Wsttenrr TsMt
Druck und Verlas: anK*»««;* 7 QlllCrtrthen «erttieH» naAmtttags. Samstags e»t«u.tu
7 Ausgaben
Druck und Verlag:
Wöchentlich
Unterhaltungsbeilage.
mit einer täglichen
Posycheckloitto: Frankfurt a. M. Nr. 7405.
Höchste Abonnentenzahl aller Tageszeitungen Wiesbadens und Nassaus.
Tetegramm-Wresse: Tagdlatt Wiesbaden.
8. Schellenberg'Iche tzofduchdruäerel, ^lagblatt - tzaui». Eeschäftszeit: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, außer Sonn- und Feiertags.
»«Mä,»ch nachmittags, Samstags »ar- u. nachmittags Fernfprecher-Sammet-Nr. 59631. Berliner Büro: Berlin-Wilmersdorf.
Seiugsereife: Für eine Bezugszeit von 2 Wochen 94 Rpf., für einen Monat RM. 2.—, ein. fchliemich Traglohn. Durch die Post bezogen RM. 2.35, zuzüglich 42 Rott Bestellgeld, Einzel- nummern 10 Rpf. — Bezugsbestellungen nehmen an: der Verlag, die Ausgabestellen, die Träger und alle Poftanstallen. — Sn Fällen höherer Gewalt oder Betriebsstörungen haben die Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung des Blattes ober auf Rückzahlung des Bezugspreises.
HWUWMRMWMW
G^ere^La^müst^ä« einen Tag^ vor beff Erscheinungstage aufgegeden werden.
83. Jahrgang.
Sonntag, 13. Januar 1935.
Nr. 12.
w
K
I u r' 1
I •
! ' J
sorgen." .
„Dei; Regierungansschuß hat die volle Nutznießung des gesamten Eigentums, das bisher der Kaiserlich- Deutschen Regierung oder der Negierung irgendeines deutschen Staates im Saarbecken als öffentliches oder privates Eigentum gehörte."
„Der Regierungsausschuß hat allein das Recht, im Bereich des Saarbeckens Steuern und Abgaben zu erheben."
Dann noch alle die Bestimmungen, die kautschur- artig waren und der Auslegung freien Raum ließen. Da hieß es, daß im Saargebiet nur eine örtliche Gendarmerie zur Aufrechterhaltung der Ordnung eingerichtet werden sollte, aber wir erinnern uns noch zu genau, wie lange französische Truppen hier anwesend
Der Weg von Versailles nach Saarbrücken führt auf dem Umweg über Genf. Die Deutschen, die jetzt im Saargebiet ihre Stimme für Deutschland abgeben, haben den Völkerbund am eigenen Leibe kennen gelernt. Für viele von uns und in der Welt war dieser Völkerbund meist nur eine Stätte der Deklamation. Aber im Saargebiet war er persönliches und politisches Schicksal. Oh, man bemühte sich, vollste Objektivität zu zeigen, aber diese Objektivität war nichts anderes als daß jeweils der politischen Lage Genüge geschehen sollte, und die politische Lage war meist immer so, daß die Wünsche Frankreichs erfüllt wurden, und die deutschen Wünsche, vor allem die Wünsche der Saareinwohner, unberücksichtigt blieben. Moralische Eroberungen hat der Völkerbund im Saargebiet nicht machen können. Das ist die traurige Bilanz dieser 15 Jahre, eine Bilanz, die den Völkerbund eigentlich zur Selbsterkenntnis briugeu
waren, obgleich diese Anwesenheit gegen das ausdrücklich festgesetzte Statut des Versailler Vertrages verstießen.
Noch ist die Erinnerung wach an die Nacht, als aus Versailles die ungeheuer harten Friedensbedingungen nach Berlin übermittelt wurden. Der Fernschreiber des Auswärtigen Amtes vermittelte ununterbrochen in langen Streifen den Text jener Bedingungen, die jedem, der sie las, wie eine Ausgeburt der Grausamkeit erschienen. Da waren die Bestimmungen über die Entmilitarisierung des linken Rheinufers und dann kam der Abschnitt 4 mit den Bestimmungen über das saar- becken. Auch sonst begannen die einzelnen Artikel meist so, wie die früheren Artikel dieses „Friedensvertrages" begonnen hatten. L'Allemagne renonce . . . Deutschland verzichtet, Deutschland verzichtet. Immer wieder dasselbe, immer wieder derselbe Ausdruck, und hier heißt es: Deutschland verzichtet zugunsten des Völkerbundes, der als Treuhänder gilt, auf die Regierung des Saargebietes. Dann folgten die Bestimmungen über die Ausbeutung der Gruben und über die Vorrechte, die der französischen Verwaltung gegeben wurden, Vorrechte, die die deutschen Arbeiter rechtlos machten: es folgten Bestimmungen über die Regierung des Saargebietes. Eine landfremde Regierung wurde deutschen Menschen aufgezwungen, eine Regierung, die bis zum heutigen Tage landfremd geblieben ist.
(jiy V *1, vUlv V4V vij Quin o «J
Man muß nur einige von diesen Bestimmungen des Saarstatutes lesen, um zu wißen, was es heißt, unter fremder Herrschaft zu leben:
„Es ist Sache des Regierungsausschusses mit den ihm angemessen erscheinenden Mitteln und der ihm angemessen erscheinenden Weise für den Schutz der Jn- teresien der Saarbeckeneinwohner im Auslände zu
Der Kampf gegen Versailles begann in Versailles selbst. Graf Brockdorf- Rantzau hat während der Friedenskonferenz ausgeführt: „Es gibt keinen Jndustrie- bezirk in Deutschland, besten Bevölkerung so bodenständig und einheitlich ist, wie den des Saargebietes." Frankreich wollte die Kohlengruben, darauf kam es ihm in erster Linie an. Aber Brockdorf-Rantzau erklärte in seiner Note vom 13. Mai 1919, daß Deutschland „seine Angehörigen nicht als Gegenwert für Gold unter fremde Herrschaft bringen könne." Wir waren bereit, für ausfallende nord- französische Kohlen deutsche Saar- und Ruhrkohlen zu liefern, aber die Franzosen wollten mehr, sie wollten die Gruben, aber sie wollten mit den Gruben den Besitz des Saargebietes. Die Gruben waren ihnen ein willkommener Vorwand, und als schließlich Lloyd George und Wilson davor warnten, aus dem Saargebiet ein zweites Elfaß-Lothringen zu schaffen, verstand sich Elemenceau lediglich zu der Konzession, daß nach 15 Jahren eine Abstimmung stattfinden sollte. Man dachte es sich so, daß eine Abstimmung nach 15 Jahren keinen Erfolg bringen würde, man wollte ja im Grunde auch eine solche Abstimmung garnicht, sondern rechnete damit, daß das Reich durch diesen Vertrag von Versailles nach 15 Jahren so ruiniert sei, daß eine Abstimmung überflüssig geworden wäre. Diese Rechnung hat allerdings getäuscht. Trotz aller Schwierigkeiten hat sich der gesunde Lebenswille Les deutschen Volkes behauptet, und dieser Lebenswille wird auch in der Abstimmung des 13. Januar den Weg zur Freiheit öffnen.
•>
Zum Tag det Freiheit!
von Versailles nach Saarbrücken.
An den Saal, der an den großen historischen Spiegelsaal des Schlosses in Versailles angrenzt, steht, von den Besuchern bestaunt, der Tisch, auf dem der sogenannte Friedensverrrag von Versailles unterschrieben wurde, und auf dem Tisch das Schreibzeug, das zu: Unterzeichnung dieses Diktates benutzt worden ist. Man möchte in Frankreich gern so tun, als ob das alles schon eine historische Angelegenheit sei, eine Angelegenheit, die durch die Geschichte gerechtfertigt sei. Für uns aber ist das alles noch bittere Gegenwart. Der Weg, der von Versailles nach Saarbrücken führte, ist nichts als ein Weg voller Leid und voller Tränen, ein Weg, der nicht zum Frieden führte und der, wie wir jetzt wissen, allein geeignet war, Krisen zu schaffen und die Unruhe als Dauerzustand zu erhalten.
Jetzt schwindet nun wieder ein Stück von Versailles dahin und muß im Kampf beseitigt werden. Die ganzen Jahre waren für uns nichts anderes als Kampf gegen Versailles. Der Zwist der Parteien mochte noch so groß sein — das eine kann man wenigstens sagen, daß jeder Deutsche, der überhaupt deutsch empfinden konnte, auch diesen Kampf gegen Versailles als seinen Kampf ansah. Es gab int Laufe der Jahre verschiedene Methoden, aber das Ziel war immer das gleiche. Selbst die Kommunisten haben ja diesen Kampf gegen Versailles oft genug gepredigt, freilich dachten sie sich das Fernziel etwas anders. Für die große Mehrheit des deutschen Volkes kam es darauf an, nach Versailles ein freies Deutschland zu schaffen, die Kommunisten aber wollten ein Sowjet-Deutschland. Wie dem ave: auch sei, die Hoffnung aller, die aus Versailles Nutzen ziehen wollten, haben sich nicht erfüllt und. werden sich nie erfüllen. Versailles hat niemandem genutzt, hat allen geschadet.
sollte, zu der Erkenntnis, daß das, was in der Theorie so pathetisch verkündet wurde, in der Praxis ein trauriges Fiasko erlebt hat. *
Es -ist nötig, daß an diesem Tag bet Freiheit jeder Abstimmungsberechtigte seine Stimme für Deutschland abgibt, weil den Vorschriften und Paragraphen Genüge getan werden muß. Von höherem Standpunkt aus gesehen, ist diese Abstimmung völlig unsinnig. Das har man gelegentlich auch in Frankreich eingesehen, aber es ist das Tragische an der Entwicklung der deutsch-französischen Beziehungen, daß Frankreich in den entscheidenden Stunden der Nachkriegszeit immer eine Politik des ,^u spät" getrieben hat. Vor Jahren war die Möglichkeit gegeben, die Saarfrage auf dem Wege von Verhandlungen aus der Welt zu schaffen. Dann hätte man den Saarländern die letzten Jahre der fremden Herrschaft ersparen können. Die Verhandlungen scheiterten, weil Frankreich sich nicht zu einer Einigung bereitfand. Frankreich glaubte, einen Trumpf in der Hand zu haben und merkte nicht, daß dieser Trumps von Tag zu Tag
