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83. Jahrgang
Mittwoch, 16. Januar 1935
Dir. 15.
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Vor einer Antwort Lavals an den Führer?
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Geschäft und vertrete die Ansicht, datz die Friedensangebote
eine Abwanderung aus der Saar zu vermeiden
Ministerpräsident Flandin zum Abstimmungsergebnis.
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nummern 10 Rpf. — Dezugsbestellungen nehmen an: der Verlag, die Ausgabestellen, die Träger und alle Postanstalten. — In Fällen höherer Gewalt oder Betriebsstörungen haben die Bezieher leinen Anspruch auf Lieferung des Blattes oder auf Rückzahlung des Bezugsprestes.
m, das einer möglichen
_________________o, ... ' Frankreich anbetrifft. von . einem Ausschuß des Kabinetts unter Vorsitz Herriots
genau studiert und vorbereitet worden. Aber es geht vor allem den Völkerbund an. Dieser hat die Pflicht, diejenigen, L die nicht für Deutschland gestimmt haben, vor allen etwaigen Repressalien zu schützen, -och L bleibe übrigens überzeugt, daß die deutsche Regierung von L selbst alle Maßnahmen ergreifen wird, um vor der Welt zu
8. Schellenberg stch« Hofbuchdruckerei, ^ragblatt < Hau»'. Geschäftszeit: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, außer Sonn- und Feiertags.
Auf die große politische Bedeutung des Abstimmungssieges hat gestern bereits der F ü h r e r und ebenso Minister Dr. Goebbels hingewiesen. In Londoner Meldungen wird denn auch bestätigt, datz die politische Stellung der Reichsregierung für die kommenden Verhandlungen der europäischen Mächte durch den Sieg des nationalsozialistischen Deutschland an der Saar ganz erheblich gestärkt worden ist. Nicht minder kennzeichnend ist es, wenn es in einem Bericht der französischen „Agence Radio" heitzt, datz nunmehr die deutsch-französischen Beziehungen in eine neue Phase eingetreten seien. Es ist aber heute noch zu früh, um vorauszusagen, wie sich die Dinge weiter entwickeln werden. England hat nach wie vor das größte Interesse daran, die Rü st ungsverhand langen zu beschleunigen und glaubt, daß nach Erledigung der Saarfrage die Bahn hierfür frei ist. Freilich werden sich auch hier die Dinge nicht in einem D-Zug- Tempo entwickeln, hat man doch auch die englisch- französische Aussprache jetzt auf einen etwas späteren Termin festgesetzt als ursprünglich geplant war.
Verhandlungen zwischen Eens und Berlin?
Die heutige Ratssitzung plötzlich verschoben.
WerNägll» nachmittag», Genestag» -or< u. nachmittag» Ferusprecher»Sammel«Nr. 69631. Berliner Büro: Berlin-Wilmersdorf.
Die internationale Lage.
as. Berlin, 16. Jan. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Noch steht die Welt völlig unter dem Eindruck des großen deutschen Abstimmungssieges an der Saar, der gestern in großen Kundgebungen überall im Reich gefeiert worden ist. In Genf wird durch diesen Sieg eine absolut klare Lage geschaffen, die keine Möglichkeit für Winkelzüge irgendwelcher Art mehr läßt. So hört man denn auch, datz der Rllckgliederungs- beschlutz voraussichtlich schon in der für heute nachmittag einberufenen Beratung des Völkerbundsrates gefatzr werden wird. Die Terminfestsetzung hingegen soll allerdings erst später erfolgen. Aber auch hier wird man erwarten dürfen, daß jede unnötige Verzögerung unterbleibt. Die Reichsregierung jedenfalls kann, wie aus einem Interview des Reichsinnenministers Dr. Frick mit einem amerikanischen Journalisten hervorgeht, die Rückgliederung in kürzester Frist bewerkstelligen und sie ist auch bereit, über handelspolitische Fragen, die sich aus dieser Rückgliederung ergeben, mit Frankreich zu verhandeln, wie andererseits auch der französische Ministerpräsident Flandin bereits solche Verhandlungen mit Deutschland angekündigt hat.
Nach dem Sieg.
Heute Rückgliederungsbeschluh in Genf? — Terminfestlegung wahrscheinlich erst später,
grundsätzliche Entscheidung über die spätere Souveränität im Saargebiet zu treffen, die Feststellung des Zeitpunktes der Rückgliederung und vieles andere aber zu verschieben. Diese Sicherheit wird nun nicht mehr zur Schau getragen.
Die unerwartete Verschiebung hat im Bölkerbundspalast große Spannung und Erregung hervorgerusen. In italienischen Kreisen spricht man davon, daß Deutschland unbedingt die sofortige Festsetzung eines Ter- m i ns für die Rückgliederung verlange.
weiß. Frankreich seinerseits kann seine Grenze Flüchtlingen nicht verschließen, die sich bedroht glauben. Aber es wünscht sehr, daß solche Umstände nicht eintreten.
Ich habe bereits erwähnt, daß die Regelung der Saarfrage als wertvoller Versuch in den deutschfranzösischen Beziehungen dienen würde. Ich bin sicher, die übergroße Mehrheit der Franzosen wünscht, daß sich diese Beziehungen allmählich bessern, um eines Tages zu einer Zusammenarbeit am europäischen Frieden zu führen. Die französische Öffentlichkeit, die oft enttäuscht worden ist (?) legt heute mehr Wert auf Taten als auf Wort«. Wenn wir unsererseits so handeln, daß die Liquidierung des besonderen Saarregimes in kürzester Frist vorgenommen wird, dann haben wir das Recht, von der deutschen Regierung einen gleichen guten Willen und eine gewissenhafte Achtung des Völkerrechtes zu erwarten, das die Grundlage der vertrauensvollen Zusammenarbeit unter den Völkern bildet."
Kein Franzose wird daran denken,
die Ergebnisse der Abstimmung zu bestreiten."
mit der Herstellung von Giftgasen unvereinbar seien. Sicherlich sei gewiß Vorsicht am Platze, aber Zurückhaltung sei jetzt nichtmehr angebracht. Nachdem Deutschland Frankreich einlade, müsse die französische Regierung endlich klipp und klar sagen, was sie wolle. Die Friedensaussichten, die augenblicklich vorhanden feien, fordere die Aufgabe der bisherigen negativen Haltung.
Auch der Außenpolitiker der „Information" erwartet, daß die Friedensaussichten besser würden. Es sei eine Utopie gewesen, zu glauben tos Saargebiet würde sich undeutsch verhalten, und eine Illusion, anzuneh- men, daß ein Regime, das die Begeisterung der Massen erweckt habe, in einem der deutschesten Teile Deutschlands eine Niederlage erfahren könnte. Bemerkenswert sei,,und Laval habe dies Dienstagvormittag bei dem Empfang französischer Pressevertreter in Genf selbst festgestellt, daß das Abstimmungsergebnis im Saargebiet der günstigen Abstimmung, im Reich für den Führer entspreche. Man müsse die Vaterlandsliebe bewundern, die über viele Sonderwünsche und materielle Vorteile den Sieg daoonge- tragen habe. Frankreich und Deutschland könnten, wenn man jetzt die unfruchtbaren Abrüstungsverhandlungen nicht vorzeitig in Gens wieder aufnehme und das Abrüstungs- Problem praktisch in Angriff nehmen würde, Europa für eine ziemlich lange Zeit den Frieden bringen.
Paris, 16. Jan. Die Genfer Sonderberichterstatter des Journal" und des „Petit Parisien" weisen auf eine Erklärung hin, die der französische Außenminister am Mittwoch im Völkerbund abgeben werde und die gewissermaßen eine Antwort auf die Erklärungen des Reichskanzlers darstellen würde. Diese Erklärung, schreibt der „Petit Parisien", würde in der ganzen Welt einen guten Eindruck hinterlassen. Laval werde sich dabei von 'dem Gedanken leiten lassen, daß eine ehrliche deutsch-französische Zus am menarbeit die beste Friedensgarantie darstellt. .
Der „Quoditien" fordert die franMsche Regierung aus, nunmehr ihre Zurückhaltung aufzugeoen und einmal deutlich zu sagen, was sie wolle. Vor der Abstimmung habe man gesagt, wenn die Saar für Deutschland stimme, so stimme sie für Hitler und man werde erst dann die wahren G e - fühle der Bevölkerung für den Führer kennen. Der Beweis sei heute erbracht. Hitler sei der wahre und absolute Führer Deutschlands und reiche Frankreich die Hand hin. Er habe von Wiederversöhnung und Befriedung gesprochen, und Dr. Goebbels ha^ das Wort Annäherung gebraucht. Vor soviel Herzlichkeit bleibe Frankreich zurückhaltend, und die Äußerungen Flandins feien be-
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^nenW °°r dem' Licheinungstage aufgegeben Eden.
Genf 16. Jan. (Eia. Drahtmeldung.) Die . für heute nachmittag angesetzte Ratstagung ist plötzlich ver- fchoben worden. Man weiß noch nicht, ob es sich nut um eine ganz kurzfristige Verschiebung handelt. Cs verlautet in Völkerbundskreisen, daßgewiffeSchwierigkeiten entstanden find und daß man von neuem über den vorzulegenden Bericht verhandelt, wie es heitzt, auch mit Deutschland. Bisher hat man hier in manchen Kreisen des Völkerbundes so getan, als ob es völlig genüge, heute die
Paris, 15. Jan. Über seine Ansicht zum Ergebnis Volksabstimmung befragt, hat Ministerpräsident Flandin folgendes erklärt:
„Frankreich hat zur Grundlage seiner internationalen Politik die Achtung der Verträge gemacht. Es kann sich zu der strikten Anwendung der Verträge bei der Saarabstimmung nur beglückwünschen. Kein Franzose wird daran denken, die Ergebnisse derAbstimmungzubestreiten. .
Der Völkerbund, der in seiner Rolle der Aufrechterhaltung des Friedens und der Organisierung der internationalen Sicherheit soeben einen großen Erfolg davongetragen hat, hat die Aufgabe, das für die R ü ck k e h r d e s Saargebietes zu Deutschland vorgefahrene Verfahren bis zum Ende durchziksühren.
Ich hofse bestimmt, daß dank der moralischen Autorität Genss, dank dem Verständnis der deutschen Regierung für ihre Pflichten, dank auch der Vorbereitung, die durch die vor der Abstimmung in Rom geführten Verhandlungen bereits erzielt ist, alle Fragen, die zwischen Frankreich und Deutschland Reibungen hätten Hervorrufen können, unter der Ägide des Völkerbundes
Die Brücke der Verständigung.
Das deutsche Volk an der Saar hat sich mit mehr als 90 Prozent der abgegebenen Stimmen für seine Zugehörigkeit zum Reich entschieden. Das soll, wenn es für Deutschland die Lösung eines ewig aufwühlenden schmerzenden Problems bedeutet, nun auch eine internationaleBedeutung erhalten und an die Staatsmänner der Welt, insbesondere an die Staatsmänner Frankreichs geht heute der dringende Ruf, daß sie diese Stunden nach der Saarabstimmung besser verstehen, als ihre Vorgänger im Amte einst die Herstellung eines Friedens in Europa verstanden.
Es ist ein Augenblick, in dem man vergessen kann, daß die Brücke zur Verständigung, die das Saargehiet darstellt, schon viel früher von Frankreich hätte betreten werden können. Hat doch Adolf Hitler wiederholt erklärt und durch den Mund feines Stellvertreters und seines Saarbevollmächtigten kund und zu wissen getan, daß es für ihn eines Sieges an der Saar nicht bedürfe, um den Nachbarn lensens des Rheins die Hand zu reichen. Es handelt sich jetzt nicht darum, Erinnerungen aufzufrischen, die zu Barrieren werden können, sondern eine Politik vorzubereiten und durchzu- sühren, die in die Zukunft hinüberleitet. Wenn das Saargebiet zu Deutschland zurückgekehrt ist, so haben wir keine territorialen Forderungen mehr an Frankreich, das hat der Reichskanzler schon vor jetzt anderthalb Jahren erklärt, und das hat er unmittelbar nach der Abstimmung feierlich wiederholt. Es gibt also an der deutschen Westgrenze zwischen Deutschland und Frankreich keinen Grenzstreit mehr, der die beiden Völker beunruhigen oder gegeneinander ausbringen konnte. Schon im Oktober 1925 haben Deutschland und Frankreich jenen Vertrag unterzeichnet, der die zwischen ihnen durch den Versailler Vertrag geschaffene Grenze feierlich bestätigte. Sie garantierten sich damals die Aufrechterhaltung des sich aus den Grenzen zwischen Deutschland und Belgien und zwischen Deutschland und Frankreich ergebenden territorialen Status quo die Unverletztlichkeit dieser Grenzen. England und Italien unterzeichneten jenen Garantieoertrag mit. Dich« Unverletzlichkeit der Grenzen, wie sie nach der Ruckkchr des Saargebiets bestehen werden, hat nun auch der Reichskanzler noch einmal bestätigt, und zwar von sich aus, aus freiem Willen, ohne daß irgend ein fremder Druck oder Einfluß bestanden hatte. Das heißt in voller Freimütigkeit und in vollem Bewußtsein der Wichtigkeit dieses Problems für ganz Europa wird Frankreich di« Hand zur Verständigung entgegengestreckt.
Der französische Ministerpräsident Flandin hat in einer Erklärung bereits eine Art erster Antwort gegeben. Er hat davon gesprochen, daß die übergroße Mehrheit der Franzosen wünscht, die deutsch-französischen Beziehungen mögen sich allmählich bessern, um eines Tages zu einer Zusammenarbeit am europäischen Frieden zu führen. Es mutz gerade im Interesse jener Offenheit, die die Voraussetzung für das Gedeihen einer Verständigung ist, ausgesprochen werden, daß diese Worte doch recht zögernd und zurückhaltend klingen, daß sie offensichtlich auf einen sehr langen Weg der Verständigung Hinweisen wollen, und daß ihnen also nicht jener spontane und freimütige Charakter innewohnt, der in den Worten des Führers und Reichskanzlers enthalten ist. Auch manches andere in den Erklärungen des französischen Ministerpräsidenten deutet daraus hin, daß man in Frankreich auf vorsichtige Zurückhaltung gestimmt ist. Die Erklärung handelt wohl von dem Problem der deutschen Emigranten im Saargebiet. Aber sie enthält kein einziges Wort über die deutsche Gleichberechtigung unter den Elationen. Die Erklärung spricht wohl von kommenden Verhandlungen über Wirtschaftsfragen und vom Völkeround, aber was bedeuten in diesem Zusammenhang Ermahnungen, daß man von Deutschland eine gewissenhafte Achtung des Völkerrechts erwarte — Andeutungen, die dadurch nicht freundschaftlicher werden, daß sie eine Selbstoerständlichköit
Handlungen bereits erzielt ist, zwischen Frankreich und T hätten h_____ s " - ■ <
leichtgereaeltwerden.
Die Bezahlung der Saargruben ist bereits — sogar schon in ihrer Ausführung — studiert worden. Ich fehe daher b e i der Frage der finanziellen Regelung, die die öffentlichen und privaten französischen Rechts im Saargebiet betreffen, keine großen Schwierigkeiten voraus. Handelsverhandlungen werden unverzüglich beginnen, sowohl um eine Ubergangsrsgelung des Warenaustausches zwischen Frankreich und dem Saargebiet zu gewährleisten, als auch um den deutsch-französischen Warenaustausch der neuen Lage anzupassen, wenn das Saargebiet endgültig wieder in das deutsche Zollgebiet einbezogen sein wird.
Das heikelste Problem Saarabwanderung, ist, was
