Frankreich hierfür Spezialisten zur Verfügung stellen würde. Dann aber soll Frankreich auch bereit fein, die ehemalige Schwarz-Meer-Flotte, die sich in den Revo- lutionswirren in den Händen des Generals W r a n g e l befand und später von den Franzosen in dem nord- afrikanischen Kriegshafen Bizerta interniert wurde, an die Sowjets auszuliefern. Freilich dürfte es sich hier nur um veraltete Schisse handeln. Ob die ganze Dar­stellung des amerikanischen Büros richtig ist, läßt sich nicht ohne weiteres nachprüfen. Auf jeden Fall aber gehört auch diese Meldung unter die Kapitelüberschrift: Vorbereitungen für London.

dazu getrieben werde, um ihre berechtigten Beschwerden be­hoben zu sehen. Solange Nationen unter Ungerechtigkeiten zu leiden hätten, die ihnen von anderen Nationen zugefügt worden find, werde die Gefahr des Krieges bestehen. Wenn diese Ungerechtigkeiten beseitigt seien, werde die Kriegs­drohung verschwinden und die Nationen werden in Frieden leben. Dann erst werde die Abrüstung möglich sein.

nung zu bringen, was von früheren Generationen durch eine Art Raubbauwirtschaft nutzlos vertan worden ist. Wir müssen die Landwirtschaft auf feste Füße stellen, wir müssen die Forstwirtschaft verbessern, die Boden­schätze auf weite Sicht fördern und die ungeheuren Wasserkraftquellen ebenso wie die Straßen (!) des Landes dem Allgemeinwohl dienstbar machen. Alles dies mit dem Aufgebot bisher auf der Straße liegender Erwerbsloser. Ihnen muß Arbeit zugewiesen werden. Der neue Sozialismus der Tat kann aber nur auf nationalem Wege, d. h. durch die Bundesregierung, be­trieben werden. Alle öffentlichen Hilfsaktionen sollen in ein großes nationales System zusammengefaßt wer­den, das an die Stelle der bisherigen Federal Relief Administration zu treten hat. Es gilt aber — und das liest sich wie abgeschrieben aus den Eedankengängen des Nationalsozialismus, ist aber originaler Roosevelt — nicht nur die materielle Existenz des amerikanischen Menschen, sondern, was noch viel wichtiger ist, fein geistiges und seelisches Dasein, feine Selbstachtung, seinen Mut, seinen Absatzwillen zu heben.

An Angriffen gegen solche wahrhaft revolutionäre Absichten Roosevelts fehlt es natürlich nicht Die Ar­beitsbeschaffung des 20-Zahresplanes, so erklären di« Nörgler, werde das Gleichgewicht in den künftigen Bundesbudgets heillos zerstören, die Nationalschuld ins Unerträgliche erhöhen und den Dollar in den Ab­grund einer lawinenartigen Inflation stürzen. Der private Unternehmerwille, der allein zum wirtschaft­lichen Aufstieg führen könne, sei durch den neuesten Plan staatlicher Einmischung auf 20 Jahre hinaus ab­geschreckt. Rosevelt kennt diese Einwendungen schon lange. Aber er hat Vertrauen zur Einsicht aller Der- nünftigen. Volk und Parlament stehen bereits in großer Mehrheit zu ihm und auch die „öffentliche Meinung"

Französisch-russische Flottenverhandlungen?

a®- BeEn, 28. Jan. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) In Paris werden die ersten Tage der neuen Woche im Zeichen der Vorbereitungen für die Londonreise Flandins und Lavals stehen. Auch der gemeinsame Empfang des englischen Botschaf­ters durch die beiden französischen Minister am Sams­tag verdient in diesem Zusammenhang Beachtung, ^onnerstag soll bekanntlich die Abreise des französischen Ministerpräsidenten und des Außenministers erfolgen, aber noch vorher, nämlich morgen, will sich die Kammer mit der Interpellation über den deutschen Rüstungs­stand beschäftigen. Ob Laval bei dieser Gelegenheit Ausführungen über das Londoner Programm machen wird, ist freilich sehr fraglich. Er hat es bekanntlich am Freitag in der gemeinsamen Sitzung des Auswärtigen Ausschusses und des Kolonialausschusses zum Kummer der Pariser Blätter vermieden, auf dieses Thema ein­zugehen und hat dort lediglich einen Überblick über die römischen Verhandlungen gegeben. Die französische Rechtspresse, und solche Tendenzen werden auch wohl in der Kammerdebatte zum Ausdruck kommen, sucht Flandin und Laval zu veranlassen, sich noch vor der Londoner Reise auf die Wiedereinführung der zweijährigen Dienstzeit festzulegen, da die Regierung sonst, wie es in den Pariser Blättern heißt, wehrlos „in das Netz einer englischen Machen­schaft" geraten würde. Vor allem ist man in Paris, da ia mit den Londoner Gesprächen auch der Ostpakt wieder in den Vordergrund rückt, sehr wenig erfreut über die deutsch-polnischen Pressestimmen zum Jahres­tag des Abschlusses des deutsch-polnischen Verständi- gungsabkommens. Das Bedauern über die Ab­

lands sei der Wunsch, eine gleiche souveräne Stel­lung wie die anderen Großmächte zu er­halten. Deutschland sei heute tief erregt und erbittert, daß es die einzige Nation ersten Ranges sei, die eine an­dere Behandlung als andere Länder erfahre. Nachdem Lord Allen auf die Gefahr hingewiesen hatte, die aus einer Ver­kennung oder Unterschätzung einer solchen Einstellung sich ergeben könnte, stellte er fest, daß man in Deutschland schwer gekränkt gewesen sei, als Frankreich das Rüstungskompromiß verwarf, das eine Folge des Besuches Edens in Deutsch­land war. Deutschland könne auch nicht begreifen, warum es im Jahre 1935, wo es keine Waffen besitze, von feind­seligen Bündnissen umgeben werde, ganz wie dies 1914 der Fall gewesen sei, als es schwer bewaffnet gewesen sei. „Ich glaube nicht", erklärte Lord Allen, „daß Deutschland jemals wieder wie in den letzten Jahren bereit wäre, seine Rückkehr zur souveränen Gleichberechtigung mit Zugeständ­nissen zu erkaufen. Deutschland hat aber auch ebenso wenig wie wir den Wunsch, seine Gleichberechtigung, wenn es sie erlangt hat, zu mißbrauchen." Sollte es sich nicht als möglich er­weisen, Deutschlands Beziehungen zu Frankreich zu klären, so werde Großbritannien, nach Lord Asiens Ansicht, eine ent- lcheidende Rolle spielen können. Großbritanniens Ansehen in Deutschland sei gegenwärtig gewaltig. Eden habe den Eindruck hinterlassen, daß es Großbritannien Irlich ........ und daß es seinen Einftuß bei anderen Nationen geltend machen werde.

London, 27. Jan. Lord Snowden veröffentlicht im „Sun- day Dispatch" einen Artikel, in dem er unter der Überschrift ,,W i r m ü s s e n r ü st e n !" temperamentvoll mit der Politik der Phrase aufräumt. Er kennzeichnet die bis­herigen Verhandlungen der Ab konferenz als reines Gewäsch. Seit

Roosevelt, der.Nationalsozialist".

Sein neuester 20 - Jahresplan.

Präsident Roosevelt hat dem ameriikanischen Parla­ment soeben eine neue Botschaft zugehen lassen, die alles in den Schatten stellt, was die Bundesregierung bisher an Wirtschaftsprogrammen hervorbrachte. Dieser allerneueste Plan geht über den früheren New Deal weit hinaus. Er sieht den Betrag von nicht weniger als 100 Milliarden Dollar vor, der dazu verwendet werden soll, um innerhalb 20 Jahren die nationale Wirtschaft der Vereinigten Staaten von Grund aus zu reformieren, man darf sogar sagen: zu revolutionieren.

Der große Wahlsieg Roosevelts im November vormen Jahres entstand aus der Hoffnung, daß der Präsident, nachdem er in den ersten zwei Jahren seiner Amtsführung die gröbsten Notstände des Riesenreiches m Ordnung gebracht hatte, nun daran gehen werde, eine wirkliche Wirtschaftsordnung aufzurichten, die aus den,ewigen Krisen eines zügellosen liberalistischen Ee- jchäftssystems herausfindet und jene soziale Gerechtig­keit schafft, in der auch der kleine Mann seine Sicherheit gegen die Zufälligkeiten des Lebens besitzt. Das wich­tigste Erfordernis für die Beseitigung des nationalen Notstandes ist noch immer die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Das hat man endlich auch in USA. eingesehen. Man merkt dort aber auch, daß sich das Elend der Massen nicht dauernd auf dem Wege der öffentlichen Fürsorge durch Geldhilfe (Relief, was die Engländer mit dem noch merkwürdigeren Wort Dole bezeichnen) beheben läßt. Die einzige richtige Methode, die wieder nach oben führt, besteht vielmehr in der Arbeitsbeschaffung durch Vornahme zunächst großer staatlicher, Arbeiten, wodurch allmählich auch die private Wirtschaft in ihrer tausendfachen Verzweigung verjüngt oder wie der bekannte Ausdruck lautet: änge- kurbelt wird.

Die Washingtoner Regierung hat seit dem Ausbruch der Krise im Frühjahr 1933 durch gewaltige Aufwen­dungen für die Notleidenden und dann durch dtzn National Industrial Recovery Act dem allgemeinen Niedergang zu steuern versucht. Sie hat damit zweifel­los sichtbare äußerliche Erfolge erzielt. Aber allen An­strengungen zum Trotz gibt es in den Vereinigten Staaten heute noch immer mindestens 5 Millionen Erwerbslose. Etwa 1,5 Millionen waren von je her vorhanden und auf die öffentliche Fürsorge angewiesen. Weitere 3,5 Millionen aber sind als die Opfer der letzten Weltkrise zu betrachten. Wie diesen unbeschäf­tigten Volksgenossen helfen? Roosevelt hat es ver­kündet mit Worten, die eine auffallende Ähnlichkeil haben mit den Parolen des nationalsozialistischen Auf­bauprogramms in Deutschland, für das der Durch­schnittsamerikaner bisher doch, von einer Hitler-feind­lichen Presse verhetzt, nur spöttische Kritik übrig hatte. Roosevelt sagt in seiner neuesten Botschaft: Es muß endlich etwas getan werden, um das wieder in Ord-

Lord Allen of Hartwood über seinen Berliner Besuch.

London, 28. Jan. Der Sondervertreter des „Daily Telegraph" berichtet über eine Unterredung, die er mit Lord Allen of Hurtwooü nach dessen Rückkehr aus Berlin hatte. Dem Bericht zufolge faßt Lord Allen den Ge­samteindruck seiner Besprechungen folgendermaßen zu­sammen: Deutschland wünscht gegenwärtig leidenschaftlich den Frieden. Wenn wir Deutsch­land beim Wort nehmen und ihm die Stellung eines gleich­berechtigten souveränen Staates wieder zuerkennen würden, — und zwar in einem Augenblick, wo infolge seines Mangels an RLst'.ngen keine Gefahr darin liegt, seinen Worten Glauben zu schenken — dann würde Deutschland seine Rolle bei der internationalen Zusammenarbeit wie­der aufnehmen. In einigen Jahren wird es zu spät sein.

Lord Allen, der übrigens den nichtamtlichen Charakter seines Besuches in Deutschland hervorhob, gab seiner Überzeugung Ausdruck, daß Reichskanzler Hit­lers Stellung,in Deutschland gegenwärtig unangreifbar sei. Der Kanzler sei von überwältigen­der Aufrichtigkeit. Aus den Unterhaltungen mit ihm bringe er die Überzeugung mit, daß der Kanzler ehrlich den Frie­den wünsche. Aber der Grund für die Haltung Deutsch-

herigen Verhandlungen der Abrüstungs­konferenz als reines Gewäsch. Seit drei Jahren habe eine internationale Konferenz von fast 60 Nationen ständig getagt. Sie habe niemals die Frage der Abrüstung angerührt. Sie habe nichts anderes getan als geredet. Ver­schiedene in der letzten Zeit abgeschlossene Pakte seien als militärische Bündnisse mit dem KriegalsEndzweck anzusehen. Der letzte dieser Pakte, das Einvernehmen zwischen Italien und Frankreich sei »reinste Heuchelei". Die europäische Diplomatie bereite sich auf den Krieg wor, während sie scheinheilig über den Frieden rede. Das Vertrauen in den Völkerbund müsse noch gewal­tig wachsen, ehe die Nationen ihre eigene nationale Vertei­digung dieser Körperschaft auszuliefern bereit seien. Statt Uber die Beschränkungen der Rüstungen zu reden, müßten die Staatsmänner versuchen, die Ursache der Kriege zu beseitigen. Keine Nation wolle heute sozusagen Krieg, äußer wenn sie

„Reines Gewäsch!"

Snowdens Urteil über die Abrüstungskonferenz.