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Nr. 8
Mittwoch, 9. Januar 1935
83. Jahrgang
AGWOW WWMiMWN
Pläne des französischen Generalstabs
. Dag hierbei England sehr der Verhandlungen eintritt,
wurde
außerordentlich groß, ratistischen V e i
Fernsprecher-Samtnel-Nr. 59631. Berliner Büro: Berlin-Wilmersdorf.
ran- ruck
mittel waren der Schulterror, der separatistische Saarbund und die frankophile Separatistenpresse. Wer sich gegen diese Dinge sträubte, dem erging es schlecht. Wer nachgab, wurde belohnt. Fürwahr ein trauriges Spiel, das da getrieben wurde, um arme Menschen von ihrem Deutschtum abzu- bringen. Man hoffte natürlich darauf, daß wir die Menschen, die unter dem unerhörten Druck schwach geworden waren, verfemen und damit aus unserer deutschen Volk»»
Geschäftszeit: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, außer Sonn- und Feiertags.
Italienische Mitteilung über die römischen Gespräche. — Weitgehende Zusammenarbeit. London für beschleunigte Rüstungsverhandlungen.
Die schwersten wirtschaftlichen Zeiten brachten uns die folgenden Jahre. Deutschland, unser Vaterland, litt schwer unter der Krise, die nach dem Ruhrkampf über das durch Krieg, Inflation und Ruhrkampf ausgeblutete Volk kam. Nicht viel anders war es bei uns im Saargebiet. Frankreich war für unsere Waren nur in beschränktem Matze aufnahmefähig, ja nicht einmal die Saarkohlen konnte man dort in wesentlichem Umfange los werden. An schönen Versprechungen fehlte es allerdings nie. Und wenn es uns wirtschaftlich schlecht ging, setzte gegen alle von den F zosen abhängigen Menschen ein erneuter Druck ein. Di
die Werber zum Verlassen des Gartens aufgefordert hat. Dagegen haben dann die Werber, die ausländische Photographen mitgebracht hatten und in den Garten eingedrungen waren in der Hoffnung, einen schweren Zwischenfall provozieren z u können, selbst ihre Werbeexemplare vor dem Haus der Deutschen Front zerrissen und zerstreut. Sie haben ferner, um den Anschein einer Schlägerei zu erwecken, sich gegenseitig geschlagen, um so ein Bild für die Äuslands- preffe zu erhalten. Allein die Tatsache, dah sie zum Haus der Deutschen Front schon Photographen mitgebracht hatten, beleuchtet deutlich die vorhandene Absicht. Die Erregung über diesen neuen Vorfall in der Saarbrücker Bevölkerung ist ...r. Eg handelt sich hier um einen sepa -
Smtigenprrife: Ein Millimeter Höhe der 22 Millimeter breiten Spalte im Anzeigenteil Grund- preis 6 Rpf., der 85 Millimeter breiten Spalte im Tertteil 45 Rpf., sonst laut Tarif Nr. 3, Nachlatzstaffel C. — Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen und Plätzen wird keine Gewähr Übernommen. — Schluß der Anzeigen-Annahme 10 Uhr vormittags. Größere Anzeigen müssen spätestens einen Tag vor dem Erschemungstage aufgegeben werden.
Die kolonialen Abmachungen.
Rom, 8. Ian. Aus der amtlichen Mitteilung über die italienisch-französischen Abmachungen ist hervorzuheben, datz die Tunis-Konventionen, soweit die Staatszuge- hörigkeit in Betracht kommt, praktisch bis 1965 verlängert werden. Die Grenze in SüdIibyen wird derart verlegt, datz sie künftig von Tummo in nordöstlicher Richtung bis zum 24. Längengrad mit Schnittpunkt auf Breite 18 Grad 45 Minuten geführt wird. Das abgetretene Gebiet umfaßt schätzungsweise 114 000 Quadratkilometer. Durch die Erenzberichtigung zwischen Erithrea und fran- zöstsch-Somaliland erhält Italien gegenüber der Meerenge von Bab el Mandeb einen Küstenstrich zwischen der Elüa und Daadato. Frankreich überläßt Italien ferner die Insel Doumerah.
ratistischen Verzweiflungsakt. Die Separatisten sahen nach dem Riesenaufmarsch der Deutschen Front vom vergangenen Sonntag ihre letzten Felle wegschwimmen und hoffen, durch derartige Provokation noch im letzten Augenblick die Arbeit der Deutschen Front lahmlegen zu können.
Bejugspreifc: Für eine Bezugszeit von 2 Wochen 94 Rpf., für einen Monat RM 2— ein. schließlich Traglohn. Durch die Post bezogen RM. 2.35, zuzüglich 42 Rpf. Bestellgeld Einzel, nummern 10 Rpf. — ZbeMgsbestellungen nehmen an: der Verlag, die Ausgabestellen die “T6- aIIe W3"? tal*taltetUO~e3n 8äUen höherer Gewalt oder Betriebsstörungen haben die Segteßet feinen Ampruch auf Lieferung des Blattes oder auf Rückzahlung des tz^ugspreises!
llmMte WoDototion der öMsWMen.
Das Haus der Landesleitung der Deutschen Front vom Überfallkommando besetzt.
Hausfriedensbruch.
Saarbrücken, 9. Jan. (Eig. Drahtmeldung.) Mittwochvormittag gegen 11.30 Uhr drang eine Reihe von Werbern der separatistischen „Renen Saarpost", die die heutige Rümmer der „Reuen Saarpost" zu Werbezwecken verteilten, in den Garten des Hauses der Deutschen Front ein und be- , streuten die ganze Treppe des Hauses mit Werbeexemplaren der „Reuen Saarpost«. Sie versuchten auch, in das Haus selbst einzudringen. Sie wurden von dem Büropersonal aus dem Hause und dem Garten verwiesen. Dabei griffen einige Werber das Büropersonal der Landesleitung bet Deutschen Front an. Einige der Werber flüchteten und alarmierten das Überfallkommando, das in Stärke von 60 Mann das Haus der Landesleitung besetzte, die Telephonzentrale sperrte, um „polizeiliche Feststellungen" zu treffen. Bis zur Stunde ist das Haus noch immer besetzt. Niemand darf das haus verlassen, und jegliche Telephonverbindungen find gesperrt. Es handelt sich um einen typischen Fall separatistischer Provokation und um ganz deutlichen Hausfriedensbruch, da das Haus der Landesleitung der Deutschen Front der gesamten Saarbevölkerung genau bekannt ist und Wohnungen sich in diesem Hause nicht befinden. Wären umgekehrt Werber der Deutschen Front in das Gebäude der sozialdemokratischen Zeitung ein= .gedrungen, um dort für die Deutsche Front zu werben und «lugblätter zu verteilen, daun wären sie zweifellos anders behandelt worden als die Werber der Separatisten im Gebäude bet Landesleitung der Deutschen Frans,
Ein Verzweiflungsakt der Status-quo-Leute.
Saarbrücken, 9. Ian. (Eig. Drahtmeldung.) Wie sich letzt ergibt, handelt es sich bei dem Vorfall im Landeshaus °er Deutschen Front um eine unglaubliche bestelltePro- nofation. Die weiteren Ermittlungen haben nomlitf) ergeben, daß aus dem Haus der Deutschen Front ®ut ein Büroangestellter herausgekommen ist und
Kampf und Sieg!
Von Dr. h. c. Hermann Röchling, Völklingen/Saar.
Des Saarlands Leidenszeit geht zu Ende. Sie begann nach dem Zusammenbruch im Weltkriege mit dem Einmarsch französischer Truppen. Der sofort verhängte Belagerungszustand mit all seinen Schrecken leitete eine Periode fortdauernder Einschüchterung der Bevölkerung ein. Viel Blut unschuldiger Menschen floß. Personen, von denen ein Widerstand gegen die französische Politik zu erwarten war, verfielen der Ausweisung. Ob es Direktoren der Hüttenwerke oder Arbeiter, preußische Staatsbeamte oder Bergleute, Führer der Lehrerschaft, Geistliche oder Juristen waren — keine Klaffe der Bevölkerung wurde verschont. Ich selbst war einer der ersten Ausgewiesenen. Wie in Elsatz- Lothringen über 150 000 Deutsche, im Ruhrkampf gar 200 000 ausgewiesen wurden, so wurde auch bei uns das Saarvolk feiner führenden Mitbürger be rauht, um feine Widerstandskraft zu brechen. c
Als die vom Völkerbund eingesetzte Regierungskommission ihr Amt antrat, wurde alles versprochen, aber wenig gehalten. Rur zum Teil durften die während der Militärdiktatur Ausgewiesenen zurückkehren. Ja, als im August 1920 der große Veamtenstreik ausbrach, wurden erneut der Belagerungszustand und das Standrecht verhängt, wurde wieder zur Ausweisungspolitik gegriffen. Den um ihre elementarsten Rechte kämpfenden Beamten wurde alles versagt, was Halbwegs ihre Stellung sicherte. Sie sollten in eine solche Abhängigkeit gebracht werden, daß man sie als ausführende Organe zur Vernichtung deutschen Volkstums an der Saar mißbrauchen konnte.
Die Industrie stellte man durch Terrormatznahmen aller Art unter Druck, um auch die wirtschaftliche Macht im Saar- gebiet an sich zu reißen. Überall war die Forderung, sechzig Prozent des Kapitals der einzelnen Unternehmungen an Franzosen abzugeben. Das ist zu einem großen Teile auch gelungen. Bei den Röchlingwerken, wo man anscheinend Widerstand erwartete, hatte man sich dadurch eine Geisel für unser Wohlverhalten gesichert, daß man ein Mitglied meiner Familie 22 Monate lang in französischen Gefängnissen hielt. Wir hatten das Glück, diesen Anschlag abwehren zu können ' und unser Werk in reindeutschem Familienbesitz zu erhalten.
In allen entscheidenden Stellen der Regierungskommission saßen Franzosen, die ihre Untergebenen ständig es fühlen ließen, datz von ihrer Gefügigkeit es ab hinge, ob ihre Familien satt wurden oder hungerten. Im Saarkohlenbergbau standen über 50 000 Arbeiter und Angestellte in Abhängigkeit von dem neuen Grubenbesitzer, dem französischen Staate, und seiner französischen Ingenieure. Weitere 30 000 Arbeiter und Angestellte der Eisenindustrie waren abhängig von den von den französischen Mehrheitsbesitzern eingesetzten und dirigierten Werksleitungen.
Ende 1920 war die französische Machtposition im Saargebiet ausgebaut. Nun konnte der Druck auf das Saarvolk recht losgehen. Obwohl der Bevölkerung im Saarstatut ihre deutsche Schule garantiert war, wurden an zahlreichen Orten des Saargebietes französische Schulen gegründet. Aus die in der französischen Machtsphäre arbeitenden Arbeiter «und Angestellte wurde ein ständiger Druck dahin ausgeübt, daß sie ihre Kinder in die französischen Schulen schickten. Am schlimmsten war dieser Druck bei der französischen Saargrubenverwaltung. Die dort zur Auswirkung gekommenen Methoden sind vor einem Jahr in dem großen Prozeß gegen die französischen Erubenschulen enthüllt worden. Eine der willkommensten Gelegenheiten, die weitesten Kreise des Saargebietes unter Druck zu setzen, bot sich in der schlimmen Zeit der deutschen Inflation. Den Beamten wurde eine Erhöhung ihrer Bezüge und damit die Angleichung derselben an die Geldentwertung stets abgelehnt. Gleichzeitig wurde ihnen aber die Erfüllung aller ihrer Wünsche in Aussicht gestellt, wenn sie ihr Gehalt in französischer Währung zu erhalten wünschten. Viele Familien haben in dieser Zeit buchstäblich gehungert. Insbesondere war dies der Fall bei den Geistlichen, die bis zur Einführung des Franken als gesetzlicher Währung im Jahre 1923 bei der Markbezahlung geblieben waren.
Was Wunder, wenn bei all diesem unerhörten Druck es wie ein Aufatmen durch alle Kreise des deutschen Saarvolkes ging, als gleichzeitig mit dem Einmarsch der Franzosen ins Ruhrgebiet die gesamte Vergarbeiterschaft des Saargebietes in den Streik gegen die französische Saargrubenverwaltung eintrat. Dieser Streik, der in feiner Auswirkung das ganze Saarvolk erfaßt hat und für das wirtschaftliche Leben naturgemäß von größtem Nachteil war, wurde trotzdem einmütig gebilligt und unterstützt. Als der Streik nach hunderttägiger Dauer ad geb lasen werden mußte, endete er trotz allen mit einem Erfolg für die Bergleute.
englischerseits das Programm für den Besuch La- o a l s in London, der möglichst vor dem Wiederbeginn der englischen Parlamentssitzungen, also vor dem 28. Januar, er= folgen soll, vorbereiten. Erst nach diesen Londoner Gesprächen wird man bann vermutlich etwas klarer sehen.
Nun kann man aber in der Rüstungsfrage nur dann voran kommen, wenn Frankreich den gänzlich negativen Standpunkt seiner Note vom 17. April v. I. aufgibt. In dieser Hinsicht ist beachtenswert, daß die französischen Blätter jetzt verhältnismäßig objektiv die Möglichkeit einer endgültigen Abänderung der Versailler Militärbestimmungen e r- örtern. Der „Temps" spricht von Verhandlungen, „als deren Ergebnis die Militärbestimmungen des Versailler Vertrages in bestimmten Grenzen mit bestimmten Bedingungen und unter bestimmten Garantien zugunsten Deutschlands abgeändert würden". Das ist außerordentlich verklausuliert und läßt die großen Schwierigkeiten, die in dieser Frage bestehen, klar erkennen. Es kommt hinzu, daß der französische General st ab ganz offensichtlich bemüht ist, noch vor diesen Verhandlungen Frankreich einen noch größeren Rüstungsvorsvrung als bis- herzu sichern. So wird davon gesprochen, datz die Pläne des Generalstabs dahin gehen, unter dem Deckmantel einer französischen Konzession an Deutschland ohne innenpolitische Schwierigkeiten als etwas nunmehr Selbstverständliches die Einführung der zweijährigen Dienstzeit und eine Erhöhung der französischen Heeresstärke durchzusetzen und zwar natürlich vor einer etwaigen Rüstungsvereinbarung. Auch die französische Rechtspresse berichtet immer wieder, datz Frankreich sich einen entsprechenden Rüstungsvorsprung sichern müsse.
ae. Berlin, 9. Jan. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Über die römischen Vereinbarungen liegt nunmehr eine amtliche italienische Mitteilung vor, die erkennen läßt, datz diese Vereinbarungen weiter gehen als aus demersten amtlichen Kommunique z u entnehmen war. Das gilt einmal für die sogenannte Konsultation, d. h. für die Verpflichtung der beiden Staaten, in einen Meinungsaustausch einzutreten. Ein solcher Meinungsaustausch war zunächst nur geplant für den Fall, daß die österreichische Unabhängigkeit bedroht würde. Nach der amtlichen Mitteilung dagegen sind die beiden Staatsmänner übereingekommen, „datz die beiden Regierungen untereinander alle Konsultationen vornehmen werden, die die Umstände erfordern sollten". Das „(5 i o r n a I e d' ItaIi a" erklärt denn auch, datz Frankreich und Italien sich geeinigt hätten, in ganz Europa zusammenzuarbeiten, M. fv datz von einer französisch - italienischen Entente in Europa gesprochen werden könnte. Zugleich unterstreicht die italienische Presse aber auch, daß die Vereinbarungen keineswegs gegen Deutschland gerichtet seien und fügt hinzu, daß Deutschland dauernd auf dem laufenden gehalten worden sei.
Nicht minder bedeutsam aber ist, daß die amtliche italienische Mitteilung ausdrücklich von Vereinbarungen in der Rüstungsfragtz spricht. In diesem Fall war gestern schon darauf verwiesen worden, daß die Rüstungsfrage in Rom eine sehr bedeutsame Rolle gespielt hätte. Dann folgte freilich ein Dementi des französischen Stuften» ' ministers gegen die Havasmeldung, die davon spricht, daß ? ■= in Rom ein entsprechendes Protokoll unterzeichnet sei. Dem gegenüber bestätigt die amtliche italienische Mitteilung die Havasmeldung und beweist, daß das Dementi Lavals einen rein formalen Charakter hatte. Tatsächlich ist die Rüstungsfrage in Rom erörtert worden. In der amtlichen italienischen Mitteilung heißt es hierzu: „Die italienische Regierung und die französische Regierung nehmen Bezug auf die Eleichberechtigungserklärung Dom 11. Dezember 1932 und stimmen in der Erkenntnis überein, daß kein Land durch einseitige Aktionen, die die Rüstung betreffenden Verpflichtungen abänbern fa.nn unb daß für ben Fall, baß eine solche Eventualität eintreten sollte, sie sich konsultieren werden". Aus dem Diplomatendeutsch übersetzt heißt das, daß über den deutsche nRü st ungs st and verhau- b e It werben soll. Daß hierbei Englanb sehr stark für eine Beschleunigung der Verhandlungen eintritt, würbe gestern hier schon gesagt, wirb aber auch durch bie aus Lonbon vorliegenden Meldungen bestätigt. Schon während der übermorgen beginnenden Genfer Ratstagung will man auch
Seltsame Praktiken in saarländischen Wahllokalen.
Saarbrücken, 9. San. Nachdem schon am ersten Abstimmungstage für die Beamten und ihre Angehörigen sowie die Insassen der Krankenhäuser und Gefangenenanstalten mit seltsamen Begründungen Stimmen, die einwandfrei für Deutschland waren, für ungültig erklärt wurden, haben sich am Dienstag, dem zweiten Tage, abermals eine Reihe von derartigen Fallen ereignet. Besonders bezeichnend ist ein Fall im Kreise St. Wendel. Als dort die Frau eines Beamten, die für die Abstimmung notwendigen Personalpapiere aus ihrer Handtasche nehmen wollte, befand sich unter den Papieren, die die Frau aussortierte, auch eine rote Mitgliedskarte der Deutschen Front. Daraufhin wurde bfr Frau die Teilnahme an der Abstimmung verweigert.
