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Sonntag, 6. Januar 1935.
Nr. 5.
83. Jahrgang.
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IV
I
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Auf der Flucht vor dem Mißtrauensvotum.
Der litauische Gouverneur schließt die Tagung des Memellandtages.
Memel, 5. San. (Eig. Drahtmeldung.) Um einen Zusammentritt des memelländischen Landtages für die nächste Zeit zu verhindern, hat der Gouverneur durch einen Akt V vom 4.. Januar die außerordentliche Tagung des ■ Landtages für geschlossen erklärt. Mit dieser Maßnahme soll das unausbleibliche Mißtrauensvotum gegen r das unrechtmäßige Direktorium Vruroelaitis überhaupt verhindert und diesem eine längere Amtsdauer verschafft , werden.
Vor weiteren englisch-irischen Abkommen?
Um die Regelung der politischen Streitigkeiten.
London, 5. - San. Das neue englisch-irische Abkommen über den gegenseitigen Warenaustausch von Kohle und Vieh E beschäftigt die englische Presse und Öffentlichkeit weiterhin in starkem Maße. „Daily Mail" erklärt, daß nunmehr auch die Regelung der politischen Streitigkeiten zwischen beiden Ländern diesseits und jenseits des irischen Kanals die Köpfe sehr stark beschäftige. Der englische Dorni- nionminister Thomas erklärte, er wünsche, daß der irische Freistaat seine Rolle als Mitglied des englischen Welt-
Die Kundgebung der deutschen Führerschaft.
Nach dem feierlichen Akt in der Preußischen StaatHkper fand am Abend eine Fe st Vorstellung des „Tannhäuser" statt; unser Bild gibt einen Blick in die Ehrenloge während einer Pause: Vordere Reihe von links: Reichsführer-SS. Himmler, Reichswehrminister v. Blomberg, der Führer, MinisterpräDent Göring, Stabschef L u tz e. Dahinter von links: Staatssekretär Lammers, Reichsminister Dr. Frick, ReichsfiitrnMinister Graf Schwerin-Krosigk, der Chef der Heeresleitung, General Zrhr. o. Fritsch, Reichsminister Dr. Frank und Reichsminrster Kerrl.
Genfer Sorgen und Hoffnungen.
Der italienisch-abessinische Konflikt. — Eine Belastungsprobe für den Völkerbund
Beginn der Verhandlungen in Rom.
Italienische Presse betont das Festhalten an bestehenden Bündnissen.
Rom, 5. San. (Eig. Drahtmeldung.) Die italienische Hauptstadt steht ganz im Zeichen des französischen Staatsbesuches und der Verhandlungen zwischen Laval und Mussolini, die heute vormittag 9.30 Uhr im Palazzo Venezia begonnen haben. Vor dem Gebäude hatten sich eine größere Menge Schaulustige eingefunden. Rach _ der ersten Besprechung findet eine Unterredung des französischen Außenministers mit dem italienischen Staatssekretär im Außenamt, Suv ich, statt. Um 11.30 Uhr folgt die Audienz beim König von Stalien, um 12 Uhr das anschließende Frühstück an der königlichen Tafel zu Ehren des französischen Gastes.
Die Presse veröffentlicht ausführliche Bericht« über die Ankunft Lavals und spricht von dem lebhaften Snteresse, das die Bevölkerung Roms dem französischen Außenminister «ntgegenbringe. Sn den Kommentaren wird nochmals das Festhalten Staliens an seinen Freundschaften unterstrichen und der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß die Haupthindernisse zwischen Stalien und Frankreich beseitigt werden und damit ein wichtiger Schritt auf dem Wege zur Festigung des Friedens getan werden könne. Die italienisch-französische Verständigung schließe durchaus nicht die Teilnahme der übrigen Großmächte an einer gemeinsamen europäischen Politik aus.
Führung und Volk eins!
Die Staatsoper-Knndgebung und die Welt.
Schon rein organisatorisch zeigte die herrliche Kundgebung der deutschen Führerschaft in der Preußischen Staatsoper wie glänzend der Staatsapparat im neuen Deutschland eingestellt ist. Innerhalb 24 Stunden gelang es, die gesamte Führerschaft des Reiches in Berlin zu versammeln und mit der Präzision einer hochwertigen Maschine konnte das Programm der einzigartigen Kundgebung abrollen. Sinn und Zweck der Kundgebung wurde schon rein äußerlich aufs beste symbolisiert. Wäre das Deutschland von heute jene Kampfstätte aller gegen alle, wie gewissenlose Verleumdung es zu schildern nicht müde wird, dann hätten sich schon hier Spuren einer Desorganisation zeigen müssen. Das Gegenteil war der Fall. Wenn wir auch in Deutschland selber diese glänzende organisatorische Leistung als Selbstverständlichkeit betrachten, so wirkt sie doch als eindrucksvollstes Musterbeispiel nach außen. Der festgefügte Staatsapparat trat hier schon äußerlich aufs Eindrucksvollste in Erscheinung.
Da waren sie alle versammelt, in Einheit und Geschlossenheit, in unverbrüchlicher Treue zum Führer, und untereinander geeint nur in der einen großen Aufgabe, dem Deutschland der Einheit und der Ehre, mit ihrem ganzen Wissen und Können, mit ihrem Gehorsam und ihrem Willen zu dienen. Sie alle, die Bosheit und Lüge immer wieder bezüchtigt, daß sie einen Kampf gegen einander führen. Uns erscheint solche Lüge allmählich.lächerlich. Aber ist es schon Wahnsinn, so hat es doch Methode. Der Führer selbst hat in seiner Rede diese Methode treffend gekennzeichnet. Sie handeln nach dem alten Worte, das man schon zur Römerzeit kannte: Audacter calumniare, somper aliquid haeret. Auf deutsch: Verleumde nur drauf los, etwas bleibt immer hängen. Es ist der Auswurf Deutschlands und boshafte Gegner des neuen Deutschland aus gewissen Nachbarländern, die den Kampf an der Saar gegen uns nach diesem alten Grundsätze führen. Sie glauben damit die deutschen Menschen an der Saar zu verwirren. Sie legen an das neue Deutschland den Maßstab ihrer eigenen Erbärmlichkeit an. Weil dieses Häuflein von bezahlten Glücksrittern unter sich selbst so uneinig ist, daß sie mit Revolverschüssen die eigenen Versammlungen stören und aus schofelstem Konkurrenzneid gegenseitig befehden, setzen sie die eigene niedrige Gesinnung bei anderen voraus. Um unseren Brüdern an der Laar noch einmal zu zeigen, wie verlogen und gegenstanHlos
Inzwischen ist Zeit gewonnen und man wird bann sehen, wie sich die Dinge weiter entwickeln. Vermutlich wird ja die abessinische Frage auch in den Gesprächen zwischen Laval und Mussolini behandelt werden und nicht zuletzt interessiert man sich auch aus diesem Grunde in Genf recht lebhaft für die römischen Gespräche.
Wesentlich angenehmer als die Rote Abessiniens hat man in Genf die aus Amerika kommende Nachricht empfunden, daß der Senator Pope einen Antrag im Parlament eingsbracht hat, die Vereinigten Staaten möchten in den Völkerbund eintreten. Allerdings macht auch dieser amerikanische Senator zwei Vorbehalte, nämlich einmal, daß die Vereinigten Staaten keine Verpflichtung übernehmen dürften, die sie etwa zwingen könnte, ihre Truppen in andere Länder zu schicken. Zum anberen kommt es dem Senator darauf an, die kriegshindernde Tendenz des Kellogg- Paktes auch bei der etwaigen Unterschrift Amerikas unter die Völkerbundssatzung her a uszua r be i ten. An sich sind ähnliche Tendenzen schon früher vereinzelt in der amerikanischen Politik festzustellen gewesen, das heißt nicht bei den offiziellen Stellen, wohl aber bei einzelnen Abgeordneten. Man wird daher gut tun, den Antrag des Senators Pope nicht zu überschätzen. Einwandfreie Anhaltspunkte dafür, daß bas amtliche Amerika entschlossen ist, seine Einstellung Genf gegenüber zu änbern, liegen bisher nicht vor. Offenbar fühlt man sich noch immer in der alten Rolle ganz wohl, die es den Vereinigten Staaten ermöglicht, als „Beobachter" an den Genfer Vorgängen sich zu beteiligen, ohne irgend eine Verantwortung zu tragen und nur gelegentlich einmal, wenn es Washington gut und zweckmäßig erscheint, mit einem „Ratschlag" hervorzutreten. So scheint also auch a nicht sonderlich viel Aussicht zu bestellen, daß sich an dem
'henden Zustand irgend etwas ändert. Ein Mißerfolg des Völkerbundes in dem gegenwärtigen Augenblick aber würde die Aussichten auf einen Stimmungsumschwung in Amerika nur noch verringern.
Hoffnungen auf Amerika.
as. Berlin, 5. San. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Sn Genf rüstet man bereits zu der neuen Ratstagung — es ist die 84. — die am 11. Sanuar beginnen soll. Neben der Saarfrage standen bisher nur Angelegenheiten von nicht allzu großer Bedeutung auf der Tagesordnung. Die Lage hat sich nun aber geändert, nachdem Abessinien das offizielle Ersuchen an den Völkerbund gerichtet hat, sich mit dem italienisch-abessinischen Konflikt zu besassen. Sn der Völkerbundsstadt ist man von diesem Ersuchen keineswegs erbaut, denn man verkennt nicht, daß der Völkerbund damit wieder vor einem sehr schwierigen Problem steht. Nachdem man eben erst den ungarisch-südslawischen Streitfall in befriedigender Weise erledigt hat — er steht nicht auf der Tagesordnung der jetzigen Sitzung, woraus man schließen kann, daß man der ungarischen Regierung genügend Zeit zur Unterbreitung ihres Berichtes über ihre Magnahcken lassen will — würde bas Ansehen des Völkerbundes erheblich leiden, wenn man in Genf jetzt wieder in eine ähnlich peinl-iche Lage geriet, wie etwa im Falle Mandschukuo oder im Gran-Ehaco- Konflikt. Nach der ganzen Einstellung Mussolinis dem Völkerbund gegenüber besteht wenig Aussicht, daß er sich einem offiziellen Verfahren unterwerfen wird, wie es im Völkerbundspakt vorgesehen ist. Smmerhin hofft man hier zunächst einmal Zeit zu gewinnen. Auch in diesem Falle muß ja zunächst ein Verichterstatter ernannt werden und so ist nicht anzunehmen, daß der Streitfall als solcher bereits auf der Ratstagung ausführlich erörtert werden wird. Das ■ dürfte voraussichtlich wohl erst auf der Maitagung des Bundes der Fall sein. Da nun zudem bekanntlich die Grenze zwischen Abessinien und italienisch Somali-Land nicht fest- gelegt ist, so wird man wohl den Vorschlag machen, in allererster Linie einmal diese Grenze einwandfrei festzulegen.
reiches erfülle. Er sei überzeugt, daß be SBa le r a das neue Abkommen genau einhalten werde. Er wiederhole noch einmal seine frühere Erklärung, daß die Türen für eine Beilegung des englisch-irischen Streites nach wie vor offen stünden.
Meldungen aus London, wie aus Dublin, sprechen von der Möglichkeit, daß dem jetzigen Tauschabkommen weitere englisch-irische Abkommen folgen werden, in denen vor allem die englische Ausfuhr von Maschinen, Fertigwaren usw. berücksichtigt werden soll.
